Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch – Tag 7

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Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tag 7

Das Auf und Ab geht weiter. Nach einem wirklich tollen Tag beim Fantasy Filmfest 2014, ist Tag 7 doch recht durchschnittlich ausgefallen, mit Extraterrestrial als einem der (bislang zum Glück wenigen) Lowlights des Festivals sowie zwei knapp überdurchschnittlichen Filmen (Metalhead und Faults), die ihr Potenzial leider nicht ganz ausgeschöpft haben. Die Kurzkritiken zu allen drei könnt Ihr, wie immer, unten nachlesen. Der beste Film, den ich heute gesehen habe, war eigentlich die Wiederholung von It Follows. Es war das erste Mal, dass ich einen Film zweimal beim Fantasy Filmfest gesehen habe und der Horrorfilm verlor bei der zweiten Sichtung wenig von seiner Wirkung. Natürlich funktionierten nicht alle Schreckmomente so gut, wie beim ersten Mal, doch die zutiefst unheimliche Atmosphäre sorgte bei mir wieder für Gänsehaut über die gesamte Laufzeit und mir sind auch einige kleine, aber wichtige Details aufgefallen, die ich letztes Mal nicht bemerkt habe. Toller Streifen!

Vor allem merke ich mittlerweile deutliche Ermüdungserscheinungen meinerseits. Früher wäre das bereits der vorletzte Tag des FFF gewesen, sodass ich mich mit letzter Kraft und Elan in den finalen Tag hineinstürzen könnte. Diesmal liegen aber noch fünf weitere Tage vor mir. Mehr Energy-Drinks müssen her!

 

TAG 7

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Faults

Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tag 7 FaultsSekten können verdammt gruselig sein. Das hat uns der auf den Fantasy Filmfest Night gezeigte faux-dokumentarische The Sacrament schon deutlich gezeigt und auch das Psychodrama Martha Marcy May Marlene warf einen erschreckenden Blick auf eine Sekte, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint. In so einer Sekte ist offensichtlich auch Claire gelandet (Mary Elizabeth Winstead), die vormals brave, liebenswerte Tochter, die nun nichts von ihren Eltern wissen will und behauptet, bei der mysteriösen Gruppe namens "Faults" Gott gefunden zu haben. Um Claire aus den Fängen des zwielichtigen Kults zu retten, wenden sich Claires Eltern an Ansel (Leland Orser), einen ehemaligen Experten für Sekten und "Deprogrammierung" (die Umkehrung von Gehirnwäsche sozusagen). Eigentlich will Ansel nichts damit zu tun haben, endete doch seine letzte Deprogrammierung mit dem Tod einer jungen Frau. Doch sein Leben ist ein Wrack: er kann nicht einmal für sein Frühstück bezahlen und schuldet seinem nicht ungefährlichen Manager offensichtlich eine Stange Geld. Aus diesen Nöten heraus, nimmt er den Auftrag an. Claire wird am helllichten Tage gekidnappt, in ein Hotelzimmer eingesperrt und die Prozedur kann beginnen. Doch sie ist eine härtere Nuss, als Ansel sich hätte vorstellen können. Es stellt sich die Frage – wer wäscht hier wessen Gehirn?

Sekten, Kulte und Gehirnwäsche haben etwas sehr Unheimliches an sich, da man ihre verheerenden Auswirkungen leider schon zu häufig beobachten konnte. Es ist aber vor allem diese Vorstellung, dass man nicht mehr Herr seiner eigenen Gedanken ist und blind einem Ideal folgt, die Sekten so erschreckend, aber zugleich so faszinierend machen. Denn die Versuchung, loszulassen und die Entscheidungen des Lebens einer größeren Leitfigur zu überlassen, hat auch etwas düster-verführerisches an sich. Zwar gab es schon einige Filme über Sekten, doch Regiedebütant  Riley Stearns wagt sich mit Faults an ein selten behandeltes Thema – die Deprogrammierung. Es sind gerade diese Momente zwischen der hervorragend zwischen Angst, Dominanz und Wut sich aufspielenden Winstead (die bereits kürzlich in Smashed gezeigt hat, dass sie mehr als ein hübsches Gesicht ist) und dem von Zweifeln zerfressenen Orser, die zu den stärksten des Films gehören. Die Wortgefechte zwischen den beiden ziehen den Zuschauer in ihren Bann und bald weiß man nicht, auf wessen Seite man eigentlich sein sollte. Leider nimmt dieser Willenskampf zwischen den beiden keinen großen Teil des Films ein und ziemlich schnell ist die Machtdynamik und somit die Filmrichtung recht klar. Der Subplot über Ansels Manager und seinen Geldeintreiber lenkt von der Hauptgeschichte während der recht kurzen 90-minütigen Laufzeit zu sehr ab und man wünscht sich noch mehr kammerspielartige Szenen zwischen den beiden Hauptdarstellern.

Gerade wenn man sich gegen Ende als Zuschauer leicht verloren fühlt, schlägt der Film noch einmal die Kurve und überrascht mit einer interessanten Wendung. Leider lässt der Film einige Fragen auch offen. Mir muss zwar nicht immer alles vorgekaut werden, doch hier hat man eher den Anschein, dass der interessante Grundgedanke einfach nicht ganz durchdacht wurde. Schade, denn mit einem gradlinigeren Plot hätte der Film mit den eingangs genannten The Sacrament und Martha Marcy May Marlene mithalten können. So bleibt hier vor allem das fantastische Spiel von Winstead und Orser, die den Film lohnenswert macht. 3/5

 

Extraterrestrial

Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tag 7 ExtraterrestrialFünf partyfreudige junge Leute fahren in eine abgelegene Hütte im Wald. Ob das in einem Horrorfilm gut gehen kann? Natürlich nicht! Wer ist es, der es diesmal auf die feuchtfröhliche Clique stereotyper Charaktere abgesehen hat? Zombies? Dämonen? Ein tollwütiger Waschbär? Nein, es sind Aliens, die gerne in den Wäldern um das beschauliche Echo Lake Menschen für ihre grausamen Experimente entführen. Kaum sind die fünf Freunde in der Hütte angekommen, beobachten sie die Bruchlandung eines UFOs. Aus den Wrackteilen entkommt ein graues Männchen, das jedoch mit E.T. wenig gemeinsam hat. Die Freunde tun das einzig "Vernünftige" und schießen auf das Alien. Da dauert es aber nicht lange, bis dessen Freunde mit einer weiteren fliegenden Untertasse ankommen und die Freunde das Fürchten lehren. Auf Hilfe seitens der Polizei können sie nicht zählen, denn ihrer Geschichte glaubt man nicht.

The Vicious Brothers, die Filmemacher hinter dem grundsolider Grusler Grave Encounters, wenden sich nach bösen Geistern und der "Found Footage"-Kamera einem nicht minder beliebten Thema im Horrorgenre zu – bösen Aliens. Der "Found Footage"-Ansatz wird, bis auf eine unnötige Handkamera-Sequenz, durch traditionelle Herangehensweise ersetzt. Überhaupt wird "Tradition" hier groß geschrieben, denn die Macher bedienen sich freilich bei vielen Genrewerken, sodass die Grenzen zwischen Hommage und schamlosem Klau irgendwann  verschwimmen. Auch das Design der Aliens als graue Männchen mit großen Köpfen und riesigen schwarzen Augen sowie der UFOs als fliegende Untertassen, ist sehr konservativ. Spannung mag jedoch im Film leider nicht aufkommen. Das liegt einerseits daran, dass der Film eigentlich keine Atmosphäre aufbaut, sondern stattdessen auf zahlreiche Jump Scares setzt. Andererseits ist es auch ein großes Problem, dass die Hauptfiguren unsympathisch und uninteressant bleiben, sodass man eigentlich gar keinen Grund hat, mit ihnen mitzufiebern. Hier werden alle möglichen Figuren-Klischees ausgeschlachtet. Die Filmemacher hätten sich vielleicht davor The Cabin in the Woods anschauen sollen. Man kauft den fünf Charakteren auch zu keiner Sekunde ab, dass sie Freunde sind (etwas, was beispielsweise in It Follows dem Regisseur äußerst gut gelungen ist). Lediglich Michael Ironsides cooler Auftritt punktet.

Erst in den finalen 20 Minuten des Films wechselt der Schauplatz und es wird wirklich interessant. Auch das Set-Design und die Effekte wissen zu überzeugen. Das alles wird jedoch schon schnell durch ein regelrecht beklopptes Ende ruiniert. 1,5/5

 

Metalhead

Fantasy Filmfest 2014 Tagebuch Tag 7 MetalheadDie zwölfjährige Hera (Þorbjörg Helga Þorgilsdóttir) lebt glücklich und zufrieden mit ihrer Familie, bestehend aus den Eltern und ihrem Bruder Baldur auf dem isländischen Land. Doch als Baldur eines Tages urplötzlich bei einem Arbeitsunfall ums Leben kommt, gerät Heras Leben aus den Fugen. Schon bei der Beerdigung verliert sie ihren Glauben an Gott und die Kirche. Zuflucht findet sie in den Hinterlassenschaften ihres toten Bruders, der ein großer Metal-Fan war. Im Andenken an Baldur und aus Trotz gegenüber allen anderen mutiert Hera binnen kürzester Zeit zu einem eigensinnigen Wesen, das sich von der Außenwelt abkapselt und soziale Kontakte nur ungern pflegt. Jedoch setzt sie ihren Plan, den Familiensitz zu verlassen und in die Stadt zu ziehen, nie um, da sie nie den entscheidenden Schritt in den Bus wagt. Auch als junge Erwachsene lebt sie zwar immer noch bei den Eltern, allerdings nicht wirklich mit ihnen. Sie eckt an, wo es nur geht und fühlt sich selbst nicht akzeptiert. Doch all das ändert sich so langsam, als ein neuer Geistlicher in die Gemeinde und Hera in seinen Bann zieht.

Metalhead ist für mich einer der Filme, die thematisch und genretechnisch nichts auf dem Fantasy Filmfest zu suchen haben. Es gibt keine mystischen Momente, keine Fantasy-Einschübe und auch keinen Gruselfaktor. Okay, ein wenig Blut sieht man kurzzeitig beim einleitenden Unfall des Bruders, doch das war es dann auch schon. Nein, Metalhead ist ein Drama mit einer Prise Selbstfindungsgeschichte. Nun ist es bei weitem nicht so, dass dieser Film schlecht ist. Heras Geschichte und Werdegang ist bewegend und für alle Zuschauer nachvollziehbar. Und nicht nur sie hat Probleme: So ziemlich jeder, der direkt oder indirekt vom Tod des Bruders betroffen war, versucht auf seine eigene Art und Weise mit dem tragischen Verlust umzugehen. Der Vater stagniert, die Mutter hat Angstzustände, die Nachbarn leiden unter Heras betrunkenen Machenschaften. Alles in allem ein schöner Film, der die Metal-Thematik nutzt, um Heras Deplatziertheit in der Gemeinde hervorzuheben. Jedoch ist Metalhead, wie eingangs erwähnt, einfach kein guter Film für das Fantasy Filmfest – auch wenn es mit Sicherheit viele Zuschauer geben wird, die Heras Musikgeschmack teilen. 3/5 (Gastbeitrag von Dirk R.)

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Morgen könnt Ihr Euch auf vier neue Rezensionen freuen. Auf dem Programm stehen: das bereits im Vorfeld umjubelte britische Knastdrama Starred Up, der irische Geister-Grusler The Canal, der neue Gregg-Araki-Film White Bird in a Blizzard, mit dem weiblichen Power-Duo Shailene Woodley (Das Schicksal ist ein mieser Verräter) und Eva Green (300: Rise of an Empire), und der Sci-Fi-Mindfuck Coherence. Hoffen wir doch, dass sich darunter der eine oder andere neue Volltreffer finden wird.

Bisherige Ausgaben:

Tag 1

Tag 2

Tag 3

Tag 4

Tag 5

Tag 6

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