Will Smith Oscars

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Quelle: Deadline

Vor zwei Wochen schrieb CODA in vielerlei Hinsicht Oscargeschichte: als erster Film eines Streaming-Anbieters, der den Hauptpreis gewonnen hat, als erster Oscarsieger mit einem überwiegend gehörlosen Cast und als erster "Bester Film"-Sieger, der keine Nominierungen für seine Regie und seinen Schnitt hatte seit beide Kategorien existieren. Doch wer sprach nach den Oscars wirklich über CODA oder irgendwelche anderen prämierten Filme? Es war die Ohrfeige, deren Knall um die Welt ging und die die gesamte Medienaufmerksamkeit in Anspruch nahm. Will Smiths explosive Reaktion auf Chris Rocks Witz auf Kosten seiner Ehefrau Jada Pinkett Smith, verbunden mit der Standing Ovation, die Smith nur wenige Minuten später bei seinem eigenen Oscarsieg für King Richard erhalten hat, warfen kein gutes Licht auf die gesamte Veranstaltung und gefühlt jeder Star hatte seitdem das Bedürfnis, seinen Senf zur Situation dazuzugeben.

Die Academy, der vorgeworfen wurde, Smiths Ausraster ungeahndet gelassen zu haben, musste reagieren. Widersprüchliche Berichte darüber, ob Smith nun dazu aufgefordert oder gebeten wurde, den Raum zu verlassen und sich geweigert hat oder ob der Platzverweis lediglich ein unverbindlicher Vorschlag war, sorgten für noch mehr Unmut. Smith, der sich bereits in seiner Dankesrede bei den Anwesenden und der Academy, aber nicht bei Chris Rock entschuldigt hat, reichte nach den Oscars eine weitere ausführliche Stellungnahme nach, in der er sich endlich auch bei Rock entschuldigt hat. Noch bevor die Ergebnisse des internen Verfahrens der Academy wegen Smiths Handlungen vorlagen, trat Smith am 1. April freiwillig aus der Academy aus. Doch das konnte natürlich nicht genügen, denn die Academy selbst musste Konsequenzen spürbar werden lassen.

Nun hat der Vorstand der Academy of Motion Pictures Arts and Sciences, dem aktuell u. a. Steven Spielberg, Ava DuVernay, Laura Dern und Whoopi Goldberg angehören, sein Urteil gefällt: Will Smith darf ab dem 8. April zehn Jahre lang an keinen Events oder Programmen der Academy teilnehmen, weder in persona noch virtuell. Das schließt auch die Oscarverleihungen in dem Zeitraum ein, ist aber nicht nur auf sie begrenzt. Die nächste Gewinnerin des "Beste Hauptdarstellerin"-Oscars wird die goldene Statue also nicht vom letzten "Hauptdarsteller"-Sieger Smith, wie es traditionell der Fall gewesen wäre, überreicht bekommen. Wie wäre es, wenn die Academy Chris Rock die Kategorie präsentieren lässt?

Obwohl er zu der Oscar-Gala nicht kommen darf, darf Smith in dem Zeitraum theoretisch durchaus nominiert oder ausgezeichnet werden. Auch die immer wieder mal gehörte absurde Forderung, ihm den Oscar für King Richard nachträglich abzuerkennen, war niemals eine Option. Auch Roman Polanski, der von der Academy ausgeschlossen wurde, darf seinen Oscar für Der Pianist behalten.

Smiths Reaktion zur Entscheidung der Academy ließ nicht lange auf sich warten und war kurz und knapp: (aus dem Englischen)

Ich akzeptiere und respektiere die Entscheidung der Academy.

Die größere Frage bleibt aber noch, wie Hollywood in der nächsten Zeit mit Smith umgehen wird. Aktuell sollen mehrere Projekte mit ihm, die sich in Entwicklung befanden, pausieren. Noch weiß keiner so richtig, wie sehr der Schauspieler in Ungnade gefallen ist. Aber wenn sich Mel Gibson rehabilitieren konnte, dann wird Smith es vermutlich auch.