Sidney Poitier tot

Sidney Poitier in In der Hitze der Nacht (1967) © MGM/United Artists

Quelle: Variety

Sidney Poitier, der als erster Afroamerikaner für den Oscar in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" nominiert wurde und ihn wenige Jahre später als erster auch gewonnen hat, ist am Donnerstag im Alter von 94 in Los Angeles gestorben. Das gab der bahamaische Außenminister bekannt. Poitier galt als eine der größten schwarzen Schauspiellegenden. Sein Erfolg in den Zeiten der Segregation und des grassierenden Rassismus ebnete den Weg für viele schwarze Schauspielerinnen und Schauspieler. Stars wie Morgan Freeman, Denzel Washington und Halle Berry nannten Poitier immer wieder als ihre große Inspiration.

Poitier wuchs als Kind bahamaischer Eltern auf den Bahamas auf, wurde jedoch zwei Monate vor dem errechneten Geburtstermin bei einem Besuch seiner Eltern in Miami geboren. Durch die Geburt auf US-amerikanischem Boden hatte er das Anrecht auf die US-Staatsbürgerschaft. Im Alter von 15 zog er von Nassau nach Miami. Mit 16 zog er nach New York City und schlug sich zunächst mit Gelegenheitsjobs durch, darunter als Tellerwäscher. In dieser Zeit lernte er das Lesen. Während des Zweiten Weltkriegs log er über sein Alter und trat der Armee bei. Nach dem Krieg arbeitete er zunächst wieder als Tellerwäscher, bis ein erfolgreiches Vorsprechen ihm eine Rolle beim American Negro Theater eingebracht hat. Damit begann Poitiers lange Schauspielkarriere.

Nach stetig wachsendem Erfolg auf Theaterbühnen, wurde der einflussreiche Hollywood-Produzent Darryl F. Zanuck auf Poitier aufmerksam und bot ihm eine Rolle in Joseph L. Mankiewicz' Film Der Haß ist blind (OT: No Way Out). Der Streifen kam 1950 in die Kinos und die guten Reaktionen auf Poitiers Performance führten zu weiteren Filmrollen.

Einen großen Sprung machte Poitiers Filmkarriere acht Jahre später mit der Rolle in Stanley Kramers Abenteuerdrama Flucht in Ketten (OT: The Defiant Ones) neben Tony Curtis. Der Film wurde für neun Oscars nominiert, darunter als "Bester Film", und gewann zwei. Sowohl Curtis als auch Poitier erhielten Nominierungen in der Hauptdarsteller-Kategorie. Damit schrieb Poitier Geschichte. Vor ihm wurden lediglich Hatte McDaniel und Dorothy Dandridge als schwarze Schauspielerinnen für einen Oscar nominiert. Poitier hat nicht gewonnen, doch der Film und seine Nominierung etablierten ihn endgültig als einen Hollywood-Star. Derweil blieb er auch der Bühne treu und erhielt für seinen Auftritt in der Broadway-Produktion "A Raisin in the Sun", dem ersten auf Broadway aufgeführten Stück einer schwarzen Autorin, eine Tony-Nominierung. Die Rolle verkörperte Poitier zwei Jahre später auch in der Verfilmung des Stücks, die bei uns unter dem Titel Ein Fleck in der Sonne erschienen ist. Für diese Performance wurde er für einen Golden Globe nominiert.

Poitiers größter Triumph ließ nicht lange auf sich warten. Im Jahr 1963 spielte er die Hauptrolle in der Komödie Lilien auf dem Felde (OT: Lilies of the Field) und gewann dafür im darauffolgenden Jahr den Oscar als "Bester Hauptdarsteller". Es war ein Jahr des Umbruchs in den USA, denn 1964 wurde Martin Luther King Jr. mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet und der Civil Rights Act, das Bürgerrechtsgesetz, das Diskriminierung aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder nationaler Herkunft verboten hat, wurde verabschiedet. Dennoch vergingen danach mehr als 35 Jahre bis 2002 mit Denzel Washington für seine Rolle in Training Day wieder ein schwarzer Hauptdarsteller mit dem Oscar ausgezeichnet. Im selben Jahr, in dem Washington prämiert wurde, erhielt Poitier einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk von der Academy.

Seine größten Mainstream- und Kassenerfolge feierte Poitier im Jahr 1967 mit dem Drama Junge Dornen (OT: To Sir, with Love), dem Krimi In der Hitze der Nacht (OT: In the Heat of the Night) und der Komödie Rat mal, wer zum Essen kommt (OT: Guess Who’s Coming to Dinner), die allesamt mit dem Thema Rassismus auf unterschiedliche Weisen auseinandergesetzt und den Nerv der Zeit getroffen haben. In der Hitze der Nacht und Rat mal, wer zum Essen kommt lockten nicht nur Zuschauermassen in die Kinos, sondern wurden auch als "Bester Film" bei den Oscars nominiert, wobei In der Hitze der Nacht gewonnen hat. Poitier erhielt zwar keine Oscarnominierung für den Film, doch die Rolle des Virgil Tibbs gilt als ikonischste seiner Karriere. Er verkörperte sie in zwei weitaus weniger erfolgreichen Fortsetzungen Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs (OT: They Call Me MISTER Tibbs!) und Die Organisation (OT: The Organization) wieder. In den Achtzigern folgte auch eine Serienadaption des Films, jedoch ohne Poitiers Beteiligung.

Poitier feierte 1972 sein Regiedebüt mit Buck and the Preacher, in dem er neben Harry Belafonte mitgespielt hat. Im Laufe seiner Karriere inszenierte Poitier mehrere weitere Filme, darunter Zwei wahnsinnig starke Typen (OT: Stir Crazy) mit Bill Pryor und Ghost Dad mit Bill Cosby. Nach einer Reihe weniger erfolgreicher Filme in den Sibezigern, legte Poitier eine zehnjährige Schauspielpause ein, in der er seine Autobiografie schrieb und veröffentlichte.

Poitier kehrte 1988 in Mörderischer Vorsprung (OT: Shoot to Kill) und in Little Nikita in die Kinos zurück. In den Neunzigern war er nur noch in zwei weiteren Kinofilmen zu sehen: Sneakers – Die Lautlosen neben Robert Redford und Der Schakal neben Bruce Willis und Richard Gere. In der Zeit wurde Poitier aktiver im Fernsehen. Er trat in der TV-Fortsetzung von Junge Dornen auf, spielte Thurgood Marshall in der Miniserie "Gleichheit kennt keine Farbe" (OT: "Separate, But Equal") und Nelson Mandela im TV-Film Mandela und De Klerk – Zeitenwende (OT: Mandela and De Klerk). Für die letzten beiden erhielt er jeweils eine Emmy-Nominierung. Seine finale Rolle spielte Poitier 2001 im Fernsehfilm The Last Brickmaker in America.

Sein Leben lang engagierte sich Poitier für die Bürgerrechte und die Gleichstellung von Afroamerikanern. Er achtete bei seiner Rollenwahl stets darauf, möglichst keine Klischees zu bedienen und wollte weder Butler noch Verbrecher spielen. Poitiers Tochter Sydney Tamiiia Poitier folgte in die Fußstapfen ihres Vaters und wurde Schauspielerin. Sie war u. a. in Quentin Tarantinos Death Proof zu sehen sowie in Serien wie "Homecoming", "Carter" und "Veronica Mars".

Hollywood-Stars wie Barbra Streisand, Mark Hamill, Viola Davis, Morgan Freeman und Halle Berry veröffentlichten kurz nach dem Bekanntwerden von Poitiers Tod ihre Beileidsbekundungen: