Wenige Tage nach dem Tod von Walter Koenig ist eine weitere "Star Trek"-Legende von uns gegangen. Sir Patrick Stewart ist am Mittwoch, dem 28. Oktober, bei sich zu Hause in Los Angeles gestorben. Er war 86 Jahre alt. Laut der Pressemitteilung seines Agenten litt Stewart vor seinem Tod an Alzheimer und Lewy-Körper-Demenz, den beiden häufigsten neurodegenerativen Demenzarten im Alter.
Auch wenn Filmfans Stewart vor allem durch seine beiden ikonischen Rollen als Jean-Luc Picard aus "Star Trek: Das nächste Jahrhundert" (OT: "Star Trek: The Next Generation") und als Professor X aus der X-Men-Filmreihe kennen, zu denen er über die letzten 40 Jahre immer wieder zurückkehrte, schlug Stewarts Herz immer für das Theater. Er stand immer lieber auf der Bühne als vor der Kamera. Neben seinem guten Freund und X-Men-Co-Star Sir Ian McKellen galt Stewart als einer der besten Shakespeare-Darsteller Großbritanniens.
Sein professionelles Theaterdebüt feierte Stewart 1959 in Bristol. Mit Ausnahme weniger TV-Auftritte war er in den darauffolgenden Jahren ausschließlich im Theater zu sehen. Erst 1975 feierte Stewart sein Filmdebüt in der Filmadaption des Theaterstücks "Hedda". Im späteren Weihnachtsfilm-Klassiker Der kleine Lord (OT: Little Lord Fauntleroy) spielte er 1980 eine kleine Nebenrolle. David Lynch besetzte Stewart als Gurney Halleck in seiner Adaption von Frank Herberts Der Wüstenplanet.
In den USA war Stewart ein unbeschriebenes Blatt, als er in der Rolle des Enterprise-Kapitäns Jean-Luc Picard in "Star Trek: Das nächste Jahrhundert" besetzt wurde. Zunächst war "Star Trek"-Schöpfer Gene Roddenberry von Stewart in der Rolle wenig überzeugt, wurde jedoch vom Produzenten Rick Berman überredet, dass Stewart gerade aufgrund seiner klassischen Theatererfahrung sowie seiner markanten Stimme und präzisen Aussprache die richtige Wahl sei. Er sollte Recht behalten, denn bis heute gilt Stewarts Besetzung als Picard als einer der größten Glücksgriffe im gesamten "Star Trek"-Universum. Stewart, der sich wegen seiner Kahlköpfigkeit genierte, erschien zum letzten Vorsprechen mit einem Toupet, woraufhin Roddenberry ihn anwies, das Ding wegzuwerfen.
"Star Trek: Das nächste Jahrhundert" lief sieben Staffeln lang von 1987 bis 1994. Im selben Jahr, in dem die Serie endete, machte ihr Cast den Sprung auf die Kinoleinwände mit Star Trek: Treffen der Generationen (OT: Star Trek Generations). Darin teilte Stewart die Leinwand mit dem Kirk-Originaldarsteller William Shatner. Stewart kehrte in drei weiteren Kinofilmen als Picard zurück, darunter Star Trek: Der erste Kontakt (OT: Star Trek: First Contact), der zu den besten Filmen der Reihe zählt. Fast 20 Jahre nach seinem letzten Star-Trek-Film Nemesis kehrte Stewart in "Star Trek: Picard" im Fernsehen ein letztes Mal zu seiner ikonischen Rolle zurück. Insbesondere die dritte und letzte Staffel der Serie, die den Großteil der Besetzung aus "Das nächste Jahrhundert" zusammenbrachte, gilt als Höhepunkt der neuen "Star Trek"-Serien.
Noch bevor seine Zeit als Picard im Kino endete, wurde Stewart als X-Men-Anführer Charles Xavier in Bryan Singers Marvel-Verfilmung X-Men besetzt. Auch mit dieser Rolle wurde Stewart synonym und verkörperte sie bislang in acht Filmen, zuletzt in Doctor Strange in the Multiverse of Madness. Das wird auch die finale Rolle sein, mit der Stewart sich verabschieden wird: In Avengers: Doomsday, der im Dezember in unsere Kinos kommen wird, kehrt Stewart neben Ian McKellens Magneto zurück.
Nur drei Monate vor seinem Tod erklärte Stewart in seinem letzten Interview, dass er im Gegensatz zu betagten Schauspielern wie Michael Caine und Michael Douglas nicht vorhabe, jemals den Ruhestand anzutreten. Zwar gebe es für Schauspieler seines Alters weniger interessante Rollen, dennoch würde er immer ein Schauspieler bleiben. Und was für ein großartiger Schauspieler er war!
Quelle: Deadline














