Originalfilme haben es im Kino immer schwerer, ihr Publikum zu finden. Auch wenn sich viele Menschen gerne über Hollywoods kreativen Verfall echauffieren, sind es dennoch Franchise-Filme, Videospieladaptionen oder Neuverfilmungen von Zeichentrickklassikern, die heutzutage die Kinocharts dominieren. Diese Entwicklung zeichnet sich schon lange ab, die Corona-Pandemie hat sie jedoch beschleunigt und wurde zum Katalysator für einen präzedenzlosen Streaming-Boom. Die hohen Kinoticketpreise lassen die Kinogänger wählerischer werden. Die meisten schauen sich nur noch große Eventfilme im Kino an, bei allem anderen wird vorsichtshalber bis zur Heimkinoveröffentlichung abgewartet.
Besonders auffallend ist der Trend, wenn man sich die reinen Originalfilme aus Hollywood seit 2020 anschaut. Damit meine ich nicht Filme wie Der Astronaut – Project Hail Mary, Oppenheimer oder F1, die zwar nicht Teil eines Franchises sind, jedoch jeweils auf einem erfolgreichen Roman, einer berühmten Persönlichkeit bzw. einer etablierten Sportmarke basieren, sondern Filme, die wirklich keinerlei Vorlage haben, wie beispielsweise James Camerons erster Avatar. Diese Filme müssen ihr Publikum komplett "aus eigener Kraft" überzeugen. Kein solcher Film erreichte seit Beginn der Pandemie mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar an den Kinokassen. Der erfolgreichste Post-Covid-Film aus Hollywood nach dieser Definition ist Pixars Elemental, der vor drei Jahren 496 Millionen US-Dollar einspielte und hierzulande mit mehr als zwei Millionen verkauften Kinotickets zum meistbesuchten Originalfilm von Pixar seit Alles steht Kopf acht Jahre zuvor wurde.
Der Kinoerfolg des Films, der nach einem mauen Start und verhaltenen Kritiken dank Mundpropaganda zu einem Hit wurde, war entscheidend für Pixar nach dem Riesenflop des Toy-Story-Spin-Offs Lightyear im Vorjahr und drei aufeinanderfolgenden Streaming-Veröffentlichungen der Originalfilme Soul, Luca und Rot. Das Studio, das einst für einige der kreativsten und originellsten Animationsfilme überhaupt bekannt war, drohte, in einer Sequel-Flut zu versinken, wenn die neuen Originalfilme nicht gezündt hätten. Elemental zeigte jedoch, dass Pixar es immer noch drauf hat, und dieses Jahr konnte Hoppers das abermals beweisen.
In Pixars neuestem Streich schlüpft eine idealistische junge Umweltaktivistin per Bewusstseinsübertragung in den Körper eines Roboterbibers und zettelt unabsichtlich einen Aufstand der Tiere gegen die Menschen an. Hoppers erntete in der Presse begeisterte Kritiken und gilt bereits als sicherer Kandidat für eine Animations-Oscar-Nominierung nächstes Jahr. An den nordamerikanischen Kinokassen zog Hoppers mit rund 166 Millionen US-Dollar Einspiel an Elemental als erfolgreichster Original-Animationsfilm seit Pandemiebeginn vorbei. Weltweit war der Film mit einem Gesamteinspiel von rund 388 Millionen US-Dollar zwar nicht ganz so erfolgreich wie Elemental, kostete aber auch 50 Millionen US-Dollar weniger. In Deutschland, wo Filme über süße sprechende Tiere immer beliebt sind, erreichte er mehr als 1,5 Millionen Besucher.
Während sich die Kinoauswertung des Films allmählich ihrem Ende nähert, gab Disney recht kurzfristig seine Veröffentlichung bei Disney+ am 3. Juni bekannt. Mit 89 Tagen ist das Fenster zwischen dem US-Kinostart und dem Disney+-Release des Films identisch mit denen der letzten beiden Pixar-Originale Elemental und Elio. Bei den letztjährigen Hits Zoomania 2 und Lilo & Stitch war der Abstand jeweils rund zwei Wochen länger.
Dass Hoppers für mich eher im Mittelfeld der Pixar-Filme liegt, liegt vor allem an der hohen Messlatte des Studios, denn es ist ein wirklich schöner Film mit schrägem Humor, der das Herz am rechten Fleck hat und wie die meisten Pixar-Filme das Publikum von Jung bis Alt gleichermaßen anspricht. Hier ist der deutsche Trailer:
Quelle: Disney+














