Deadpool Disney

© 2018 20th Century Fox

Quelle: Variety

Auch wenn die Übernahme von Fox durch Disney weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Filmindustrie in den nächsten Jahren haben wird, haben sich viele Medien in ihrer Berichterstattung vor allem auf einen Aspekt der Mega-Fusion konzentriert: Die Rechte an der Nutzung von zahlreichen Charakteren aus den Marvel-Comics, die dadurch an Disney und somit auch an Marvel Studios zurückgehen. Im Gegensatz zu Warner Bros., die die ganze Zeit die Rechte an dem gesamten Katalog der DC-Helden hatten, hat Marvel vor der Gründung des eigenen Filmstudios die Nutzungsrechte an diversen Comicfiguren an unterschiedliche Filmstudios abgegeben. Erst über mehrere Jahre konnten diese Rechte nach und nach wiedererlangt werden. So wanderten die Rechte an Daredevil und Ghost Rider jeweils von Fox und Sony schon früher an Marvel zurück, weil die jeweiligen Studios sie nicht mehr benutzt haben. Auch Blade ging von Warners Tochterunternehmen New Line Cinema an Marvel zurück. Wegen Spider-Man gingen Disney und Sony einen Kollaborationsdeal ein, der es ermöglicht hat, den Spinnenmann ins Marvel Cinematic Universe zu bringen.

Mit dem Kauf von Fox gelang Disney nun der ganz große Coup. X-Men und die Fantastic Four gehören ebenfalls wieder Marvel. Während das viele Fans der Charaktere freut, weil es viele Möglichkeiten für das MCU eröffnet und endlich auf einen guten Fantastic-Four-Film hoffen lässt, waren einige auch besorgt, dass gerade ein X-Men-Charakter durch das familienfreundliche Studio entschärft werden könbnte. Die Rede ist natürlich von Deadpool, dem sprücheklopfenden, politisch definitiv nicht korrekten Meta-Helden, dessen zwei Filme bislang trotz, oder gerade wegen ihres R-Ratings zu Riesenhits wurden. Respektlosigkeit, übertriebene Gewalt und unflätiger Humor ist genau das, was den Charakter bei den Kinogängern so beliebt gemacht hat.

Als Fox Ende letzten Jahres eine umgeschnittene PG-13-Version von Deadpool 2 unter dem Titel Once Upon a Deadpool veröffentlicht hat, befürchteten einige Fans, dies könnte ein Testlauf für Deadpools jugendfreie Zukunft unter Disney sein. Marvel-Studios-CEO Kevin Feige hat diese Sorge aber kürzlich genommen, indem er es sehr deutlich gemacht hat, dass sich an Deadpool auch unter neuer Führung nichts ändern soll: (aus dem Englischen)

Als wir gekauft wurden, hat Bob (Iger) zu uns gesagt: "Wenn es nicht kaputt ist, repariert es nicht." Es gibt keine Zweifel, dass Deadpool funktioniert, also weshalb würden wir etwas daran ändern?

Disney-Chef Iger hat zuvor erklärt, dass es unter dem Fox-Label durchaus eine Zukunft für erwachsene bzw. R-rated-Stoffe aus dem Marvel-Universum geben wird. Ganz ehrlich: es wäre kommerzieller Selbstmord, Deadpool das zu nehmen, was ihn bislang ausgemacht und zu einer frischen Brise des Superheldenkinos gemacht hat.

Das X-Men-Franchise wird unter Disney rebootet werden. Laut Kevin Feige werden jedoch einige Jahre ins Land ziehen, bevor die X-Men Teil des MCU werden. Deadpool soll das jedoch nicht betreffen, die Reihe mit Ryan Reynolds wird aller Voraussicht nach mit Deadpool 3 oder dem X-Force-Film fortgeführt werden. Der Meta-Charakter der Filme würde es ihnen sogar erlauben, Witze über die neuen Rechteinhaber zu machen.