Links: Mame Bineta Sane in Atlantique © 2019 Netflix
Mitte: Park So-dam und Choi Woo-shik in Parasite © 2019 CJ Entertainment
Rechts: Antonio Banderas in Leid und Herrlichkeit © 2019 Sony Pictures International

Quelle: Academy of Motion Picture Arts and Sciences

Keine Chance auf den Oscar für Systemsprenger. Die deutsche Einreichung für den Auslands-Oscar 2020 scheiterte bereits an der ersten Runde im Auswahlprozess und taucht auf der kürzlich von der Academy veröffentlichten Vorauswahl von zehn Filmen nicht auf. Es das erste Mal seit fünf Jahren, dass der deutsche Beitrag es nicht einmal in der Vorauswahl gelandet ist. Zuletzt erwischte es Dominik Grafs Die geliebten Schwestern. Dieses Jahr erhielt Werk ohne Autor sogar eine Nominierung.

Die Auslassung von Systemsprenger ist allerdings keine große Überraschung. Bereits auf der Berlinale polarisierte das sperrige Drama über ein erziehungsschweres junges Mädchen die Zuschauer und auf den bisherigen Best-Of-Listen der fremdsprachigen Filme 2019 tauchte es kaum auf. Unter den zehn Filmen in der Vorauswahl gibt es keine großen Überraschungen in puncto Auslassungen, wie beispielsweise in den Jahren, in denen vermeintliche Favoriten gar nicht erst in die Vorauswahl kamen. Die komplette Liste findet Ihr unten:

The Painted Bird – Tschechien
Truth and Justice – Estland
Die Wütenden – Les Misérables – Frankreich
Those Who Remained – Ungarn
Land des Honigs – Nordmazedonien
Corpus Christi – Polen
Beanpole – Russland
Atlantique – Senegal
Parasite – Südkorea
Leid und Herrlichkeit – Spanien

Der südkoreanische Cannes-Sieger Parasite ist eine absolut sichere Nummer für eine Nominierung und weiterhin der haushohe Favorit für den Sieg. Es wäre nach 30 fruchtlosen Einreichungen tatsächlich die allererste Nominierung für Südkorea in der Kategorie. Pedro Almodóvars Leid und Herrlichkeit wird ebenfalls mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nominiert werden. Es wäre bereits Almodóvars dritte Nominierung in der Kategorie. Für Alles über meine Mutter hat er zuvor gewonnen. Außerdem erhielt er für Sprich mit ihr den Drehbuch-Oscar. Sehr gute Chancen auf eine Nominierung hat auch Frankreichs Die Wütenden. Die restlichen zwei Plätze sind offen. Ich rechne Atlantique gute Chancen zu. Es ist erst die zweite Einreichung von Senegal überhaupt und neben Südkorea ist es das einzige Land in der Vorauswahl, das noch nie eine Nominierung in der Kategorie hatte. Aber auch The Painted Bird aus Tschechien und Those Who Remained aus Ungarn haben allein schon durch ihr Setting im Zweiten Weltkrieg Chancen.

Der nordmazedonische Land des Honigs ist ein seltenes Beispiel einer Doku, die es in die Vorauswahl geschafft hat. Zugleich ist der Film auch in der Vorauswahl für den "Besten Dokumentarfilm" vertreten. Mazedonien wurde bislang nur ein einziges Mal bei den Oscars nominiert, für die allererste Einreichung des Landes 1994 (Vor dem Regen).

Die gesamte Kategorie und das Abstimmverfahren wurden dieses Jahr komplett überholt. Zunächst einmal wurde der Name von "Bester fremdsprachiger Film" zu "Bester internationaler Film" verändert, mit der Begründung, dass er den heutigen international ausgerichteten Gedanken der Academy besser repräsentiert. Die Vorauswahl besteht nun aus zehn Filmen, einem mehr als in den vorigen Jahren. Am Ende werden aber wieder fünf davon nominiert werden.

Waren für die Abstimmung über die Vorauswahl früher lediglich mehrere Hundert Academy-Mitglieder aus Los Angeles zu den Screenings aller eingereichten Filme eingeladen, konnte diesmal jedes Academy-Mitglied teilnehmen. Sie mussten jedoch nur eine Mindestanzahl der eingereichten Filme gesehen haben. Die Wähler stimmten daraufhin über die Favoriten ab und die sechs beliebtesten Filme kamen in die Vorauswahl. Diese wurde dann durch ein vage definiertes Sonder-Komitee der Academy durch drei weitere Filme ergänzt.

Die größte Änderung betrifft aber den Abstimmungsprozess für die finalen Nominierungen. Diese wurden bislang von einem kleinen Komitee bestimmt, das letztes Mal lediglich 30 Academy-Mitglieder zählte. Für die kommenden Oscars sind tatsächlich alle Academy-Mitglieder eingeladen, an der Abstimmung teilzunehmen. Streaming hat die Verfügbarkeit der Filme deutlich vereinfacht und so wird auch in dieser Kategorie sehr demokratisch entschieden. Verpflichtend ist aber weiterhin, dass man alle Filme von der Vorauswahl gesehen hat.

Insgesamt wurden dieses Jahr Filme aus 94 Ländern eingereicht und 93 davon wurden zunächst angenommen – ein neuer Rekord. Nigeria, Ghana und Usbekistan reichten erstmals Filme ein. Allerdings disqualifizierte die Academy die Beiträge aus Österreich (Joy) und Nigeria (Lionheart) aufgrund eines zu hohen Anteils englischer Sprache.

Über die finalen Nominees wird zwischen dem 2. und dem 7. Januar abgestimmt werden. Am 13. Januar werden wir dann erfahren, welche der obigen zehn Filme in die Endrunde kommen.