Beste Regie 2019

Links: Martin Scorsese und Joe Pesci am Set von The Irishman © 2019 Netflix
Rechts: Leonardo DiCaprio und Quentin Tarantino am Set von Once Upon a Time in Hollywood © 2019 Sony Pictures

Quelle: Directors Guild of America

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Von den zahlreichen Industrieverbänden und -Gewerkschaften ist keine so wichtig für den Ausgang des Oscar-Rennens wie die Directors Guild of America (DGA), die US-Gewerkschaft der Film- und TV-Regisseure, die knapp 17000 Mitglieder zählt. Die DGA gehört neben der Autorengewerkschaft WGA, der Produzentengewerkschaft PGA und der Schauspielergewerkschaft SAG zu den vier großen Industriegewerkschaften, deren Mitglieder zum Teil auch in der Academy sind, weshalb es viele Überschneidungen zwischen deren Preisen und den Oscars gibt. Jedoch verleiht die DGA ihre Auszeichnungen deutlich länger als die anderen drei und wird dieses Jahr bereits zum 72. Mal die besten Regisseure des vorangegangenen Jahres küren.

Die Übereinstimmung zwischen den DGA Awards und den Oscars ist enorm. In 71 Jahren DGA-Geschichte haben lediglich sieben Filmemacher den Regie-Oscar gewonnen, ohne zuvor auch von der Regiegewerkschaft ausgezeichnet worden zu sein. Zuletzt war Ang Lee mit Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger eine solche Ausnahme, da der DGA-Gewinner Ben Affleck für Argo gar nicht nominiert wurde. Noch nie hat ein Regisseur den Oscar ohne eine DGA-Nominierung gewonnen. In den letzten zehn Jahren wurden außerdem 39 der 50 DGA-Nominees auch für den Oscar nominiert. Eine 100%-ige Übereinstimmung gab es jedoch nur 2010. Dafür gab es auch die Ausreißerjahre 2013 und 2019, in denen nur drei der fünf DGA-Anwärter bei den Oscars berücksichtigt wurden. Letztes Jahr rechnete ich fest damit, dass Adam McKay mit Vice – Der zweite Mann der größte Wackelkandidat bei den Oscars nach seiner DGA-Nominierung sein würde. Stattdessen wurden Bradley Cooper (A Star is Born) und Peter Farrelly (Green Book) übergangen und an ihrer Stelle Yorgos Lanthimos (The Favourite) und Pawel Pawlikowski (Cold War – Der Breitengrad der Liebe) nominiert.

Nichtsdestotrotz hat Green Book den "Bester Film"-Oscar gewonnen. Entscheidender ist wohl die DGA-Nominierung. In 70 Jahren hat nur ein einziger Film (Miss Daisy und ihr Chauffeur) den Oscar in der Königsklasse ohne vorige DGA-Nominierung gewonnen. Überhaupt gab es nur 17 als "Bester Film" ausgezeichnete Streifen bei den Oscars, die zuvor nicht auch den Preis der Regiegewerkschaft erhalten haben.

Von dieser robusten Statistik ausgehend, können wir sagen, dass die fünf dieses Jahr nominierten Filme in der Hauptkategorie der DGA Awards nicht nur auf jeden Fall vorne dabei sind im Oscar-Rennen, sondern auch die einzigen Filme, die eine Chance auf den Sieg haben. So sehen alle Nominierungen aus:

Beste Regie bei einem Kinofilm

Bong Joon-ho (Parasite)
Martin Scorsese (The Irishman)
Quentin Tarantino (Once Upon a Time in Hollywood)
Sam Mendes (1917)
Taika Waititi (Jojo Rabbit)

Bestes Regiedebüt

Mati Diop (Atlantique)
Alma Har’el (Honey Boy)
Melina Matsoukas (Queen & Slim)
Tyler Nilson & Michael Schwartz (The Peanut Butter Falcon)
Joe Talbot (The Last Black Man in San Francico)

Beste Regie bei einem Dokumentarfilm

Steven Bognar & Julia Reichert (American Factory)
Feras Fayyad (The Cave)
Alex Holmes (Maiden)
Ljubomir Stefanov & Tamara Kotevska (Land des Honigs)
Nanfu Wang & Jialing Zhang (One Child Nation)

Beste Regie bei einem TV-Film oder einer Miniserie

Ava DuVernay ("When They See Us")
Vince Gilligan (El Camino: Ein Breaking Bad Film)
Thomas Kail ("Fosse/Verdon", Folge "Nowadays")
Johan Renck ("Chernobyl")
Minke Spiro ("Fosse/Verdon", Folge "All I Care About Is Love")
Jessica Yu ("Fosse/Verdon", Folge "Glory")
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Am 25. Januar werden die Sieger verkündet werden. Vielleicht fällt Euch auf, dass zwei Kategorien oben fehlen – "Beste Regie bei einer Dramaserie" und "Beste Regie bei einer Comedyserie". Aufgrund eines technischen Fehlers bei der Abstimmung wurde Jill Soloways Regie des "Transparent"-Finales nicht in die Auswahl aufgenommen, weshalb jetzt neu gewählt werden darf. Die Nominierungen in diesen Kategorien werden morgen nachgereicht.

Doch wenden wir den Blick kurz der wichtigsten Kategorie zu. Diese bestätigt Sam Mendes, Quentin Tarantino, Bong Joon-ho und Martin Scorsese als klare Favoriten im Rennen, während Taika Waititi mit Jojo Rabbit überrascht. Bei den Golden Globes sah die Kategorie genauso aus, lediglich mit Todd Phillips (Joker) statt Waititi. Waititi scheint auch der naheliegendste Kandidat zu sein, bei den Oscarnominierungen durch Phillips, Noah Baumbach (Marriage Story) oder Greta Gerwig (Little Women) ersetzt zu werden. Doch andererseits sind die Wähler der Regiebranche innerhalb der Academy sehr unvorhersehbar. Möglicherweise werden die Oscarnominierungen genauso aussehen. Oder vielleicht entfällt schockierend Scorsese oder Tarantino. Das kann man sich zwar kaum vorstellen, aber das dachte auch bei Bradley Cooper, Kathryn Bigelow (Zero Dark Thirty) und Ben Affleck (Argo) niemand im Vorfeld.

Für Scorsese ist es bereits die 10. DGA-Nominierung für einen Film. Nur Steven Spielberg hat (eine) mehr. Gewonnen hat er nur einmal, für Departed – Unter Feinden. In den letzten 20 Jahren alleine hat er für Gangs of New York, Aviator, Hugo Cabret und The Wolf of Wall Street verloren. Immerhin hat er für seine Regie der Pilotfolge von "Boardwalk Empire" auch gewonnen.

Quentin Tarantino ergatterte für Once Upon a Time in Hollywood seine dritte DGA-Nominierung. Die beiden zuvor gingen an ihn für Pulp Ficiton und Inglourious Basterds. Gewonnen hat er noch nie. Sam Mendes wurde wiederum nur für American Beauty nominiert und hat auch gleich dafür gewonnen. Wird er für 1917 tatsächlich seinen zweiten DGA Award gewinnen, während Hollywood-Ikonen wie Scorsese und Tarantino wieder einmal leer ausgehen? Bei den Globes hatte er jedenfalls die Nase vorne. Vielleicht überrascht aber auch Bong Joon-ho mit Parasite. Bereits letztes Jahr prämierte die DGA einen nicht-englischsprachigen Film (Alfonso Cuarón für Roma).

Welchem der Regisseure würdet Ihr den Preis am ehesten gönnen?