Quellen: Las Vegas Film Critics Society, Phoenix Film Critics Circle, St. Louis Gateway Film Critics Association, Detroit Film Critics Society

Das Oscar-Rennen geht weiter und vier zusätzliche, etwas kleinere US-Filmkritikerverbände haben jetzt ihren Senf dazugegeben und noch einmal bestätigt, dass es zumindest unter den Kritikern einen glasklaren Favoriten für den Besten Film des Jahres 2015 gibt – Spotlight. Nach dem Dreifach-Sieg bei den Kritikern von Los Angeles, Boston und Washington D.C. räumte das Journalismusdrama jetzt auch die Preise der Las Vegas Film Critics Society, des Phoenix Film Critics Circle, der St. Louis Gateway Film Critics Assoiciation und der Detroit Film Critics Society ab. In allen vier wurde Spotlight nicht nur als „Bester Film“ gekürt, sondern erhielt auch vier Auszeichnungen für sein Drehbuch. Die Kritikerliebe bedeutet nicht zwingend, dass die Academy-Wähler das bei den Oscars auch so sehen werden. Boyhood aus dem letzten Jahr ist das beste Beispiel für die häufige Diskrepanz zwischen den Kritikern und der Academy. Allerdings war der letzte Gewinner Birdman auch unter den Kritikern recht stark im Rennen, während Spotlight diesmal wirklich konkurrenzlos erscheint.

Sogar zwei Preise für die Regie des Films gab es für den Film – von den Filmkritikern aus Las Vegas und aus St. Louis, während George Miller für Mad Max: Fury Road die beiden anderen Regiepreise abstauben konnte. Mad Max: Fury Road hat insgesamt wieder sehr gut bei allen Kritikerverbänden abgeschnitten und bleibt weiterhin als ein überraschender, aber auch recht starker Kandidat im Rennen.

Keinen absoluten Konsens gab es bei den Schauspielern. Sylvester Stallone (Creed) und Brie Larson (Raum) gewannen bei drei der vier Kritikerverbände, während die Kritiker von Detroit anstelle der beiden Saoirse Ronan (Brooklyn) und Liev Schreiber (Spotlight) in den entsprechenden Kategorien prämierten. Alicia Vikander gewann auch dreimal, allerdings gab es zwei Preise als „Beste Nebendarstellerin“ für Ex Machina und einen für The Danish Girl. Vikander steht in Konkurrenz mit sich selbst und gerade das könnte ihr bei den Oscars zum Verhängnis werden.

Leonardo DiCaprio gewann in Las Vegas und in St. Louis für The Revenant, die beiden anderen Verbände entschieden sich jedoch für Michael Fassbender (Steve Jobs) und Michael Caine (Ewige Jugend). Das Schauspieler-Rennen ist dieses Jahr deutlich verstreuter und in keiner Kategorie gibt es unumstrittene Favoriten, während es letztes Jahr in drei von vier schon klar war, dass Julianne Moore (Still Alice), Patricia Arquette (Boyhood) und J.K. Simmons (Whiplash) das Rennen machen würden.

Einen klaren Favoriten gibt es dafür in der Kategorie „Beste Filmmusik“. Ennio Morricone ist mit The Hateful Eight tatsächlich auf bestem Wege, seinen allerersten Oscar zu gewinnen (vom Ehrenoscar mal abgesehen). In technischen Kategorien setzt Mad Max seine Dominanz fort.

Unten gehen wir kurz auf die einzelnen Kritikerpreise ein.

Zunächst einmal haben wir die Auszeichnungen der Filmkritiker von Las Vegas, die letztes Jahr Birdman prämierten. Die  diesjährigen Preise sind überwiegend konservativ. Am ehesten fällt noch die Auszeichnung von Elizabeth Banks als „Beste Nebendarstellerin“ für Love & Mercy ins Auge sowie Drew Goddards Preis für das „Beste adaptierte Drehbuch“ für Der Marsianer:

Bester Film

Spotlight

Beste Regie

Tom McCarthy (Spotlight)

Bester Hauptdarsteller

Leonardo DiCaprio (The Revenant – Der Rückkehrer)

Beste Hauptdarstellerin

Brie Larson (Raum)

Bester Nebendarsteller

Sylvester Stallone (Creed – Rocky’s Legacy)

Beste Nebendarstellerin

Elizabeth Banks (Love & Mercy)

Bestes Ensemble

Spotlight

Bestes Originaldrehbuch

Tom McCarthy & Josh Singer (Spotlight)

Bestes adaptiertes Drehbuch

Drew Goddard (Der Marsianer)

Beste Kamera

The Revenant – Der Rückkehrer

Bester Schnitt

Mad Max: Fury Road

Beste Kostüme

Mad Max: Fury Road

Beste Ausstattung

Brooklyn

Beste visuelle Effekte

Mad Max: Fury Road

Beste Filmmusik

The Hateful Eight

Bester Song

„See You Again“ (Fast & Furious 7)

Bester Dokumentarfilm

Going Clear – Scientology and the Prison of Belief

Bester Animationsfilm

Alles steht Kopf

Bester ausländischer Film

Ich seh ich seh

Bester JungdarstellerIn

Jacon Tremblay (Raum)

Nachwuchsfilmemacher des Jahres

Alex Garland (Ex Machina)

Bester Familienfilm des Jahres

Cinderella

Bester Actionfilm des Jahres

Mad Max: Fury Road

Beste Komödie des Jahres

Dating Queen

Bester Horror-/Sci-Fi-Film

Ex Machina

Top 10 Filme von 2014

1. Spotlight
2. Creed – Rocky’s Legacy
3. Ex Machina
4. Straight Outta Compton
5. Beasts of No Nation
6. Der Marsianer
7. Mad Max: Fury Road
8. Sicario
9. Legend
10. Raum

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Der Phoenix Film Critics Circle (nicht zu verwechseln mit der Phoenix Film Critics Society, die ihre Preise noch verleihen wird) wählte etwas ungewöhnlicher und entschied sich für George Miller als „Bester Regisseur“ und Michael Fassbender als „Bester Hauptdarsteller“. Ansonsten ist hier noch die Vielzahl an speziellen Genrekategorien interessant.

Hier ist die komplette Liste der Nominierungen (samt Gewinner in grün):

Bester Film

Ex Machina
Mad Max: Fury Road
Der Marsianer
Raum
Spotlight

Beste Regie

Alejandro González Iñárritu (The Revenant – Der Rückkehrer)
Alex Garland (Ex Machina)
Tom McCarthy (Spotlight)
George Miller (Mad Max: Fury Road)
Ridley Scott (Der Marsianer)
Quentin Tarantino (The Hateful Eight)

Bester Hauptdarsteller

Michael Caine (Ewige Jugend)
Bryan Cranston (Trumbo)
Matt Damon (Der Marsianer)
Leonardo DiCaprio (The Revenant – Der Rückkehrer)
Michael Fassbender (Steve Jobs)

Beste Hauptdarstellerin

Cate Blanchett (Carol)
Marion Cotillard (Macbeth)
Jennifer Lawrence (Joy – Alles außer gewöhnlich)
Brie Larson (Raum)
Saoirse Ronan (Brooklyn)

Bester Nebendarsteller

Tom Hardy (The Revenant – Der Rückkehrer)
Richard Jenkins (Bone Tomahawk)
Michael Keaton (Spotlight)
Mark Rylance (Bridge of Spies – Der Unterhändler)
Michael Shannon (99 Homes)
Sylvester Stallone (Creed – Rocky’s Legacy)
Jacob Tremblay (Raum)

Beste Nebendarstellerin

Jennifer Jason Leigh (The Hateful Eight)
Alicia Vikander (The Danish Girl)
Alicia Vikander (Ex Machina)
Kate Winslet (Steve Jobs)

Bestes Drehbuch

Matt Charman, Ethan Coen & Joel Coen (Bridge of Spies)
Alex Garland (Ex Machina)
Tom McCarthy & Josh Singer (Spotlight)
Charles Randolph & Adam McKay (The Big Short)
Aaron Sorkin (Steve Jobs)

Bester Animationsfilm

Anomalisa
Alles steht Kopf
Die Peanuts – Der Film
Shaun das Schaf – Der Film

Bester internationaler Film

The Assassin
White God
Ewige Jugend

Bester Dokumentarfilm

Amy
Best of Enemies
Cartel Land
Malala – Ihr Recht auf Bildung
Listen to Me Marlon

Beste Filmmusik

Mad Max: Fury Road
Sicario
The Hateful Eight
Bridge of Spies – Der Unterhändler

Beste Komödie

The Big Short
Dope
Joy – Alles außer gewöhnlich
Spy – Susan Cooper Undercover
Dating Queen

Bester Science-Fiction-Film

Avengers: Age of Ultron
Ex Machina
Mad Max: Fury Road
Der Marsianer

Bester Horrorfilm

Bone Tomahawk
Crimson Peak
It Follows
Unknown User

Bester Mystery- oder Thrillerfilm

Bridge of Spies – Der Unterhändler
Sicario
Spotlight

Bester Musikfilm

Amy
Pitch Perfect 2
Straight Outta Compton

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Bei den Filmkritikern von St. Louis waren Spotlight und Mad Max mit jeweils drei Auszeichnungen die großen Gewinner, wobei Mad Max seine Preise in den technischen Kategorien bekam. Erfreulich ist, dass ein Kritikerverband endlich Ian McKellens phänomenale Darbietung in Mr. Holmes nominiert hat (bei der finalen Abstimmung belegte er sogar den zweiten Platz, hinter DiCaprio). Drew Goddard (Der Marsianer) gewann auch hier einen Preis für sein Drehbuch und gilt vermutlich als größter Konkurrent von Nick Hornby (Brooklyn) und Emma Donoghue (Raum) bei den Oscars.

Hier ist die komplette Liste der Nominierungen (samt Gewinner in grün):

Bester Film

Alles steht Kopf
Mad Max: Fury Road
Der Marsianer
The Revenant – Der Rückkehrer
Raum
Spotlight

Beste Regie

Alejandro González Iñárritu (The Revenant – Der Rückkehrer)
Todd Haynes (Carol)
Tom McCarthy (Spotlight)
George Miller (Mad Max: Fury Road)
Ridley Scott (Der Marsianer)

Bester Hauptdarsteller

Abraham Attah (Beasts of No Nation)
Matt Damon (Der Marsianer)
Leonardo DiCaprio (The Revenant – Der Rückkehrer)
Ian McKellen (Mr. Holmes)
Eddie Redmayne (The Danish Girl)

Beste Hauptdarstellerin

Cate Blanchett (Carol)
Brie Larson (Raum)
Sapirse Ronan (Brooklyn)
Charlize Theron (Mad Max: Fury Road)
Alicia Vikander (The Danish Girl)

Bester Nebendarsteller

Paul Dano (Love & Mercy)
Idris Elba (Beasts of No Nation)
Mark Ruffalo (Spotlight)
Mark Rylance (Bridge of Spies – Der Unterhändler)
Sylvester Stallone (Creed – Rocky’s Legacy)

Beste Nebendarstellerin

Jennifer Jason Leigh (The Hateful Eight)
Rooney Mara (Carol)
Kristen Stewart (Die Wolken von Sils Maria)
Alicia Vikander (Ex Machina)
Kate Winslet (Steve Jobs)

Bestes Originaldrehbuch

Olivier Assayas (Die Wolken von Sils Maria)
Alex Garland (Ex Machina)
Quentin Tarantino (The Hateful Eight)
Pete Docter, Meg LeFauve und Josh Cooley (Alles steht Kopf)
Josh Singer & Tom McCarthy (Spotlight)

Bestes adaptiertes Drehbuch

Nick Hornby (Brooklyn)
Ryan Coogler & Aaron Covington (Creed – Rocky’s Legacy)
Drew Goddard (Der Marsianer)
Emma Donoghue (Raum)
Aaron Sorkin (Steve Jobs)

Bester Schnitt

The Big Short
Mad Max: Fury Road
Der Marsianer
The Revenant – Der Rückkehrer
Spotlight

Beste Kamera

Beasts of No Nation
Carol
The Hateful Eight
Mad Max: Fury Road
The Revenant – Der Rückkehrer

Beste visuelle Effekte

Ex Machina
Mad Max: Fury Road
Der Marsianer
The Revenant – Der Rückkehrer
The Walk

Beste Ausstattung

Brooklyn
Carol
Cinderella
The Danish Girl
Mad Max: Fury Road

Beste Filmmusik

Carol
The Hateful Eight
Alles steht Kopf
It Follows
Mad Max: Fury Road

Bester Soundtrack

Amy
Dope
Love & Mercy
Der Marsianer
Straight Outta Compton

Bester Song

„See You Again“(Fast & Furious 7)
„Til It Happens to You“ (The Hunting Ground)
„Feels Like Summer“ (Shaun das Schaf – Der Film)
„Writing’s on the Wall“ (Spectre)
„Simple Song #3“ (Ewige Jugend)

Bester fremdsprachiger Film

The Assassin
Ich seh ich seh
Phoenix
Son of Saul
Wild Tales

Bester Dokumentarfilm

Amy
Best of Enemies
Cartel Land
The Hunting Ground
The Look of Silence

Bester Animationsfilm

Anomalisa
Arlo & Spot
Alles steht Kopf
Die Peanuts – Der Film
Shaun das Schaf – Der Film

Beste Komödie

Alles steht Kopf
Ich und Earl und das Mädchen
Spy – Susan Cooper Undercover
Dating Queen
5 Zimmer Küche Sarg

Beste Filmszene

The Revenant – Der Rückkehrer (der Bärenangriff)
Raum (Jack entkommt aus dem Raum)
Creed – Rocky’s Legacy (Adonis‘ erster Profikampf)
Fast & Furious 7 – (Abschied von Paul Walker)
The Walk (der Gang zwischen den Twin Towers)

Schlechtester Film von 2015

Fantastic Four
Platz 2: Aloha

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Bei den Filmkritikerpreisen von Detroit war Spotlight mit vier Auszeichnungen der klare Sieger. Letztes Jahr erhielt auch Boyhood in Detroit vier Preise. Sehr erfrischend (und durchaus verdient!) finde ich hier die Nominierung des Pixar-Animationshits Alles steht Kopf für sein Ensemble.

Hier ist die komplette Liste der Nominierungen (samt Gewinner in grün):

Bester Film

Spotlight
Brooklyn
Mad Max: Fury Road
Alles steht Kopf
Th Revenant – Der Rückkehrer
Ewige Jugend
Sicario

Beste Regie

Alejandro González Iñárritu (The Revenant – Der Rückkehrer)
John Crowley (Brooklyn)
Tom McCarthy (Spotlight)
George Miller (Mad Max: Fury Road)
Paolo Sorrentino (Ewige Jugend)

Bester Hauptdarsteller

Michael Caine (Ewige Jugend)
Christopher Abbott (James White)
Leonardo DiCaprio (The Revenant – Der Rückkehrer)
Tom Hardy (Legend)
Michael Fassbender (Steve Jobs)

Beste Hauptdarstellerin

Cate Blanchett (Carol)
Saoirse Ronan (Brooklyn)
Brie Larson (Raum)
Bel Powley (The Diary of a Teenage Girl)
Jennifer Lawrence (Joy – Alles außer gewöhnlich)

Bester Nebendarsteller

Paul Dano (Love & Mercy)
Benicio del Toro (Sicario)
Liev Schreiber (Spotlight)
Jacob Tremblay (Raum)
Oscar Isaac (Ex Machina)

Beste Nebendarstellerin

Jennifer Jason Leigh (The Hateful Eight)
Cynthia Nixon (James White)
Kristen Stewart (Die Wolken von Sils Maria)
Alicia Vikander (The Danish Girl)
Alicia Vikander (Ex Machina)

Bestes Drehbuch

Nick Hornby (Brooklyn)
Charles Randolph & Adam McKay (The Big Short)
Quentin Tarantino (The Hateful Eight)
Pete Docter, Meg LeFauve und Josh Cooley (Alles steht Kopf)
  Josh Singer & Tom McCarthy (Spotlight)

Bestes Ensemble

Spotlight
The Big Short
The Hateful Eight
Joy – Alles außer gewöhnlich
Alles steht Kopf

Bester Dokumentarfilm

Amy
Best of Enemies
Going Clear – Scientology and the Prison of Belief
Listen to Me Marlon
The Look of Silence

Größter Durchbruch

Alicia Vikander (The Danish Girl, Ex Machina)
Bel Powley (The Diary of a Teenage Girl)
Jacob Tremblay (Raum)
Sean Baker (Tangerine)
Emory Cohen (Brooklyn)

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Anfang Januar bekommen wir ein besseres Bild davon, ob die Liebe für Spotlight auch innerhalb der Industrie und unter den tatsächlichen Oscar-Wählern vorhanden ist, wenn die Nominierungen verschiedener Gewerkschaften (der Regisseure, der Produzenten, der Drehbuchautoren) nach und nach eintrudeln. Endgültig wissen wir es am 14. Januar, wenn die Academy ihre 88. Oscarnominierungen verkündet. Ich vermute, dass Spotlight allein schon aufgrund eines Mangels an sehr starker Konkurrenz im Gegensatz zu Boyhood den Siegeszug auch bei den Oscars fortführen kann.