Quelle: Boxofficemojo

Mockingjay Teil 2, der Abschlussfilm der Tribute-von-Panem-Reihe, eroberte am Freitag zum Start problemlos die Chartspitze in Nordamerika mit $46 Mio von 4175 Kinos. Auf den ersten Blick erscheint der Start natürlich hervorragend. Es ist schließlich der fünftbeste Starttag des Jahres (nach Avengers: Age of Ultron, Jurassic World, Fast & Furious 7 und Minions), der letztlich zu einem enormen Startwochenende führen wird. Es soll an dieser Stelle auch keineswegs abgestritten werden, dass Mockingjay Teil 2 ein großer Hit werden und dem Studio jede Menge Profit bescheren wird. Doch schaut man genauer hin, kommt man nicht umhin, von diesem Startergebnis leicht enttäuscht zu sein. Es ist schließlich auch der mit Abstand schwächste Starttag der Franchise-Geschichte.

Für gewöhnlich erwartet man vom finalen Film einer beliebten Reihe eine Steigerung, weil ein Finale meist ein besonderes Event ist. Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 gelang mit $91,1 Mio der (bis heute) beste Starttag aller Zeiten, während Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2 mit $71,2 Mio nahezu identisch mit seinem Vorgänger eröffnete und bis heute den achtbesten Starttag aller Zeiten innehat.

Von solcher Konsistenz oder gar einer Steigerung kann bei Mockingjay Teil 2 nicht die Rede sein. Der Starttag liegt 17% unter dem ersten Tag von Mockingjay Teil 1 ($55,1 Mio) und reicht lediglich für Platz 24 unter den besten Starttagen aller Zeiten am US-Box-Office. Noch dramatischer sind die Rückgänge gegenüber den ersten beiden Filmen der Reihe. The Hunger Games eröffnete vor drei Jahren mit $67,3 Mio um 46% besser als Mockingjay Teil 2 und Catching Fire sogar um 54% (mit $71 Mio). Die Tribute von Panem ist natürlich weiterhin ein erfolgreiches Franchise, doch anstatt seine Fangemeinde immer weiter auszubauen oder zumindest gleich zu halten, büßte die Reihe offenbar jede Menge Hype ein. Dabei ist Mockingjay Teil 2 mit $160 Mio Budget auch der teuerste Film der Reihe. Allerdings wird er natürlich keine Probleme haben, die Kosten wieder einzuspielen.

Es begann schon bei den Previews und Mitternachtsvorstellungen am Donnerstag. In diesen spielte der Film $16 Mio ein, $1 Mio weniger als der Vorgänger, aber $9,3 Mio weniger als Catching Fire und $3,7 Mio weniger als The Hunger Games. Der Abwärtstrend setzte sich mit dem enttäuschenden Starttag dann fort.

Die Tribute von Panem – The Hunger Games ist und bleibt eins der größten Box-Office-Phänomene dieses Jahrzehnts. Vor dreieinhalb Jahren lief der Film mit dem drittbesten Startwochenende aller Zeiten ($152,5 Mio) ein, überboten nur von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 und The Dark Knight. Es war der mit Abstand beste Start eines Originalfilms (also kein Sequel) und das ist es bis heute. Im gleichen Jahren haben dann zwar Marvel’s The Avengers und The Dark Knight Rises noch bessere Starts hingelegt, doch verglichen mit den Erwartungen im Vorfeld, bleibt der Start von The Hunger Games immer noch beeindruckender. Der Film spielte mehr als $400 Mio in den USA ein. Catching Fire konnte diesen Erfolg im darauffolgenden Jahr sogar noch etwas ausbauen, startete mit $158,1 Mio (damals der sechstbeste Start aller Zeiten) und spielte insgesamt fast $425 Mio ein – genug für eine Platz unter den zehn erfolgreichsten Filmen aller Zeiten in den USA. Catching Fire war ein Triumph auf ganzer Linie und erhielt auch die besten Rezensionen der Reihe.

Doch schon mit Mockingjay Teil 1 begann der schnelle Abstieg. Der Film startete mit $121,9 Mio 23% unter Catching Fire. Zwar hielt sich das Sequel hielt sich nach dem Start verhältnismäßig gut und erreichte insgesamt mit $337 Mio in den USA mehr als man ihm nach dem Startwochenende zugetraut hätte, baute gegenüber Catching Fire dennoch deutlich ab. Dieser Abstieg wurde von vielen durch die als unnötig empfundene Zweiteilung des finalen Romans begründet, die dazu geführt hat, dass der dritte Film ein gemächlicheres Tempo hatte als die Vorgänger und nicht mit der Intensität der Hungerspiele punkten konnte. Jedoch hat man auch damit gerechnet, dass nach diesem Durchhänger das Franchise sich mit dem actiongeladeneren Finale erholen und zumindest mehr als der erste Mockingjay-Film einspielen würde. Dies erscheint jetzt jedoch sehr unwahrscheinlich. Folgt Mockingjay Teil 2 über das Wochenende dem Verlauf seiner drei Vorgänger, wird er ein Startwochenende irgendwo im Bereich von $101-104 Mio erreichen. Sollte der Film aber frontlastiger sein (was durchaus möglich ist, weil es sich hier um das gehypte Finale handelt), könnte Mockingjay Teil 2 sogar $100 Mio zum Start verfehlen. Bislang hält Fast & Furious 6 den (Negativ)Rekord des höchsten Starttages ($38,7 Mio) aus dem keine $100 Mio am Startwochenende resultierten.

Doch auch wenn Mockingjay Teil 2 $100 Mio am ersten Wochenende knackt, wird der Start dennoch deutlich unter allein seinen Vorgängern liegen. Sogar im besten Szenario, wenn der Film sich nach dem Start so gut hält wie Mockingjay Teil 1, winken ihm nicht mehr als $280-290 Mio insgesamt. Das ist immer noch ein beachtliches Ergebnis, doch wenn man bedenkt, dass erst vor zwei Jahren der zweite Film der Reihe innerhalb von nur zehn Tagen mehr als $295 Mio einspielen konnte, ist es zugleich auch eine leichte Enttäuschung.

Wie kommt es, dass der Hype um die Panem-Reihe in den USA so schnell verflogen zu sein scheint, wie er begann? Der Grund könnte einerseits in der Übersättigung des Markts mit Young-Adult-Verfilmungen wie Die Bestimmung oder Maze Runner liegen, deren Sequels ebenfalls weniger als die Originalfilme eingenommen haben. Ein weiterer Grund könnte weiterhin die Zweiteilung des Finales sein, die die regulären Kinogänger, die keine Fans der Romanreihe waren, vergrault hat. Aber auch die Abwesenheit der Hungerspiele als Handlungselement in den letzten beiden Filmen hat den Streifen vermutlich etwas an Attraktivität für die Massen geraubt. Schließlich könnte aber auch ein Argument sein, dass der Film zwischen den Hype-Maschinen von Spectre und Star Wars einfach ein wenig untergegangen ist.

Wie dem auch sei, ist das Gesamt-Franchise dennoch ein Riesenerfolg, denn alle vier Filme zusammen werden in den USA alleine fast $1,5 Milliarden eingespielt haben. Es erscheint jedoch rückblickend, dass die Reihe nach dem zweiten Film ihr tatsächliches finanzielles Potenzial nicht wirklich erfüllt hat.