Premium Rush (2012)

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Premium Rush, USA 2012 • 91 Min • Regie: David Koepp • Drehbuch: David Koepp & John Kamps • Mit: Joseph Gordon-Levitt, Michael Shannon, Dania Ramirez, Lauren Ashley Carter, Jamie Chung, Wolé Parks • Kamera: Mitchell Amundsen • Musik: David Sardy FSK: ab 12 Jahren • Verleih: Sony Pictures Kinostart: 18.10.2012 Website

Fahrradfahren ist gesund – jedoch nicht, wenn man mit dem Drahtesel als Eilkurier mitten im Moloch New York City unterwegs ist. In David Koepps Actionthriller „Premium Rush“ mimt Joseph Gordon-Levitt einen solchen Boten: Wilee (genau, wie der Coyote aus den „Roadrunner“-Cartoons) hat sein Studium voerst auf Eis gelegt, um die Zeit bis zum Krawattentragen noch ein wenig hinauszuzögern und sich seinen Unterhalt mit seinem liebsten Hobby zu verdienen. Zusammen mit seinen Kollegen Vanessa (Dania Ramirez) und Manny (Wolé Parks) rast er im knappen Zeitlimit durch den turbulenten Verkehr, der so manche lebensgefährliche Überraschung für unaufmerksame Fahrer bereithält. Taxis. Rückspiegel. Geöffnete Autotüren. Und vieles mehr. Sein neuester Auftrag bringt den flinken Helden in zusätzliche Schwierigkeiten, hat es doch der psychopathische Cop Bobby Monday (Michael Shannon) aus noch unbekanntem Grund auf den unscheinbaren Briefumschlag in Wilees Rucksack abgesehen. Eine wilde Tour de Force quer durch den Big Apple beginnt …

„Premium Rush“ ist nach dem besuchten Screening von einem Kritikerkollegen als mein guilty pleasure ausgewiesen worden. Dabei verspüre ich keinerlei Schuldgefühle wenn ich offen zugebe, dass mich das leichtfüßige Werk über weite Strecken gut unterhalten hat. Nein, die inzwischen fünfte Spielfilmarbeit vom gefeierten Drehbuchschreiber Koepp („Carlito’s Way“) vermag es leider nicht, einen durchgängig rasanten Adrenalinrausch im Stil von Jan de Bonts „Speed“ heraufzubeschwören. Während etwa die erste Hälfte des Films durch eine atemlose Echtzeitinszenierung besticht, bremst der Regisseur irgendwann etwas ungeschickt ab (etwas, das der Protagonist mit seinem Fixie-Bike nicht kann) und stockt seine dünne Storyline mit diversen Rückblenden auf. Das ist zwar in der Tat ärgerlich, fegt aber nicht gleich alle guten Ansätze vom Radar. Vor allem sind es die bestens aufgelegten Darsteller, die „Premium Rush“ eine durchaus erfrischende Note verleihen. Joseph Gordon-Levitt, der 2012 fleißig an seiner Karriere gefeilt hat und bald außerdem in Rian Johnsons „Looper“ sowie Steven Spielbergs „Lincoln“ zu sehen sein wird, verkörpert das draufgängerische Zweiradass mit einer sympathischen Hitzköpfigkeit. Man darf sich wohl zu Recht fragen, warum der junge Mann überhaupt zuerst Kopf und Kragen für eine Handvoll Dollar und ein schnödes Kuvert riskiert. Die Antwort: Weil er sich von einem schmierigen Gesetzeshüter nicht ins Bockshorn jagen lassen will. Den erbarmungslosen Verfolger spielt ein Michael Shannon im Zwangsjacken-Modus: Diesem Mann möchte man trotz seiner Marke ungern auf der Straße begegnen. In einer Szene ist er wegen eines ausgeschlagenen Zahns so wütend auf zwei Gangster, dass er einen von diesen kurzerhand totprügelt. Das ist brutal, aber wie sonst sollte man den Bösewicht in einer solchen Geschichte charakterisieren?

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Um den Zuschauern die Entfernungen und lauernden Gefahren in der Stadt zu veranschaulichen greift David Koepp auf diverse Tricks zurück. Er lässt beispielsweise vor riskanten Manövern das Bild einfrieren und zeigt grafisch die verschiedenen Optionen seines Protagonisten auf. Oder er markiert Startpunkt und Ziel in einer iPhone-Animation und zeigt uns so live die folgende Route an. Zugegeben passiert in „Premium Rush“ an allen Ecken und Enden viel. Vermutlich hätte es dem Werk letztlich besser getan, wenn sich der Autor/Regisseur auf die simple Geschichte vom Jäger und Gejagten beschränkt und sich manch überflüssigen Einfall (Stichwort: Flashmob) gespart hätte. Außerdem wäre die Enthüllung des potentiellen MacGuffins sicherlich nicht nötig gewesen, bekommt der Film ab diesem Punkt doch einen arg moralischen Unterton, der nicht recht mit der vorherigen Stimmung harmonieren mag. Aber sind wir doch ehrlich: Auch wenn den Verantwortlichen im Finale ein wenig die Luft ausgeht und dann nicht sonderlich elegant mit einem platten Reifen durch das Szenario gestrampelt wird, reicht das Tempo noch immer aus, um die Ziellinie sicher zu überqueren. Einen Preis für Originalität oder permanente Hochspannung gibt es am Ende zwar nicht zu verbuchen, aber für eine Erwähnung als kurzweiligen Kinospaß mit souveränen Schauspielerleistungen und einigen wilden Bikerstunts sollte es reichen. Es muss ja nicht immer die Goldmedaille sein.


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Auch wenn David Koepps Actionthriller seinem Titel entsprechend rasanter hätte ausfällen können, verbleibt ein kurzweiliger Kinospaß mit gut aufgelegten Darstellern und wilden StuntsPremium Rush (2012)