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X-Men – Zukunft ist Vergangenheit (2014)

X-Men - Zukunft ist Vergangenheit (2014) Filmkritik

X-Men: Days of Future Past, USA/GB 2014 • 131 Min • Regie: Bryan Singer • Mit: Hugh Jackman, Jennifer Lawrence, Michael Fassbender, James McAvoy, Nicholas Hoult, Ian McKellen, Patrick Stewart, Ellen Page, Peter Dinklage • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 22.05.2014 • Deutsche Website

Handlung

Einige Jahre nach Wolverine – Weg des Kriegers ist die Welt nicht mehr wiederzuerkennen. Sentinels, extrem anpassungsfähige und unaufhaltsame Roboter, machen Jagd auf die Mutanten, aber auch auf alle, die Mutanten beschützen. Die Welt steht am Rande der Vernichtung. Die Situation ist so düster, dass sogar die einstigen Freunde und späteren Erzfeinde Magneto (Ian McKellen) und Professor X (Patrick Stewart) ihre Differenzen beiseite gelegt haben und gemeinsam mit Wolverine (Hugh Jackman) ihre Art und die Menschheit zu retten versuchen. Die Gegenwart bietet keinen Ausweg mehr, die Lösung liegt in der Vergangenheit. Die letzte Hoffnung besteht darin, mit Hilfe von Kitty Prydes Kräften (Ellen Page), Wolverines Verstand in seinen Körper in den Siebzigern zurückzuschicken, wo er gemeinsam mit den jungen Ausgaben von Professor X und Magneto die Bedrohung durch die Sentinels verhindern soll, noch bevor sie entsteht. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die junge Mystique (Jennifer Lawrence). In der Vergangenheit ist die Lage aber alles andere als einfach. Der junge Charles Xavier (James McAvoy) ist ein gebrochener Mann, der seine Kräfte nicht mehr kontrollieren kann und Erik Lensherr alias Magneto (Michael Fassbender) sitzt als Staatsfeind Nummer 1 im sichersten Gefängnis der Welt. Können Charles und Erik überhaupt die Vergangenheit hinter sich lassen und zusammenarbeiten, um die Zukunft zu retten?

Kritik

X-Men - Zukunft ist Vergangenheit (2014) Filmbild 1Die X-Men sind wieder da und es hat 11 Jahre gedauert bis sie ihre einstige Leinwand-Form wieder erreicht haben. Als X-Men im Jahre 2000 in die Kinos kam, gab es nichts Vergleichbares. Es gab natürlich in Vergangenheit schon zahlreiche erfolgreiche Comicbuchverfilmungen, wie die Superman– und die Batman-Reihen, doch nie zuvor wurde der Geist der Comicvorlage so gut eingefangen, wie in Bryan Singers Film. Auch wenn das Gelb der Latex-Kostüme der Mutanten der seriöseren schwarzen Farbe weichen musste und nicht alle Charaktere so aussahen, wie im Comic, war es die damals beste Verfilmung, auf die die Fans überhaupt hoffen konnten und stellte dazu noch der Welt mit Hugh Jackman einen künftigen Superstar vor. X-Men läutete eine neue Ära für die Comicfilme ein und Spider-Man, Fantastic Four und zahllose andere folgten. Dass ausgerechnet Bryan Singer zum Vorreiter der Welle werden würde, hätte sich im Vorfeld angesichts seiner doch deutlich bodenständigeren Arbeiten wie Die üblichen Verdächtigen und Der Musterschüler kaum jemand vorgestellt. Als X-Men 2 drei Jahre später seinen Vorgänger in jeder Hinsicht toppte, waren die Weichen für einen krönenden Abschluss der damals besten Superhelden-Reihe gelegt. Doch Singer verließ die X-Men zugunsten von Superman Returns und Brett Ratner übernahm X-Men – Der letzte Widerstand. Der Rest ist traurige Geschichte. Erst Matthew Vaughn brachte mit dem wider alle Erwartungen äußerst gelungenen X-Men – Erste Entscheidung die Serie auf Kurs und das Vertrauen der Fans wieder zurück. Jetzt ist die Reihe aber endlich wieder dort angelangt, wo sie hingehört – in die Hände von Bryan Singer.

X-Men - Zukunft ist Vergangenheit (2014) Filmbild 3Singers X-Men – Zukunft ist Vergangenheit, der mittlerweile siebte Film aus dem X-Men-Universum (wenn man die beiden Wolverine-Filme mitzählt), ist ein ehrgeiziges und monumentales Unterfangen. Der Film bringt nahezu die gesamte Besetzung der ursprünglichen Trilogie mit einer Reihe junger Akteure aus Erste Entscheidung zusammen und würzt die Mischung mit einigen neuen Gesichtern. Der Schuss hätte ebenso gut nach hinten losgehen können. Manch ein anderer Regisseur hätte sich leicht dazu verleiten lassen können, bei einem solchen Ensemble einen aufgeblähten, schwerfälligen und in die Länge gezogenen Film zu inszenieren. Jedoch nicht Singer, der nach 11 Jahren Franchise-Abwesenheit virtuos das Ruder an sich reißt und die Zuschauer daran erinnert, weshalb man ihn einst als einen der vielversprechendsten Blockbuster-Regisseure der Moderne sah. Mit knackigen 130 Minuten fühlt sich der Film keine Sekunde zu lang an und unterwirft sich nicht dem Trend, dass alle großen Blockbuster-Sequels von heute deutlich länger werden müssen als ihre Vorgänger.

X-Men - Zukunft ist Vergangenheit (2014) Filmbild 6Der Nebeneffekt ist dabei, dass die Fans sich mit Kurzauftritten einiger ihrer Lieblingscharaktere begnügen müssen Auftritten, wobei fast allen mindestens eine Szene gewährt wird, in der sie ihre Kräfte eindrucksvoll unter Beweis stellen können. Die willkommenen Rückkehrer Ian McKellen und Patrick Stewart haben deutlich weniger Screentime, als das Marketing des Films einen vielleicht glauben lässt. X-Men – Zukunft ist Vergangenheit schließt gekonnt die Lücke zwischen der alten Trilogie und dem Prequel von 2011 (und erkennt nebenbei auch gekonnt an, dass Ratners Der letzte Widerstand besser nie existiert hätte). Jedoch wirkt der Film vor allem mehr wie eine Fortsetzung zu Erste Entscheidung mit Wolverine als neuem Hauptcharakter. Die jüngeren Versionen von Magneto und Professor X runden gemeinsam mit Nicholas Hoults Beast und Jennifer Lawrence als Mystique den Haupt-Cast des Films ab, während die o. g. Stewart, McKellen, Helly Berry, Ellen Page, Shawn Ashmore und diverse Newcomer (von denen v. a. Fan Bingbing als teleportierende Blick in Erinnerung bleibt) den Rahmen der Geschichte bilden.

BL5U3708.X-Men - Zukunft ist Vergangenheit (2014) Filmbild 2Wie nahezu alle Filme mit der Zeitreise-Thematik, hat auch X-Men – Zukunft ist Vergangenheit mit diversen Logiklöchern zu kämpfen. Wer zu viel darüber nachdenkt wird (um sich der Worte von Bruce Willis aus Looper zu besinnen) bald nur noch Diagramme und Graphen malen, nur um noch verwirrter und frustrierter zu werden. Daher funktioniert der Film am besten, wenn man die Zeitreisen und die Fähigkeit Geschehenes zu verändern einfach als gegeben annimmt. Auch darüber hinaus bleiben einige Fragen ungeklärt, wie beispielsweise die Frage, wie der Zukunfts-Wolverine wieder Adamantium über seine Klauen bekam. Doch das sind Nebensächlichkeiten, die man beim ersten Anschauen des Films schnell vergisst, während man mit den Charakteren mitfiebert und über das Spektakel staunt, das Singer hier auf die Leinwand gezaubert hat. Und was für ein Spektakel es ist!

Zukunft ist Vergangenheit ist vielleicht nicht der beste der X-Men-Filme, doch seine Action und seine Effekte sind es zweifelsohne – seien es die atemberaubenden Kämpfe der X-Men gegen die Sentinels oder eine Szene in der Magneto ein ganzes Football-Stadium in die Lüfte hebt. Der herausragendste Moment des Films gehört aber einem brandneuen Charakter, dem man es im Vorfeld kaum nicht zugetraut hätte. Evan Peters ist als wahrlich blitzschneller Quicksilver ein frecher und gewitzter Neuzugang, der eine Küchenszene zum ewigen Klassiker der X-Men-Reihe erhoben hat. Wer als Comic-Fan genau aufpasst, bekommt auch einen Verweis auf die väterliche Abstammung des Charakters.

X-Men - Zukunft ist Vergangenheit (2014) Filmbild 5Doch obwohl Singer und sein Effekte-Team hier alle Register eines erstklassigen Blockbusters ziehen, reichen tolle Effekte und gute Action in unserer Zeit nicht mehr aus, um das Publikum hinzureißen. Zum Glück beweist der Regisseur auch wieder ein gutes Händchen mit seinen Charakteren und die grandiose Besetzung macht es ihm noch einfacher. Hugh Jackman zieht zum siebtan mal als Wolverine sein routiniertes Ding durch (und sein kurzer Gastauftritt in Erste Entscheidung wird sogar angesprochen). Vielleicht sind wir auch an den Charakter mittlerweile so gewohnt, dass Jackmans Performance weniger Wertschätzung zuteil wird als sie verdient. Jennifer Lawrence, deren Rolle aufgrund ihrer kometenhaft gestiegenen Popularität zwischen den beiden Filmen deutlich größer wurde, ist noch verletzlicher und zugleich abgebrühter als im ersten Film. Michael Fassbender und James McAvoy haben leider weniger Gelegenheiten, die Hassliebe der verfeindeten Freunde auszuleben als im letzten Film, doch die beiden haben immer noch eine tolle Chemie miteinander. Sie bestehen problemlos neben Stewart und McKellen, auch wenn gerade die sicherlich sehr interessante Szene zwischen McKellen und Fassbender leider nie zustande kommt. Noch deutlich wichtiger als die Einzelleistungen im Film ist aber, dass die Charaktere als ein richtiges Ensemble wirklich gut funktionieren. Leicht enttäuschend ist dafür Peter Dinklage als Bolivar Trask, der Erfinder der Sentinels. Wer "Game of Thrones" kennt, weiß um seine schauspielerischen Fähigkeiten, doch sein Charakter wird schnell zur Nebensache. Andererseits ist es sehr erfrischend, dass der Film ohne einen eindeutigen Bösewicht auskommt. Hier gibt es keinen William Stryker oder Sebastian Shaw, der als ultimativer Gegner der X-Men in einem Showdown antritt. Stattdessen wechseln die Bedrohungen des Films ständig und der Zuschauer weiß nie genau, wohin die Geschichte als nächstes hinführt.

Zu guter Letzt freute es mich auch festzustellen, dass Singer den Humor nicht vergessen hat, der die X-Men-Filme ausmacht. Obwohl der post-apokalyptische Anfang mit seinen nach Terminator anmutenden Knochenbergen und der Endzeitstimmung eine sehr düstere Ausgangslage für den Film bietet, wird es zurück in den Siebzigern deutlich heiterer, wobei Jackman wieder einen trockenen Sprich nach dem anderen reißen darf.

Mit Zukunft ist Vergangenheit hat Bryan Singer sich viel vorgenommen und viel geschafft. Der größte Verdienst ist, dass er gezeigt hat, wie viel Energie und Frische in dem vor fünf Jahren noch qualitativ totgeglaubtem Franchise noch steckt. Die obligatorische Szene nach dem Abspann macht jedenfalls sehr heiß auf die Fortsetzung, die im Mai 2016 in die Kinos kommen wird.

Fazit

X-Men – Zukunft ist Vergangenheit ist der Film, auf den die Fans der Reihe seit X-Men 2 gewartet haben. Groß in seinen Ambitionen und in seiner Umsetzung, zeigt das Sequel, dass Bryan Singer sein feines Gespür für die X-Men nicht verloren hat. Im Gegenteil erscheint er vertrauter und sicherer denn je mit der Welt, in die er im Kino erschaffen hat. Trotz einer kaum überschaubaren Besetzung und der stets problematischen Zeitreise-Thematik verliert der Film nie seinen Fokus und vermittelt das Gefühl eines Spektakels, das sich zwar ernst, aber nie zu ernst nimmt und angenehme humoristische Momente inmitten der drohenden Apokalypse bietet. Mit geringen Abzügen in der B-Note ist das ein Sommer-Blockbuster sondergleichen.

Trailer

Unser Bloggerspecial & Gewinnspiel zum Gruselstreifen Haunter

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Haunter Special

Liebe Filmfutter-Fans,

mit Haunter – Jenseits des Todes steht ab heute ein außergewöhnlicher, atmosphärischer und spannungsgeladener Horrorfilm mit der oscarnominierten Schauspielerin Abigail Breslin (Little Miss Susnhine) in der Hauptrolle. In Haunter spielt sie die junge Lisa, die einen Tag vor ihrem 16. Geburtstag steht. Lisa und ihre Familie sind allerdings tot, in ihrem Haus gefangen und erleben denselben Tag immer wieder aufs Neue. Sie versucht jedoch, hinter das Geheimnis ihrer Situation zu kommen und kontaktiert dazu die Welt der Lebenden. Mit Schrecken stellt sie fest, dass ihr Mörder immer noch da draußen ist und obwohl sie bereits tot ist, ist sie von ihm nicht sicher. Dem erfolgreichen Genreregisseur Vincenzo Natali (Cube, Splice – Das Genexperiment) ist mit Haunter ein Volltreffer gelungen und ein kleines Genrejuwel, das sich auf jeden Fall zu entdecken lohnt. Unsere etwas längere Rezension vom Fantasy Filmfest 2013 könnt Ihr hier nachlesen.

Anlässlich des Heimkinostarts von Haunter hat sich Filmfutter mit vier weiteren Filmblogs erneut für ein Special zusammengeschlossen. Das Thema diesmal: "Wie würde unser schlimmster Tag in Zeitschleife aussehen?"

Ich stelle mir vor:

der Wecker klingelt am Morgen eine Stunde zu früh und obwohl ich noch nicht aufstehen will, kann ich nicht wieder einschlafen. Ich stehe auf, gehe in die Küche, doch der Kaffee ist alle! Na gut, dann eben Tee. Moment, weshalb kommt kein Wasser aus dem Wasserhahn? Ach ja, da war ja was! Wasserrohrarbeiten in der Straße. Egal, Kaffee kann ich mir auch am Bahnhof holen.

Draußen scheint die Sonne, also verzichte ich mal auf meinen Regenschirm. Die Bahnhaltestelle sieht aber überraschend leer aus. Ein  Blick auf die Anzeige verrät auch weshalb: Unfall in der Nordstadt, die Bahn ist nicht zu erwarten. Okay, das wird also etwas knapp mit dem Kaffee, denn jetzt muss ich zum Bahnhof laufen. Aber hey, immerhin ist das Wetter ja schön…

Zehn Minuten später…

Woher kommen diese verdammten Wolken?! Ist das der erste Regentropfen?!! Oh nein…

Weitere zehn Minuten später, die sich deutlich länger anfühlen als die vorherigen zehn Minuten…

Völlig durchnässt komme ich am Hauptbahnhof an und siehe da, mein Zug ist verspätet. Wie immer! Das gibt ja zumindest Zeit für einen Kaffee! Auch die kleine Schlange an der Theke im McCafe sollte schon passen. Wenn doch nur die Mitarbeiterin sich nicht im ähnlichen inneren Schlafzustand befinden würde wie ich… Aber endlich bin ich dran und der Kaffee bestellt, jetzt kommt die Welt in Ordnu… Was?! Der Zug ist schon da?? Verdammt! Ich renne raus, der Kaffee bezahlt, aber nicht mehr geholt. Ich schaffe es gerade noch in den Zug, überfüllt mit Pendlern, sodass es natürlich auch keinen Sitzplatz mehr gibt…

In Köln angekommen, freue ich mich zumindest auf die anstehende Pressevorführung. Heute ist doch der neue Oscarkandidat in der Presse angesagt, oder? Am Kino angekommen, stelle ich fest, dass ich offensichtlich die Tage vertauscht habe. Es läuft Kindsköpfe 2. Hmm. Okay, nicht gerade toll, aber vielleicht kann ich ja 1-2 Mal lachen. Aber ohne Kaffe stehe ich das nicht durch. Zum Glück macht das Kino leckeren Kaffee.

Fünf Minuten später…

Ausgerechnet heute ist die Kaffeemaschine kaputt! Na großartig. Gut, da muss ich durch. Kann doch nicht so schlimm werden, oder?

100 qualvolle Minuten später…

Ich nehme es zurück, es war schlimm. Ich habe innerlich mehr geweint als bei den traurigsten Dramen. Was war nochmal der zweite Film? Die Verfilmung von Stephenie Meyers Seelen

Zwei Stunden später…

Ich muss mein Leben überdenken.

Am Nachmittag steht noch ein Zahnarztbesuch der besonderen Art an – Weisheitszähne müssen raus. Ich würde mich nicht als sonderlich ängstlich bezeichnen, doch ein großer Fan von Zahnarztbesuchen war ich nie. Aber, was sein muss, muss sein!

Einige Stunden und Schmerzen später, bin ich endlich wieder zu Hause angelangt. Die Betäubung lässt nach und damit kommen die Schmerzen aber auch irgendwie der Hunger wieder, im Wissen, dass ich noch tagelang nicht richtig essen können werde. Es bleibt nichts anderes, als zu versuchen, mich auf der Couch zu entspannen und dabei etwas meine Lieblingsserie in der Online-Videothek zu schauen.

Was ist denn da los?! Wo ist das Internet?!! "Technische Störung aufgrund des Gewitters am Morgen" – wird mir über die Hotline verraten, nachdem ich mein Problem mit immer noch halb-betäubtem Kiefer dreimal erklärt habe. Na super. Zum Glück habe ich ja noch reichlich Filme zu Hause. Ich werfe Jurassic Park in den Player rein, doch er mag nich starten.

20 Minuten später…

Immer noch nicht. Ich gebe auf. Ich hasse die Welt. Als dann der Nachbar von oben noch anfängt nach 20 Uhr in der Wand zu bohren, kann ich nur noch fatalistisch darüber lachen. Aber nicht viel, sonst tut’s im Mund weh. ich nehme Schmerzmittel und haue mich aufs Ohr. Der neue Tag kann nur noch besser werden!

Einige Stunden später…

Der Wecker klingelt am Morgen eine Stunde zu früh und obwohl ich noch nicht aufstehen will, kann ich nicht wieder einschlafen…

Wenn Ihr wissen wollt, wie der schlimmste Tag für meine Kollegen aussehen würde, könnt Ihr es hier erfahren:

Kino7
Movieevent
WeWantMedia
Myofb

Doch das ist noch nicht alles – anlässlich des Heimkinostarts von Haunter verlosen wir eine DVD und eine BluRay zum Film.

Haunter SpecialHaunter Special 1

Um am Gewinnspiel teilzunehmen, beantwortet einfach nachstehende Frage und hinterlegt bitte zwecks Zusendung der Gewinne eure Kontaktdaten. Eure Daten werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Viel Glück!

In welchem dieser Filme kommt keine Zeitschleife vor?

Das Gewinnspiel ist leider abgelaufen.

Teilnahmeberechtigt sind nur volljährige Personen mit Wohnsitz in Deutschland. Es ist nur eine Teilnahme pro Person möglich. Unvollständige Bewerbungen können leider nicht berücksichtigt werden. Die Mitarbeiter von FILMFUTTER sind von der Verlosung ausgeschlossen.

Viel Glück!

https://youtu.be/MQADiJZfoCs

Bildmaterial © Koch Media GmbH

Neues Spielefutter: Test und Gewinnspiel zu "Hometown Story"

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Kaufrausch im Märchenland

Ohne Fleiß kein Preis: Das kann man gar nicht früh genug lernen – zumindest wenn es nach der Geschichte von „Hometown Story“ geht. Die Story des charmanten Japan-Imports: Ihr erbt von eurer leider dahingeschiedenen Großmutter einen Gemischtwarenladen. Das ist für euch Grund genug wieder in eure Heimatstadt zurück zu kehren und das leider ziemlich heruntergekommene Kaufhaus wieder kräftig auf Vordermann zu bringen. Die Aufgabe im Spiel: Regale mit Waren bestücken und diese natürlich gegen klingende Münze an den Mann oder Frau bringen. Das klingt erstmal nach dem kleine Kapitalisten 1×1, ist aber tatsächlich ein erfreulich vielschichtiges und sehr emotionales Strategie- und Abenteuerspiel. Denn es gilt nicht nur trockenes Zahlenwerk zu wälzen, sondern die Interaktion mit den Stadtbewohnern steht klar im Vordergrund.

Hometown_Story_PackshotNachdem ihr erst mal die Wahl getroffen habt, ob ihr einen Jungen oder ein Mädchen als Spielcharakter nehmen möchtet, dürft ihr diesen nach Herzenslust selbst gestalten. Mit eurer individuellen Spielfigur geht ihr dann die vielfältigen Aufgaben an: Ihr müsst neue Freunde finden, Aufträge für die Bewohner erledigen und in der märchenhaften Umgebung nach Geistern und Göttern Ausschau halten. Dazu schließt ihr zu bestimmten Zeiten euren Laden ab und macht euch auf Erkundungstour. Sprecht mit allen Personen, sucht seltene Gegenstände, die sich gut verkaufen lassen und hört euch die Geschichten der Bewohner an. Mit guten Ratschlägen und wertvollen Tipps steht euch dabei die Elfe Pochica zur Seite, die mit ihren großen Ohren und Knopfaugen nicht nur zufällig an ein Pokémon erinnert. Denn die Charaktergestaltung des Spiels stammt von Atsuko Nishida, der Designerin des wohl bekanntesten Mini-Monsters, Pikachu. Also: Redet mit allen Figuren, erkennt deren Wünsche und richtet euren Warenbestand daran aus – so verdient ihr nicht nur genug Geld, um euer Geschäft regelmäßig zu erweitern, sondern lernt vielleicht sogar noch eure große Liebe kennen.

Erschaffen hat das spielerische Kleinod Yasuhiro Wada, der „Vater“ der „Harvest Moon“-Serie. Zwar angesiedelt im gleichen Spiel-Universum, darf man hier allerdings keine hochkomplexe Farm-Simulation erwarten. „Hometown Story“ setzt auf den Warenhandel, emotionale Geschichten und das Knüpfen von Beziehungen. Ein spielbares Märchen mit wirtschaftlichem Hintergrund und einer herrlich positiven Atmosphäre.

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Fazit:

In der Entwicklungsphase bekam „Hometown Story“ den Arbeitstitel „Project Happiness“. Und tatsächlich kann man sich beim Spielen oftmals ein Lächeln nicht verkneifen. Die Charaktere, die kunterbunte Welt, die Dialoge, der eingängige Soundtrack von Nobuo Uematsu, dem Lead-Komponisten von „Final Fantasy“ – alles ist irgendwie immer und überall süß und niedlich, allerdings ohne dabei kitschig zu wirken. Wada wollte mit seinem neuen Projekt Glücksgefühle beim Spielen vermitteln. Es ist ihm gelungen.

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Unser Gewinnspiel:

Ihr wollt euch auch mal als Ladenbesitzer versuchen? Kein Problem! Wir verlosen drei Exemplare des 3DS-Spiels. Beantwortet die Frage und mit etwas Glück dürft ihr euch über Post von uns freuen.

Wer ist der Schöpfer von Hometown Story?

Das Gewinnspiel ist leider abgelaufen.

Ulrich Wimmeroth

Box-Office Welt – The Amazing Spider-Man 2 erreicht $400 Mio

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Finaler The Amazing Spider-Man 2 Trailer

Quellen: Screendaily, Rentrak

Zum dritten (und angesichts von Godzillas Start dieses Wochenende auch letzten) Mal belegte The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro souverän Platz 1 der internationalen Kinocharts. Weitere $69,5 Mio von 91 Märkten brachten das internationale Einspiel des Films oberhalb von $400 Mio, auf $403 Mio. Weltweit hat der Film derweil mehr als $550 Mio eingenommen und befindet sich damit bereits auf Rang 2 der erfolgreichsten Filme von 2014. Das Comic-Sequel hat jetzt schon mehr als 80% des internationalen Gesamteinspiels seines Vorgängers verbucht und wird dessen $490,2 Mio mit absoluter Sicherheit übertreffen. Zu verdanken hat der Film die Steigerung v. a. China, denn in diversen anderen Ländern wird der Film die Zahlen von Teil 1 nur knapp übertreffen bzw. gar nicht erreichen. In China erreichte der Film aber an seinem ersten kompletten Wochenende $25,1 Mio und steht mittlerweile bei $56,4 Mio nach lediglich acht Tagen. Das ist mehr als das Gesamteinspiel von Teil 1 in China! Allerdings musste der erste Film in China auch am gleichen Wochenende starten wie The Dark Knight Rises. Die Zahlen von Captain America 2 ($116 Mio) wird der neue Spider-Man in China wohl nicht erreichen, doch ich halte $100 Mio für möglich.

Auch in Großbritannien schreibt The Amazing Spider-Man 2 starke Zahlen und belegte in seiner vierten Woche mit $2,2 Mio Platz 2 der Charts, nachdem Bad Neighbors ihn von der Spitze verdrängte. Mit $37,4 Mio liegt das Sequel gleichauf mit seinem Vorgänger im selben Zeitraum. Trotz eines schwächeren Starts, holte The Amazing Spider-Man 2 dank besserer Rückgänge von Woche zu Woche Teil 1 ein und wird auch dessen Gesamteinspiel von $40,3 Mio in Großbritannien übertreffen. In Südkorea hat The Amazing Spider-Man 2 mit $32,1 Mio bereits das Gesamteinspiel von The Return of the First Avenger hinter sich gelassen, liegt aber dennoch 3% hinter seinem Vorgänger in der gleichen Zeit. Ziemlich enttäuschend läuft es für den Film dafür in Japan, wo er nach drei Wochen $22,3 Mio erwirtschaftet hat. Das ist zwar an sich eine gute Zahl, liegt aber 19% hinter dem Vorgänger im selben Zeitraum und auch der war schon nach Franchise-Standards eine Enttäuschung in Japan. In Frankreich spielte der Film nach zwei Wochen $18,4 Mio ein – 29% mehr als Teil 1 im gleichen Zeitraum. Eine leichte Verbesserung zeigte sich auch in Brasilien, wo der Film nach zwei Wochen bei $17,7 Mio steht – 3% vor seinem Vorgänger. In Deutschland ist der Film hingegen mit $15 Mio um 10% hinter Teil 1 zurückgefallen. In Italien liegt der Film mit $11,9 Mio 6% vor dem ersten Film in der selben Zeit und ist jetzt schon der zweiterfolgreichste Hollywood-Film des Jahres in dem Markt, nach The Wolf of Wall Street. Zu guter Letzt vermeldet der Film $26,7 Mio aus Mexiko, was nahezu gleichauf mit dem ersten Film in der gleichen Zeit liegt. Da Godzilla und der neue X-Men The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro in der Übersee bald einbrechen lassen werden, erwarte ich nicht sehr viel mehr als $500 Mio, doch $520-540 Mio sollten möglich sein.

Der zweite Platz ging am Wochenende an die Komödie Bad Neighbors, die für eine US-Komödie überraschend starke Zahlen außerhalb von Nordamerika schrieb. Nicht selten ist es so, dass große Comedy-Erfolge aus den USA im Ausland bestenfalls mittelmäßige Zahlen erreichen (siehe Die Hochzeits-Crasher), doch Bad Neighbors legte mit $34,4 Mio von 29 Ländern zum Start wirklich gut vor. Ein großer Batzen davon stammt aus Großbritannien. Dort gelang ihm mit $14,2 Mio das beste Startwochenende des Jahres! Der Start liegt nahezu gleichauf mit dem von Ted vor zwei Jahren. Ted spielte seinerzeit insgesamt fast $49 Mio in Großbritannien ein und Bad Neighbors sollte zumindest $40 Mio für sich verbuchen. Auch in Deutschland startete der Film mit $5,5 Mio oberhalb der Erwartungen. In Australien startete die Komödie ebenfalls auf Platz 1 mit $6,9 Mio (einschließlich der Previews von der Vorwoche). Das sind die einzigen großen Märkte, in denen der Film letztes Wochenende angelaufen ist. Damit liegen u. a. noch Brasilien, Russland, Frankreich, Italien, Spanien, Mexiko und viele andere Länder noch bevor. Ich denke ein Gesamteinspiel von $200 Mio außerhalb von Nordamerika ist nicht außer Frage. Das ist mehr als Seth-Rogen-Komödien wie Beim ersten Mal, Das ist das Ende, Ananas Express und Superbad zusammengerechnet außerhalb von USA/Kanada eingespielt haben.

Sehr gut schlug sich auch wieder Rio 2: Dschungelfieber. Die Animations-Fortsetzung ergatterte weitere $14,1 Mio von 70 Märkten und brachte das vorläufige internationale Gesamteinspiel des Films auf tolle $312 Mio. Mittlerweile hat der Streifen schon mehr als 90% des finalen internationalen Einspiels des ersten Teils eingenommen und hat immer noch Australien vor sich, wo ihm mindestens weitere $15 Mio winken. In China, wo der Film sich dem Ende seiner Laufzeit nähert, hat das Sequel knapp $39 Mio eingenommen. In Russland sind es bisher knapp $27 Mio. Frankreich und Großbritannien haben nach fünf Wochen jeweils $22,2 Mio beigesteuert. Aus Brasilien stammen $27,5 Mio, was aber trotzdem deutlich unter dem Einspiel des Originals liegt. In Mexiko hat Rio 2 $29,4 Mio nach fünf Wochen eingespielt und belegt weiterhin Platz 1 der Jahres-Charts. Rio 2 wird auf jeden Fall international die $350-Mio-Marke überqueren und am Ende wahrscheinlich bei $360 Mio landen.

Die Schadenfreundinnen spielte letztes Wochenende $13,1 Mio von 60 Ländern ein und brachte das internationale Einspiel der Komödie auf $66,5 Mio. Der Film startete in den meisten südamerikanischen Ländern, doch die Highlights waren am Wochenende Deutschland mit $2,1 Mio, Großbritannien mit $1,6 Mo und Australien mit $1,5 Mio. In Australien ist der Film besonders erfolgreich und hat nach vier Wochen schon $16 Mio eingespielt – mehr als Noah, American Hustle, Wolverine oder 21 Jump Street. In Großbritannien sind es $12 Mio nach drei Wochen, was den Film ebenfalls oberhalb von Erfolgen wie Divergent – Die Bestimmung und Taffe Mädels bringt. Mit Spanien, Italien und Frankreich in petto, wird Die Schadenfreundinnen mindestens $115 Mio außerhalb von Nordamerika einspielen.

Die Eiskönigin – Völlig unverfroren ließ sich in Japan nicht von der Konkurrenz beirren und hielt sich auch am 9. Wochenende in Folge mit $7,3 Mio auf Platz 1 der dortigen Kinocharts. Insgesamt spielte der Film bis dato in Japan $167 Mio ein. Das ist mehr als das Gesamteinspiel von Hayao Miyazakis Ponyo und liegt weniger als $20 Mio vom Endergebnis von Avatar entfernt. Noch vor Ende des Monats könnte Die Eiskönigin in Japan die $200-Mio-Marke knacken und zum dritterfolgreichsten Film aller Zeiten werden. Auch die $212 Mio von Titanic wird er auf lange Sicht übertreffen. Bleibt nur noch die Frage, ob Die Eiskönigin die $244 Mio von Chihiros Reise ins Zauberland erreichen und zum erfolgreichsten Film aller Zeiten in Japan werden kann. Ausgeschlossen ist es nicht, wenn man das Durchhaltevermögen des Films in den japanischen Kinos bedenkt. International hat der Animationsfilm $790 Mio eingespielt und liegt weltweit mehr etwa $1,19 Mrd. Schon bald wird er Iron Man 3 überholen und zum weltweit umsatzstärksten Film von 2013 werden sowie zum fünfterfolgreichsten Film aller Zeiten. Ich schätze, dass ein finales internationales Ergebnis von $850 Mio (und $1,25 Mrd weltweit) möglich ist.

Noah spielte zusätzliche $3,3 Mio ein und steht jetzt bei $239 Mio außerhalb von USA und Kanada. In China darf der Film nicht starten, weshalb seine internationale Performance bald mit dem Filmstart in Japan ihr Ende finden wird. Er wird mit etwa $250 Mio außerhalb von USA und Kanada die Kinos verlassen.

Grand Budapest Hotel kriecht weiterhin in Richtung von $100 Mio und spielte letztes Wochenende $2,4 Mio ein. Mittlerweile hat der Ensemble-Film von Wes Anderson $93,9 Mio eingenommen und könnte noch vor Monatsende $100 Mio knacken.

Der Liam-Neeson-Actionstreifen Non-Stop hat sein internationales Einspiel auf $107 Mio gebracht. In Mexiko steig der Film in der zweiten Woche auf Platz 1 der Kinocharts auf und spielte dort bis dato $5,2 Mio ein.

Stereo: Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu im Interview zum Thriller

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Jürgen Vogel Moritz Bleibtreu Interview Stereo

Wie ich bereits angekündigt habe, hatte ich im Rahmen der Kölner Premiere des Psychothrillers Stereo die Gelegenheit, die beiden Stars des Films, Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel, zu interviewen. Weitere Vorstellung brauchen die beiden eigentlich nicht, denn sie gehören schon seit geraumer Zeit zu den Größten der Größten in der deutschen Filmlandschaft. Seien es Kleine Haie, Nackt, Die Welle oder Der freie Wille (der mit einem Silbernen Bären prämiert wurde) von Vogel oder Das Experiment, Lammbock, Lola rennt und die zahlreichen Filme mit Fatih Akin von Bleibtreu – beide prägten das deutsche Kino über die letzten 20 Jahre. Nie hat sich einer der beiden in eine Schublade stecken lassen oder hat sich auf ein Genre festgelegt. Beide waren stets bereit Risiken einzugehen, Neues auszuprobieren. Es passt also sehr gut zur Experimentierfreudigkeit der beiden, dass ausgerechnet sie es sind, die im deutschen Psychothriller Stereo die Hauptrollen übernommen haben, einem Film, wie man sie aus Deutschland nicht gewohnt ist – einem waschechten Psychothriller der Extraklasse.

Überraschend ist hingegen, dass es überhaupt so lange gedauert hat, bis die privat gut befreundeten Schauspieler endlich gemeinsam in einem Film auftraten. Stereo ist ihre zweite Zusammenarbeit. In Oskar Roehlers Quellen des Lebens (2013) hatten die beiden nur wenige Szenen miteinander und Vogel, der darin den Vater von Bleibtreus Charakter spielte, agierte unter viel Makeup. In Stereo haben beide gleichwertige Hauptrollen und legen eine unglaublich intensive Dynamik an den Tag, die alleine schon den Film lohnenswert macht.

Diese Dynamik äußerte sich auch in unserem Interview mit den beiden, das wir in einem gemütlichen Kinosaal des Kölner Weißhaus-Kinos geführt haben. Anstelle eines ganz traditionellen Frage-Antwort-Interviews zu diversen Themen, zog sich ein Faden durch die gesamte spannende Diskussion – weshalb sind Filme die Stereo in Deutschland so selten und was sollte man an der deutschen Filmindustrie verändern? Die Ansichten und Meinungen der beiden dazu sind sehr lesenswert, weshalb wir Euch auch nicht länger auf die Folter spannen wollen.

Filmfutter: Stereo ist ein klasse Film. Es ist ungewöhnlich einen solchen Film aus Deutschland zu sehen – einen düsteren, spannenden Thriller mit Actionelementen. Auch Euch ist das sicherlich bewusst, dass Stereo sich von der deutschen Filmlandschaft deutlich abhebt. Wäre es dann nicht sehr wichtig, dass gerade ein Film wie Stereo viel Erfolg hat? Und woran liegt es überhaupt, dass solche Filme aus Deutschland nur selten sind?

Jürgen Vogel: Es ist eine schwierige Frage. Wenn die Journalisten viel darüber berichten und wollen, dass es mehr solche Filme gibt, dann müssen sie das auch offen sagen. Wenn die Presse nicht nur über Komödien schreiben möchte, sondern auch das Augenmerk auf das deutsche Genrekino lenken möchte, dann wäre auch das eine große Hilfe. Es sollte nicht alles auf den Schultern von Stereo lasten. Ein einziger Film kann eine solche Veränderung nicht herbeiführen. Jede Wochen kommen 20 Filme ins Kino und drücken auch gerne mal einen Film weg. Es wäre eine Tragödie, wenn sich dann keiner traut, weiterzumachen. Wir als Schauspieler haben sowieso Bock darauf, etwas anderes zu machen, sei es ein Abenteuerfilm oder ein Actionfilm. Wenn die Zeit jetzt so weit ist, dass auch die Zuschauer das wollen, dann sollten sie das zum Ausdruck bringen. Bei ihnen liegt die größte Macht.

Moritz Bleibtreu: Ich glaube hinzu kommt noch, dass oftmals gerade die Leute, die sich über die Armut der Genrevielfalt in Deutschland beschweren, diejenigen sind, die nie ins Kino gehen. Das ist auch ein Problem. Ich glaube, dass deutsches Kino etwas ist, wofür man sich ein Stück weit auch interessieren muss. Es ist kein Hollywood-Kino, das einem mit einer riesigen Marketing-Power vor die Füße gelegt wird. Wenn man nicht ein bisschen die Augen offen hält, sich nicht dafür interessiert, was im deutschen Kino gerade los ist, dann ist es auch gar nicht so leicht. Darüber hinaus ist „Thriller“ auch international ein schweres Genre. Aber der Hauptpunkt ist auch, dass die meisten, die sich über die mangelnde Vielfalt des deutschen Kinos beschweren, gar nicht wissen, was für tolle Sachen im deutschen Kino passieren.

JV: Aber leider oft mit geringen Zuschauerzahlen. Wir haben doch beide schon viele geile Filme gedreht, die einfach kein Publikum fanden. Wie Moritz schon sagte, die Leute wissen das nicht und sind es auch nicht gewohnt, interessante Filme aus Deutschland zu sehen. Ein solches Publikum muss man auch pflegen und bilden. Es ist ein Prozess und es dauert einige Zeit, bis die Zuschauer dann kapieren, dass es häufiger interessante und ungewöhnliche deutsche Filme gibt, als man denkt. Gerade Moritz und ich experimentieren gerne rum.

Jürgen Vogel Moritz Bleibtreu Interview 1
Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu in Stereo

FF: Fällt Euch jeweils ein bestimmter Film ein, bei dem Ihr mitgemacht habt, der besuchertechnisch nicht gut gelaufen ist und Ihr das besonders schade findet?

JV: Unzählige! Gnade, nur 50,000 Zuschauer. Das war heftig, das hat der Film nicht verdient. Scherbentanz, damals auch nur 30,000. Sexy Sadie, Keine Lieder über Liebe

MB: Vijay und ich, keine 15,000 Zuschauer. Die Liste ist endlos. Das ist, was ich eben meinte. Natürlich kann man niemanden dazu zwingen, sich für deutsches Kino zu interessieren. Kino ist ein Event. Man geht einmal alle 2-3 Wochen ins Kino und nimmt eben das, was nahe liegt. Man nimmt den Film, über den alle reden, einen mit Brad Pitt oder DiCaprio. Das ist der Punkt. Man muss ein Grundinteresse an deutscher Sprache im Film haben. Das wird wahnsinnig unterschätzt. Man darf nicht vergessen, dass das Kino unternehmerisch betrachtet wahrscheinlich ein einzigartiger Raum ist. Man stellt ein Produkt her, das in seiner Herstellung zwischen $20,000 für Paranormal Activity und $275 Mio für World War Z variiert. Am Point of Sale, also im Kino, kosten aber beide dasselbe. Das ist ein Problem. Das ist, wenn man in eine Bar geht und die Wahl zwischen einem Eimer voll mit Bier und einem Schnapsglas mit Bier hat – und beide kosten gleich. Was kaufst du? Du nimmst den Eimer. Dessen muss man sich bewusst werden und das wiederum setzt ein Grundinteresse voraus. Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute sehen, wie viel doch ungewöhnliches und geiles Zeug im deutschen Kino stattfindet und sich dafür auch interessieren. Dass sie dann vielleicht denken: „Hey, wenn Jürgen Vogel einen Film macht, dann schau ich mir das an“.

JV: Man denkt, die Leute gehen ins Kino, weil der und der in einem Film mitspielt. Das funktioniert manchmal, aber wirklich selten. Meistens ist das Gesamtpaket entscheidend. Momentan sind romantischen Komödien ganz im Trend.

FF: Ich habe das Gefühl, dass dieser Trend schon ewig andauert.

JV: Ja, es ist auch so.

MB: Ich denke, das ist falsch beobachtet. Es ist ständiges Auf und Ab. Als wir angefangen haben, Filme zu machen fing es mit romantischen Komödien an. Ein Mann für jede Tonart, Stadtgespräch, Der bewegte Mann usw. Das waren allesamt Komödien oder romantische Komödien. Nach diesem Boom von romantischen Komödien hat es dann eigentlich eine Gegenbewegung zu den romantischen Komödien gegeben. Genau genommen gab es bis Keinohrhasen jahrelang kaum großen romantischen Komödien. Es gab mindestens sieben Jahre, in denen die romantische Komödie im deutschen Kino eine absolute Ausnahme dargestellt hat. Das war übrigens auch eine goldene Zeit für das deutsche Kino, in der dann Filme wie Der Untergang, Der Baader-Meinhof Komplex, die großen Eichinger-Produktionen, ins Kino kamen.

JV: Auch Die Welle, mit 2,7 Mio Zuschauern.

MB: In dieser Zeit gab es kaum deutsche Beziehungskomödien, weil man dachte, dass es nicht mehr funktioniert, da es zuvor einfach inflationär betrieben wurde. Dann hat aber Til (Schweiger) mit Keinohrhasen das Genre wieder neubelebt und jetzt ist es auf einmal der absolute Bringer. Das ist das Problem hierzulande. Die Wahrnehmung ist fast immer schwarz oder weiß, aber selten grau. Schaut man genauer hin, dann ist es grau.

FF: Also ist es wieder an der Zeit für eine Gegenbewegung?

Moritz Bleibtreu interview StereoMB: Sie ist mitten im Gange, auf jeden Fall. Das ist ja international eigentlich auch so. Die Komödie ist neben großen Actionspektakeln der Moneymaker Nummer 1. Der Großteil der Menschen geht nicht ins Kino, um sich Gedanken über die Welt zu machen, einen sozialkritischen Film oder unter Umständen ein abgefucktes Drama zu sehen. Sie wollen es meist leicht und schön haben, sie wollen aufgeheitert werden. Sie wollen was erleben, dann nach Hause gehen und sich gut fühlen. Das ist auch vollkommen in Ordnung und verständlich. Komödie macht einfach Kohle. Aber gerade jetzt passiert ganz schön viel im deutschen Kino, das auch wieder in eine andere Richtung geht. Zum Beispiel (der Hacker-Thriller) Who Am I mit Wotan (Wilke Möhring), Elyas (M’Barek) und Tom Schilling. Christian Alvert dreht Unter Brüdern, mit einer tollen Besetzung. Es hat dieses Gegengewicht eigentlich immer gegeben. Leider interessieren sich die Leute häufig nicht genug dafür. Wie Jürgen gesagt hat, es braucht Zeit, das dem Publikum nahe zu bringen. Die Presse ist da unglaublich wichtig. Dass wir jetzt ein zitty-Cover in Berlin mit Jürgen und mir haben, das ist einfach legendär. Ich weiß gar nicht, wann zitty das letzte Mal deutsche Schauspieler auf dem Cover gehabt hat Drunter steht noch „Endlich Action!“ (lacht).

FF: Wenn Ihr eine Sache an der aktuellen deutschen Filmindustrie ändern könntet, was wäre das?

JV: Ich würde sagen, wir machen jetzt 70% deutsche Filme und nur 30% ausländische.

MB: Ich würde vor allem die deutsche Sprache als Grundvoraussetzung des deutschen Förder- und Subventionssystems machen. Genau wie Jürgen sagt, dass die Subventionen primär an die deutsche Sprache gebunden sind, so ähnlich wie die Franzosen das über die Alliance française machen. Das heißt, nur ganz wenige Filme, die nicht in eigener Sprache produziert werden, sollen gefördert werden. Man hat dafür einen gesonderten Topf, wie Eurimages, der sich kümmert sich um alle nicht-französischsprachigen Koproduktionen wie Transporter und die anderen Produktionen von Luc Besson. Ansonsten gilt die Subvention nur der eigenen Sprache. Das wäre der erste große Schritt.

JV: Ja, da haben die Politiker aber Angst davor, dass das die Diskussion über Nationalismus lostreten würde. Das ist natürlich Quatsch, denn dadurch sichert man die gesamte Industrie und hilft, etwas aufzubauen und generellen Rahmen und Raum zu schaffen.

MB: Wenn bei uns Geld rumliegt, was für große internationale Filme verfügbar gemacht werden kann, dann werden diese Produktionen natürlich das Geld nehmen. So viel ist sicher. „Stupid German money“ ist ein Begriff, den es seit den Achtzigern gibt (lacht). Das haben wir jetzt wieder. Nur es ist ein wenig anders. Es sind jetzt nicht die Fonds, die das Geld in die Staaten tragen und da große schlechte Filme in den Sand setzen, sondern die kommen hierher und holen sich das Geld direkt von uns. Ich glaube tatsächlich, dass es helfen würde, wenn man die Subventionsstatuten an die deutsche Sprache binden würde und sagen würde, dass es um die deutsche Sprache geht. Das ist auch völlig normal. Jeder Filmpreis dreht sich ja auch um die eigene Sprache. Daher gibt es beim Oscar ja auch eine gesonderte Kategorie für Filme, die nicht in englischer Sprache sind.

Jürgen Vogel Moritz Bleibtreu Interview Stereo 3JV: Man kann sich da ja auch Afrika anschauen. Wenn die Produkte, die dort hergestellt werden, auf dem internationalen Markt verkauft werden könnten, dann würde es den Afrikanern besser gehen. Da das aber von der „Mafia“ der Wirtschaft nicht zugelassen wird, haben sie keine Chance. Genau so ist es mit dem Kino auch. Du hast nur bedingt eine Chance, in deinem Land Filme herauszubringen, wenn der Druck der anderen Industrie so groß ist. Du hast kaum eine Chance mit einem Film, der 3 Millionen kostet gegen einen Film, der 280 Millionen verschlungen hat.

MB: Wenn jetzt Warner oder ein anderes Studio den neuen Superman-Film hat und man sich als Kinobetreiber weigert, den Film ins Programm aufzunehmen, dann bekommt man auch den nächsten Film von dem Verleiher nicht. So funktioniert die Verleihstruktur.

JV: Selbst wenn der deutsche Film dann erfolgreich ist und das Kino ist voll, gibt es eben diesen Druck. Das wäre komplett anders, wenn das Verhältnis anders wäre.

MB: Was die Franzosen beispielsweise über eine Quote regeln. Eine sensationelle Lösung. Das Problem ist nur, dass man dann in Deutschland direkt eine Debatte über Nationalismus hätte. Man versucht ja in Frankreich nichts anderes, als die eigene Kultur und die Sprache zu schützen. Die Franzosen haben über das Kino hinaus ja auch Quoten fürs Radio und für das Fernsehen.

JV: Die Amerikaner machen es doch genau so. Dort werden kaum fremdsprachige Filme geschaut. Du kannst ja auch keine deutschen Filme breit in den Kinos dort zeigen, außer vielleicht unter „ferner liefen“ in kleinen Arthouse-Kinos, wie Lola rennt.

MB: Deshalb machte auch The Artist Kasse, weil da nicht gesprochen wird. (lacht)

JV: Esa gibt Ausnahmen, aber es kommen eigentlich kaum deutsch- oder französischsprachige Filme groß ins US-amerikanische Kino. Stattdessen überlegen sie, ob sie die Filme nicht einmal neuverfilmen, wie beispielsweise Verblendung aus Schweden. Das ist natürlich geil, es schützt den eigenen Markt extrem. Und wir reden hier dann über Nationalismus…

MB: Ja, man besorgt sich die Remake-Rechte und macht das ganze neu, mit einem großen Star. Man macht z. B. aus Das Experiment so ein mieses Remake mit Adrien Brody und Forest Whitaker…

FF: Hast du das Remake gesehen?

MB: Ja, ich habe die ersten 20 Minuten gesehen und das hat auch gereicht.

JV: Man versucht in den meisten Ländern, den eigenen Filmen Vorrang zu geben. Das ist ja auch voll okay, dass amerikanische Filme in den deutschen Kinos laufen, aber vielleicht nicht in dieser Masse, sodass man einfach keine Kraft hat, sich dagegen zu stemmen.

FF: Deswegen wünsche ich Stereo auch sehr viel Erfolg, weil ich weiß anhand von Beispielen wie Anatomie, Die Welle, Das Experiment und anderen, dass das Publikum dafür prinzipiell schon da ist. Man muss das Potenzial rausholen.

MB: Aber da sind die Presse, aber natürlich auch die Zuschauer gefordert. Wenn man keinen Hype um die Filme macht, und zwar massiven Hype, dann ist es schwierig. Wir können das nicht, wir können nur einen geilen Film machen.

JV: Letztlich sitzen wir in einem Boot.

 von Arthur Awanesjan

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In den deutschen Kinos läuft Stereo ab dem 15.05.2014. Verpasst nicht diesen spannenden Film, der zeigt, dass deutsches Kino, nicht nur aus Geschichtsaufarbeiten und romantischen Komödien besteht.

Wo die wilden Kerle wohnen (2009)

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Where the Wild Things Are, USA 2009 • 101 Minuten • Darsteller: Max Records, Catherine Keener, Mark Ruffalo • Mit Originalstimmen von: James Gandolfini, Lauren Ambrose, Chris Cooper, Forest Whitaker, Catherine O’Hara, Paul Dano • Musik: Carter Burwell • FSK: ab 6 Jahren • Kinostart: 17. Dezember 2009 • Offizielle Website

Ich begegnete Dinosaurier, trainierte Löwen, rettete Welten, sicherte das Universum, ich war überall und sah alles und fühlte alles und liebte alles. Ich war ein Kind, klein und schmal, und doch begrenzte nichts meine Vorstellungskraft, die jeden Tag wütete und die Langeweile besiegte. Wie schön war das, wie unbekümmert diese Zeit doch war, wie herrlich unberührt von Sorgen, von Nöten, von Ängsten all jene Abenteuer doch waren!

Zu schnell verging diese Zeit der Kindheit, sie schweifte dahin, nahm Platz in unseren Erinnerungen und kauerte bereit für den Abruf in der letzten Ecke des Gehirns, das so voll ist mit Anstrengungen, Verpflichtungen, kurz: Leben.

wodiewildenkerlewohnenDoch um all das zu vergessen – zumindest die Schatten des Lebens – gibt es solche Regisseure wie Spike Jonze und Filme wie „Wo die wilden Kerle wohnen“. Das ist gut so und vor allem wichtig, so vergessen wir doch alle viel zu oft unsere Kindheit und wir vergessen noch viel öfter die Tatsache, dass wir noch heute Kinder sein können, wenn wir es doch nur wollen. Spike Jonze stillt dieses Verlangen, in dem er uns animiert, nein, falsch: reanimiert und uns die Schönheit der Kindheit und auch des gegenwärtigen Lebens eindrucksvoll wie nie in Erinnerung ruft.

„Wo die wilden Kerle wohnen“ fängt da an, wo Langeweile aufhört: Mit Gebrüll stürzt Max (Max Records) durch sein Haus, jagt seinen Hund und gibt sich seiner Kindheit hin. Er baut ein Schneeiglu und bewirft die Freunde seiner Schwester mit Schneebällen, er weint ob der Niederlage in der Schneeballschlacht und der Zerstörung seines Iglus, er rächt sich an seiner Schwester wegen unterlassener Hilfe und heult in seinem Bett. So facettenreich schafft es Regisseur Spike Jonze innerhalb weniger Minuten, den Geisteszustand seines Hauptcharakters zu visualisieren: Ein Kind mit eindrucksvoller Fantasie, unfassbar sensibel, rührend, ausschweifend, schwelgend. Eben so, wie wir alle waren, und wenn wir es nicht waren, so hatten wir das Verlangen danach, schon damals, und wenn nicht damals, dann heute.

Max aber, nun ja, er fixiert sich auf das Schlechte, auf das, was nicht passt zum Phantasieleben unter der Bettdecke oder im Iglu: Seine Mutter hat einen neuen Freund, einen, mit dem sie lachen kann, doch dieses Lachen löst nicht Max aus, sondern dieser fremde Mann in einer plötzlich fremden Welt. Max rückt sich in den Mittelpunkt, will jetzt der Junge sein, der die Mama zum lachen bringt, wie wir es alle wollten damals. Es kommt zum Streit, plötzlich zwar, aber nicht unerwartet, und so läuft Max weg, weit weg, immer weiter, schnappt sich ein Boot, schippert übers Wasser, bis er eine Insel entdeckt und somit ein neues Leben – oder: eine neue Kindheit. Eine bessere Kindheit, in der alles so ist, wie es sein sollte; in der die Gedanken im Kopf – so abwegig sie auch sein sollten – das Echte verdrängen. Daraus entsteht die Kindheit – daraus entstehen die wilden Kerle.

wodiewildenkerlewohnen-bildCarol, Douglas, KW, Judith, Ira und Alexander heißen sie. Wo immer Max jetzt also hingeht, die wilden Kerle bleiben bei ihm, denn er regiert fortan als neuer König über sie und die Insel. Wundersame Kräfte hat er, vieles und viele bekämpfte er damit schon, und die wilden Kerle staunen und jauchzen über diese Geschichten.

Die Geschichte in diesem Film, zugegeben, die bietet eigentlich nicht viel. Aber in Spike Jonzes Meisterwerk kämpfen Gefühle gegen Probleme, Realität gegen Scheinwelt und Metapher gegen Bilder. Max kreiert fluchtartig, losgelöst von dem Realen hinter ihm am anderen Ufer eine Welt, die dem Perfekten nahe sein soll, so wie es seine Phantasie schon immer war. Keines dieser Monster aber lebt fröhlich Tag ein, Tag aus und keines dieser Monster entspringt den Idealen aus Max' Gedanken. Im Gegenteil: Max ringt mit sich und dem Werden zum Erwachsenen oder zumindest dem Aufbauen eines Verständnis', das fortgeschrittener ist als das eines verspielten Kindes. Jede Kreatur nimmt einen Platz ein in Max' Entwicklung für Empathie, für das Verstehen von Ereignissen, die einfach nicht in die Abenteuer passten, die er täglich erlebte – fernab von Mutter, Schwester, Vater.

wodiewildenkerlewohnen-bild5Teil des Erwachsenwerdens: Verstehen von Problemen. Max kapiert natürlich nichts von dem, was beispielsweise die unkontrollierbare Judith wirklich meint, wenn sie ihn anschreit. Max kann nicht nachvollziehen, warum Carol so wütend reagiert, als die hübsche KW ihre Freunde mitbringt. Probleme sind das, die so komplex und weitreichend für die Laune des Wesens sind – ob Mensch oder wilde Kerle -, dass Max zunehmend die Kontrolle über sein Königreich verliert. Das macht nichts, nein, und wie das nichts macht, denn Max lernt zu verstehen, kapiert, kann nachvollziehen, ein Teil von ihm wächst, er wird erwachsen, was nicht schlimm ist, denn Erwachsensein heißt nicht, seine Kindheit zu verlieren – nein, ganz und gar nicht, es wird sogar noch besser, denn seine Kindheit weiß man dann viel mehr zu schätzen und die Erinnerungen wärmen uns, jahrelang. Noch durchschaut Max das Gewächs aus Gefühlen nicht, aber wer kann das schon von sich behaupten, also heute, wir, die Erwachsenen, die Großen?

Groß sind die Bilder, die Spike Jonze hier erschafft, ebenfalls. Größer und spektakulärer und umwerfender als alles, was sich die vergangenen Jahre Film nannte. Im Wald boxen und werfen sich die wilden Kerle durch Äste und Laub, brüllen und lachen wie ob der Lautstärke anscheinend seit Jahren nicht mehr und frohlocken angesichts der Lebenslust, der Unbeschwertheit, ja, verdammt, sie lieben und huldigen ihr Leben, das so ist, wie sie es sich immer vorstellten. Und dann, wenn im Hintergrund die Sonne aufgeht und Max und die wilden Dinger am Rande einer Klippe stehen, liebe und huldige auch ich mein Leben. Untermalt mit irgendwie chaotischer, aber die Emotionen perfekt unterstützende Musik mit Kindergebrüll im Hintergrund entsteht eine Kulisse, herrje, die ihresgleichen sucht.

wodiewildenkerlewohnen3Subtil wie es Kino selten erzählt, spinnt Max in dieser erfundenen Welt viele Parallelen zu seiner Familie; Dinge, die dem Film das Dasein als Kinderfilm absprechen. Zu komplex entrinnt Max' Gefühlswelt dem normalen Verständnis, denn gerade Kinder deuten Emotionen oft falsch, sprechen ihnen die Aufrichtigkeit ab gerade dann, wenn sie am intensivsten vom Gegenüber wirken. Kinder und Max insbesondere sind in einem Maße sensibel, wie wir uns es kaum vorstellen können, oft vergessen wir das im Umgang mit ihnen und sorgen für Tränen in Momenten, wo wir lediglich Liebe schenken wollten. Diese Insel, diese Monster, sie transportieren immer auch ein Teil von Max und seiner Unfähigkeit, Liebe und Freude und Schmerz und Trauer zu geben und zu verstehen. In wichtigen Momenten fehlen Liebe, Freude, Schmerz und Trauer und manchmal ist zu viel davon da. Alles ist falsch und richtig zugleich, eine Entwirrung des Ganzen heißt Liebe, Freude, Schmerz und Trauer zu empfinden. Aber weder Max noch die wilden Kerle wissen, welches Gefühl bei welchem Problem hilft. Was folgt, ist ganz leicht zu benennen: das Leben. So kompliziert, so schwierig, so wunderschön in all seiner plötzlichen und komplizierten Konsequenz.

wodiewildenkerlewohnen-bild6Danken müssen wir Jungschauspieler Max Records, der erstaunlich viel mit seinem Gesicht arbeitet und den für seinen Charakter so komplizierten Situationen die richtige Stimmung verleiht. Es wäre kaum verwunderlich, wenn er beim Dreh tatsächlich vieles davon, was Carol und KW sagten, nicht verstand und ehrlich und aufrichtig spielte. Ein großer Triumph strahlt dabei den ganzen Film über: Die großen und immer gegenwärtigen Kostüme der wilden Kerle, in denen Schauspieler steckten und so immer bei Max waren. Digital animiert ist eben nicht immer besser.

Doch der größte Respekt gebührt Spike Jonze, der zusammen mit Co-Autor Dave Eggers die Geschichte des Kinderbuchs passend und rührend erweitert hat. Denn keiner der Charaktere hat ein einfaches Gemüt, daraus entsteht aber erst die teils düstere Melancholie, wenn etwa Carol sein selbstgebautes Utopia seiner Insel zeigt, in dem alle friedlich miteinander leben und sich vereinend lieben, so, wie es sein sollte. Ohnehin spürt man die Angst immerzu. Wenn etwa Max Carol fragt, ob er wusste, dass die Sonne irgendwann sterben wird; oder als Carol davon erzählt, dass die Insel sich zunehmend in Sand wandelt; oder als sich Max im Magen von KW versteckt, als sie gerade mit Carol streitet. Brillant inszeniert und geschrieben ist das alles, so verträumt und wunderschön und sich irgendwie so real anfühlend, dass einem am Ende nur noch die Tränen kommen. Man muss sich dafür nicht schämen, keineswegs, denn sollten wir weinen, hachja, da wird uns einfach wieder bewusst, wie unendlich schön doch die Kindheit war.

wodiewildenkerlewohnen-bild4Ist die Reise beendet, ist Max nicht erwachsen geworden. Aber er hat Lehren gezogen aus den Gefühlen anderer, aus den Problemen seiner geliebten Mitmenschen, er weiß, dass er nicht alles unbedingt nachvollziehen muss, gerade dann, wenn es um seine Familie geht – aber ihn ihm wächst das Bewusstsein für Liebe auch dann, wenn es schwer ist, wenn es unerklärlich ist, eben wenn das Leben zu kompliziert ist, um mit Taten oder Worten dem Ganzen Ausdruck zu verleihen.

Am Ende aber – und das ist eine Leistung von unbeschreiblicher Leistung -, da weiß ich, dass Filme, trotz der Schwächen, trotz für Kinder manch ungeeignete Szene, trotz der manchmal schwer nachvollziehbaren Handlungen der Monster, da weiß ich jetzt voller Euphorie und mit vehementer Aufrichtigkeit: Nach diesem Meisterwerk können Filme nicht mehr besser werden.

Unser Blogger-Special zu 3 Days to Kill – Der Kampf mit den Deadlines

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3 Days to Kill Special

Nachdem es um Kevin Costner einige Zeit ruhiger bestellt war, ist der Star dieses Jahr gleich mit mehreren Filmen im Kino vertreten. In Jack Ryan: Shadow Recruit war er der Mentor des jungen Helden von Tom Clancy. In 3 Days to Kill (unsere Kritik), der seit  dem 8.05. in den deutschen Kinos läuft, darf er als ehemaliger Top-Agent selbst zum Actionhelden werden. Dabei wird ihm jedoch eine tödliche Deadline vorgesetzt bekommen – er ist unheilbar krank und seine einzige Chance auf ein experimentelles Heilmittel besteht darin, im Auftrag der Regierung auf eine gefährliche Mission zu gehen.

Die Deadline im Film hat uns und drei weitere Film-Blogger dazu inspiriert, über unseren eigenen Umgang mit Deadlines zu schreiben.

Leistungstechnisch verstehe ich mich als studentischer Olympionike. Auf den Tag, auf den Moment, auf die Sekunde genau bringe ich meine Leistung auf den Punkt. Applaus. Goldmedaille. Ruhm. Groupies. Die Vorzüge, ein Siegertyp zu sein. Klassische Beispiele wie Klausuren oder mündliche Prüfungen bereiten da beinah perverses Vergnügen – eine emotionale Achterbahnfahrt. Hausarbeiten hingegen schleppe ich mit mir herum, wie eine lästige Infektion. Der Killer-Satz: „Geben Sie die Hausarbeit ab, wann Sie es für richtig befinden.“ ist der Anstoß eines abwärtslaufenden, spiralförmigen Verdrängungsprozesses, der so richtig an Rückenwind durch die lasche Haltung des Dozenten gewinnt. Oder bin ich der lasche Schlendrian? Um ehrlich zu sein: Die Schuld liegt bei mir. Liebe Filmfutter.com-Freunde, macht es besser als ich! Setzt euch – sofern von Nöten – eigene Deadlines, seid hart zu Euch, gewährt Euch im gleichen Atemzug aber auch eine Belohnung für jeden Schritt näher ran Richtung Zielstrebigkeit und bewältigte Errungenschaft. Macht nicht Eure Mutter stolz auf Euch, sondern macht Euch selbst stolz, denn Ihr verdient es so. Haltet Euch an eine persönlich funktionierende Struktur und die Welt der Deadlines liegt euch zu Füßen. Lasst eure lästigen Pflichten nicht im Schlund der Sorglosigkeit versickern. Ein Glück für diese Webseite und dieses reißerisch verfasste, hoffentlich auch motivierende Blogger-Special, dass der Chef keine lasche Haltung an den Tag legt und ich seine Faust im Nacken spüre. Viel Erfolg und Spaß beim 3 Days to Kill wünscht euer Filmfutter-Team.

Wie es unsere Kollegen handhaben, erfahrt Ihr hier:

Leinwandreporter
WeWantMedia
Kino7

Filminhalt:

"Top-Agent Ethan Renner (Kevin Costner) hat lange Jahre auf ein intaktes Familienleben verzichtet, um Frau und Tochter nicht den Gefahren seines Jobs auszusetzen. Als er erfährt, dass er todkrank ist, beschließt er, die verbleibende Zeit seiner Tochter Zooey (Hailee Steinfeld) zu widmen. Bis ihm die Agentin Vivi Delay (Amber Heard) einen letzten Auftrag anbietet: Er hat drei Tage Zeit, um einen der gefährlichsten Terroristen der Welt auszuschalten. Im Gegenzug erhält er ein noch unerprobtes Medikament, das sein Leben verlängern könnte. Renner willigt ein und sieht sich plötzlich ungewohnten Herausforderungen gegenüber: Während er neue Vaterpflichten erfüllen muss, weil seine Ex-Frau (Connie Nielsen) die pubertierende Tochter in seine Obhut gegeben hat, soll er die heikle Geheimdienstmission präzise über die Bühne bringen. Wären da nur nicht die starken Halluzinationen, Nebenwirkungen seines Medikaments. Ethan Renner läuft die Zeit davon…" (Quelle: Universum Filmverleih)

 

Godzilla (2014)

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Godzilla Poster

Godzilla, USA 2014 • 123 Min • Regie: Gareth Edwards • Mit: Aaron Taylor-Johnson, Bryan Cranston, Ken Watanabe, Elizabeth Olsen, Sally Hawkins • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 15.05.2014 Facebook-Seite

Godzilla is back in town! 16 Jahre nach der kolossal gescheiterten Godzilla-Verfilmung von Roland Emmerich kehrt das japanische Filmmonster endlich wieder zurück auf die große Filmbühne Hollywoods. Für dieses Unterfangen holte sich das Produktionsstudio Warner Brothers einen noch relativ unbekannten Regisseur ins Boot: Gareth Edwards ist sein Name, seines Zeichens Regisseur und Visual-Effects-Artist von „Monsters“, einer britischen Low-Budget-Produktion, die gemessen an ihrem finanziellen Spielraum sehr gute Filmeffekte bot. Grund genug, um Edwards die hohe Verantwortung für die teure Godzilla-Neuverfilmung zu übertragen.

15 Jahre sind vergangen, seit im Jahr 1999 das japanische Kernkraftwerk Janjira von einem gewaltigen Erdbeben heimgesucht und vollständig zerstört wurde. Der Amerikaner Joe Brody (Bryan Cranston), der damals als Ingenieur in dem Atommeiler gearbeitet hat, glaubt jedoch nicht an die offiziellen Erklärungen der Behörden, dass ein Erdbeben zu dem Reaktorunglück geführt haben soll, und sucht, besessen von seiner Idee, nach Beweisen für eine Verschwörung. Gemeinsam mit seinem mittlerweile erwachsenen Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson), der seinen Vater nicht ernst nimmt und ihm nur widerwillig hilft, kehrt Joe an den vom Militär abgesperrten und vermeintlich radioaktiv verseuchten Unglücksort Janjira zurück und macht dort eine erstaunliche Entdeckung: an der Stelle des ehemaligen Kraftwerks steht eine neu gebaute, gewaltige Anlage, die ein düsteres Geheimnis beherbergt…

Der neue Godzilla-Film könnte gar nicht besser losgehen: Von einer äußerst spannenden und bedrohlichen Atmosphäre umschlossen, lässt der Film den Zuschauer zunächst fröhlich im Dunkeln tappen, zeigt düstere Bilder und legt sein Schicksal dankenswerterweise ganz in die Hände von Bryan Cranston („Breaking Bad“), der in seiner ihm nicht unbekannten Rolle als besessener Wissenschaftler den Plot überzeugend auf seinen Schultern trägt und den mysteriösen Ereignissen rund um die Nuklearkatastrophe auf den Grund geht. Unzweifelhaft wurde der Prolog inspiriert von der Atomkatastrophe in Fukishima vor zwei Jahren, er stellt damit einen aktuellen Bezug her und facht damit das Interesse des Zuschauers unmittelbar an.

Ist das Fundament für den Film aber erstmal gegossen, muss sich der Film irgendwann entscheiden, was er sein will: ein etwas tiefgehender Sci-Fi-Thriller, für den man in Bryan Cranston und Ken Watanabe, die beide jeweils Wissenschaftler spielen, die passenden Puzzlestücke für einen anspruchsvollen Film bereits in der Hand hält, oder doch eher einen zerstörungswütigen Blockbuster-Bombast der Marke Emmerich mit großartigen Effekten, Klischees, Schubladendenken und allem Drum und Dran. Ihr könnt es euch vielleicht schon denken, die Wahl fiel auf das Letztere. Na gut, der Fairness halber muss vielleicht noch erwähnt werden, dass der Film sich zumindest bemüht, nicht übermäßig dumm zu wirken und wenig zimperlich mit seinen Figuren zu Werke geht – mit durchwachsenem Erfolg. Zumindest hat man in Godzilla ein Monster erschaffen, das nicht den gängigen Monster-Klischees entspricht. Dazu später mehr.

Godzilla (2014) Filmbild 1

Die größte Schwierigkeit bei dieser Form der Inszenierung ist es, eine interessante Symbiose zwischen Mensch und Monster herzustellen. Das gelingt dem Drehbuchautoren Max Borenstein und Regisseur Gareth Edwards leider absolut nicht. Die menschlichen Akteure sind spätestens in der zweiten Filmhälfte zum Zuschauen verdammt, allen voran die Figur von Aaron Taylor Johnson, der mit zunehmender Spielzeit zum Hauptdarsteller avanciert. Wenn der Vorhang für die große Godzilla-Show aufgeht, sitzt Taylor-Johnsons Figur Ford nur noch auf einem Logenplatz. Er hüpft wie Shia LeBoeuf in "Transformers 2" zwischen über ihn hereinbrechenden Trümmern hin und her, während Godzilla wütet. Zufällig ist Ford immer da, wo die Action gerade abgeht, ob in Japan, in Hawaii oder in San Francisco – so viel Pech hatte noch nicht mal John McClane in allen fünf „Stirb-Langsam“-Filmen zusammen. Am Ende wirken alle Handlungen der Figur reichlich konstruiert und nur darauf abgerichtet, dem Zuschauer eine menschliche Identifikationsfigur aufzutischen.

Für all diese Verfehlungen der Filmemacher kann Godzilla freilich nichts, der König der Monster gibt sich überhaupt keine Blöße und wird garantiert alle Monster-Fans in Staunen und Ehrfurcht versetzen: Godzillas gigantische Ausmaße, die von Edwards anfangs nur geschickt angedeutet werden, beispielsweise sieht man zunächst nur die mächtigen Rückenplatten von Godzilla aus dem Wasser hervorragen, das furchteinflößende Brüllen oder der legendäre Laser-Strahl – Godzilla ist ganz klar der Boss. Und ohne zu viel von dem Plot zu verraten, sei an dieser Stelle gesagt, dass die Riesenechse es vermag, den Zuschauer zum Mitfühlen und Mitleiden für sich einzunehmen. Der stampfende Riese hat mächtig Wut im Bauch und lässt alles raus – wirklich alles! Der Titelheld ist ganz klar der Star in der Manege, dafür bedarf es gar keinen stereotypen Actionhelden Aaron Taylor Johnson, der unfreiwillig komisch in jede zweite Szene hineingedrängt wird.

Die Effekteschmiede hat bei dieser Verquickung von Katastrophenfilm und Monster-Action ganze Arbeit geleistet, ohne aber neue Maßstäbe zu setzen. State of the art – wie man so schön sagt. Die auf Gigantismus gebürsteten Monster sehen zwischen zerfallenen Wolkenkratzern sehr beeindruckend aus, alle anderen Effekte wie einstürzende Gebäude und riesige Tsunamis können sich ebenfalls sehen lassen. Das 3-D dagegen ist absolut vernachlässigbar, manchmal sogar störend, da durch die Brille einige Szenen im San Francisco bei Nacht viel zu dunkel erscheinen. Setzt man die Brille für einen kurzen Moment ab, erkennt man erst, wie viele Details einem durch die Brille verloren gegangen sind. Der 3-D-Aufpreis ist definitiv nicht gerechtfertigt.

Fazit

Nach einem starken, emotionalen Auftakt geht dem Blockbuster-Bombast leider die Puste aus. Am Ende ist es der König der Monster höchstselbst, der mit reichlich Wut im Bauch die Sympathien an sich reißt und den Film über die Ziellinie rettet. Man hat fast den Eindruck, dass sich Godzilla dem Willen des Regisseurs schlicht widersetzt und sein eigenes Ding dreht. Mission erfüllt!

Trailer

The LEGO Movie (2014)

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The LEGO Movie (2014) Filmkritik

The LEGO Movie, AU/DK/USA 2014 • 100 Min • Regie: Phil Lord, Chris Miller • Mit Originalstimmen von: Chris Pratt, Will Ferrell, Elizabeth Banks, Morgan Freeman, Will Arnett, Alison Brie  • FSK: ohne Altersbeschränkung • Kinostart: 10.04.2014 • Deutsche Website

Willkommen in einem knallbunten Chaos – „The LEGO Movie“ ist da. Irgendwie hat man es schon immer gewusst: Da kommt mit Sicherheit mal ein „Simpsons“-Film in die Kinos. So war es. So wird es bestimmt auch mal mit LEGO sein. Tada! Ebenso nach unzähligen Videospielen auf verschiedenen Plattformen zieht neben den Simpsons eine andere Größe aus den Niederungen der Popkultur nach. Die Dänen der Firma LEGO verblüffen Tüftler, Nerds & Geeks, junge sowie  alte Bauingenieure immer wieder. Es war klar, dass eine solche Erfolgsmarke sich nicht lumpen lässt und ein Spaßfeuerwerk sondergleichen abfackeln wird.

The Lego Movie (2014) Filmbild 3Der unauffällige Bauarbeiter Emett (Chris Pratt) ist ein lebenslustiger aber Anschluss suchender Knilch. Die Nachbarn und Kollegen nehmen kaum Notiz von ihm in der von Lord Business (Will Ferell) regierten „Alles ist super“-Welt. Emett hinterfragt nicht wirklich, was um ihn herum geschieht, kleidet sich und baut am liebsten nach strikter Anleitung. Er weicht erst ab, als er auf seiner Baustelle auf die verwegene Wildstyle (Elizabeth Banks) trifft. Deswegen völlig aus dem vorgestanzten Konzept geworfen, „findet“ er beiläufig das Relikt des Widerstandes und wird zusammen mit Wildstyle zu Staatsfeinden erklärt. Die Widerständler um Batman, Superman, Vitruvius (ein Gandalf-Look-A-Like-Prophet, Morgan Freeman) und viele viele mehr sind nicht begeistert von ihrem scheinbar prophezeiten neuen Anführer namens Emett. Ihm mangelt es an Kreativität, um jemals ein Meisterbauer zu werden. Doch liegt es letztlich bei ihm, u. a. weil das „Relikt“ an seinem Rücken klebt, die teuflischen Pläne von Lord Business zu durchkreuzen, nämlich sämtliche Kreativität in der LEGO-Welt auf ewig zu verbannen.

The Lego Movie (2014) Filmbild 1Das Zitate- und Persiflagefeuerwerk fängt schon bei den Figuren selbst an. Batman, Superman und Co. zicken sich durch den Film, um den Puls jedes Nerdherzens in die Höhe schnellen zu lassen. Rechte besitzt LEGO bekanntlich an fast allem was es gibt, sodass zahllose weitere zum Ablachen komische Gastauftritte garantiert sind. Erlaubt ist, was Spaß macht. Der Spaßfaktor kommt glasklar aus der beliebigen Anarchohumor-Ecke, weil immer irgendwas saukomisches auf blindwütige und ungezielte Art und Weise passiert. Der Philosoph Vitruvius wird zum Beispiel von Morgan Freeman gesprochen, quasi der Stimme für jegliche erhabene Autorität, sodass auch Schauspieler selbstreferentiell mit einem Augenzwinkern ihre Stimmen einsetzen. Good Cop/Bad Cop, der Handlanger von Lord Business, ist die wandelnde Parodie jedes Polizei-Krimis von „Lethal Weapon“ bis „CSI“. Kinder können vielleicht auf Grund altersbedingten Mangels an Vorwissen nicht jeden Gag verstehen, aber Entwarnung sei gegeben, denn „The LEGO Movie“ wartet mit Non-Stop-Slapstick auf. Zur Humorsparte sei an dieser Stelle genug getratscht, da weitere Informationen das Überraschende an dem Filmvergnügen schmälern würden.

Technisch fährt die Regie 3D-lohnenswerte Einfälle à la "state of the art" auf. Slow-Motion, Lasergeschosse und unglaublicher Detailreichtum wirken durchgestylt und plastisch. Besonders der Effekt des Plastischen trägt der Spielzeugwelt von LEGO Rechnung. Bewegungsabläufe sind minimal abgehackt und leicht künstlich bis unbeholfen; ohne an Geschmeidigkeit einzubüßen. Es lässt sich gut mit jüngeren Stop-Motion-Produktionen vergleichen („Coraline“, „ParaNorman“). Insgesamt passt das sehr gut, da der Bewegungsradius der LEGO-Gelenke eingeschränkt ist. Wer dieses Gefühl nicht mehr kennt, sollte nochmal auf dem Dachboden oder in der Vitrine nach LEGO suchen und losspielen.

The Lego Movie (2014) Filmbild 2Mit „Everything Is Awesome“ besitzt der Film einen Ohrwurm, der das Potential zum Sommerhit hat. Gleichzeitig schwingt im Zuge des von Lord Business gestreuten Songmaterials eine gar nicht mal so unbeschwerte Note mit. Eingelullt in eine scheinbar perfekte Welt und bei Laune gehalten, fällt den Bewohnern gar nicht mehr auf, wie unfrei sie sind. Der kritische Blick auf die Umwelt und Selbstreflexion existieren so gar nicht. Emett haut zwar immer mal wieder einen Nebensatz raus, unterschwellig kritische Gedanken äußernd, verwirft diese jedoch schnell wieder, weil ja alles „awesome“ ist.  Auf der Oberfläche ist der Film eine klassische Underdog-Geschichte, eine Zero-to-Hero-Nummer mit Love Interest und Sidekicks. Das sind auf den ersten Blick zu viele Anglizismen und zu viele Klischees, die den Anschein eines seichten 08/15-Sonntagsfilms vermitteln. Ehrlich gesagt, gibt die Geschichte auf den ersten Blick auch nicht viel mehr her. Bei solchen Projekten, von denen man sich großen Erfolg verspricht, wird eben auf eingängige Schemata zurückgegriffen (siehe „Avatar“). Es ist aber auch im Fall „The Lego Movie“ vollends auf der Haben Seite. Sehr viel wird für spitzfindige Zuschauer in den Zwischentönen vermittelt, ohne den Zugang für Kinder zu erschweren. Außerdem überrollt dieser Vulkanausbruch an legomanischer Kreativität jeden Zweifel, dass es sich hier nicht um eine Sommergranate handelt. Dies gelingt obendrein ohne die intendierten Botschaften aus den Augen zu verlieren. Man kann dem Film zum Vorwurf machen, dass selbst nicht mal hyperaktive ADSler beim einmaligen Gucken im Kino alle Gags und versteckte Witze in den Szenbildern sichten können. Spaß an Tempo und chaotischem Humor sollte mitgebracht werden. Auf geht’s!

Box-Office Welt – The Amazing Spider-Man 2 dominiert den Markt

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Box-Office Welt - 2.-4.05.2014 Zusammenfassung und Analyse

Quellen: Rentrak, Screendaily

Nach drei Wochen im internationalen Verleih hatte The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro letztes Wochenende seine bislang größte Expansion und erreichte endlich seine letzten Märkte. Allen voran waren hier Brasilien mit $11,1 Mio und Frankreich mit $11 Mio. In diesen beiden Ländern eröffnete Rise of Electro deutlich besser als ein Vorgänger – in Brasilien um 53% und in Frankreich um 38%. Das sind sehr gute Steigerungen, wenn man bedenkt, das der Film bislang auch in zahlreichen Ländern unter Teil 1 startete. Außerdem war es das beste Startwochenende des Jahres in Brasilien sowie eins der fünf besten aller Zeiten. In Frankreich startete dieser Jahr nur Der Super-Hypochonder besser. Noch beeindruckender waren, im Verhältnis gesehen, die Zahlen aus China. Dort startete The Amazing Spider-Man 2 erst am Sonntag und spielte an seinem ersten Tag $9,8 Mio ein, obwohl es ein Arbeitstag im Land war! Der erste Film spielte in China knapp $49 Mio ein und es würde mich nicht wundern, wenn Teil 2 das Doppelte einnehmen würde. Einen neuen Startrekord für einen Hollywood-Film stellte The Amazing Spider-Man 2 in Indien auf, wo er mit $6,9 Mio anlief und bereits fast die Hälfte des Gesamteinspiels seiner Vorgängers verbuchte. Auf den Philippinen gelang dem Sequel mit $5,6 Mio das drittbeste Startwochenende aller Zeiten (hinter Iron Man 3 und Marvel’s The Avengers). In Malaysia schrieb der Film ebenfalls das beste Startwochenende des Jahres mit $5 Mio, während ihm in Hong Kong mit $3,7 Mio sogar das fünftbeste aller Zeiten gelang.

Großbritannien bleibt der bislang erfolgreichste Markt für den Film. Dort verteidigte The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro auch in der dritten Woche mit $3,3 Mio Platz 1 der Charts und steht bei $33,2 Mio nach 17 Tagen. Das liegt mittlerweile nur noch 5% hinter dem ersten Film im selben Zeitraum. Aus Deutschland stammen nach drei Wochen etwa $13,7 Mio (1% hinter Teil 1 im gleichen Zeitraum). In Spanien läuft es hingegen nicht sonderlich gut. Dort spielte der Film seit seinem Start vor drei Wochen $7,5 Mio ein – 21% weniger als sein Vorgänger im selben Zeitraum. Dafür ist das Sequel in Italien mit $10,7 Mio nach seinem zweiten Wochenende auf Platz 4 der Jahres-Charts aufgestiegen und liegt 16% vor dem ersten Film im gleichen Zeitraum. Zu guter Letzt kann Mexiko $24,5 Mio nach drei Wochen vorweisen, was zwar eine sehr gute Zahl ist, trotzdem aber 2% weniger ist als das, was der erste Film nach drei Wochen hatte. Insgesamt hat The Amazing Spider-Man 2 außerhalb von Nordamerika bislang $277,5 Mio eingespielt. Konkurrenz seitens X-Men – Zukunft ist Vergangenheit und Godzilla werden dem Sequel diesen Monat zwar noch stark zusetzen, aber dank China wird der Film auf jeden Fall $500 Mio international erreichen und am Ende irgendwo bei $520-540 Mio landen.

Platz 2 ging erneut an den bislang erfolgreichsten Animationsfilm des Jahres außerhalb von USA/Kanada. Rio 2: Dschungelfieber brachte am Wochenende weitere $25,7 Mio von 72 Ländern in die Kinokassen und steht jetzt bei $290,4 Mio. Damit hat das Sequel bereits 85% des internationalen Gesamteinspiels von Teil 1 erreicht und wird diesen auf jeden Fall toppen. Mit $2,5 Mio gelang dem Film das zweitbeste Startwochenende aller Zeiten in Venezuela. In Südkorea startete der Film mit soliden $1,7 Mio. Die besten Zahlen kamen aber aus den Ländern, in denen Rio 2 schon länger läuft. So trug China weitere $3,1 Mio bei, die das Einspiel des Films im Land auf $38 Mio brachten. In Frankreich nahm der Film an seinem vierten Wochenende $3 Mio ein und hat insgesamt $20,2 Mio erreicht. In Mexiko erreichte der Film $28 Mio nach vier Wochen und belegt damit bequem Platz 1 der Jahres-Charts. Teil 1 hat der Film dort schon hinter sich gelassen. Mit $14,2 Mio nach zwei Wochen liegt der Film in Deutschland 8% vor Teil 1 im selben Zeitraum. In Großbritannien hat der Film bislang $20,8 Mio eingespielt und ist jetzt weniger als $1 Mio davon entfernt, Teil 1 dort zu überholen. Die Zukunftsaussichten für Rio 2 sind sehr gut. Alleine mit seinen aktuellen Märkten könnte der Film die $341 Mio des Originals erreichen, doch ihm stehen noch Polen, Japan und Australien bevor, sodass ich $350 Mio für sicher halte und sogar $370 Mio möglich ist.

Die Schadenfreundinnen hatte ein sehr erfolgreiches Wochenende außerhab von USA und Kanada und belegte mit $19,6 Mio Platz 3 der internationalen Kinocharts. Dabei brachte die Komödie mit Cameron Diaz und Leslie Mann ihr internationales Gesamteinspiel auf $46,2 Mio. In Deutschland startete der Film mit $4,2 Mio (einschließlich Previews) stark auf Platz 1, wobei das immer noch 26% hinter dem grandiosen Startwochenende von Bad Teacher lag. Auch in Russland konnte Die Schadenfreundinnen nicht mit Bad Teacher mithalten. Dort lief der Film mit $2,4 Mio ein, während Bad Teacher seinerzeit mit $5,9 Mio startete. Dafür startete der Film in Mexiko mit $1,2 Mio um 77% besser als Bad Teacher. In Australien liegt Die Schadenfreundinnen mit $13,6 Mio nach drei Wochen sogar vor The Amazing Spider-Man 2 im selben Zeitraum und 55% über dem finalen Gesamteinspiel von Bad Teacher. Auch in Großbritannien läuft der Film super und hat nach 10 Tagen bereits $8,9 Mio eingenommen (25% mehr als Bad Teacher im selben Zeitraum). Mit Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich und Brasilien noch im Rücken, wird Die Schadenfreundinnen auf jeden Fall die $100-Mio-Marke außerhalb von Nordamerika knacken und wahrscheinlich auch die $116 Mio von Bad Teacher erreichen. Ein Volltreffer für Cameron Diaz!

Die Eiskönigin – Völlig unverfroren verschwindet einfach nicht von der Bildfläche. Im Gegenteil – an seinem 8. (!) Wochenende auf Platz 1 in Japan hat der Animationshit sein bislang bestes Wochenendergebnis dort erzielt und mit $11,1 Mio das vorläufige Gesamteinspiel des Films in Japan auf $143,2 Mio gebracht. Damit ist es nicht nur der erfolgreichste nicht-japanische Animationsfilm aller Zeiten in Japan, sondern auch Disneys umsatzstärkster Film aller Zeiten in dem Markt (Armageddon hielt 16 Jahre lang den Rekord). Die Eiskönigin wird auf jeden Fall in Japan $200 Mio erreichen – eine Marke, die unter Hollywood-Filmen lediglich Titanic knacken konnte und damit unter die fünf erfolgreichsten Filme aller Zeiten in Japan kommen. International erhöhte sich derweil das Einspiel des Films auf $768,9 Mio, sodass er jetzt weltweit bei fast $1,17 Mrd steht. Es sieht ganz so aus, als würde Die Eiskönigin letztendlich doch die $1,215 Mrd von Iron Man 3 überholen und zum weltweit erfolgreichsten Film von 2013 werden sowie zum fünfterfolgreichsten Film aller Zeiten.

The Return of the First Avenger ergatterte weitere $10 Mio außerhalb von Nordamerika letztes Wochenende und brachte sein internationales Einspiel auf $442 Mio. Damit hat der Film Thor – The Dark Kingdom hinter sich gelassen und liegt unter Marvels Filmen aus dem Avengers-Universum nur noch hinter Marvel’s The Avengers und Iron Man 3. Zu verdanken hat das Sequel diesen grandiosen Umsatz v. a. China, wo der Film $115,6 Mio und damit mehr als ein Viertel seines Einspiel geholt hat. Damit ist Captain America 2 der fünfterfolgreichste Hollywood-Film aller Zeiten in China. Zu seinen weiteren starken Märkten gehören Großbritannien ($31,21 Mio), Südkorea ($30 Mio), Brasilien ($25,4 Mio) und Mexiko ($25,3 Mio). Der Film wird bald die $450-Mio-Marke knacken.

Divergent – Die Bestimmung nahm letztes Wochenende zusätzliche $9,3 Mio außerhalb von USA/Kanada ein und knackte damit international die $100-Mio-Marke. In Spanien startete der Streifen mit $2 Mio (inkl. Previews) auf Rang 2. Frankreich ($10,9 Mio) und Großbritannien ($10,8 Mio) sind die einzigen Märkte, in denen der Film $10 Mio erreicht hat. Besonders schlecht lief er aber kaum irgendwo, weshalb der Film bereits $108,3 Mio international vorzuweisen hat. Viel mehr wird da aber nicht mehr hinzukommen, da der Film demnächst nur noch in Japan starten wird. Ich gehe von einem Einspiel von etwa $130 Mio außerhalb von Nordamerika aus. Die Fortsetzung wird sich auf jeden Fall deutlich verbessern.

Noah hält sich weiterhin ganz gut und erreichte letztes Wochenende $6,6 Mio, womit das Bibelepos sein Einspiel außerhalb von Nordamerika auf $233,4 Mio brachte. Etwa $33,5 Mio davon stammen aus Russland, während Brasilien starke $29,3 Mio beigesteuert hat. Mit Japan und Venezuela in petto, sollte Noah etwa $260 Mio erreichen. Falls der Film aber doch in China starten darf, so wird er mit Sicherheit auch auf $300 Mio kommen.

Grand Budapest Hotel schleicht sich langsam aber sicher in Richtung von $100 Mio. Letztes Wochenende nahm die Ensemble-Komödie von Wes Anderson $3,9 Mio ein und steht bereits bei $89,5 Mio. Mit $17,9 Mio ist Großbritannien der mit Abstand erfolgreichste Markt für den Film.

Pompeii tauchte wieder auf dem Radar auf und spielte am Wochenende $2,9 Mio ein. Das meiste davon kam aus Großbritannien, wo der Film mit $2 Mio auf Platz 3 der Charts startete. Insgesamt hat der Katastrophenfilm bislang $71,4 Mio eingespielt und wird demnächst noch in Norwegen, Japan und in der Türkei starten. Ich halte ein Gesamteinspiel von etwa $80-85 Mio für möglich, was aber angesichts des Budgets trotzdem enttäuschend ist.

Zu guter Letzt startete Non-Stop letztes Wochenende mit $2,8 Mio erfolgreich auf Platz 2 in Mexiko (10% besser als 96 Hours – Taken 2) und überquerte damit international die $100-Mio-Grenze.

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