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Short Term 12 (2013)

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Short Term 12 (2013) Filmkritik

Short Term 12, USA 2013 • 96 Min • Regie: Destin Cretton • Mit: Brie Larson, John Gallagher Jr., Rami Malek, Kaitlyn Dever, Keith Stanfield, Kevn Hernandez• FSK: n.n.b. • Deutscher Kinostart: n.n.b. Internationale Webseite

Die täglichen Windmühlenkämpfe von Lehrern in ihrer Klasse, Streetworkern in Brennpunktsiedlungen, Pflegern in Landeskliniken, Sozialarbeitern in Gefängnissen oder Erziehern in Kinderheimen sind für viele Menschen nicht greifbar, da es zwar irgendwie vor der eigenen Haustür passiert, aber doch in einem sich geschlossenen System, in welches man kaum dreinzublicken vermag. „Ich könnte sowas ja nicht.“ ist beispielsweise eine ganz übliche Phrase aus dem Reaktionsmuster, wenn man aus solch einem Job berichtet. Um ehrlich zu sein, der Job kann Menschen auffressen und wieder auskotzen, aber wieder aufzustehen, um die lohnenswerte und wichtige Arbeit voranzutreiben und schließlich seine eigene Person für Kinder und Jugendliche zu geben, ist großartig. „Short Term 12“ beweist auf zum Teil schonungslose, ungeschönte und zum Teil auf sensible, liebevolle Art und Weise, warum kein Kind oder Jugendlicher zu irgendeinem Zeitpunkt aufgegeben werden sollte. Der Blick in dieses Schätzchen von dem aus dem sozialen Berufssektor erfahrenen Regisseur Destin Cretton und dem feinfühligen Schauspieler Ensemble um Brie Larson so wie John Gallagher Jr. ist eine sinnvolle, bereichernde Erfahrung.

short-term-12-02Grace (Brie Larson) ist als Erzieherin in der Kurzzeit-Einrichtung „Short Term 12“ angestellt. Hier wohnen Kids und junge Erwachsene mit emotionalen und sozialen Problemlagen für einen bestimmten Zeitraum und werden multidisziplinär von Erzieherinnen, Medizinerinnen und Psychologinnen betreut. Arbeitskollege Mason (John Gallagher Jr.) und Grace führen eine Beziehung und gehen gemeinsam in ihrer Arbeit auf. Besonders in Grace scheinen die jungen Menschen Vertrauen zu finden. Auch als das junge Mädchen Jayden (Kaitlyn Dever), das an einer Aggressionsstörung leidet, eingeliefert wird, gelingt es Grace, sofort eine Verbindung mit ihr aufzubauen. Doch als Jayden ihr ihre Geschichte zögernd offenbart, wird Grace an ihre eigene Leidensgeschichte aus der Kindheit erinnert und sie lässt Mason kaum noch an sich heran. Dessen Sorge um sie wird darauf immer größer, doch seine Versuche Grace zum Reden zu bringen, machen diese nur wütend. Wird sie es schlussendlich schaffen, sich Mason gegenüber so zu öffnen, wie es die Kinder von „Short Term 12“ ihr gegenüber tun?

short term 12 3In der Einrichtung „Short Term 12“ knallt es, es ist spaßig, mal tot ernst, dann wieder betretenes Schweigen und schließlich doch wieder friedlich und freundlich. Die Stimmungen des Films sind so ambivalent wie eine bipolare Störung. Wenn ein Jugendlicher wieder einmal von drei Erzieherinnen fixiert wurde, weil er um sich tritt, Kuchen um sich wirft und aus den Schimpfwortcharts die aktuelle Top 10 brüllt, dann atmen die authentischen Schauspieler und der Zuschauer erstmal durch, bevor doch wieder via eines spitzbübischen Kommentars von Mason über Grace‘ mit Kuchen beschmiertes Gesicht die Sonne am Horizont durchscheint. Aus eigener Erfahrung lässt sich sagen, dass die Authentizität des Films der größte Pluspunkt ist. Das ist dem Drehbuchautor und Regisseur Destin Cretton geschuldet so wie den fantastischen Schauspielern; allen voran den HauptdarstellerInnen, die top fit beweisen, wie echte Emotionen einem guten Schauspieler gelingen. Es sind auch die Nebendarstellungen der jungen Schauspieler, die es schaffen, in kurzer Zeit den Problemlagen ein einprägsames Gesicht zu geben. Sie verschwinden keineswegs im Nebel statistischer Einlagen. Der junge Mitarbeiter-Neuzugang Nate (Rami Malek) durchläuft beispielsweise den Beginn einer tapsigen Wandlung vom unbedarften Schnösel, der echte Lebenserfahrung im Sozial-Biotop sammeln möchte, bis hin zur Steigerung seiner Street Credibility und seines sensiblen Einfühlungsvermögens.

Short-Term12_1Einzig ein wenig klischeebehaftet kommt der eigene Ballast der Protagonistin daher. Ein Fitzelchen zu schnell und zu zielsicher offenbart sie sich in den stillen Momenten mit dem Mädchen Jayden, welche ähnliche Probleme auf den Schultern trägt. Nichtsdestotrotz öffnet „Short Term 12“ die Tür zum sozialen Sediment und den damit verbundenen Entwicklungsproblematiken der Kids. Vielen, denen solch eine Sicht hinter die heilen Kulissen ihrer Umwelt bisher versperrt blieb, die können hier einen ersten verstohlenen Blick riskieren. Mit Sicherheit ist die amerikanische Flagge -einem weglaufenden Jungen als Umhang dienend- eine filmische Anspielung auf die Probleme im Herzen der Gesellschaft. Im Aristotelischen Sinne der Mimesis imitiert Kunst das echte Leben und dem Regisseur Destin Cretton ist dies mit seinem Milieu-Portrait super gelungen. Als Fazit zitiere ich mal frech einen Kollegen, James Berardinelli (Reelviews.net), denn viele Filme im Jahr 2013 „waren fast durchgängig enttäuschend, daher liegt die Aufgabe bei Indie-Produktionen wie Short Term 12, Kinogänger daran zu erinnern, dass die wahre Macht des Kinos nicht in Explosionen, sondern in Geschichten und Charakterbildung zu finden sind.“.

Fazit

Keine Highend-Explosionen oder State-of-the-Art-Geballer, sondern ein Goldgrube für eine ehrliche, authentische Milieustudie über die soziale Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Problemen.

Trailer

 

Japan-Filmfest Hamburg 2014 – Tag 4

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Und damit ist schon der letzte Tag beim 15. Japan-Filmfest Hamburg angebrochen! Für diesen Tag standen zwei Filme auf meinem Plan: der Studio-Ghibli-Film Der Mohnblumenberg (Kokurikozaka kara) und der zunächst interessant klingende Krimi Shining Besides Funny Moon (Saezaete naho kokkei na tsuki), der allerdings eine totale Bruchlandung wurde.

Der Mohnblumenberg (2011)

(Kokurikozaka kara)

Wir befinden uns im Japan der 60er-Jahre. Die Nachkriegszeit ist immer noch deutlich spür- und sichtbar. Doch die Olympischen Spiele in Tôkyô könnten dem Land aus seiner Stagnation heraushelfen. Um Japan in neuem Glanz zu zeigen, soll auch das alte Clubhaus einer Schule abgerissen werden. Umi ist eine der Schülerinnen und interessiert sich zunächst nicht sonderlich dafür. Sie hat zu Hause alle Hände voll zu tun. Doch als sie den Jungen Shun trifft, betritt sie das erste Mal das Clubhaus. Durch die Leidenschaft der Mitglieder der einzelnen Clubs, die für den Erhalt des Hauses kämpfen, ist Umi so beeindruckt, dass sie sich ebefalls dafür starkmachen will. Sie organisiert eine große Putzaktion, um das alte Haus in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Währenddessen lernen sie und Shun sich besser kennen. Beide teilen ein Schicksal: Sie haben ihren Vater im Krieg verloren. Diese Geschichte verbindet beide mehr, als es ihnen lieb ist, sodass ihre Freundschaft immer weiter erkaltet. Doch mit der wachsenden Hoffnung auf Rettung des Clubhauses kommt auch die Wärme zwischen den beiden zurück.

Der Mohnblumenberg (2012) Filmbild 1Mit Die Chroniken von Erdsee hatte Regisseur Gorô Miyazaki sein Debüt bei Studio Ghibli. Der Sohn des berühmten Studiomitgründers Hayao Miyazaki überzeugte 2006 viele Fans nicht mit seinem durchschnittlichen Werk. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch, dass er es diesmal besser macht, und der Kinosaal war proppenvoll. Immerhin hat sein Vater das Drehbuch geschrieben. Und das Resultat? Technisch gesehen war der Film gewohnt brillant. Die ausgestrahlte Stimmung ließ den Zuschauer förmlich die Zeit kurz vor der Olympiade in Japan miterleben. Inhaltlich war der Film auf der einen Seite sehr politisch. Allerdings nicht so wie bei Hayao durch Symboliken und Metaphern veranschaulicht, sondern sehr direkt durch die Historie des Landes bestimmt. Das bietet sich bei so einem Stoff natürlich auch an. Auf der anderen Seite ist der Film stark durch die scheinbar tragische Liebe der beiden Schüler beeinflusst. Diese Liebe ist eng mit der Lebensgeschichte beider Charaktere verwoben und zeigt viele Parallelen. Das Vor und Zurück sowie Nein und Doch in diesen Paralellen tut der Handlung allerdings nicht gut. Es unterbricht den Film im Ablauf seiner Handlung zu stark und trennt ihn zu sehr in zwei Teile. Der Part mit der Rettung des Clubhauses, das etwas an das Badehaus aus Chihiros Reise ins Zauberland (Sen to Chihiro no kamikakushi) erinnert, ist wesentlich schöner mitzuverfolgen. Insgesamt hat Gorô Miyazaki dennoch gezeigt, dass er mit Der Mohnblumenberg auf dem richtigen Weg ist. Der Zauber, den Hayao mit seinen Filmen auf die Leinwand bringt, beherrscht Gorô allerdings noch nicht in Perfektion. Bleibt ihm nur zu wünschen, dass er sich mit seinem dritten Film dann noch mal steigern kann.

3,5/5 Sterne

 

Shining Besides Funny Moon (2013)

(Saezaete naho kokkei na tsuki)

Der Polizeiermittler Muto (Kyôsuke Hamao) muss für einen Fall in die zweilichtige Sadomasowelt von Tôkyô eintauchen. Während seiner Ermittlung wirft er ein Auge auf die Domina Mirei (Mei Kurokawa). Schnell wächst sein Interesse an ihr und ihren Spielchen, sodass er zu einem von Mireis Sklaven wird. Die kann ihm nicht nur bei der Befriedigung seiner Lust nach Untergebenheit und Schwäche helfen, sondern auch zum Fall hilfreiche Gedanken und Ermittlungsansätze beisteuern. Je länger er in dieser Welt ist, desto mehr häufen sich die mysteriösen Todesfälle in der Szene. Eine wichtige Schlüsselfigur scheint eine Domina namens Marilyn zu sein. Doch keiner weiß wirklich, wer das eigentlich ist.

Shining Besides Funny Moon (2013) Filmbild 1Zum persönlichen Abschluss des Filmfests gab es mit Shining Besides Funny Moon eine letzte internationale Premiere zu sehen. Spätestens am Ende stand für mich fest: Das war der schlimmste Film, den ich dieses Jahr auf dem Filmfest gesehen hab. Sowohl technisch als auch inhaltlich war der Film ein Desaster. Optisch – und auch durch den anrüchigen Unterton – wirkte er wie ein schlechter Porno aus den 80er-Jahren, nur ohne Sex. Dazu ein exzessiv eingesetztes Fischauge-Objektiv, dass einen in den Wahnsinn getrieben hat, und eine zum Teil unglaublich schlechte Nachsynchronisation, unverständliche Charaktere, verwackelte Kamerafahrten. Hinzu kamen Überladungen mit sinnlosen Zusatzinformationen und verwirrenden Extraszenen, die die Klärung des Falls kein Stück vorantrieben. Zusammenfassend muss ich sagen, dass sich der Stoff wesentlich interessanter anhörte, als die Umsetzung von Regisseur Kakuei Shimada tatsächlich war. Auch wenn es ein Independentfilm ist, ist das keine Rechtfertigung dafür, dass nichts zum anderen passte. Ein Abschluss, der nicht als Maßstab für das JFFH gelten sollte. Daher bin ich extrem froh, dass es noch ein Fazit zum Filmfest geben wird und dies nicht die letzte Zeile dazu sein wird.

0,5/5 Sterne

Crawlspace – Dunkle Bedrohung (2012)

Crawlsapce (2012) Filmkritik

Crawlspace, AUS 2012 • 83 Min • Regie: Justin Dix • Drehbuch: Justin Dix, Eddie Baroo, Adam Patruick Foster • Mit: Eddie Baroo, Justin Batchelor, Nicholas Bell, John Brumpton, Amber Clayton • Kamera: Simon Ozolins • Musik: Jamie Blanks, Jamie Murgatroyd • FSK: ab 18 Jahren • Vertrieb: Universum Film GmbH • Heimkinostart: 6.12.2013 Website

Ab und an passiert es noch, und einige wenige Science-Fiction-Filme erscheinen noch exklusiv in den Heimkinomärkten. Mit der immer größer werdenden Konkurrenz aus Hollywood und aus den Kinosälen können sie nicht mithalten, haben aber trotzdem öfters noch ihren ganz eigenen trashigen Charme. Abseits von Billig-Veröffentlichungen wie den zahlreichen Ausgeburten der „Asylum“-Schmiede bietet uns Universum Film mit „Crawlspace“ eine reine Sci-Fi-Heimkinoveröffentlichung mit durchaus akzeptablen Qualitäten.

Eine Gruppe von Spezialisten soll in einem Militärlabor, das unterirdisch in einer Wüste liegt, ein schiefgegangenes Experiment bereinigen. Sie haben den Auftrag, dort außer einigen Wissenschaftlern, alles zu liquidieren, was sich da unten bewegt. Doch als sie am Einsatzort ankommen, merken sie erst, was dort wirklich schiefgelaufen ist…

Crawlspace - Dunkle Bedrohung (2012) Filmbild 2…und so befindet man sich bereits nach den wenigen ersten Minuten mitten in der unterirdischen Forschungsanstalt. „Crawlspace“ fängt sofort mit voller Fahrt an und stoppt in nur wenigen Abschnitten, um die teils merkwürdige Handlung zu erzählen. Man darf sich nichts vormachen, „Crawlspace“ ist ein kleiner, trashiger, aber dennoch durchaus hochwertig produzierter Heimkino-Film, wie man ihn beispielsweise in den Neunzigern zuhauf in den Kaufhäusern wiederfand. Dies änderte sich immer mehr durch die Masse verfügbarer hochwertiger Produkte aus Hollywood, die durch das günstige Medium DVD immer erschwinglicher und verfügbarer wurden. „Crawlspace“ versucht erst gar nicht besonders zu sein, sondern bringt dem Kunden genau das, was er durch das Cover vom Film erwarten soll. Action, Blut und eine gewisse Portion unfreiwilligen Trash.

Crawlspace - Dunkle Bedrohung (2012) Filmbild 1Die Kulissen beispielsweise erinnern unweigerlich an die zahlreichen Maschinenräume, durch die bereits in den achtziger und neunziger Jahren viele Heimkinohelden auf der Suche nach Aliens oder missglückten Experimenten gelaufen sind. Die Darsteller spielen ihre Rollen zweckdienlich, aber sicher nicht lobenswert und die Geschichte vermischt Altbewährtes mit allerlei Merkwürdigkeiten. Ab und an wird ordentlich geschossen und den ein oder anderen digitalen Splattereffekt gibt es auch zu bestaunen. Wer von „Crawlspace“ zu viel erwartet, ist selber schuld. Positiv erwähnen kann man allerdings, dass die Kulissen und die Filmtechnik sehr sauber und auf überdurchschnittlichem Heimkino-Niveau sind. Vor allem auch die Geräuschkulisse überzeugt sehr und lädt ein, sich den Film einmal mit Kopfhörern anzuschauen. „Crawlspace“ ist ein Fast-Food-Produkt allererster Güte, das einen unterhalten kann und welches danach so schnell wieder vergessen wird, dass man es gar nicht erst bemerkt. Wer also Science Fiction à la Old School sucht, wird mit „Crawlspace“ durchaus ordentlich bedient.

Fazit

„Crawlspace – Dunkle Bedrohung“ ist durch und durch Fast-Food-Science Fiction. Wer auf Hollywood-Krawall und hochkarätige Starbesetzung verzichten kann, kann hier durchaus Spaß haben. Der Film bietet was man erwartet, und wenn die Erwartungen nicht all zu hoch, sind wird man sicher auch nicht enttäuscht.

DVD-Extras

Zusätzlich zum Hauptfilm bieten die DVD und Bluray noch ein ca. 30 minütiges Behind the Scenes sowie einige Werbetrailer. Es hätte durchaus mehr sein können, aber da das Behind the Scenes zumindest verhältnismäßig lang ist, kann dies dennoch verschmerzt werden.


Information zur Veröffentlichung

Die DVD und die BluRay im Vertrieb von Universum Film GmbH sind seit dem 6.12.2013 im Handel erhältlich. Neben dem ungekürzten Film in deutscher und englischer Sprachfassung liegen bei der Veröffentlichung folgende Extras vor:

Crawlspace DVD Cover

• Beind the Scenes
• Filmtrailer

 

 

 

 

 

DVD-Cover © Universum Film GmbH


Trailer

https://youtu.be/watuR9JGKyg

Japan-Filmfest Hamburg 2014 – Tag 3

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Tag drei war von Anfang bis Ende Unterhaltung pur. Was mit der Zombiekomödie Dead Banging (Metalca) nett losging, endete mit dem vollends überzeugenden Drama Miss Zombie (Miss Zombie). Den Bogen spannte mit Gothic Lolita Battle Bear (Nuigurumâ Z) eine total abgedrehte Actionkomödie, die Unmengen Zuschauer ins Studio-Kino lockte und so für eine ausverkaufte Vorstellung sorgte. Ein Wahnsinnstag!

Dead Banging (2013)

(Metalca)

Dead Banging (2013) PosterKanna (Naoko Watanabe) hat bereits als kleines Mädchen mit ihrer Plastikgitarre in der Küche gerockt, sehr zum Leidwesen ihrer Eltern. Für sie war klar, dass sie irgendwann auf der großen Bühne stehen will. Doch jedes Mal, wenn sie kurz vor einem Gig steht, bekommt sie Panik und vermasselt den Auftritt. Das ändert sich nach unzähligen gescheiterten Versuchen durch einen Autounfall. Mit ihrer letzten Band fährt sie nachts einen Mann auf der Straße über den Haufen. Als sie ihm helfen wollen, wird klar, dass es sich nicht um einen normalen Menschen handelt, sondern um einen Zombie. Für Kanna und ihre Bandkollegin Manako ist es die Chance, eine Band zu gründen, die es so noch nie gegeben hat: Hanaji (dt.: Nasenbluten), mit Tetsuo (NIY), dem Zombie. Schnell finden sich noch zwei alte Freunde von Manako, die sich der Band anschließen. Während Japan immer weiter durch einen Virus in eine Zombie-Nation verwandelt wird, rockt die Girlband unermüdlich weiter und legt sich dabei sogar mit der Regierung an.

Dead Banging (2013) Filmbild 1Dead Banging besticht zunächst durch coole Musik, toughe Mädels und einen der skurrilsten Charaktere, die jemals über die Leinwand schlurften: Tetsuo. Der klingt zwar wie ein Ork aus den Herr der Ringe-Filmen, ist aber weitaus sympathischer. Nach einem sehr starken Start à la Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast baut die Stimmung zum Ende hin leider immer mehr ab. Regisseur und Drehbuchautor Eiji Uchida verliert sich dabei zu sehr in moralischen Erbauungen und im Selbstmitleid seiner Charaktere. Dass außer der Hauptdarstellerin Naoko Watanabe den anderen Mädels das Schauspielerische fehlt, ist schnell verziehen. Es handelt sich immerhin um die echten Mitglieder der Band Gacharic Spin. Sie gleichen ihr schauspielerisches Defizit durch das musikalische Talent wieder aus. Dass die Handlung aber so stark abbaut und nur durch wenige Höhepunkte noch am Laufen gehalten wird, ist nicht so leicht zu verzeihen.

3/5 Sterne

 

Gothic Lolita Battle Bear (2014)

(Nuigurumâ Z)

Gothic Lolita Battle Bear (2014) PosterYumeko (Shôko Nakagawa) ist durch und durch eine Gothic Lolita. Als sie bei ihrer Schwester und deren Tochter aus dem Nichts zu Besuch auftaucht, ahnt sie noch nicht, was sie erwarten wird. Durch einen Zufall entdeckt sie den sprechenden Teddybären Busuke. Er erklärt ihr, dass er unbedingt seinen Freund Takeshi finden muss. Yumeko hilft Busuke bei seiner Mission. Doch Takeshi hat sich zu einem Tyrannen entwickelt, der die Menschheit mit einer Zombiearmee niederstrecken will. Im Angesicht des Todes verbinden sich Yumeko und Busuke zu einem noch nie da gewesenen Superhelden: Nuigurumâ. Ein mit aberwitzigen Fähigkeiten ausgestatter Held aus Plüsch und Wolle, der die Menschheit befreien und die Prinzessin, die zufällig Yumekos Nichte ist, beschützen will. Ein farbenprächtiger Trip, der einem Anime entsprungen sein könnte, beginnt.

Gothic Lolita Battle Bear (2014) Filmbild 1Wenn man die Story mit dem Hinweis „based on a song“ beschreibt, dann ist eigentlich schon alles gesagt. Gothic Lolita Battle Bear ist eine Rückblende, zu deren Anfang nicht mehr zurückgekehrt wird. Wie gewohnt hat sich Noboru Iguchi äußerst kreative Gedanken gemacht und einen neuen Superhelden der besonderen Art erschaffen. Der Film splattert hier und da mit digitalen Blutspritzern, ist aber kein Vergleich zu seinen vorherigen Werken Robo Geisha (Robogeisha) und The Machine Girl (Kataude Mashingâru). Der Film ist schrill, bunt und total durchgeknallt. Iguchi schafft es wirklich den gesamten Film über, immer noch einen draufzusetzen: Von löffelwerfenden androgynen Wesen bis hin zu Laserstrahlen abfeuernden Boobs ist alles vertreten. Und mittendrin ein Superheld, der im Namen des Knopfauges für den Schutz der Prinzessin kämpft. Dagegen sind Spider-Man und Bruce Lee ein Witz. Die Schauspieler und der Regisseur haben sichtlich Spaß an ihrem Tun und wissen, wie bekloppt das alles eigentlich ist. Dadurch ist eine luftig-leichte Komödie entstanden, die wenig Tiefgang, aber viel Wolle und Pink zu bieten hat. Sicherlich nicht für jeden was, aber mir hat’s Spaß gemacht.

4/5 Sterne

 

Miss Zombie (2013)

(Miss Zombie)

Miss Zombie (2013) PosterIm Japan der Zukunft halten sich wohlhabende Familien Zombies als Haushaltshilfen und Dienstmädchen. Sie werden wie Tiere in Käfigen geliefert, zusammen mit einer Anleitung und einer Waffe. Miss Zombie zeigt das Leben einer dieser Wesen (Ayaka Komatsu). Ein Leben, das keines mehr ist. Sie wird mit Steinen beworfen, angegriffen, erniedrigt. Eintönig wandelt sie zwischen Arbeit und Wohnung hin und her. Immer auf die gleiche Weise. Doch als eines Tages der Sohn der Familie stirbt, holt sie ihn als Zombie zurück in die Welt. Mit verheerenden Folgen für die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Denn der wendet sich verstärkt seiner Retterin zu. Das ist nur die Spitze für die langsame Veränderung der Mutter. Denn während die eine durch die Nähe zu dem kleinen Jungen ihren eigenen Träumen nahe kommt, wandelt sich die andere. So wird der Zombie immer menschlicher und die Mutter immer mehr zum Monster. Ein tragisches Ende ist unausweichlich.

Miss Zombie (2013) Filmbild 1Weitaus ernsthafter mit dem Zombie-Thema hat sich Hiroyuki Tanaka, vielen als Sabu bekannt, auseinandergesetzt. Er äußert mit seinem Werk Miss Zombie eine stille, aber ausdrucksstarke Kritik an der Gesellschaft und den Menschen. Die Protagonistin ist ein Zombie erster Stufe und damit eigentlich ungefährlich für die Menschen. Und doch ist sie anders, durch ihre Äußerlichkeiten, ihre Bewegung, ihr Verhalten, ihre gesamte Erscheinung. Ihr Umfeld scheint davon so geblendet zu sein, dass es den Rest ihrer Menschlichkeit nicht mehr wahrnehmen kann, sondern nur das Monster in ihr sieht. Das bekommt sie jeden Tag zu spüren. Mit stupiden Arbeiten im Haus wird sie als funktionierendes Objekt missbraucht. Missbrauch in jeglicher Hinsicht begleitet sie durch den Arbeitstag. Man baut als Zuschauer unwahrscheinlich schnell eine Beziehung zu ihr auf. Das macht die Misshandlungen, die sie allein auf dem Weg von ihrer Wohnung zur Arbeit durchmacht, fast schon unerträglich. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeichnen eine melancholische Welt, in der ein Zombie, der eigentlich mehr Mensch als Monster ist, trotz seiner Träume und Wünsche bereits als Toter wandelt. Tanaka arbeitet sehr gekonnt mit Tempo, Worten und Musik, die sehr präzise und behutsam eingesetzt werden. Erschreckend real zeigt er die Parallelen zu den illegalen Haushaltshilfen in Asien, die wie Sklaven gehalten werden, mit einem stillen Protest. Das Geräusch, das durch das immergleiche rhythmische Wischen des kratzigen Schwamms über den Steinboden entsteht, hat mich bis in die Nacht verfolgt. Ein Meisterwerk und ein absolutes Highlight des Filmfests.

5/5 Sterne

Pool Boys (2011)

Pool Boys (2011) Filmkritik

The Pool Boys, USA 2011 • 88 Min • Regie: J. B. Rogers • Drehbuch: Julie O’Hora, Justin Ware • Mit: Matthew Lillard, Rachelle Lefevre, Tom Arnold, Efren Ramirez, Brett Davern • Kamera: Tom Priestley Jr. • Musik: Peter Rafelson • FSK: ab 16 Jahren • Vertrieb: Edel Germany GmbH • Heimkinostart: 30.05.2014 Facebook-Seite

Mit „Pool Boys“ wird uns knapp drei Jahre nach Produktionsfertigstellung nun auch in Deutschland die neue Teenie-Komödie vom „American Pie 2“-Regisseur J. B. Rogers präsentiert.

Roger (Matthew Lillard) ist ein Versager. Er ist Pool Boy in Los Angeles und wohnt mit seiner guten Freundin Laura (Rachelle Lefevre), die als Prostituierte arbeitet, in einer Bruchbude. Vor seinen Eltern und Verwandten gibt er allerdings vor, ein mehr als erfolgreicher Unternehmer zu sein. Als Rogers Cousin Alex (Brett Davern) nach Los Angeles kommt, weil er sein Praktikum verloren hat und bei seinem erfolgreichen Businesscousin arbeiten will, platzt allerdings Rogers Lügenkonstrukt und beide überlegen, wie sie nun schlussendlich Geld verdienen könnten. Sie beschließen, in der Villa eines Klienten ein Bordell zu eröffnen.

Pool Boys (2011) Filmbild 1Im Gegensatz zum zuvor genannten „American Pie“ spielt sich die Handlung von „Pool Boys“ nicht innerhalb einer High School oder eines Colleges ab, sondern in Los Angeles und einer Wohnanlage von den Schönen und Reichen. Reichtum und Schönheit gibt es dann auch zur Genüge zu betrachten – große Villen und hübsche Frauen bevölkern non-stop den Bildschirm. Leider enden hiermit fast alle Vorzüge des Films. Handlungstechnisch bietet der Streifen zwar eine Idee mit Potential, diese wird aber total konventionell heruntergespult und schwächt sich im Verlauf immer weiter ab. Die Gags sind durchweg erschreckend platt und wenig lustig. Selbst die schwächeren „American Pie“ DVD-Ableger hatten hier unterhaltsamere Momente zu bieten.

Die Schauspieler sind durchweg vollkommen unterfordert – allen voran Matthew Lillard („Scream“, „Schwerter des Königs“) und Rachelle Lefevre („Twilight“, „Homefront“), die außer einigen wenigen One-Linern eigentlich kaum wirklich schauspielern müssen. Auch die Gastauftritte von Tom Arnold („Roseanne“, „Hero“) und Achtziger-Actiondtar Robert Davi („Stirb Langsam“, „Predator 2“) sind einfach uninteressant und unlustig.

Der Soundtrack ist durchzogen – wie bereits in „American Pie“ – von markigem College-Punk und bietet ebenfalls keine Innovation. Wer auf Freizügigkeiten und flachen Humor steht, darf an der einen oder anderen Stelle mal genauer hinschauen, wird aber ebenfalls über weite Strecken nicht ausreichend befriedigt.

Wem kann man den Film nun empfehlen? Diese Frage stellt sich unweigerlich nach Sichtung des Films und die Antwort kann eigentlich nur „Niemandem“ lauten. Denn bei der Masse an Komödien auf dem Markt, braucht praktisch niemand einen Film wie „Pool Boys“.

Fazit

„Pool Boys“ ist eine einzige Enttäuschung. Die Gags sind öde, die Story ist im Verlauf uninteressant und die Darsteller können ihr Potential an fast keiner Stelle entfalten. Lasst euch von der Werbung nicht täuschen, denn obwohl der Film immerhin von einem der „American Pie“-Regisseure realisiert wurde, ist er einfach nur extrem langweilige Direct-to-DVD-Ware.

Trailer

Wolf Creek 2 (2013)

Wolf Creek 2 (2013) Filmkritik

Wolf Creek 2, AUS 2013 • 106 Min • Regie: Greg McLean • Drehbuch: Greg McLean, Aaron Sterns • Mit: John Jarratt, Ryan Corr, Shannon Ashlyn, Philippe Klaus • Kamera: Toby Oliver • Musik: Johnny Klimek • FSK: ab 18 Jahren • Vertrieb: KSM • Kinostart: 19.06.2014 • Heimkinostart: 20.10.2014 Website Deutsche Facebook-Seite

2005 überraschte ein kleiner Horrorfilm internationale Genrefans. Mit „Wolf Creek“ lieferte der bis dato eher unbekannte Regisseur Greg McLean („Rogue“) einen kleinen Terrorfilm mit Folterelementen, welcher in der Wüste Australiens spielte. War 2005 die Flut der Folter- und Terrorfilme noch in ihrer Entwicklungsphase, liefert McLean nun ganze acht Jahre später und am Ende der großen Folterära der letzten Jahre eine Fortsetzung. Zu spät oder gerade richtig?

Der wahnsinnige Schweinejäger Mick Taylor (John Jarratt) treibt weiter in der Gegen des Wolf-Creek-Kraters sein Unwesen. Er jagt, fängt und tötet Touristen, die nach seinen Ansichten im Outback und auch in seinem Land Australien nichts zu suchen haben. Seine brutale Ausländerfeindlichkeit lebt er vor allem an seinem aktuellen Opfer Paul Hammersmith (Ryan Corr) aus, der nur ganz zufällig zwischen Mick und seine letzte Beute geriet.

Obwohl die große Terror-/Folterwelle fast nur noch auf dem Heimkinomarkt stattfindet, wird Horrorfans mit „Wolf Creek 2“ ein vermeintlich weiterer Vertreter dieser Gattung präsentiert. So lieferte der erste Teil klassischen Hinterwäldler-Horror mit Folter- und Terrorelementen sowie eine durchaus explizite Gewaltdarstellung. Teil 2 versucht jedoch nun in Teilen eine andere Richtung einzuschlagen mit dem vollen Bewusstsein, dass die ursprünglich beliebte Terrorwelle nun durch eine paranormale Geisterfilm-Welle ausgetauscht wurde. „Wolf Creek 2“ präsentiert sich als rabenschwarzer Horror-Thriller mit für das Genre ungewöhnlich vielen Actionsequenzen.

Wolf Creek 2 (2013) Filmbild 1Vor allem die teilweise starke Zentrierung auf den Schweinejäger Mick Taylor ändert den Tonus des Films gewaltig. Mick präsentiert sich als schwarzhumoriger, bitterböser Wahnsinniger mit massig One-Linern und einer gehörigen Portion Sadismus. So folgt man einen großen Teil des Films den Jagdpraktiken des Menschenjägers und entsprechend springt der Film von Opfer zu Opfer. Somit lernt man den Killer bereits zu Beginn des Films in voller Pracht kennen. Erst als Ryan Corr („Wo die wilden Kerle wohnen“) als Paul Hammersmith einem der Opfer über den Weg läuft, schwingen der Film und dessen Fokus auf ihn. Im folgenden Verlauf wird dann auf Micks längere Jagd nach Paul eingegangen und der Verlauf im Detail gezeigt. Hier präsentiert sich eine weitere Genre-untypische Neuerung: Die Actionszenen. Mick ist LKW-Fan und das lebt er in „Wolf Creek 2“ voll aus. Neben mehreren kleinen Verfolgungsjagden gibt es eine Zentrale und Große, in der auch einige Kängurus auf bittere Art und Weise ihr blutiges Ende finden.

Gewalt spielt in „Wolf Creek 2“ ebenfalls eine große Rolle und so bleibt zumindest dieser Punkt auf dem klassischen Fundament des Terrorfilms. Neben einigen blutigen Kopfschüssen und Messerattacken, gibt es auch eine ausgedehnte Folterszene im klassischen „Hostel“-Stil. Dass der Film trotz leichter Kürzungen keine Jugendfreigabe erhalten hat, ist deutlich begründet. Allerdings nicht ausschließlich nur in den dargestellten Gewalttätigkeiten, sondern auch in der offenen Ausländerfeindlichkeit, die Mick Taylor im Film verkörpert. So bleibt fast im gesamten Film die Moral auf der Strecke, wird aber nie als verherrlichend propagiert.

Fazit

„Wolf Creek 2“ ist brutale Horror-Action der alten Schule. Rasante Stunts, blutige Kills und spannende Verfolgungsjagden. Nach vielen Wiederholungen im Terror-Genre, gibt es mit „Wolf Creek 2“ nun die erste Innovation seit vielen Jahren. Ein spannender Horrorthriller, den Genrefans nicht verpassen sollten.

Trailer

Japan-Filmfest Hamburg 2014 – Tag 2

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Ein weiterer Tag auf dem JFFH ist vorbei. Diesmal ging er besonders schnell um, da ich für drei Filme, die kurz hintereinander liefen, in drei verschiedene Kinos musste. Dafür haben sich vor allem die ersten beiden Filme richtig gelohnt: der Scifi-Actioner mit Tiefgang Slum-Polis und der total abgedrehte Psychothriller Greatful Dead. Die Weltpremiere von Toyko Lovers am Abend hat mich trotz Stargast leider nicht überzeugen können. Doch lest selbst.

Slum-Polis (2014)

(Slum-Polis)

Japan in den 2040er-Jahren: In einer vom Erdbeben zertrümmerten Stadt liegt als einer von drei Bezirken Slum-Polis. Dort herrscht das Gesetz des Stärken. Die meisten leben in bitterer Armut, sodass Schulden und Drogen den Alltag der Menschen bestimmen – und dadurch auch menschenverachtende Gewalt. Joe (Hôryû Nishimura) und Asu (Hidenobu Abera) versuchen gemeinsam irgendwie in dieser Welt zu überleben. Als sie die Prostituierte Anna (Ryôko Ono) treffen, beginnt ihr Leben sich endlich wieder mit Inhalt zu füllen. Sie haben Ziele, Pläne für die Zukunft, und sie haben sich. Doch kann eine solche Freundschaft in einer Welt wie Slum-Polis überhaupt Bestand haben? Spätestens wenn aus Freundschaft Liebe wird, kann Blindheit gefährlich werden. Die Sehnsucht nach einem besseren Leben wächst, und dafür legen sie sich sogar mit der Slum-Polis beherrschenden Mafia an. Ein nahezu aussichtsloses Unterfangen.

Slum-Polis (2014) Filmbild 1 Es ist wirklich kaum zu glauben, dass Slum-Polis der Abschlussfilm eines Uni-Studenten ist. Regisseur Ken Ninomiya hat ein zweistündiges Werk geschaffen, dass an die Arbeiten einiger langjähriger Meister locker heranreicht. Man merkt, dass ihm die Kunst hinter seiner Arbeit enorm wichtig ist. So nutzt er Musik und Malerei als Möglichkeit, seine Protagonisten von ihrem grauen Alltag Abstand gewinnen und in ihren Werken aufblühen zu lassen. Aber, und das finde ich für einen Abschlussfilm einer Kunsthochschule enorm, der Film wirkt nicht übertrieben ambitioniert. Ninomiya hat tolle Charaktere geschaffen, die von tollen Schauspielern authentisch umgesetzt wurden. Auch technisch ist der Film – bis auf an zwei, drei Stellen mit nervigen Kamerafahrten – gelungen. Das Besondere an Slum-Polis ist jedoch die Atmosphäre. Dadurch, dass der Film an Originalschauplätzen von Fukushima, das durch das Erdbeben und den Tsunami nahezu komplett zerstört wurde, gedreht wurde, erhält der Film eine ganz eigene Stimmung.

Mit Slum-Polis hat Ken Ninomiya ein Start ins Regisseurleben geschafft, wie es nur den wenigsten gelingen dürfte. Es ist erfrischend zu sehen, wie er sich Dinge darzustellen wagt, die Hollywood sich nie trauen würde. Bis auf technische Kleinigkeiten und ein paar Längungen ein tolles Filmerlebnis und ein großartiger Start in den Festivaltag.

4/5 Sterne

 

Greatful Dead (2013)

(Gureitofuru deddo)

Greatful Dead (2013) PosterDas Gefühl der Einsamkeit kennen in Japan viele, vor allem ältere Menschen. Die junge Nami (Kumi Takiuchi) freut sich über diese Tatsache umso mehr, seit sie ein außergewöhnliches Hobby für sich entdeckt hat. Sie beobachtet einsame Menschen. Das klingt schon recht ungewöhnlich, aber ihr Hobby ist weitaus umfassender. Denn noch mehr freut sie sich, wenn diese Menschen auch sterben. Dabei ist sie auch gern behilflich. Schnell wird klar, dass das Aufmerksamkeitsdefizit, dass ihre Familie ihr in frühester Kindheit entgegenbrachte, aus dem süßen Mädchen eine psychisch stark angeschlagene Killerin gemacht hat. Eines Tages trifft sie auf einen älteren Mann (Takashi Sasano), der zunächst das perfekte Opfer zu sein scheint: alt, verzweifelt, allein. Doch dann fasst dieser Mann mithilfe der Bibel neuen Lebensmut. Das passt Nami gar nicht. Schließlich greift sie ein und versucht beim Sterben nachzuhelfen. Dabei ist ihr jedes Mittel recht. Doch der Lebenswille des Mannes ist mittlerweile so sehr erstarkt, dass Nami schwer zu kämpfen hat, ihren Plan umzusetzen.

Greatful Dead (2013) Filmbild 1Aus amüsanter Heiterkeit lässt Regisseur Eiji Uchida im Laufe des Films ein perfides Psychospiel werden. Raffiniert lässt er den Zuschauer zunächst eine Beziehung zu der sympathischen Hauptdarstellerin aufbauen. Als man jedoch herausfindet, dass sich hinter ihrer unscheinbaren, unbeschwerten Fassade eine skrupellose Täterin befindet, gerät man gefühlsmäßig in Stocken. Das macht den größten Reiz dieses Films aus. Das Komische überwiegt dabei stets, die Ernsthaftigkeit des Themas versteckt sich eher im Hintergrund. So nimmt sich der Film nicht zu ernst, wirkt frisch und spannend zugleich und zudem extrem lustig. Die Entwicklungen der beiden Hauptcharaktere wurde perfekt in Szene gesetzt, auch schauspielerisch eine großartige Leistung. Die Genre Psychothriller und Komödie wurden auf sehr unterhaltsame Weise verwoben, was den den Film oft unfreiwillig komisch wirken lässt, auch wenn es im wahrsten Sinne des Wortes todernst wird.

Ich hätte bei dem Thema einen weitaus ruhigeren, ernsteren Film erwartet und bin umso besgeisterter, dass er so geworden ist, wie er ist. Greatful Dead ist verrückt, aber nicht übertrieben albern, lebt von seinen tollen Charakteren und der Spannung. Wäre das Ende nicht so sehr in die Länge gezogen, wäre es perfekt gewesen.

4,5/5 Sterne

 

Tokyo/Lovers (2013)

(Koibitotachi)

Japan, 2011, nach der Katastrophe von Fukushima. Eine Englischlehrerin (Tomoko Hayakawa) und ein professioneller Tänzer (Takuya Ikeno) haben eine sehr eigenwillige Beziehung zueinander. Zunächst scheint alles perfekt, doch letztendlich zerbricht sie an trister Lieblosigkeit. Zeitgleich demonstrieren Menschen in Tokyo gegen die Atomkraft, sie fordern ein Ende und wollen ein weiteres Fukushima verhindern. Andere Menschen haben mit ganz persönlichen Problemen zu kämpfen, die direkt aus der Katastrophe resultieren. Einsamkeit, Alltag, Widerstand, Resignation, Angst. Ein positives Gefühl wie die Liebe ist schwerer zu erreichen als je zuvor in diesem grauen Tokyo nach dem 11. März 2011.

Tokyo/Lovers (2013) Filmbild 1Neben der Tatsache, dass es sich um eine Weltpremiere handelte, war ich sehr gespannt, was der Regisseur Kôtarô Irakawa zu seinem Werk zu sagen hatte. Nach einem munteren „Moin, moin!“ und „Viel Spaß mit dem Kino!“ ging es erst mal mit dem Film los. Und schon die erste Szene schien nicht enden zu wollen und wurde dann von einem Lichtspiel abgelöst, das jedem Epileptiker und Nicht-Epileptiker zu schaffen macht. Tokyo/Lovers wurde nahezu komplett in Schwarz-Weiß-Optik gehalten, bei der man die Farben nur erahnen konnte. Sprache in Worten spielte nur eine untergeordnete Rolle, es wurde vielmehr über die Szenen und deren Bilder kommuniziert. Das ließ den Film wie ein Kunstwerk wirken, was auch gar nicht verwerflich klingen soll. Es hat auf eine passende Art die Einsamkeit und verzweifelte Suche der Menschen nach Glück in einer der einsamsten Städte der Welt dargestellt. Problematisch wurde es jedoch, wenn die Kamera zu stark ins Zittern abgeglitten ist und Szenen zu sehr aus ein und derselben Perspektive abgelaufen sind. Besonders Letzteres ließ den Film sehr langatmig und zäh wirken, sodass sich ein Blick auf die Uhr nicht mehr vermeiden ließ. Um Tokyo/Lovers vollends begreifen zu wollen, müsste man jede Szene einzeln analysieren, was in diesem Umfang jedoch eine Zumutung für den Zuschauer ist. Viele Szenen wirken dadurch wahllos und ohne Zusammenhang aneinandergereiht, viele Nebencharaktere werfen mehr Fragen auf als Antworten. Es passte einiges einfach nicht zusammen.

Tokyo/Lovers (2013) Filmbild 2Irakawa bestätigte in der Diskussion nach dem Film, dass er an einigen Stellen selbst nicht erklären konnte, warum sie beispielsweise plötzlich farbig waren. Auch der Zeitablauf des Films war ihm irgendwann nicht mehr klar, sodass er sehr viel aus seinem Gefühl heraus entschieden hat. Entstanden ist dadurch ein Film, in dem er seine sehr persönlichen Erfahrungen mit der Katastrophe einbaute. Er wollte zeigen, dass Liebe und Fukushima jedem passieren können und dass die Menschen dadurch miteinander verbunden sind. Zweifellos eine sehr schöne Botschaft. Der Film, in dem diese verpackt wurde, ist aber zu schwer, um diese Botschaft auch an viele Menschen heranzutragen. Gern hätte ich mehr Punkte gegeben, aber leider hat mich der Film nicht so erreicht, wie es sich der Regisseur gewünscht hat. Und ich glaube nicht, dass ich mit diesem Gefühl der Einzige bin.

1/5 Sterne

Box-Office Welt – X-Men mit dem besten internationalen Start des Jahres

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X-Men - Zukunft ist Vergangenheit Vorschau

Quellen: Screendaily, Rentrak

X-Men – Zukunft ist Vergangenheit betrat die internationale Arena letztes Wochenende als das bislang größte Filmevent des Jahres und kassierte direkt zum Start phänomenale $172 Mio von 118 Ländern. Es war ein extrem breiter Start, sodass dem Film in den kommenden Wochen nur noch Spanien, Japan und Venezuela bevorstehen. Mit dem $172 Mio knackte der mittlerweile siebte Film aus dem X-Men-Universum direkt mehrere Rekorde. Es war mit Abstand der bislang erfolgreichste internationale Start des Jahres. Zusätzlich war es auch der erfolgreichste internationale Box-Office-Start eines Films von 20th Century Fox, etwa $7 Mio vor dem bisherigen Rekordhalter Avatar. Es war auch das zwölftbeste internationale Startergebnis eines Films aller Zeiten. Außerdem, hat der Film jetzt schon das internationale Gesamteinspiel des ersten X-Men-Films ($139 Mio) übertroffen. Die X-Men-Reihe war bis vor Kurzem vor allem in Nordamerika ein großer Erfolg, während in der Übersee Spider-Man und Batman die deutlich populäreren Comic-Helden waren. Die sechs X-Men-Filme bis jetzt haben im Schnitt jeweils knapp $207 Mio außerhalb von USA/Kanada eingespielt, eine Zahl, die der neue Film mehr als verdoppeln wird. Es war erst Wolverine – Weg des Kriegers, der letztes Jahr mit $282,3 Mio zu einem wirklich beachtlichen internationalen Erfolg wurde – dank 3D und dem internationalen Setting. Die Beliebtheit von dem Film ebenso wie die gute Resonanz gegenüber X-Men – Erste Entscheidung führten dazu, dass die X-Men deutlich an der internationalen Popularität hinzugewannen. Dazu kommt noch, dass der neue Film mit seinem Zusammentreffen der alten und der neuen X-Men-Besetzung zu einem wirklich großen Event von Fox hochgepusht wurde und als einer der absoluten Must-See-Filme des Sommers vermarktet wurde. Das ermöglichte dem Film, alle Franchise-Rekorde in nahezu allen seinen Märkten hinter sich zu lassen.

Ein großer Batzen des Geldes kam am Wochenende aus China, wo der Film mit $39,4 Mio in fünf Tagen enorm stark anlief und jetzt schon beinahe das Gesamteinspiel von Wolverine – Weg des Kriegers erreichte. The Return of the First Avenger hatte einen vergleichbaren Start und erreichte am Ende mehr als $115 Mio. X-Men – Zukunft ist Vergangenheit sollte also auch mindestens $100 Mio erreichen und zur dritten Comicverfilmungen dieses Jahr werden, die diese Grenze in China überquert (auch The Amazing Spder-Man 2 sollte es schaffen). In 11 weiteren Ländern ebenfalls den Startrekord eines 20th-Cetury-Fox-Films, darunter in Indien, Brasilien und Südkorea. Nach reinen Zahlen war das zweitbeste Startwochenende des Films in Großbritannien, wo der Streifen $15,4 Mio in den ersten drei Tagen erwirtschaftete. Es war das beste Startwochenende von 2014 und das beste aller Zeiten für einen X-Men-Film (17% vor X-Men – Der letzte Widerstand). Der Film startete besser als Der Hobbit -Smaugs Einöde, Ted und Thor – The Dark Kingdom und sollte auf lange Sicht mindestens $40 Mio in Großbritannien erreichen. In Südkorea spielte der Film $14,1 Mio (einschließlich Previews) zum Start ein. Es war das siebtbeste Startwochenende aller Zeiten für einen Hollywood-Film und lag sogar vor Hits wie The Amazing Spider-Man 2 und The Avengers. In Russland startete der Film ebenfalls mit sehr beeindruckenden $10,3 Mio – besser als alle X-Men-Filme zuvor. In Frankreich lag der Film mit $9,3 Mio zum Start allerdings etwa 15% hinter X-Men – Der letzte Widerstand. Einen sehr guten Start verbuchte der Film auch in Brasilien mit $8,4 Mio – mehr als das Startwochenende von Rio 2!

Die bisherigen Starts deuten auf ein finales Ergebnis von mindestens $450 Mio außerhalb von Nordamerika hin. Es ist sogar gut möglich, dass der Film international mehr einnehmen wird als der bislang erfolgreichste X-Men-Film weltweit (Der letzte Widerstand mit knapp $459 Mio). Momentan halte ich sogar $500 Mio für realistisch, was dem Film ein weltweites Einspiel von mehr als $700 Mio ermöglichen würde. Angesichts der großen Beliebtheit des neuen Films, sollte X-Men: Apocalypse, der nächste Franchise-Eintrag, mit mehr als $800 Mio weltweit rechnen.

Weit hinter X-Men landete am Wochenende der Zweitwöchler Godzilla, der nach dem fulminanten $103-Mio-Start am vorletzten Wochenende diesmal um 67% auf lediglich $34,5 Mio abstürzte. Die Konkurrenz von X-Men hat Godzilla in den meisten Märkten niedergeschmettert. Nichtsdestotrotz kann der Film nach zwei Wochen stolze $166,6 Mio vorweisen, worüber Warner Bros. auch nicht wirklich klagen kann, insbesondere da der Film noch in China und Japan starten wird und diese Märkte zusammengerechnet für mindestens weitere $100 Mio sorgen sollten (oder auch mehr, wenn man sich Pacific Rims $112 Mio-Einspiel in China anschaut). Der erfolgreichste Markt für Godzilla bis jetzt ist Großbritannien, wo der Film an seinem zweiten Wochenende um 57,2% abbaute und bei $19,9 Mio nach zehn Tagen steht. Mehr als $10 Mio hat der Film in lediglich zwei weiteren Märkten erreicht – Mexiko ($13,5 Mio) und Australien ($10 Mio), In beiden verlor er ebenfalls den Spitzenplatz an X-Men – Zukunft ist Vergangenheit und fiel dabei um jeweils mehr als 60% gegenüber dem Startwochenende. Ziemlich schwach läuft der Film in Deutschland, wo er nach 11 Tagen $8,7 Mio erreicht hat. International winken dem Film etwa $350 Mio. Das ist zwar gut, aber bedenkt man, dass Roland Emmerichs Godzilla vor 16 Jahren ohne 3D, IMAX und ohne Inflationsvorteil knapp $243 Mio international einspielen konnte, ist es auch leicht enttäuschend.

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro nähert sich dem Ende seiner Laufzeit, konnte aber am Wochenende Platz 3 der internationalen Kinocharts mit $11,2 Mio belegen. Damit hat der Film außerhalb von USA/Kanada $489 Mio erreicht – nur $1 Mio weniger als das Gesamteinspiels seines Vorgängers. Zu verdanken hat das Sequel die erfolgreichere Performance vor allem den Zahlen aus China. Nach drei Wochen spielte der Film dort $92 Mio ein und wird kommendes Wochenende die $100-Mio-Grenze überqueren. In Großbritannien hat der Film ordentliche $39,8 Mio bis dato eingenommen und ist weniger als $1 Mio davon entfernt, den ersten Film hinter sich zu lassen. Das wird ihm in Südkorea nicht gelingen, auch wenn sein $33,8-Mio-Einspiel dort ebenfalls recht stark ist. Dem Vorgänger gelang es allerdings, $36 Mio einzuspielen. Mexiko hat $28,3 Mio nach sechs Wochen beigetragen. Aus Deutschland stammen $15,8 Mio, aus Frankreich $21,4 Mio. Bald wird der Film international eine halbe Milliarde erreichen und aber viel weiter wird es nicht gehen. Ich denke, dass hier maximal etwa $510-515 Mio drin sind. Die $554 Mio, die Sam Raimis Spider-Man 3 international eingenommen hat (ohne 3D und noch bevor Märkte wie China oder Russland sehr groß wurden!) bleiben vorerst sicher.

Bad Neighbors spielte weitere $8,2 Mio von 35 Ländern ein und steht jetzt bei $67,4 Mio außerhalb von Nordamerika. Nach dem heftigen 83%-Fall in der zweiten Woche, erholte sich die Komödie in Großbritannien in der dritten Runde und baute lediglich 13% ab. Nach 17 Tagen spielte der Film in dem Markt $22,8 Mio ein. In Australien sind es bislang $13,5 Mio. Auch Deutschland ist ein ertragreicher Markt für den Film. Hier hat die Seth-Rogen-Komödie $12,1 Mio nach 18 Tagen in die Kinokassen gespült. Weniger gut läuft es in Spanien, wo der Film nach drei Wochen armselige $2,2 Mio vorzuweisen hat. Mit Russland, Frankreich und ganz Südamerika in petto, könnte Bad Neighbors international (für eine US-Komödie) grandiose $120-140 Mio einnehmen.

Die Eiskönigin – Völlig unverfroren blieb auch in der 11. Woche auf Platz 1 in Japan und hat bislang $194,1 Mio dort eingenommen. Nur Titanic und Chihiros Reise ins Zauberland haben in Japan noch mehr eingespielt. Die Eiskönigin wird im Juli in Japan auf DVD/BluRay erscheinen, sodass die tolle Performance spätestens dann ein Ende haben sollte, doch bis dahin halte ich ein Endergebnis von mindestens $240 Mio in dem Land für möglich. International hat der Animationshit derweil $818,7 Mio eingenommen und brachte sein weltweites Einspiel auf $1,219 Mrd. Damit überholte der Film Iron Man 3 und ist jetzt endgültig der weltweit umsatzstärkste Film von 2013 und zugleich auch der fünfterfolgreichste Film aller Zeiten. Auch an $1,25 Mrd wird er vorbeiziehen.

Die Schadenfreundinnen ergatterte weitere $3,8 Mio am Wochenende und steht nun bei $89,9 Mio außerhalb von Nordamerika. Die erfolgreichsten Märkte des Films sind Australien ($19 Mio), Großbritannien ($14,6 Mio) und Deutschland ($10,1 Mio). Venezuela, Spanien, Italien und Frankreich hat der Film noch im Rücken und wird international mindestens $125 Mio einnehmen.

Einen Meilenstein  erreichte am Wochenende Wes Andersons Grand Budapest Hotel und knackte als sein erster Film die $100-Mio-Marke. The Return of the First Avenger brachte sein Einspiel auf $454,1 Mio.

Japan-Filmfest Hamburg 2014 – Tag 1

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Nach dem Eröffnungsfilm am Mittwoch ging das Japan-Filmfest am Donnerstag richtig in die Vollen. Ich hatte das Vergnügen, drei Filmen sehen zu können, die alle einem anderen Genre zuzurechnen sind. Aber eine Gemeinsamkeit hatten sie dann doch: Es waren alles internationale Premieren. Los ging es mit dem stark künstlerisch geprägten Drama Tokyo Shutter Girl (Tôkyô shattâ gâru), gefolgt vom zweiten Teil der Manga-Comedy-Verfilmung Nana to Kaoru 2 (Nana to Kaoru dainishô), und in der letzten Vorführung gab es dann den Psychothriller Judge (Jujji) zu sehen. Der Tag startete gemächlich, wurde zum Abend hin aber immer vielversprechender.

Tokyo Shutter Girl (2013)

(Tôkyô shattâ gâru)

Hinter dem Titel verstecken sich drei eigenständige Filme, die von drei verschiedenen Regisseuren aus drei verschiedenen Blickwinkel inszeniert wurden. Was allen gleich ist, ist die zentrale Leitfrage, nach dem Sinn der Fotografie und ihrer Auswirkungen auf den Menschen und seine Umgebung. Die Suche nach einer Antwort wird dabei auf höchst unterschiedliche Art und Weise bestritten.

Tokyo Shutter Girl (2013) Filmbild 1Der erste Teil wurde von Macoto Tezka inszeniert. Das Besondere seiner Version ist, dass sie nur schwer verdaulich für Freunde des bewegten Bildes ist. Es wird sehr viel mit Fotos/Standbildern gearbeitet, die Wichtigkeit der Handlung geht gegen null. Seine Version sieht sich vielmehr wie eine Dokumentation, in deren Vordergrund allein das Fotografieren steht. Für mich persönlich war es von allem zu wenig. Tezka hat in einer sehr verschlüsselten Bildersprache gesprochen, die nicht jeder Zuschauer verstanden haben dürfte. Ich muss zugeben, dass ich nicht viel mit Fotografie zu tun habe, wenngleich ich auch Fotos etwas Ästhetisches abgewinnen kann. Aber dem Auftakt des Dreigespanns konnte ich schlicht und ergreifend nichts abgewinnen. Und genau daran schließt auch der folgende Teil an.

Im zweiten Teil führte Motoyuki Kobayashi Regie. Hier wird zwar mehr gesprochen, aber es wird philosophischer. Denn sämtliche Dialoge und vor allem Monologe haben nur die zentrale Frage „Was ist ein Foto?“ beziehungsweise die Suche nach deren Antwort zum Ziel. Die Sinnsuche beginnt beim Foto und endet im Leben selbst. Es wird viel mit expressiven Bildern gearbeitet, auch hier spielt die Handlung nur eine untergeordnete Rolle. Es ist ein Versuch, eine Definition für die Leidenschaft des Fotografierens zu finden. Am Ende steht jedoch keine Antwort, sondern die Bestätigung für die Komplexität der Frage. Der Bezug zu den Protagonisten fehlt nahezu komplett, sodass man an seiner eigenen Empathie zu zweifeln beginnt. Die Charaktere leben in ihrer Traumwelt und sind nur schwer nahbar. Doch wahrscheinlich soll man nur beobachten, wie es das Objektiv einer Kamera vorgibt. Wir sollen die Hauptcharakterin bei ihrer Sinnsuche begleiten und daraus für uns selbst einen Schluss ziehen. Das funktioniert aber nicht wirklich, da die der Interaktivität, die das Medium Film bieten kann, nicht genutzt wird. So bleibt einem nur das Abwarten auf den Abspann, der weitere mögliche Antworten auf die zentrale Frage präsentiert.

Tokyo Shutter Girl (2013) Filmbild 2Der dritte Teil stammt von Kotaro Terauchi und ist der Lichtblick des Dreigespanns. Umsetzungstechnisch ist er auch für Fotolaien wie mich verständlich. Er setzt sich etwas von der rein künstlerischen Ebene ab, ohne weniger tiefgründig nach einer Antwort zu suchen. Er nähert sich dem Thema jedoch auf eine humoreske Weise und macht ihn dadurch nahbarer. Die Handlung beschränkt sich auf ein sehr schmales Fenster, in dem nur wenige Charaktere eine Rolle spielen. Aber sie ist spürbar vorhanden und wird auch bewegter dargestellt. Wobei sich bewegter nicht nur auf die witzigen Einlagen bezieht, sondern auch auf die Szenenbilder. Es ist spürbar mehr Dynamik vorhanden als in den ersten beiden Parts. Das hätte den anderen beiden Teile auch gut gestanden.

Insgesamt konnte der Dreiteiler Tokyo Shutter Girl nicht überzeugen. Das stark Künstlerische dürfte nur echte Fotokenner und vor allem Fotoliebhaber in ihren Bann ziehen. Für alle anderen ist es schwer, die Sinnsuche über eineinhalb Stunden mitzuverfolgen.

1,5/5 Sterne

 

Nana to Kaoru 2 (2012)

(Nana to Kaoru dainishô)

Passend zum Herrentag habe ich mich für einen leicht pervers anmutenden Film entschieden. Auch wenn ich den ersten Teil der Serie nicht gesehen habe, reizte mich zu sehen, wie es gelungen ist, die Manga-Vorlage von so einem Stoff in einen „echten“ Film umzuwandeln. Und was soll ich sagen: Es funktioniert – zumindest am Anfang.

Nana and Kaoru 2 (2012) PosterKaoru (Rakuto Tochihara) ist ein Außenseiter, der nicht viel zu bieten hat und auch mit seinen Mitmenschen nicht sonderlich „normal“ umgeht. Das brachte ihm an der Schule schnell den Ruf des Perversen (hentai) ein. Niemand will etwas mit ihm zu tun. Außer eine: Nana (Miko Aono). Sie ist das komplette Gegenteil von Kaoru. Sie ist eine Einserschülerin und bei allen beliebt. Doch ihre Beliebtheit bedeutet vor allem eins für sie: Stress. Und da kommt Kaoru ins Spiel. Denn er weiß, wie sie diesen Stress abbauen kann. Mithilfe von SM-Praktiken entführt er Nana in eine gefühlsmäßige Parallelwelt. Sie wirkt anfangs immer etwas verschreckt, gibt sich dann aber ohne Einschränkungen Kaorus Fantasien hin. Dabei kommen sich die beiden jedoch nie zu nahe, sehr zu Kaorus Leidwesen. Es steht vor allem der Stressabbau von Nana im Vordergrund. Aber als die beiden durch einen Zufall in einer Waldhütte zusammen nächtigen müssen, scheinen sie sich besonders nahe zu kommen. Ein neuer Höhepunkt für die beiden ist in greifbarer Nähe.

Nana and Kaoru 2 (2012) Filmbild 1Nana to Kaoru 2 bietet vor allem am Anfang eine frische Idee und setzt diese auch gekonnt um. Ich bin der festen Überzeugung: Den ersten Teil kann man getrost ignorieren. Ziemlich schnell wird klar, worum es geht und wer die Hauptpersonen sind. Der Witz des Films lebt vor allem von den perversen Fantasien Kaorus, die immer wieder die Situation ins Lächerliche abgleiten lassen. Und das funktioniert wirklich großartig, besonders am Anfang. Vor allem seine Nachhilfe im Sexshop ist höchst amüsant. Die Idee ist spritzig und neu, die Charaktere sind passend. Der Film sieht sich in der Tat so, wie man sich die Manga-Vorlage von Ryûta Amazume dazu vorstellt. Besonders in der ersten Hälfte sind die plötzlich ins Komische gleitende Situationen extrem unterhaltsam. Zum Ende hin nervt es jedoch etwas, dass es immer nur auf einer freundschaftlichen – wenn auch gedanklich sehr intimen – Ebene bleibt. Vielleicht leidet man als Mann auch einfach mehr mit, da man sich mitfühlend fragt, wie Kaoru sich nur so ausnutzen lassen kann.

Für Leute, die auf eine ausgefeilte Handlung hoffen, ist der Film nichts. Für alle anderen bietet er die Gelegenheit, einfach mal wieder ungezwungen zu lachen.

3,5/5 Sterne

 

Judge (2013)

(Jajji)

Der letzte Film am Donnerstag war zugleich auch mein Tageshighlight. Der Psychothriller bildete einen netten Abschluss und entschädigte für einen mäßigen Einstieg in den Filmfesttag.

Judge (2013) PosterSieben Personen wachen in einem karg eingerichteten Raum auf. Die Gesichter sind hinter Tiermasken versteckt. Sie sitzen festgekettet an einem Tisch und haben keine Ahnung, was mit ihnen geschieht. Sie wurden entführt, eingesperrt und befinden sich mit ihnen völlig fremden Personen in einem Raum. Doch so verschieden, wie sie anfangs glauben, sind sie nicht. Sie sind durch ihre Taten, die jeweils einer der sieben Todsünden entsprichen, verbunden. Ihre Aufgabe: Sie sollen abwägen, wessen Tat am schlimmsten war, um ihn schließlich exekutieren zu lassen. Dafür haben sie nur begrenzt Zeit. Entscheidend für die Verurteilung ist das Mehrheitsprinzip: Derjenige, der die meisten Stimmen hat, stirbt. Wer das letzte Urteil überlebt, ist frei. So die Regeln. Und ziemlich schnell wird klar, dass das Ganze von außen gesteuert wird und sie permanent durch die Videokameras beobachtet werden.

Wie man schon der Inhaltsbeschreibung entnehmen kann, ist Judge eine Mischung aus SAW, Cube und dem japanischen Psychothriller The Incite Mill (Inshite miru: 7-kakan no desu gêmu). Ein Schauplatz reicht für den gesamten Film: ein wenig ausgeleuchteter grauschwarzer Raum. In dieser Umgebung geht es nur ums Überleben. Doch das haben die anderen in der Hand. Judge (2013) Filmbild 1Das Vertrauen von sieben sehr unterschiedlichen Menschen unter Zeitdruck und der Angst vor dem eigenen Tod ist dabei verständlicherweise nicht besonders stark untereinander. Die Situation ist also extrem angespannt, das spürt auch der Zuschauer. Diese Spannung wird von Anfang bis Ende aufrechterhalten. So plötzlich, wie der Zuschauer sich in diesem Raum befindet, wird er auch wieder rausgeschmissen. Wenn man die drei oben genannten Filme kennt – allen voran den The Incite Mill –, bietet der Film kaum neue Elemente. Aber die Kombination aus Altbekanntem zu einer neuen Story funktioniert trotzdem. Und auch das Tempo und die Gesamtdauer tragen ihr Übriges zu einem unterhaltsamen Werk bei. Die knapp eineinhalb Stunden Spielzeit ziehen den Film nicht unnötig in die Länge und entlassen den Zuschauer gut unterhalten. Einzig die ungelöste Cube-Frage muss dieser mit nach Hause nehmen: Wer steckt hinter dem Ganzen?

4/5 Sterne

Edge of Tomorrow (2014)

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Edge of Tomorrow, USA/AU 2014 • 113 Min • Regie: Doug Liman • Mit: Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton, Brendan Gleeson  • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 29.05.2014 • Internationale Webseite

Es hat etwas von „Starship Troopers“, „Der Soldat James Ryan“, "Elysium", „Source Code“ und „…täglich grüßt das Murmeltier“. Was kann das Ergebnis sein? „Edge of Tomorrow“ ist die Antwort. Tom Cruise als erfahrener Filmweltenretter (siehe z.B. „Mission Impossible“-Reihe) versucht mit der fantastischen Emily Blunt („Looper“) in diesem hochexplosiven und super teuren Sci-Fi-Actioner, die Invasion der flinken, fiesen Alienrasse namens „Mimic“ abzuwenden. Trotz der oben erwähnten manchmal mehr, manchmal weniger offensichtlichen Filmreferenzen, gelingt dem Team um Regisseur Doug Liman ein eigenständiger, toller und den Titel „Blockbuster“ verdienenden Sommerhit.

edge of tomorrow 3Major Bill Cage (Tom Cruise) steckt zwar in einer Uniform, doch ist er mehr ein charmant lächelnder Schreibtischtäter, als ein mit allen Wassern gewaschenes Frontschwein. Er rekrutiert mit Hilfe seiner Eloquenz und der Medien willige Soldaten für die Schlacht gegen die Aliens. Bei der großangelegten Operation „Downfall“ wird er allerdings hinterlistig und mit Gewalt von Kommandant Brigham (Brendan Gleeson) an die Front geschickt, da jeder Mann zählt. Als er wieder zu sich kommt, findet sich -von nun an- Private Cage auf einem Militärstützpunkt wieder, wird von Master Sergeant Farrell (süffisant: Bill Paxton) als Deserteur beschimpft und wird dem irren J-Squad zugeteilt. Alle Beteuerungen sind zwecklos und schließlich wird er mit der ersten Angriffswelle am Strand in Frankreich abgesetzt, ohne überhaupt zu wissen, wie die zahlreichen Waffen in seinem Exo-Skelett-Anzug funktionieren. In den Wirren des Kampfes erblickt Cage die bekannte Elitesoldatin Rita Vrataski (immer gut und in top Form: Emily Blunt) und sieht beinah hilflos dabei zu, wie sie stirbt, kurz bevor er sich aus Verzweiflung Angesicht zu Angesicht mit einem blauen Alpha-Mimic in die Luft sprengt. Dabei wird er mit Blut des besonderen Aliens bespritzt und wacht nach seinem Tod sichtlich verwirrt wieder in Handschellen auf der Militärbasis auf. Dieses Mal kennt er einige Situationen besser und rettet Rita – (vorerst). Sie ahnt, was mit ihm los ist, weil sie es selbst erlebt hat. Mit dem Auftrag für Bill, sie nach dem Aufwachen zu finden, sterben beide erneut bei einer Explosion. Bill Cages Fähigkeit, den Tag immer wieder neu zu starten, könnte die Wendung in diesem Krieg sein.

Edge_of_Tomorrow 1Wer glaubt, der Film wird in irgendeiner Form langweilig ausarten, weil jeder erneut durchlebte Tag den gleichen Ablauf hat, der irrt sich. Bei Filmen mit Zeitschleife bieten sich mannigfaltige Inszenierungsmöglichkeiten, die Regisseur Doug Liman für sich auch stilsicher auslotet. Leute, die den Scientology-Kronprinzen Tom Cruise nicht leiden können, können sich schelmisch zurücklehnen und sich dem Genuss hingeben, dass Tom Cruise immer wieder, immer wieder, immer wieder stirbt und bei seinen Trainingsversuchen auch immer wieder schwere Hiebe auf die Mütze bekommt. Er macht seine Sache aber so gut, dass selbst Gegner des Schauspielers die anderen Qualitäten seiner Rolle mögen werden. Seine Reise vom Sesselfurzer zum erfahrenen Soldaten lässt er niemals abgleiten in unglaubwürdige Gefilde. Immer schimmert durch, dass er eigentlich fälschlicherweise an der Front ist und eben kein Super-Soldat ist/wird. Für den Film bietet das auch einiges an sehr erfrischenden, schwarz humorigen Comic-Relief. Als er ganz aufgeregt seinem Squad und dem herrlich schief grinsenden Südstaatler Master Sergeant Farrell verkaufen will, dass alle in ihr sicheres Verderben rennen, wird er im Handumdrehen mit Maulkorb zur Front geschickt. „Edge of Tomorrow“ streut an vielen Stellen solche Humorperlen ein, ohne sich dabei in künstlich, zu arg gewollte Lacher zu verirren. Seien es heroische Ansprachen des Squad-Leaders, die von Bill Cage auswendig und lustlos mitgeplappert werden oder billige Flirtversuche mit Rita, so geben diese Momente dem Film das nötige Etwas –entlang Augenschmaus-Action- für einen möglichen Sommer-Kracher.

edge-of-tomorrow-9_article„Edge of Tomorrow“ hat ein enormes Budget verschlungen: ca. 175 – 200 Millionen Dollar. Entsprechend großkalibirg kommt die gesamte Produktion daher. Hier sitzt alles perfekt. Die Exo-Anzüge sehen cool aus, die Aliens sind fies und filigran animiert, die Effekte ballern ordentlich, die Sets und Kulissen wirken nicht steril und die beiden Hauptdarsteller harmonieren vortrefflich. Das Studio Warner hat sich weit aus dem Fenster gelehnt und dementsprechend auch eine stylishe Marketing-Kampagne unter den Schlagworten „Live – Die – Repeat“ gefahren. Ja, sogar die 3D-Effekte haben sich am Ende gelohnt, da sie vor allem bei den großangelegten Strandschlachten bzw. die sich wiederholenden, immer etwas anders ausgestalteten Strandschlacht trotz sehr weitläufiger Bilder, eine optimale Tiefe und Plastizität erzeugen. Regiestuhlinhaber Doug Liman, oft als Produzent tätig, brachte schon ein Franchise wie die „Bourne“-Reihe („Die Bouren Identität“, 2002) erfolgreich auf die Spur, legte mit „Mr. & Mrs. Smith“ (2005) passabel nach und traf mit „Jumper“ (2008) leider nicht genau ins Schwarze, bügelt jedoch mit „Edge of Tomorrow“ jeden Zweifel auf brachiale Weise aus.

Wie immer bei Zeitreise- oder Zeitschleifenfilmen gilt: Manches kleines logische Vakuum ist einfach da. Wer generell ein Problem mit solchen physikalischen Logikfragen bei Filmen hat, der wird sich auch hier erneut daran stören können. Besser: Augen auf und Film genießen, denn das geht echt gut von der Hand. Obgleich solch ein gut funktionierendes Hauptdarsteller-Duo und eine Endzeitgeschichte wie diese es verdienen, so ist es einzig und allein das Drehbuch gegen Ende mit dem Versuch zu kritisieren, einen etwas zu unbeschwerten und runden Abschluss zu gestalten. Dennoch ein klasse Sahneblockbuster aus dem Sci-Fi-Action Genre, wie man ihn vermisst hat.

Fazit

Sommer-Knaller-Rock ’n' Roll mit Spaßgarantie. Action-, Sci-Fi- und Humorelemente sind wie aus einem Guss genau wie die Chemie zwischen Tom Cruise und Emily Blunt.

Trailer

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