Rutger Hauer tot

Rutger Hauer in Blade Runner (1982) © Warner Bros. Pictures

Quelle: Variety

Hollands berühmtester Hollywood-Export ist von uns gegangen. Rutger Hauer ist vergangenen Freitag nach einer kurzen Erkrankung in seiner niederländischen Heimat gestorben. Die Beerdigung fand heute statt. Das teilte Hauers Agent Steve Kenis der Presse mit.

Mit Hauers Tod hat die Filmwelt einen vielseitigen und ausdrucksstarken Charakterdarsteller verloren, der von großen Blockbustern über kleine Independent-Produktionen bis hin zu reichlich Direct-to-DVD-Trash in seiner Vita vorzuweisen hat. Hauers Karriere begann vor 50 Jahren als Paul Verhoeven ihn in der Hauptrolle der Mittelalter-Serie "Floris" als titelgebender Ritter besetzte. Dank der Serie wurde Hauer in seiner Heimat zum Star und er spielte die Rolle im westdeutschen Film-Remake Floris von Rosemund wieder.

Hauers internationaler Durchbruch folgte 1973 mit Paul Verhoevens Drama Türkische Früchte, das zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten in den Niederlanden gehört. Knapp 3,5 Millionen Zuschauer sahen dort den Film, was mehr als einem Viertel der damaligen Bevölkerung entspricht. Der Film war weltweit ein Erfolg und erhielt eine Oscarnominierung als "Bester fremdsprachiger Film". Verhoeven und Hauer arbeiteten noch viermal zusammen, bei Das Mädchen Keetje Tippel, Spetters – Knallhart und romantisch, Der Soldat von Oranien und Flesh and Blood. Letzterer war ihr einziger komplett englischsprachiger Film und floppte an den Kinokassen, obwohl er mit der Zeit eine Fangemeinde gefunden hat.

1981 folgte Hauer Hollywoods Ruf und spielte den Terroristen Wulfgar in Nachtfalken (OT: Nighthawks) neben Sylvester Stallone. Ein Jahr später war er dann in seiner vermutlich besten und ikonischsten Rolle zu sehen. In Ridley Scotts Sci-Fi-Kultfilm Blade Runner spielte er den Replikaten Roy Batty. Sein "Tränen im Regen"-Monolog gehört zu den besten und ergreifendsten Szenen der Filmgeschichte, wobei Hauer den Monolog in der Nacht vor dem Dreh selbst überarbeitete und mit dem poetischen Satz "Alle diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen" ergänzte. Blade Runner war kein Kassenhit, zählt aber inzwischen zu den besten Sci-Fi-Filmen aller Zeiten, nicht zuletzt dank Hauers komplexer Performance.

Vier Jahre später spielte Rutger Hauer in Hitcher, der Highway Killer (OT: The Hitcher) einen psychopathischen Anhalter. Auch diese Rolle gehört zu den besten seiner Karriere. Als Vampirkönig Lothos war Hauer in dem Buffy-Kinofilm zu sehen, aus dem heraus später die berühmte Serie entstanden ist. Zu Vampirrollen kehrte er einige Jahre später in Dracula III: Legacy und der "Salem’t Lot -Brennen muss Salem"-Miniserie zurück. In Dario Argentos Dracula 3D spielte er wiederum Abraham Van Helsing. Eine späte Kultrolle absolvierte Hauer als Titelfigur des brutalen Exploitation-Actioners Hobo with a Shotgun. Auch im deutschen Kino war Hauer gelegentlich zu sehen. So spielte er den Gangster Curtiz in Knockin' on Heaven’s Door mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers.

Im Fernsehen war Hauer u. a. in "Alias – Die Agentin", "True Blood", "Smallville" und "Galavant". In "Channel Zero: Butcher’s Block", der dritten Staffel der Horror-Anthologie, spielte er eine wichtige Rolle, die zu einer seiner letzten wurde. Seine finale Rolle als Geist der zukünftigen Weihnacht absolvierte er in der kommenden Miniserien-Adaption von Charles Dickens' "Eine Weihnachtsgeschichte" mit Tom Hardy, Guy Pearce und Andy Serkis, die Ende des Jahres von BBC ausgestrahlt werden soll.

Es würde jeglichen Rahmen sprengen, auf Hauers gesamte, vielfältige Karriere als Schauspieler einzugehen. Daher verabschiedete ich mich mite iner Szene, die in diesem Moment kaum passender sein könnte. Hauers Beitrag zum Film und Fernsehen wird allerdings ganz sicher nicht in der Zeit verloren gehen.