Als die Covid-Pandemie Anfang 2020 ausbrach, das öffentliche Leben quasi über Nacht zum Stillstand kam und Millionen Menschen auf der ganzen Welt monatelang kaum Gründe hatten, ihre Wohnungen und Häuser zu verlassen, profitierten Streaming-Anbieter von der Situation wie kaum eine andere Branche. Ohne nennenswerte Alternativen und zum Teil gar unter Lockdowns und Zusammenkunftsverboten hatten viele Menschen nichts anderes zu tun, als ihre Tage vor den Fernseh- oder Computerbildschirmen zu verbringen. "Tiger King" und "Das Damengambit" dominierten den kulturellen Diskurs.
In den ersten Covid-Monaten schoss auch das Interesse an einem neun Jahre alten Film in die Höhe: Steven Soderberghs starbesetzter Thriller Contagion, dessen erschreckend authentische Darstellung einer tödlichen Pandemie den Film 2011 zum Kassenhit machte, dominierte plötzlich wieder die Streaming-Charts. Die Menschen wollten wissen, was sie möglicherweise erwartet. Auch wenn Soderberghs Film die Toilettenpapier-Knappheit nicht vorhergesehen hat und Covid zum Glück auch nicht annähernd so tödlich war wie das fiktive Enzephalitis-Virus aus dem Film, waren viele Aspekte des Films – einschließlich Jude Laws Verschwörungstheoretiker, der ein Wunderheilmittel anpreist – geradezu prophetisch.
Angespornt von der plötzlichen Brisanz des Films erklärte Soderbergh Ende 2020, dass er Pläne für einen "spirituellen Nachfolger" zu Contagion habe. Vor einem Jahr verriet Soderbergh noch, dass er den Film nur machen würde, wenn er eine wirklich zündende, gesellschaftlich relevante Idee findet: (aus dem Englischen)
Wir haben darüber gesprochen. Es müsste um etwas Neues gehen, aber auch um etwas, das glaubwürdig ist. Ein Grund dafür, dass die Leute bei der Erstaufführung und dann zehn Jahre später, als die Pandemie ausbrach, einen Bezug zu diesem Film herstellen konnten, war, dass er in der Realität verwurzelt war. Wir müssen uns etwas Neues einfallen lassen, aber es muss etwas sein, bei dem die Leute sagen: "Oh, das könnte tatsächlich passieren."
Es müsste etwas sein, das gerade jetzt passiert und nur einen winzigen Anstoß braucht, um sich zu einer riesigen Sache zu entwickeln. Für mich war Contagion ein Horrorfilm. Die Frage wäre also: Findet man etwas ebenso Beängstigendes, das real ist? Es gibt sicherlich Argumente, insbesondere im Westen, für die langfristigen Auswirkungen auf die Umwelt durch das, was wir essen und atmen. Wie allgemein bekannt ist, haben wir mittlerweile Plastik in unserem Blut. Es ist in unserem Gehirn. Das ist etwas Neues, das ziemlich schwerwiegende Folgen haben muss. Es gibt viele Möglichkeiten.
Offenbar haben Drehbuchautor Scott Z. Burns und er die passende Idee nicht gefunden, denn in einem neuen Interview mit The Playlist erklärte Soderbergh, dass das Contagion-Sequel vom Tisch sei:
Scott (Z. Burns) und ich haben ein bisschen mit Ideen herumgespielt, [aber] es wäre für mich schwierig, zu dieser Idee zurückzukehren, weil das eine wirklich einzigartige Situation war. David Lean hat davon gesprochen, dass man nicht zweimal aus derselben Schablone springen sollte. Ich weiß, dass ich das als jemand sage, der an mehreren Ocean’s-Filmen und mehreren Magic-Mike-Filmen mitgewirkt hat. Ich weiß nicht, wie ich dieses Gefühl abmildern soll, dass wir das schon einmal gemacht haben.
Auch einen längeren Director’s Cut des Originalfilms schloss er aus, obwohl er mit dem Gedanken zeitweise gespielt hatte:
Es ist witzig. Mein Cutter Corey Bayes, der mit mir zusammenarbeitet und in alles, insbesondere in den Schnitt, eng eingebunden ist, kam vor ein paar Monaten zu mir und sagte: "Hey, wir haben immer noch die Möglichkeit, die ursprüngliche Fassung wiederherzustellen und sie mit dem neuen Material zu kombinieren. Willst du dir das mal ansehen?" Und ich sagte: "Ja, schauen wir uns das mal an."
Zunächst fand Soderbergh den Prozess aufregend und war hochmotiviert:
Es war irre, die ganzen Szenen zu sehen, an die ich mich gar nicht mehr erinnern konnte. Er hat alles chronologisch angeordnet, und ich fand den Gedanken aufregend, dass es vielleicht eine andere Version gibt. Vielleicht kann man eine andere Schnittfassung herausbringen oder drei einstündige Serienfolgen. Ich war offen für alles. Doch je mehr ich mir das angeschaut habe, desto stärker war das Gefühl, dass ich die richtigen Entscheidungen getroffen habe. Ich schrieb Corey und sagte: "Ich sage das nur ungern nach all der Arbeit, die du darin investiert hast, aber ich glaube, wir haben alles richtig gemacht."
In einem früheren Interview verriet Soderbergh, dass er rund 45 Minuten aus der ursprünglichen Fassung von Contagion entfernt hatte, bevor der Film in die Kinos kam. Eine Szene fand er bei der erneuten Sichtung besonders interessant, sie passte jedoch nicht in den Flow des Films. In der Szene wird Matt Damons immunem Charakter eine Million US-Dollar für zwei Pints von seinem Blut angeboten, aus dem eine Hightech-Firma ein immunisierendes Serum für ihre wohlhabenden Kunden herstellen will.
Hättet Ihr gerne Contagion 2 oder eine längere Version des ersten Films gesehen?
Quelle: The Playlist














