Von einem oscarprämierten kulturellen Zeitgeist-Phänomen zu einem der meistgehassten Filme der letzten Jahre: Der Kontrast zwischen Todd Phillips' (oberflächlich) subversiver DC-Verfilmung Joker und ihrem Nachfolger Joker: Folie à Deux ist in jeder Hinsicht frappierend. Der erste Film schrieb Geschichte, als er den Goldenen Löwen in Venedig gewann. Mit einem weltweiten Einspiel von mehr als einer Milliarde US-Dollar wurde er seinerzeit zum erfolgreichsten Film aller Zeiten mit einem R-Rating, und elf Oscarnominierungen sowie zwei Siege – darunter für Joaquin Phoenix' Tour-de-Force-Performance – zementierten den Film als Must-See-Event seines Jahres. In Deutschland löste er sogar Richard Donners Superman nach mehr als 40 Jahren als erfolgreichste DC-Adaption aller Zeiten nach Zuschauerzahlen ab.
Eine Fortsetzung war eigentlich nie geplant, doch als der Film einschlug wie eine Bombe und Warner Bros. bereit war, Phillips und Joaquin Phoenix Unsummen zu zahlen und völlige kreative Freiheit zu gewähren, entwarfen die beiden einen Plan, der des Jokers selbst würdig wäre: Anstatt Jokers Aufstieg zu Batmans Erzfeind fortzuführen, machten sie genau das Gegenteil und inszenierten mit Joker: Folie à Deux vermutlich den mainstream-unfreundlichsten 200-Millionen-Dollar-Film aller Zeiten, der den Mythos seiner Hauptfigur komplett demontierte und den Hardcore-Fans des ersten Films mehr oder weniger den Mittelfinger zeigte.
Mit Musical-Einlagen, Lady Gagas ungewöhnlicher Interpretation von Jokers Liebhaberin Harley Quinn und einem antiklimatischen Ende polarisierte Folie à Deux sein Publikum. Kritiker mochten den Film nicht, die Fans des Originals noch weniger. Die negative Mundpropaganda verbreitete sich wie ein Lauffeuer. War der erste Film mit einem Nettogewinn von rund 437 Millionen US-Dollar einer der profitabelsten Filme 2019, war sein Nachfolger mit einem geschätzten Verlust von fast 145 Millionen Dollar der größte Kassenflop 2024.
Wer aus Neugier oder Liebe für den Originalfilm das Sequel sehen wollte, sich aber nach den negativen Reaktionen nicht ins Kino dafür traute, konnte ihn im Heimkino bislang bei einem der gängigen Anbieter leihen oder kaufen bzw. im Pay-TV bei Sky nachholen. Morgen, am 18. April, wird Netflix den Film erstmals in sein Angebot in Deutschland aufnehmen. Der erste Joker ist bereits beim Streamer verfügbar. Auch wenn ich nicht wirklich behaupten kann, dass es ein guter Film ist, habe ich tiefen Respekt für die Bereitschaft seiner Macher, die Erwartungen der Fangemeinde komplett zu unterlaufen. Den ersten Film fand ich bei aller Bewunderung für Phoenix' Performance und der technischen Umsetzung überhypt und flach, der zweite ist immerhin ein faszinierendes, wenn auch nicht ganz geglücktes Experiment. Mit John Waters und Quentin Tarantino hat der Film auch einige prominente Fans. Aber Ihr könnt schon bald Euer eigenes Urteil darüber fällen.
Hier ist der deutsche Filmtrailer zu Joker: Folie à Deux:
Quelle: Netflix Deutschland














