Sean Connery feierte 1962 sein Debüt als James Bond. Nur ein Jahr später wurde William Hartnell zum ersten Darsteller des zeitreisenden Doktors in der britischen Kultserie "Doctor Who". Seit über 60 Jahren sind James Bond und der Doktor aus der britischen Popkultur nicht wegzudenken. Über die Jahre wurden sie von verschiedenen Schauspielern verkörpert und erlebten Höhen und Tiefen ihrer Popularität. Doch während die nächste Wiedergeburt von 007 nach der äußerst erfolgreichen Daniel-Craig-Ära derzeit immer konkreter wird, ist das Schicksal von "Doctor Who" so ungewiss, wie es seit über 20 Jahren nicht mehr war.
Russell T Davies belebte die totgeglaubte Serie 2005 nach einer 16-jährigen Pause mit Christopher Eccleston in der Titelrolle wieder. Obwohl Eccleston mit der Rolle nie warm wurde und nach Konflikten mit Davies nach nur einer Staffel ausgestiegen ist, entfachte das Revival den Appetit des Publikums nach mehr. Mit David Tennant als zehnter und Matt Smith als elfter Doktor folgte zwischen 2006 und 2012 eine goldene Ära von "Doctor Who", in der die Serie fantastische Einschaltquoten erzielte und von den Fans gefeiert wurde. Davies stieg nach der vierten Staffel des Revivals als Showrunner aus und überließ das Ruder Steven Moffat. Unter Moffat wurden Peter Capaldi als zwölfter und Jodie Whittaker als dreizehnter Doktor besetzt. Obwohl die Besetzung einer Frau in der Hauptrolle für Kontroverse unter den "Doctor Who"-Fans sorgte, erzielte ihre erste Staffel die besten Einschaltquoten der Serie seit Smiths letzter Staffel. Dann fielen die Zuschauerzahlen jedoch deutlich ab und erholten sich nicht wieder.
Nach einer verkürzten 13. Staffel regenerierte sich Whittakers Doktor überraschend als David Tennant für drei Specials zurück. Moffat stieg als Showrunner aus und Russell T Davies kehrte zurück. Skeptiker bezeichneten Tennants Rückkehr als Gimmick, um das sinkende Zuschauerinteresse wieder zu entfachen. Ncuti Gatwa wurde als fünfzehnter Doktor angekündigt und Disney kam als Co-Produzent der Serie an Bord. Mit Disney+ als exklusiver internationaler Vertriebsplattform der Serie und einem deutlich größeren Budget sollte "Doctor Who" endgültig aus seiner Nische hinaustreten und zu einem weltweiten Event werden. Diese neue Ära wurde dadurch verdeutlicht, dass Gatwas erste Staffel nicht als Staffel 14, sondern als Staffel 1 bezeichnet wurde.
Doch BBC und Disney verkalkulierten sich und überschätzten das internationale Interesse an der Serie. Bessere Effekte konnten mittelmäßige Drehbücher nicht wettmachen und das Publikum wurde mit Gatwa als Time Lord nie warm. Nach zwei Staffeln beendete Disney die Partnerschaft mit BBC und Gatwa trat von der Rolle zurück. Zum Abschied gab es aber noch einen großen Cliffhanger: Gatwas Doktor regenerierte sich in die Gestalt von Rose Tyler (Billie Piper), die Begleiterin des zehnten und elften Doktors.
Die Antwort darauf, wie das passieren konnte und was Pipers Rückkehr als Rose zu bedeuten hat, erhofften sich Fans vom diesjährigen Weihnachtsspecial, das vor acht Monaten angekündigt wurde. Doch jetzt kommt die Ernüchterung: BBC sagte das Special offiziell ab. Gleichzeitig gab Davies seinen erneuten Ausstieg als Showrunner bekannt und Produktionsfirma Bad Wolf kündigte ebenfalls die Zusammenarbeit. Was ist passiert?
Noch vor der offiziellen Absage des Weihnachtsspecials berichtete die britische Klatschpresse, dass es in Gefahr sei, weil kein Schauspieler die Rolle des Doktors nach den Kontroversen rund um Jodie Whittaker und Ncuti Gatwa übernehmen wollte. Davies wies diese Behauptung vehement zurück. Laut ihm sei der Part niemandem angeboten worden und es gebe auch kein Drehbuch zum Special, das voreilig aus Hoffnung ohne konkrete Pläne angekündigt wurde.
Ohne einen Showrunner, einen Produktionspartner und einen neuen Doktor ist die Rückkehr von "Doctor Who" auf die Fernsehbildschirme nicht abzusehen. BBC beteuerte jedoch, die Absage des Weihnachtsspecials nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, und gab eine Ausschreibung für die 16. Staffel bekannt, bei der Produzenten im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens ihre Konzepte für die Neugestaltung der Serie vorstellen werden. Branchenblatt Deadline hat mit einigen Insidern gesprochen, die davon ausgehen, dass "Doctor Who" frühestens 2028 mit neuen Folgen zurückkehren wird. Deadline kontaktierte außerdem vier renommierte britische TV-Produzenten, die allesamt Vorbehalte hatten, sich auf die Serie einzulassen. Einer der anonymen Produzenten erklärte sogar, dass man verrückt sein muss, um die Serie in ihren jetztigen Zustand zu übernehmen.
Tatsächlich könnte die längere Pause "Doctor Who" guttun und das Interesse der zuletzt enttäuschten Fangemeinde wieder zu wecken. Ein Ende ist auch immer eine Chance auf einen Neuanfang und wer kann das besser als ein Time Lord mit der Fähigkeit zur Regeneration?!














