Box-Office USA – Horror an der Spitze, Arnie floppt

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Box-Office USA - 18.-21.01.2013 Zusammenfassung und Analyse

Quelle: Boxofficemojo

Obwohl der letzte Montag in den USA ein Feiertag (Martin-Luther-King-Day) war und somit das Box-Office-Wochenende um einen Tag verlängert wurde, baute die Top 12 am 3-Tages-Wochenende aufgrund von zwei sehr enttäuschenden Neustarts um 3,2% auf $117,5 Mio ab. Damit lag das Top-12-Einspiel immer noch 7,1% über dem gleichen Wochenende im Vorjahr und sogar 2% über dem Martin-Luther-King-Wochenende 2012 (welches letztes Jahr eine Woche früher war). Dass es gegenüber dem Vorjahr nicht noch schlechter ausging, ist vor allem dem dritten Neustart vom Wochenende zu verdanken, Mama. Dieser landete prompt auf Platz 1 der Charts und führte dazu, dass Jessica Chastain zur ersten Schauspielerin seit etwa 50 Jahren wurde, die die Hauptrolle sowohl im #1- als auch im #2-Film vom Wochenende spielt (auf Rang 2 landete Zero Dark Thirty, für den sie eine Oscarnominierung erhielt). Besser könnte es für die Karriere der Mimin, die ihren Durchbruch erst 2011 mit Rollen in The Tree of Life, The Help und Eine offene Rechnung erlangte, nicht laufen.

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Der Horrorstreifen Mama, produziert vom Genre-Favoriten Guillermo del Toro, eröffnete mit unglaublichen $28,4 Mio von nur 2647 Kinos und erreichte im Schnitt $10,730 pro Kino. Damit gelang ihm der neuntbeste Januarstart aller Zeiten in den USA. Einschließlich Montag nahm der Film $32,1 Mio ein, was ihn bei einem Produktionsbudget von $15 Mio bereits zu einem grandiosen Erfolg für Universal macht. Dieser tolle Erfolg ist leicht zu erklären und sollte eigentlich keinen sonderlich überraschen. In einem Markt, der mit nicht-jugendfreien Filmen übersät ist (sieben Filme in der Top 10 tragen das R-Rating, sind also ab 17 Jahren freigegeben), bleibt für die jüngeren Zuschauer nicht mehr viel an Alternativen. Die einzigen weiteren PG-13-Filme in der Top 10 waren Der Hobbit – Eine unerwartete Reise und Les Misérables – beide sprechen nicht unbedingt Teenager an. Somit füllte Mama sehr erfolgreich die Marktlücke, die sich durch schlechte Planung anderer Studios ergab. Das zeigt auch die Zusammensetzung der Zuschauer am Startwochenende. Etwa 63% der Kinogänger waren unter dem Alter von 25. Für Universal ist es ein weiterer Hit in einer andauernden Erfolgsserie. Erst letztes Jahr hatte Universal bei weitem deren bestes Box-Office-Jahr aller Zeiten mit riesigen Überraschungshits wie Ted, Der Lorax und Safe House. Auch letzten Januar landete Universal einen Überraschungserfolg mit Contraband ($66,5 Mio). Mit Mama konnte das Studio sehr gut daran anknüpfen. Trotz solider Kritiken kam der Horrorfilm beim Publikum nur mittelmäßig an und erhielt ein "B-"-CinemaScore (äquivalent einer 2-), was für eine relativ kurze Laufzeit spricht. Andererseits sind es nächstes Wochenende weitere drei Filme mit einem R-Rating, die in die Kinos kommen werden. Somit wird sich das Überangebot an Filmen für Erwachsene noch steigern und Mama bleibt einer der ganz wenigen großen PG-13-Filme auf dem Markt. Das dürfte die Frontlastigkeit des Horrorfilms etwas mildern und ein Gesamtergebnis im Bereich von $65-70 Mio ermöglichen. Das bedeutet, dass Mama auf jeden Fall erfolgreicher werden wird als jeder Horrorfilm von 2012 und somit zum erfolgreichsten Genrevertreter seit Paranormal Activity 3.

Platz 2 ging, wie oben erwähnt, an Zero Dark Thirty, ebenfalls mit Jessica Chastain in der Hauptrolle. Der Film verlor 35,4% seiner Zuschauer und spielte von Freitag bis Sonntag $15,8 Mio ein. Über vier Tage wurden es $18,6 Mio, sodass der Film nach Montag bei $56,9 Mio Gesamteinspiel steht. Für einen schwer zugänglichen 2,5-stündigen Film mit relativ wenig Action ist es ein tolles Ergebnis nach nur 11 Tagen im breiten Verleih. Zero Dark Thirty wurde damit zum 23. Film von 2012 mit der R-rated-Altersfreigabe, der mehr als $50 Mio einspielen konnte. In der gesamten Box-Office-Geschichte hatte nur 1999 mehr Filme mit dieser Freigabe, denen dies gelang (24). Für einen Oscarfilm an einem Feiertagswochenende war es kein sonderlich bemerkenswerter Rückgang, doch wenn man die immense Konkurrenz durch andere Filme, die ebenfalls an das erwachsene, männliche Publikum appellieren, bedenkt, war dieser Hold ziemlich gut. Ob der für fünf Goldstatuen nominierte Film als achter R-rated-Film von 2012 $100 Mio erreichen wird, ist noch unsicher. Zwar wird er mit wachseneder Nähe zur Oscarverleihung immer besseres Durchhaltevermögen zeigen, doch die Konkurrenz durch andere Filme für Erwachsene (Parker, Shootout, Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben, Side Effects) wird unerbitterlich sein. Daher sehe ich momentan ein Gesamtergebnis von etwa $90-95 Mio, es sei denn der Film landet doch einige Überraschungstriumphe in der Oscarnacht.

Auf den dritten Platz ist in der 10. Woche Silver Linings aufgestiegen, der endlich von The Weinstein Company in breiten Verleih geschickt wurde. Der achtfach oscarnomnierte Film wurde wurde bis dahin nie in mehr als 810 Kinos gezeigt, doch nach dem großarigen Abschneiden bei den Oscar-Noms und dem Golden Globe für Jennifer Lawrence erhielt die Dramödie 1713 zusätzliche Locations und wurde letztes Wochenende in insgesamt 2523 Kinos gespielt. Das führte dazu, dass der Film gegenüber der Vorwoche um 114,3% auf $10,8 Mio zulegte und prompt um sieben Ränge aufstieg. Am langen 4-Tages-Wochenende (Freitag-Montag) nahm er bärenstarke $12,7 Mio ein und brachte sein Gesamteinspiel auf beeindruckende $56,7 Mio. Der Film hat noch eine vielversprechende Zukunft vor sich. Obwohl Silver Linings ebenfalls ein R-Rating trägt und der Markt momentan mit anderen Filmen mit dieser Freigabe überfüllt ist, so steht er aufgrund seines Zielpublikums dennoch nicht in Konkurrenz zu den meisten restlichen Filmen. Silver Linings spricht nämlich neben Oscarinteressierten primär ein weibliches Publikum an, was auf die meisten anderen Filme, die momentan in nordamerikanischen Kinos laufen, nicht zutrifft. Deswegen ist für Silver Linings auch ein Endergebnis jenseits von $100 Mio durchaus möglich, auch wenn er bei den Oscars nicht groß abräumt. Ich sehe momentan etwa $105-115 Mio für den Film, doch sollte er tatsächlich als Bester Film ausgezeichnet werden, wird er es auf mehr als $125 Mio bringen. Ein großer Erfolg für alle Beteiligten ist Silver Linings bereits jetzt schon.

Um einen Rang runter ging es für Gangster Squad, der 49,4% seiner Zuschauer verlor und $8,6 Mio am regulären und $10,1 Mio am langen Wochenende einnahm. Nach 11 Tagen in den Kinos steht der Film bei $33,2 Mio, was für die $60 Mio-Produktion nicht wirklich als gut bezeichnet werden kann, doch ein Desaster ist es auch nicht. Man kann sich nur fragen, wie viel mehr der Film erreicht hätte, wäre er nicht inmitten von solch starker Konkurrenz von allen Seiten herausgebracht worden. Mit Parker, Hänsel und Gretel – Hexenjäger und Movie 43 wird der Film kommendes Wochenende gewaltige Konkurrenz um die Zuschauer bekommen und wird sich nicht mehr lange in den Charts aufhalten. Ich erwarte ein Gesamteinspiel von etwa $45-50 Mio, wobei er wohl eher am unteren Ende dieses Bereichs landen wird.

Broken City war eine von den zwei großen Enttäuschungen vom letzten Wochenende. Trotz der illustren Besetzung mit Mark Wahlberg, Catherine Zeta-Jones und Russell Crowe startete der Thriller mit sehr schwachen $8,3 Mio von 2620 Locations. Bis Montag nahm er $9,5 Mio ein. Insbesondere für Wahlberg ist es ein sehr schlechter Start, der einen dunklen Fleck auf seiner länger andauernden Erfolgssträhne hinterlässt. Wahlberg landete einen der größten Hits des letzten Jahres mit Ted ($218,8 Mio) und letzten Januar verhalf er dem sehr generisch aussehenden Thriller Contraband zu einem $24,3 Mio-Start und einem Gesamtergebnis von  $66,5 Mio. Auch die drei Filme davor, in denen er mitgespielt hat, waren Hits: The Fighter ($93,6 Mio), Die etwas anderen Cops ($119,2 Mio) und Date Night ($98,7 Mio). In der Tat ist es der schwächste breite Start für Wahlberg seit Die Wahrheit über Charlie im Jahre 2002. Broken City konnte einfach nicht die Konkurrenz bewältigen. Der Film wird in seiner gesamten Spielzeit wohl nicht das erreichen, was Contraband in den ersten drei Tagen einnehmen konnte und wird mit ca. $20 Mio die Kinos verlassen.

Ghost Movie, die Parodie auf Horrorfilme wie Paranormal Activity und Devil Inside, gab in der zweiten Woche um 54,9% nach und landete mit $8,6 Mio auf Rang 6 der Charts. Am langen Wochenende waren es $9,2 Mio. In 11 Tagen hat der Film bereits $31,1 Mio erreicht. Im gleichen Zeitraum liegt er vor vergleichbaren Filmen wie Fantastic Movie, Meine Frau, die Spartaner und ich sowie Beilight. Außerdem ist er bei einem Budget von $2,5 Mio bereits ein großer Hit für Open Road Films. Insgesamt wird Ghost Movie bei etwa $39 Mio landen.

Der 7. Platz der Charts gehörte letztes Wochenende Django Unchained. Der neue Film von Quentin Tarantino spielte von Freitag bis Sonntag $7,8 Mio (-29,8%) und einschließlich Montag $9,2 Mio ein. Der Western steht mittlerweile bei $139,3 Mio und liegt damit $11 Mio vor True Grit, wobei dieser immer mehr aufholt. Trotz seiner fünf Oscarnominierungen und eines tollen Mundpropagandas kann auch Django nicht gegen die immense Konkurrenz der anderen Filme mit der R-Rating-Freigabe ankommen. Deshalb wird er letzten Endes gegen True Git den Kürzeren ziehen und mit $160 Mo seinen Lauf in den Kinos beenden.

Etwas besser hielt sich wieder Les Misérables, der $7,5 Mio am regulären Wochenende einnahm und somit nur 22,3% weniger als in der Vorwoche. Kein anderer Top-10-Film hielt sich so gut. Von Donnerstag bis Montag waren es $9 Mio, die den Film auf ein vorläufiges Gesamtergebnis von $131,6 Mio brachten. Hier hat die niedrige Altersfreigabe sicherlich ein ganzes Stück geholfen. Dennoch wird er ein Einspiel von insgesamt $150 Mio letztlich verfehlen und eher mit $145-147 Mio die Kinos verlassen. Für ein Musical ist das trotzdem sehr beachtlich.

Rang 9 ging wohl an die größte Enttäuschung vom letzten Wochenende. Arnold Schwarzeneggers großes Kino-Comeback, The Last Stand, spielte in den ersten drei Tagen jämmerliche $6,3 Mio von 2913 Kinos ein. Am langen Wochenende waren es $7,2 Mio. Bei einem Budget von $45 Mio hat er keine Chance, in den USA auf schwarze Zahlen zu kommen und wird nun gute Einspielergebnisse aus dem Übersee benötigen. Beim Publikum kam der Actionfilm solide an (die Zuschauer vergaben ihm ein "B"-CinemaScore), doch angesichts der kommenden Filme wie Parker und Shootout, die es auf das identische Publikum abzielen, wird das auch nicht helfen. Bestensfalls werden etwa $13 Mio für The Last Stand zusammenkommen. Das wäre Arnies schlechtestes Ergebnis seit Red Sonja und das zweitschlechteste seiner gesamten Karriere! Er kann nur hoffen, dass seine kommende Zusammenarbeit mit Sly Stallone, The Tomb, etwas besser laufen wird.

Die Top 10 wurde abgerundet durch Der Hobbit – Eine unerwartete Reise, der um 32,6% abbaute und $6,2 Mio ($7,6 Mio am langen Wochenende) einspielte. Der Fantasy-Film brachte damit sein Gesamteinspiel einschließlich Montag auf $288,6 Mio. Dabei liegt er immer noch etwa $32 Mio vor Der Herr der Ringe: Die Gefährten im gleichen Zeitraum. Damit dürften $300 Mio für Der Hobbit weiterhin sicher sein, doch viel weiter als das wird er auch nicht gehen. Als Obergrenze sehe ich momentan $302 Mio. Das bedeutet, dass Skyfall wohl der erfolgreichste Film des letzten Winters sein wird. Wer hätte das je gedacht?

Lincoln konnte sich erneut formidabel halten und fiel lediglich um 13,6% auf #11 der Charts. Am regulären Wochenende nahm der Film von Steven Spielberg $5,5 Mio ein, am langen Wochenende waren’s $6,6 Mio. Damit steht der Oscarfavorit bei $161,8 Mio nach 10 Wochen im breiten Verleih. Das ist einfach herausragend für den Film, da es bis zu der Oscarverleihung noch einige Zeit hin ist. Lincoln ist bereits unter die 30 erfolgreichsten Filme aller Zeiten eingezogen, die für den Bester-Film-Oscar nominiert waren und wird mit Sicherheit früher oder später unter die ersten 20 kommen. Noch vor der Verleihung wird Lincoln mindestens $175 Mio erreichen. Auch wenn der Film nicht den großen Preis abräumen sollte, so wird er schlechtestenfalls dennoch mit $180-185 Mio die Kinos verlassen. Läuft aber alles nach Plan und er wird mit diversen Oscars, einschließlich Bester Film, ausgezeichnet, so könnte er durchaus noch $200 Mio knacken.

Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger erhielt im Zuge seiner 11 Oscarnominierungen eine Expansion und wurde vom Studio in 499 neue Kinos geschickt. Das führte dazu, dass der Film um 23,9% auf $3,4 Mio am regulären Wochenende zulegte und am Montag dann die $100 Mio-Marke erreichte – als 29. Film von 2012. Es ist unwahrscheinlich, dass der Film wichtige Oscars gewinnen wird, doch in jedem Fall sollte er dank der Tatsache, dass es einer der ganz wenigen familienfreundlichen Filme in den Kinos ist und dass er für 11 Oscars nominiert wurde, zumindest $110 Mio erreichen.

Für einen Film, der nie in die Top 12 reinkam, läut es für The Impossible weiterhin relativ gut, auch wenn die Einspielzahlen natürlich nicht an die am internationalen Box-Office ehrankommen. Der Film erhielt weitere 78 Kinos und blieb mit einem Rückgang von 2,2% beinahe auf Vorwochenniveau. Bis Montag hat der Film insgesamt $10,7 Mio eingenommen. Hier hilft ebenfalls die PG-13-Altersfreigabe. The Impossible könnte mit etwas Glück auch $20 Mio erreichen, doch ich halte $18 Mio für realistischer.

Immer Ärger mit 40 erreichte derweil $65 Mio, was für eine R-rated-Komödie mit gemischten Kritiken und ebensolcher Resonanz bem Publikum echt solide ist. Nach der enttäuschenden Performance von Wanderlust ist es wieder ein solider Erfolg für den Komödien-Star Paul Rudd.

Disney nutzte die gähnende Leere im Bereich der Familienfilme auf dem Kinomarkt und brachte den oscarnominierten Animationshit Ralph reicht’s am Wochenende wieder breit in die Kinos. Ganze 836 neue Kinos bekam der Streifen, sodass er am Wochenende in mehr als 1300 Locations wieder gezeigt wurde. Bis Montag spielte er insgesamt $181,6 Mio ein ($2,1 Mio am langen Wochenende). Insgesamt könnte er noch ganz knapp $185 Mio erreichen.

Schließlich gibt es noch sehr erfreuliches von Skyfall zu berichten. Der23. James-Bond-Streifen erreichte am Wochenende als erster Film der langen Reihe und als 42. Film der US-Box-Office-Geschichte $300 Mio. Bis Montag hat er insgesamt $301 Mio eingenommen und könnte es noch auf etwa $303 Mio bringen.