Box-Office USA – Die Top 2 bleibt unverändert, Brad Pitt floppt

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Box-Office USA - 30.11-2.12.2012 Zusammenfassung und Analyse

Quelle: Boxofficemojo

Das Box-Office Jahr 2012 bleibt weiterhin auf Rekordkurs. Obwohl die Top 12 traditionell stark nach einem von Thanksgiving gepolsterten Wochenende um 47,1% nachgab, kamen für die 12 erfolgreichsten Filme dennoch $106,1 Mio zusammen. Damit wurde es nicht nur zum stärksten post-Thanksgiving Wochenende aller Zeiten, sondern auch zum ersten Box-Office Wochenende nach Thanksgiving, an dem die Top 12 $100 Mio erreicht hat. Verglichen zum Vorjahr ging es um unglaubliche 44,1% rauf. Der Gesamtvorsprung gegenüber 2011 liegt nun bei 6,6%. Das Rekord-Wochenende schloss auch einen Rekord-November ab. Zum allerersten Mal erreichte das nordamerikanische Box-Office $1 Mrd in einem November. Darüber hinaus wurde der diesjährige November zum zehntstärksten Monat aller Zeiten nach Umsatz. Es ist der einzige Monat in der gesamten Top 20 der umsatzstärksten Monate aller Zeiten, welcher nicht aus dem Sommer stammt.

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An seinem dritten Wochenende verteidigte Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht Teil 2 die Spitzenposition, wenn auch nur knapp. Wie gewohnt nach Thanksgiving, erlitt der Film einen starken Einbruch von 60,1% auf $17,4 Mio. Nach 17 Tagen im Verleih, kann sich das Finale der Twilight-Reihe mit $254,6 Mio rühmen. Der Rückgang ist annähernd identisch mit dem 60,3%-Rückgang von Breaking Dawn Teil 1, aber einen Tick besser als 64%, die New Moon an seinem dritten Wochenende einbüßen musste. Damit konnte Breaking Dawn Teil 2 seinen Vorsprung gegenüber seinem direkten Vorgänger auf $7,5 Mio ausbauen und liegt nun weniger als $1 Mio hinter New Moon im gleichen Zeitraum. Nur noch knapp $27 Mio trennen Breaking Dawn II vom finalen Einspielergebnis des ersten teils des Finales. Dank dem (verhältnismäßig) moderaten Rückgang nach Thanksgiving, lieferte Breaking Dawn II das beste dritte Wochenendergebnis der Serie ab – etwa $2 Mio höher als das von New Moon. Es bestehen keine Zweifel mehr darüber, dass Breaking Dawn II $290 Mio an den US-Kinokassen erreichen wird. Die Frage bleibt nur, ob er genug Durchhaltevermögen besitzt, um es an der magischen $300 Mio-Barriere vorbeizuschaffen. Kommendes Wochenende muss der Film es mit direkter Konkurrenz seitens Playing for Keeps aufnehmen. Der Film wird zwar kaum ein großer Erfolg werden, doch sein hauptsächliches Zielpublikum sind Frauen, wie bei Twilight. Sollte Breaking Dawn II die Konkurrenz aber gut überstehen, so wird es es sicherlich jenseits von $295 Mio schaffen und dann höchstwahrscheinlich vom Verleiher auch über die $300 Mio-Hürde gehievt werden. Momentan sehen ich den Film irgendwo bei $295-305 Mio. Es gibt also immer noch eine Möglichkeit, dass es der erfolgreichste Twilight-Film in Nordamerika werden wird.

Das 23. James Bond-Abenteuer Skyfall hielt sich souverän auf Platz 2 und verpasste mit $16,6 Mio und einem Rückgang von 53,4% nur ganz knapp den Box-OfficeThron in seiner vierten Woche. Skyfall hat mittlerweile $245,6 Mio erreicht und liegt somit unglaubliche $94 Mio vor Ein Quantum Trost im gleichen Zeitraum, wobei der Abstand sehr schnell wächst. Obwohl der Rückgang nach Thanksgiving nicht so gut war wie bei Casino Royale (-50,9%), war er dennoch viel besser als die 64,1%, die Ein Quantum Trost verlor. Gegenüber anderen großen Überraschungsblockbustern der letzten Jahre sieht es folgendermaßen aus: Skyfall liegt etwa $18 Mio vor Inception, ganze $36 Mio vor Star Trek, doch immer noch $7 Mio hinter Iron Man. Nächstes Wochenende hat Skyfall aufgrund mangelnder Konkurrenz ein absolut freies Feld und könnte in der fünften Woche tatsächlich wieder die Box-Office Spitze erklimmen. Erst mit Der Hobbit: Eine unerwartete Reise erhält er eine Woche später ernstzunehmende Konkurrenz. Am meisten wird Der Hobbit Skyfall dadurch schaden, dass er seine IMAX-Leinwände für sich beanspruchen wird. Eine weitere Woche später wird Skyfall auf direkte actionhaltige Konkurrenz seitens Jack Reacher treffen. Dennoch halte ich es mittlerweile für ausgeschlossen, dass Skyfall $300 Mio verpassen wird. Die Frage bleibt nur, ob er tatsächlich vor Breaking Dawn II landen wird, wenn alles gesagt und getan ist. So schwer das vor zwei Monaten auch war zu glauben, für so wahrscheinlich halte ich es mittlerweile. Es mag noch eine Weile dauern, bis Skyfall den letzten Twilight-Streifen überholen wird, doch es wird passieren. Hier steht ein Endergebnis von $300-310 Mio an.

Nach dem extrem enttäuschenden Start letzte Woche, revanchierte sich Die Hüter des Lichts immerhin mit dem besten Hold in der Top 10. DreamWorks' $145 Mio-teurer Animationsspaß verlor nur 43,7% seiner Zuschauer von der Vorwoche, stieg um einen Platz hinauf auf #3 und nahm von Freitag bis Sonntag solide $13,4 Mio ein. Nach 12 Tagen steht der Film nun bei $48,8 Mio. Verglichen zu fast allen anderen DreamWorks-Animationsfilmen ist ein solches Ergebnis nach dem zweiten Wochenende einfach nur mickrig. Allerdings wird Die Hüter des Lichts von zwei Dingen in den kommenden Wochen profitieren. Einerseits ist es Weihnachten. Weihnachten ist auch ein thematischer Aspekt des Films, der dafür sorgen wird, dass der Film sich in den kommenden Wochen sehr gut halten wird. Im Gegensatz allerdings zu anderen weihnachtlichen Filmen (wie Eine Weihnachtsgeschichte oder Elf) wird er aber nach Heiligabend nicht direkt einbrechen, da das Weihnachtsthema nur eine untergeordnete Rolle im Marketing spielt. Der zweite Faktor, der der Langlebigkeit des Films nutzen wird, ist der für Familienfilme komplett leere Januar. Von den neun breiten Starts im Januar sind mindestens sieben rated R, d.h. ab 17 Jahren freigegeben. Der einzige sichere PG-13 (ab 13) Film ist Mama, ein Horrorfilm produziert von Guillermo del Toro. Demnach werden Familienfilme und Filme für das Massenpublikum (wie Les Misérables oder Der Hobbit) nahezu keine direkte Konkurrenz haben – und das den ganzen Monat lang! Auch davon wird Die Hüter des Lichts profitieren. Deshalb sollte er die $100 Mio-Marke spätestens dann packen und mit $100-110 Mio Gesamteinspiel aufhören. Das ist sicherlich weit unter dem, was DreamWorks sich erhofft hat, aber dennoch kein solch peinliches Ergebnis, das man nach dem Startwochenende gefürchtet hat.

Lincoln rutschte auf Platz 4 ab und ging um 47,9% gegenüber der Vorwoche zurück, sodass es am Wochenende etwa $13,4 Mio wurden. Dazu muss man anmerken, dass Lincoln letztes Wochenende keine zusätzlichen Kinos vom Studio bekam. Disney plant zwar zusätzliche Expansion, aber erst in den kommenden Wochen, wenn das Rennen um die Oscars mehr in die Gänge kommt. Dennoch ist das Ergebnis von $83,6 Mio nach nur drei Wochen im breiten Verleih für das 2,5-stündige Drama sehr beeindruckend. Damit hat der bereits die Endergebisse von Gefährten ($79,9 Mio) und Die Abenteuer von Tim und Struppi ($77,6 Mio) vom letzten Jahr überholt (bei beiden hat ebenfalls Steven Spielberg Regie geführt). Mit einem Produktionsbudget von $65 Mio wird Lincoln zu einem Riesenhit für Disney. Disney hatte mit Marvel’s The Avengers und Merida – Legende der Highlands ein sehr gutes Jahr, sodass man sogar die relativen Misserfolge von John Carter und Frankenweenie leicht vergessen könnte. Lincoln bildet dabei einen krönenden Abschluss, mit dem Disney sicherlich auf einen Oscar hofft. Der Film wird über die Weihnachts-Saison sicherlich die erste Wahl der älteren Kinogänger sein und sollte bis in den Februar hinein noch gut laufen. Wie gut – das wird natürlich davon abhängen, wie stark der Oscar-Hype anwachsen wird und wie viele Trophäen er schließlich nach Hause mitnehmen kann. Noch vor der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen könnte Lincoln mehr als $130 Mio einspielen. Damit ist ein Gesamtergebnis jenseits von $150 Mio garantiert, womit wir einen der erfolgreichsten, für Bester Film nominierten Filme der letzten Jahre hätten, der nicht gerade ein Blockbuster der Marke Avatar, Herr der Ringe oder Pixar ist. Sollte er dann tatsächlich den großen Preis abstauben, so könnten am Ende gar $200 Mio zusammenkommen. Ansonsten wird er bei etwa $170-180 Mio landen.

Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger blieb standhaft auf Platz 5 und baute nur um 45,9% ab. Dank zusätzlichen $12,2 Mio am zweiten Wochenende brachte der neue Film von Ang Lee sein Gesamteinspiel auf $48,5 Mio. Natürlich liegt noch ein langer Weg vor dem $120 Mio-teueren Film, um seine Kosten wieder einzuspielen, doch gutes Mundpropaganda und ein gewisser Oscar-Hype werden dem Streifen auf lange Sicht sicherlich helfen. Außerdem läuft er außerhalb von USA/Kanada extrem gut. Der bereits vorhin erwähnte Mangel an familiengerechten Filmen im Januar werden mit Sicherheit dafür sorgen, dass auch Life of Pi eine lange Laufzeit genießen wird. Er wird auf keinen Fall unter $100 Mio landen. Damit bleibt ihm das Schicksal des hochgelobten, aber an den Kinokassen gefloppten Hugo Carbret ($73,9 Mio US-Einspiel bei einem Budget von über $150 Mio) erspart. Life of Pi wird mindestens $110 Mio insgesamt ergattern.

Ralph reicht’s büßte am fünften Wochenende 58,1% ein und machte es sich mit $6,9 Mio erneut auf Rang 6 der Charts gemütlich. Ein solch starker Rückgang ist normal für nicht-weihnachtliche Animationsfilme am post-Thanksgiving-Wochenende. Dafür wurde er mit $158,2 Mio zum 14. Film von 2012, der mehr als $150 Mio an den nordamerikanischen Kinokassen eingenommen hat. Der Streifen wird es auf $185-190 Mio bringen, mit etwas Glück und mangelnder Konkurrenz im Januar sind allerdings auch $200 Mio nicht völlig außer Frage. Das wird wohl davon abhängen, wie gut er die Konkurrenz von Der Hobbit überstehen kann.

Platz 7 belegte einer der beiden breiten Neustarts der Woche. Killing Them Softly legte mit $6,8 Mio von 2424 Kinos den schlechtesten Start in Brad Pitts Karriere seit 1994 hin (für einen breit gestarteten Film). Das sticht umso mehr ins Auge, wenn man bedenkt, dass die letzten zehn breit gestarteten Realfilme mit Brad Pitt im Schnitt mit jeweils $33,6 Mio eröffneten. Keiner dieser zehn Filme erreichte weniger als $19 Mio am Startwochenende. Diese Summe wird für Killing Them Softly nicht einmal als Gesamtergebnis zusammenkommen. Die Kritiker mögen den Film, doch die Zuschauer sehen das ganz anders. Killing Them Softly wurde die zweifelhafte Ehe zuteil, erst der achte Film in der CinemaScore-Geschichte zu werden (CinemaScore ist eine repräsentative Umfrage von Kinogängern zur Qualität eines neu gestarteten Films), der von den Zuschauern aller Altersgruppen mit einem "F" (äquivalent der deutschen Schulnote "6") ausgezeichnet wurde. Weitere Filme, die so schlecht abschnitten waren Devil Inside, Wolf Creek und Stehen Soderberghs Solaris-Remake. Alle diese Filme zeichneten sich durch eine äußerst kurze Laufzeit aus und das wird bei Killing Them Softly nicht anders sein. Mit etwas Glück wird er auf $13-14 Mio kommen. Sicher, bei einem Budget von $15 Mio ist es kein großer Verlust, doch man erhoffte sicherlich mehr für einen Film mit Brad Pitt in der Hauptrolle.

Das Red Dawn-Remake fiel um einen Platz auf #8 und spielte an seinem zweiten Wochenende $6,5 Mio (-54,5%) ein. Nach zwölf Tagen kann der Film bereits $31,3 Mio vorweisen. Kein so tolles Ergebnis angesichts des $65 Mio-Budgets, doch für den bereits 2010 abgedrehten Film hätte es auch deutlich schlimmer kommen können. Man kann sich nur fragen, wieviel die Präsenz des The Hunger Games-Stars Josh Hutcherson und des Thor-Darstellers Chris Hemsworth hier zum Einspiel beigetragen hat. Der Film wird mit etwa $45 Mio die Kinos verlassen.

Flight von Robert Zemeckis belegte letztes Wochenende Platz 9 und nahm zusätzliche $4,5 Mio (-47%) ein. Damit brachte er sein Gesamteinspiel auf $81,5 Mio und ist bereits der 9.-erfolgreichste Film in Denzel Washingtons Karriere. Ein Ergebnis jenseits von $90 Mio ist dem Streifen garantiert. Ob er jedoch das Zeug hat, Washingtons fünfter $100 Mio Hit zu werden, das wird noch davon abhängen, wie stark der Oscar Hype für seine Performance im Januar sein wird.

The Collection, das Sequel zum Horrorfilm The Collector von 2009, startete mit $3,1 Mio auf Platz 10. Damit liegt der Start nur knapp unterhalb des ersten Films, der in einer vergleichbaren Anzahl von Kinos etwa $3,6 Mio einnahm. Auch das Gesamtergebnis wird wohl ähnlich zu dem von The Collector ($7,7 Mio) ausfallen.

Silver Linings – Wenn Du mir, dann ich Dir verließ die Top 10 und musste sich mit Platz 11 abfinden. Zugleich gelang dem Film trotz nur vier zusätzlicher Kinos ein grandioser Hold. Nur 29,5% verlor der Streifen und steht nach einem $3,1 Mio-Wochenende bei $10,7 Mio. Momentan spielt der Film lediglich in 371 Kinos. Ich erwarte eine sehr lange Laufzeit bis in den Februar hinein und ein Gesamtergebnis weit jenseits von $50 Mio.

Anna Karenina bekam letztes Wochenende 318 zusätzliche Kinos spendiert und brachte die Kinozahl auf 384. So steigerte sich der Film an seinem dritten Wochenende um 150,5% auf $2,2 Mio. Insgesamt hat der Film bereits $4,1 Mio eingespielt. Der Film wird sicherlich nicht den Oscar-Hype haben, den die letzte Zusammenarbeit zwischen Joe Wright und Keira Knightley, Abbitte, genoss und daher auch mit Sicherheit nicht einmal in die Nähe von dessen Gesamteinspiel ($50,9 Mio) kommen. Auch Stolz und Vorurteil ($38,4 Mio), der auf eine deutlich bessere Resonanz bei den Zuschauern stieß, liegt außerhalb seiner Reichweite. Realistisch sind hier etwa $20-25 Mio.

Argo hat an seinem achten Wochenende endlich die $100 Mio-Make geknackt und steht bei tollen $101 Mio. Damit wurde er zum 24. Film von 2012, der mehr als $100 Mio eingenommen hat und zum 5. mit einer R-rated Altersfreigabe (ab 17 Jahren). Ein toller Erfolg, der allerdings mit der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen noch weitergehen wird. Ich erwarte nicht weniger als $115 Mio insgesamt.

Schließlich gilt es noch anzumerken, dass The Expendables 2 seinen Lauf in den USA nun mit insgesamt $85 Mio beendet hat. Das liegt zwar deutlich unter $103,1 Mio vom ersten Film, hätte aber nach dem enttäuschenden Start noch schlechter ausfallen können. Für ein weiteres Sequel reicht es allemal!