Box-Office Deutschland – Der Schlussmacher überrascht an der Spitze

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Box-Office Deutschland - 10.-13.01.2013 Zusammenfassung und Analyse

Quelle: Insidekino

Das Kinojahr 2013 fängt für den deutschen Film schonmal gut an! Letztes Jahr haben abgesehen von internationalen Koproduktionen lediglich zwei deutsche Filme es über die 1 Mio-Zuschauermarke geschafft (Türkisch für Anfänger und Fünf Freunde). Einschließlich Koproduktionen lag der deutsche Marktanteil 2012 bei lediglich 14,5%. So ist es erfreulich zu berichten, dass bereits am zweiten Wochenende des Jahres drei deutsche Filme positiv an den Kinokassen überrascht haben. Ansonsten waren fast alle Filme stark betroffen vom Ende der Ferienzeit. Lediglich zwei Filme in der gesamten Top 20 fielen weniger als 40% gegenüber der Vorwoche.

Das unumstrittene Highlight vom Wochenende war Der Schlussmacher. Der zweite Film von und mit Matthias Schweighöfer eröffnete mit großartigen 502,000 Besuchern (einschließlich Previews) bis Sonntag, wovon etwa 457,000 auf den Zeitraum Donnerstag-Sonntag entfielen. In 450 Kinos gelang dem Film also ein Schnitt von knapp mehr als 1000 Besuchern pro Kino. Dies ist der beste Start für eine rein deutsche Poduktion seit Til Schweigers Kokowääh vor fast genau zwei Jahren. Schweighöfer ist seinem Mentor und Freund Schweiger erfolgreich in die Fußstapfen gefolgt und scheint als Regie/Schauspieler-Kombo wohl eine relativ sichere Nummer zu sein. Im August 2011 startete sein erster Film, What a Man, mit fast 375,000 Zuschauern und erreichte letztendlich knapp 1,8 Mio Kinogänger. Mit Der Schlussmacher legt er noch einen drauf. Bis Kokowääh 2 am 07.02. wird es keine anderen großen massentauglichen Komödien in der Konkurrenz geben. Sollte der Film einen gleichen Verlauf in den Charts haben wie What a Man, dann wird er mit etwa 2,4 Mio Besuchern enden. Auch wenn er etwas frontlastiger sein sollte, so wird er dennoch zumindest der erste deutsche 2 Mio-Hit des Jahres. Das etabliert Schweighöfer wohl endültig als einen der zugkräftigsten deutschen Stars neben Til Schweiger.

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Der überraschend entthronte Der Hobbit – Eine unerwartete Reise ließ um 54% nach und platzierte sich auf Rang 2 mit 311,000 Zuschauern. Nach fünf Wochen in den Kinos kann das Fantasy-Abenteuer bereits 5,86 Mio Zuschauer vorweisen. Damit liegt er zwar immer noch mehr als 3 Mio hinter jedem der Herr-der-Ringe-Filme im gleichen Zeitraum, doch der Umsatz kann sich dank Inflation, Überlängenzuschlag, 3D-Bonus und (mancherorts) HFR-Aufschlag mehr als sehen lassen. Mit €61,1 Mio ist Der Hobbit bereits auf Platz 11 der kassenstärksten Filme aller Zeiten in Deutschland vorgerückt und dabei bereits alle Harry-Potter-Filme, bis auf den ersten, überholt. Da die großen Filme der nächsten Wochen (Lincoln, Django Unchained, Gangster Squad) ein eher älteres Publikum ansprechen, erwarte ich, dass Der Hobbit sich wieder fängt und seinen Weg in Richtung von mindestens 6,5 Mio Zuschauern fortsetzt, wobei im besten Fall auch 7 Mio möglich sind. Das wäre an sich schon beeindruckend, auch wenn der Film nicht an die Zuschauerzahlen der Original-Trilogie herankommen wird. Seit 2002 gab es kein Kinojahr mehr, in dem mehr als zwei Filme jeweils mehr als 7 Mio Zuschauern für sich begeistern konnten. Mittlerweile halte ich es aber für ausgeschlossen, dass er nach Zuschauern Skyfall überholen wird. Nach Umsatz wird Der Hobbit – Eine unerwartete Reise jedoch keine Probleme haben, die Spitzenposition des  letzten Jahres zu belegen. Es ist interessant, was so ein Überlängen- und 3D-Zuschlag tun kann. Obwohl Ziemlich beste Freunde mit mehr als 1 Mio Zuschauern Abstand nach Besuchern 2012 gewinnen wird, wird er lediglich auf Platz 3 der umsatzstärksten Filme des letzten jahres landen.

Mit einem Rückgang von lediglich 36% gelang Life of Pi- Schiffbruch mit Tiger bei weitem der beste Hold in der gesamten Top 10. Der Oscarkandidat lockte dabei weitere 239,000 Zuschauer in die Kinos und ereichte insgesamt mehr als 1,4 Mio in nur 19 Tagen. Sicherlich hat bei diesem hervorragenden Rückgang auch der Hype von 11 Oscarnominierungen geholfen. Bewirbt man diese noch stark genug, so könnte der Film bis zur Verleihung gutes Durchhaltevermögen zeigen. Mehr als 2 Mio Zuschauer halte ich mittlerweile für garantiert, es bleibt nur noch die Frage, wie weit er darüber hinaus gehen wird.

Jack Reacher hielt sich auf Rang 4 weniger gut und baute um ganze 52% auf 111,000 Zuschauer ab. Mittlerweile wurde der Film von etwa 434,000 Besuchern im Kino gesehen, was für einen Tom Cruise-Film kaum der Rede wert ist. Damit dürfte sicher sein, dass 1 Mio Zuschauer nicht mehr im Spiel ist. Durch Django Unchained wird der Film noch einiges an direkter Konkurrenz erfahren und mit bestenfalls 800,000 Zuschauern die Kinos verlassen.

Platz 5 ging an einen weiteren erfolgreichen deutschen Neuzugang. Der Animationsfilm Ritter Rost hatte den Nachteil, erst nach den Weihnachtsferien zu starten und das auch noch in einem Markt, der in den letzten Wochen durch Animationsflme übersättigt wurde. Dennoch lieferte der Film mit ca. 114,000 Zuschauern (inkl. Previews) einen sehr respektablen Start ab und sollte sich mit mind. einer halben Million Zuschauer wiederfinden.

Ein anderer deutscher Film erreichte am Wochenende eben diese Marke. Der sechstplatzierte Film vom Wochenende, Die Vampirschwestern, hielt sich im Angesicht der direkten Konkurrenz weniger gut und verlor 51% seiner Zuschauer von der Vorwoche. Knapp 80,000 Zuschauer sahen den film am Wochenende in den Kinos und brachten seine Gesamtbesucherzahl auf etwa 542,000 nach 18 Tagen. Wahrscheinlich wird er 1 Mio Zuschauer letztendlich doch nicht packen, doch eine lange Laufzeit und gutes Mundpropaganda sollten zumindest ein Ergebnis jenseits von 800,000 ermöglichen.

Der 7. Platz der Charts ging mit 77,000 Zuschauern an Pitch Perfect, der um 56% abbaute – mehr als jeder andere Film in der Top 10. Das 4-Wochen-Ergebnis von 930,000 Zuschauern kann sich allerdings sehen lassen! Nächstes Wochenende könnte bereits die 1 Mio-Marke fallen. Damit wäre Pitch Perfect der 26. und wahrscheinlich vorletzte 2012-Film, der in Deutschland 1 Mio Zuschauer in die Kinos locken konnte (danach wird nur noch Ralph reicht’s auf diese Zahl kommen. Für einen Film, der nicht Teil eines etablierten Franchise (wie Step Up oder High School Musical) ist, ist es ein respektables Ergebnis.

Für Skyfall ging es um 48% runter auf 55,000 Zuschauer und Platz 8 der Kinocharts, wobei der Film mittlerweile unglaubliche 7,68 Mio Kinogänger in Deutschland für sich begeistern konnte. Damit ist der Film an Forrest Gump vorbeigezogen und erreichte die Top 30 der besucherstärksten Filme seit 1968 in Deutschland. Am Wochenende knackte der Film auch €65 Mio an den Kinokassen und steht ganz kurz davor, das Einspiel von Der Schuh des Manitu zu toppen und damit der achterfolgreichste Film aller Zeiten nach Umsatz in Deutschland zu werden. Allerdings wird er auf dieser Position nicht allzu lange verweilen, denn Der Hobbit wird ihn noch vor Ende des nächsten Monats wieder um einen Rang runterstoßen.

Der dritte beeindruckende deutsche Hit am Wochenende war Hannah Arendt, der zur Top-Wahl der Zuschauer in den Arthouse-Häusern wurde und mit 57,000 Zuschauern (inkl. Previews) Rang 9 am Wochenende belegte. Dazu muss man anmerken, dass er dies mit lediglich 74 Spielstätten geschafft hat und einen Schnitt von 727 Zuschauern pro Kino am Wochenende verbuchte. Angesichts des älteren Publikums und der mit hoher Wahrscheinlichkeit folgenden Expansion in mehr Kinos, ist hier eine sehr lange Laufzeit garantiert. Zumindest die Zahlen von Barbara (363,000) sollte der Film von Margarethe Von Trotta erreichen, doch ich erwarte noch mehr. Mit sehr viel Glück ist vielleicht sogar eine halbe Million drin. Realistischer wären etwa 400,000 Besucher. Ein guter Start auch für das anspruchsvolle deutsche Kino.

Die Top 10 rundete Silver Linings ab, der trotz seiner acht Oscarnominierungen um 42% auf 49,000 Zuschauer fiel und nach 11 Tagen 176,000 Besucher vorweisen kann. Wahrscheinlich kann sich der Film in den kommenden Wochen fangen, wenn er nicht in der ganzen Oscarkonkurrenz untergeht. Allerdings muss man auch fairerweise sagen, dass oscarnominierte Komödien schon lange nicht sonderlich gut in Deutscland liefen. Sideways und Little Miss Sunshine landeten beide im Endergebnis zwischen 400,000 und 500,000 Zuschauern. Juno gelang es mit sehr viel Werbeaufwand immerhin auf 983,000 Zuschauer zu kommen. Silver Linings wird allerdings viel eher wie Sideways und Little Miss Sunshine laufen, es sei denn, dem Film gelingt die Überraschung und er gewinnt den großen Preis bei den Oscars.

Der vierte nenneswerte Neuzugang letztes Wochenende, Der Geschmack von Rost und Knochen, landete mit 31,000 Zuschauern (inkl. Sneaks) und einem soliden Schnitt auf Platz 14. Da der Film aber leider keine einzige Oscarnominierung erhielt, wird er wohl bestenfalls auf knapp 100,000 Zuschauer kommen.

Ganz ordentlich läuft immer noch Cloud Atlas, der am Wochenende 1,1 Mio Zuschauer erreichte und womöglich demnächst in die Top 20 von 2012 einziehen wird (momentan ist er #22).

Der türkische Überraschungsefolg Evim Sensin überschritt am Wochenende die 250,000-Zuschauermarke – als 12. türkischer Film in Deutschland überhaupt. Auch Michael Hanekes Liebe, frisch nach seinen fünf Oscarnominierungen, hat letztes Wochenende 250,000 Zuschauer insgesamt erreicht. Der Film wird jetzt in viele Kinos erneut gebracht bzw. erhält zusätzliche Spielzeiten, sodass er auf Dauer doch noch 400,000 erreichen könnte. Das ist zwar immer noch weit entfernt von Das weiße Band (669,000 Besucher), doch angesichts des unangenehmen Themas dennoch ein solider Erfolg.

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