Wonder Woman Oscars

© 2017 Warner Bros. Pictures

Quelle: Variety

Warner Bros. hat einen guten Sommer. Okay, es war dank King Arthur: Legend of the Sword auch ein großer Kinoflop dabei, doch mit Wonder Woman und Dunkirk knackte das Studio den Jackpot – zwei Filme, die sowohl an den Kinokassen fantastisch laufen, als auch in der Kritik mit großer Begeisterung aufgenommen wurden. Christopher Nolans außergewöhnlicher Kriegsfilm gilt jetzt schon als einer der größten Kandidaten für das nächste Oscar-Rennen und es würde schon nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn Nolan für den Film nicht endlich seine lange überfällige Oscarnominierung als Regisseur bekommen sollte (die ihm für The Dark Knight und Inception verwehrt wurde). Es ist klar, dass Warner große Hoffnungen in Dunkirk setzen wird, wenn die Oscar-Saison beginnt (ich gehe fest von einer IMAX-Wiederaufführung aus), insbesondere da das Studio, mit der möglichen Ausnahme von Denis Villeneuves Blade Runner 2049, keinen weiteren potenziellen Oscaranwärter für den Rest des Jahres im Programm hat.

Doch Warner wird nicht alle Ressourcen auf ein Pferd im Rennen setzen. Wie das Branchenblatt Variety berichtet, plant das Studio tatsächlich auch eine groß angelegte, teure Oscar-Kampagne für Wonder Woman. Das bedeutet Screenings für Academy-Mitglieder, Junkets an der Ost und Westküste, die Produktion von Screenern mit Wasserzeichen und klassische "For Your Consideration"-Werbeanzeigen. Ein solcher Aufwand bedeutet, dass Warner ernsthaft an die Chancen des Films bei der in den letzten Monaten durch viele neue Mitglieder erweiterten Academy (darunter auch Wonder-Woman-Star Gal Gadot) glaubt. Dabei wird Wonder Woman nicht nur für seine technischen Aspekte gepusht, sondern vor allem auch als "Bester Film" und Patty Jenkins als "Beste Regisseurin". Beide Nominierungen wären ein Game Changer. Noch nie wurde eine Comicbuchverfilmung als "Bester Film" nominiert und noch nie wurde eine Comicadaption für ihre Regie nominiert. Ganz berüchtigt ist bis heute der Fall von Christopher Nolans The Dark Knight, der im Vorfeld alle erdenklichen Nominierungen erhielt (u. a. von der Regie- und Produzentengewerkschaft), die unter normalen Umständen auch Film- und Regie-Nominierungen bei den Oscars bedeutet hätten. Doch die Academy zeigte beiden die kalte Schulter, obwohl der Film in acht weiteren Kategorien nominiert wurde. Diese kontroverse Auslassung war ein entscheidender Faktor, der dazu beigetragen hat, dass die Academy im darauffolgenden Jahr die Anzahl der "Bester Film"-Nominees von fünf auf zehn aufstockte, damit Filme wie The Dark Knight künftig auch untergebracht werden können. Warner Bros. war seitdem tatsächlich in der Lage, wichtige Oscarnominierungen für Blockbuster wie Gravity, Mad Max: Fury Road oder Inception zu ergattern, doch eine Comicverfilmung hat es immer noch nicht geschafft, auch nicht die gefeierten und extrem erfolgreichen Marvel-Filme wie The Avengers oder Guardians of the Galaxy. Wonder Woman soll diese Hürde jetzt endlich überwinden.

Eine Nominierung für Jenkins wäre außerdem erst die vierte Regie-Nominierung für eine Frau und die erste seit 2010, als Kathryn Bigelow für Tödliches Kommando – The Hurt Locker nominiert wurde (und gewann).

Es würde mich sehr freuen, wenn die Academy hochwertigen Comicadaptionen endlich die verdiente Anerkennung zeigen würde. Ich schätze, dass es nicht unmöglich ist. Wonder Woman hat bereits alle erdenklichen Erwartungen übertroffen. Nach drei, gelinde gesagt, mäßig aufgenommenen DC-Verfilmungen (Man of Steel, Batman v Superman, Suicide Squad) erhielt der Streifen nicht nur glühend positive Rezensionen, sondern mauserte sich überraschend zum umsatzstärksten Film des Sommers in den USA. Weltweit kriecht der Film langsam auf die $800-Mio-Marke zu und sein Stehvermögen in den Charts ist wirklich bemerkenswert. Es ist wichtig, dass die Akzeptanzbarriere von Comicverfilmungen bei prestigeträchtigen Preisverleihungen wie den Oscars endlich durchbrochen wird, aber ich bin nicht sicher, ob Wonder Woman der richtige Film dafür ist. Et ist gut, keine Frage, aber nicht viele würden behaupten, dass er die beste Comicadaption der letzten Jahre ist, geschweige denn aller Zeiten. Filmen wie dem ersten Guardians of the Galaxy oder Spider-Man 2 oder eben The Dark Knight hätte ich wichtige Oscarnominierungen definitiv mehr gegönnt.

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