Quelle: Warner Bros. Pictures

Wenn Christopher Nolan einen neuen Film macht, horchen die Cineasten weltweit auf. Kein Wunder, hat sich der britische Regisseur doch Mal für Mal als ein Meister seines Fachs bewährt, bei dem spektakuläre Bilder und intelligente Geschichten sich nicht im Weg stehen, sondern sich wunderbar ergänzen. Mit dem brillant mehrbödigen Thriller Memento tauchte er wie aus dem Nichts auf dem Radar der Filmfans auf (doch auch sein Regiedebüt Following ist wirklich einen Blick wert), mit seiner bodenständigeren Interpretation des Batman-Mythos beeinflusste er Comicverfilmungen und das Blockbusterkino wie kaum ein anderer Regisseur in den letzten 20 Jahren, und mit Inception und Interstellar beschwor er atemberaubende Welten und komplexe Ideen auf die Leinwände herauf. Sogar seine schwächeren Filme (zu denen ich beispielsweise Interstellar zähle) haben mehr zu bieten als ein durchschnittlicher Blockbuster. Nolans Name ist zur Marke geworden und so wie Leonardo DiCaprio als Schauspieler steht Nolan als Regisseur in der Regel für Qualität, die Kinogänger in Scharen in die Kinos lockt.

Sein neustes Projekt, Dunkirk, sieht auf den ersten Blick nach Nolans gewöhnlichstem Film seit Insomnia aus. Trotz aller Bodenständigkeit, hat man sich daran gewöhnt, dass Nolans Filme nie ganz in unserer Wirklichkeit spielen. Dunkirk ist dafür in der harten Realität verankert bzw. in einem sehr dunklen Kapitel der Menschheitsgeschichte. Wie der Titel schon verrät, handelt es sich in dem Film um die Schlacht von Dünkirchen und die beispiellose Evakuierung alliierter Soldat im Mai und Juni 1940, als die Wehrmacht Frankreich und die Benelux-Länder überrannte. Mehr als 330,000 (hauptsächlich britische) Soldaten konnten über den Seeweg nach Großbritannien gerettet werden, während die schwer belagerte französische Stadt tagelang deutsche Angriffe abwehrte. Ein Abschnitt von Joe Wrights oscarnominiertem Flm Abbitte gewährte den Zuchauern bereits einen kurzen Blick auf die Schreckensszenerie in Dünkirchen; Nolan widmet dem Thema einen ganzen Film.

Wird Dunkirk zu Christopher Nolans Oscar Bait, also dem Film, mit dem der von der Academy bislang zu Unrecht verschmähte Regisseur versucht, endlich bei den Oscar-Wählern zu punkten? Vielleicht. Wahrscheinlich, sogar. Doch was zählt, ist, dass dabei ein guter Film herauskommt und in dieser Hinsicht ist auf Nolan in der Regel Verlass. Die Geschichte mag gewöhnlich klingen, doch was zählt ist deren Umsetzung. Der erste Announcement-Teaser zum Film (unten), der fast ein ganzes Jahr vor Kinostart veröffentlicht wurde, zeigt nicht viel, doch macht Appetit auf sehr viel mehr. Allein schon die ersten Eindrücke von Hoyte van Hoytemas Kameraarbeit (er fing auch die Bilder von Nolans Interstellar ein) rauben einem den Atem. Es ist ein „echter“ Teaser, der mittels weniger Einstellungen die Spannung sehr effektiv aufbaut. Überzeugt Euch selbst:

Deutscher Teaser

Original-Teaser

Im Gegensatz zu seinen ansonsten sehr starkräftigen Filmen, setzte Nolan bei den Hauptdarstellern von Dunkirk hauptsächlich auf Newcomer, zu denen Fionn Whitehead, Aneurin Barnard und der One-Direction-Sänger/Songwriter Harry Styles zählen. Unterstützung bekommen sie natürlich trotzdem von namhaften Nebendarstellern wie Kenneth Branagh, Tom Hardy, Cillian Murphy und dem frischgebackenen Oscarpreisträger Mark Rylance. Für Murphy wird es bereits der fünfte Film mit Nolan sein, für Hardy der dritte. Beide waren gemeinsam in Inception und The Dark Knight Rises zu sehen. Nolans „Glücksbringer“ Michael Caine ist überraschenderweise nicht dabei, erstmals seit Nolans Insomnia vor 14 Jahren.

Dunkirk kommt voraussichtlich am 27.07.2017 in unsere Kinos. Die wahren Kino-Liebhaber sollten dann nach Kinos mit 70mm-fähigen Projektoren bzw. nach IMAX-Leinwänden Ausschau halten. Es wäre nämlich nicht Nolan, wenn er visuell nicht alles aufgefahren hätte. Der gesamte Film wurde auf 65mm-Film und 65mm IMAX-Film gedreht. Darüber hinaus griff Nolan möglichst auf die echten Schauplätze zurück, setzte echte, umgebaute Kriegsschiffe ein und soll Gerüchten zufolge auch ein altes Kriegsflugzeug für $5 Mo erworben haben, nur um es für eine Aufnahme mit IMAX-Kameras abstürzen zu lassen. Das ist Hingabe und der Gewinner ist dabei hoffentlich de Zuschauer. Wird es der beste Film über den Zweiten Weltkrieg seit Spielbergs Der Soldat James Ryan? Auf jeden Fall sollte es der bildgewaltigste werden.