Collateral Stars

Quelle: The Hollywood Reporter

Michael Mann ist eine Regielegende in Hollywood und einer der Filmemacher, dessen Oscarsieg schon ewig überfällig zu sein scheint. Mann gehört zu den Regisseuren, die ihren Filmen stets einen eigenen Stempel aufdrücken, ob man ihn mag oder nicht. So scheiden sich beispielsweise die Geister an Manns Kinoadaption der Cop-Serie "Miami Vice". Während der Film beim Massenpublikum und bei den Kritikern nicht besonders gut wegkam, gehört er für mich zu seinen am meisten unterschätzten Werken.

Dagegen sind sich eigentlich die meisten einig, das der beste Film von Michael Mann, den er nach seinem oscarnominierten Drama The Insider inszeniert hat, Collateral ist. Man könnte ihn auch als besten Film von Manns "Digital-Ära" bezeichnen, denn seit jenem Film verzichtet Mann auf 35mm und setzt voll und ganz auf digitales Filmen – was bei ihm wunderschön aussehen kann. Collateral zählt für viele als einer der besten Thriller der 2000er, wurde mit zwei Oscarnominierungen bedacht (darunter für Jamie Foxx als "Bester Nebendarsteller – ja, die Kategorieeinteilung ist hier ein Witz) und wurde auch zu Manns kommerziell erfolgreichstem Film an den Kinokassen. Das lag sicherlich auch daran, dass sein Star Tom Cruise, der hier deutlich gegen sein Image gespielt hat, 2004 noch zu den größten Kassenmagneten Hollywoods gehörte. Das Zusammenspiel von Cruise als Auftragskiller und Foxx als Taxifahrer in Los Angeles, der gezwungen wird, den Killer zu seinen Zielen zu bringen, wird häufig als eins der Highlights des Films genannt. Doch es hätte auch ganz anders kommen können. Wie Michael Mann kürzlich in einem Interview mit dem Branchenblatt The Hollywood Reporter verriet, waren ursprünglich zwei andere Stars für die Hauptrollen vorgesehen. Macht Euch auf was gefasst:

Russell Crowe und Adam Sandler

Rückblickend ist das schwer vorzustellen, doch es war ursprünglich auch ein ganz anderer Film. Obwohl alle Quellen den Australier Stuart Beattie (Fluch der Karibik, G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra) als alleinigen Autor des Drehbuchs angeben, wurde dieses laut Michael Mann von ihm selbst massiv überarbeitet, da er mit dem ursprünglichen Skript, das den Titel The Lost Domino trug, wenig anfangen konnte: (aus dem Englischen)

Ich habe kein Problem mit Adam Sandler, doch das Drehbuch spielte in New York und die Figur von Jamie Foxx war ein schlecht geschriebener jüdischer Taxifahrer. Es war die Art Stereotyp, die nur von jemandem geschrieben wird, der kein US-Amerikaner ist und der nicht in New York lebt. Es war mehr oder weniger "Woody Allen", der die Figur darstellte. Ich mochte das Drehbuch nicht, ich mochte die Dialoge nicht, ich mochte die Schreibweise nicht, aber wenn man das Skript nahm und in ein MRT oder unter ein Röntgenapparat legte, dann sah man, dass unter all dem es dieses wundervolle "Knochengerüst" gab. Es war eine der am schönsten konstruierten Geschichten, die mir je begegnet sind. Es war wie ein roher Edelstein. Es spielte in einer Nacht und die Rolle, die jeder der beiden Charaktere in der Verwirklichung des anderen spielte – das war einfach wundervolle Arbeit von (Stuart) Beattie. Ich liebte die Struktur der Geschichte, also habe ich sie umgeschrieben.

Das sind ja eigentlich keine netten Worte, die Mann da über das ursprünglichre Drehbuch verliert und glaubt man der Aussage, dann ist Collateral sogar noch mehr ein Werk von Mann, als man ursprünglich angenommen hat.

Außerdem wird in dem Artikel verraten, dass nachdem das Casting von Crowe und Sandler verworfen worden war, Tom Cruise zunächst in der Rolle des Taxifahrers besetzt wurde. Seine Gegenspielerin sollte eine weibliche Killerin sein, doch wie man weiß, wurde auch an dieser Idee viel verändert – wohl auch zum Besten, denn Vincent gehört zu den besten Rollen, die Cruise in seiner Karriere gespielt hat.

Könntet Ihr euch überhaupt den Film mit Crowe und Sandler vorstellen? Ich frage mich, welche Auswirkungen die Rolle auf Sandlers Karriere gehabt hätte.