Escobar – Paradise Lost (2015) Kritik

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Escobar Paradise Lost (2014) Filmkritik
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Escobar: Paradise Lost, BE/ES/FR/PA 2014 • 120 Min. • Regie: Andrea Di Stefano • Mit: Josh Hutcherson, Claudia Traisac, Benicio del Toro, Brady Corbet, Carlos Bardem, Ana Giradot • FSK: ab 16 Jahren • Kinostart: 9.07.2015 • Deutsche Website

Escobar Paradise Lost (2014) Filmbild 1El Doctor“, „El Patrón“, „Don Pablo“ – er ist zwar der Namensgeber, in Escobar – Paradise Lost geht es aber nur zweitrangig um den König des Kokain. Stattdessen erzählt der Film von einer tragischen Liebesgeschichte innerhalb des Escobar-Clans. Der Kanadier Nick (Josh Hutcherson) kommt 1983 mit seinem Bruder an die wunderschönen Strände Kolumbiens und lernt dort die schöne Maria (Claudia Traisac) kennen. Die beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander, Nick aber ahnt noch nicht, dass, sollte er sich weiter mit Maria abgeben, er in ihre familiären Kreise gerät, an deren Spitze niemand anderes als der einflussreiche Pablo Escobar (Benicio del Toro) steht. Nick gerät in einen Strudel aus Mord und Totschlag, aus dem es kein Entkommen mehr zu geben scheint.

Escobar Paradise Lost (2014) Filmbild 2Trotz des wundervoll anzusehenden Settings konzentriert sich Regisseur Andrea Di Stefano (zuletzt Priester in Life of Pi) in seinem Erstlingswerk mehr auf die zwischenmenschlichen Beziehungen anstatt die kolumbianische Wärme in schönen Bildern einzufangen. Viel mehr möchte er die dunkle Seite der Zeit unter Escobar beleuchten, schafft dies aber nur partiell. So beginnt der Film damit, dass Nick seinen ersten richtigen Auftrag von Escobar bekommt, der gleichzeitig einen Treuebeweis für Maria und die Familie, von der er nun ein Teil ist, darstellt. Nachdem der vermeintliche Höhepunkt gezeigt wurde, springen wir zeitlich zurück, um uns dem Weg zu widmen, der Nick in diese schreckliche Situation geführt hat.

Jedweder Background-Check bezüglich Josh Hutchersons Charakter bleibt dabei jedoch auf der Strecke, weswegen man lange braucht, Nick irgendwie liebzugewinnen, er trotz dessen aber nie wirklich zur Identifikationsfigur für den Zuschauer wird. Das macht die sowieso schon eher vor sich hin dümpelnde Liebesgeschichte noch einen Ticken zäher und trägt vor allem dazu bei, dass man – sollten wir nach ewig langem Vorspiel doch endlich mal an dem Punkt ankommen, wo es für ihn um Leben und Tod geht – nie wirklich mit Nick mitfiebert. Zur biederen Zeichnung der Hauptfigur trägt aber auch Josh Hutcherson selbst bei. Zwar bemüht er sich, seine Stirn über 120 Minuten hinweg in Falten zu legen, für eine ernste und vor allem erwachsene Rolle sieht der Panem-Darsteller aber schlichtweg zu kindlich aus. Benicio del Toro (Traffic) als Escobar bleibt derweilen im Hintergrund und bekommt keine Möglichkeit, seinem gefährlichen Charakter viel Bedrohlichkeit oder sogar Wahnsinn einzuhauchen. Dafür sorgt er für ein paar unpassend lustige Momente, die leider viel zu oft wiederzufinden sind, und die potentiell dichte Atmosphäre zerstören.

Escobar Paradise Lost (2014) Filmbild 3Nachdem die Beziehung von Nick und Maria in Eiltempo aufgebaut worden ist (und trotzdem noch lange bevor sie überhaupt etwas an Glaubwürdigkeit gewinnen kann), befindet man sich auf einmal schon wieder an dem zu Beginn gezeigten Pseudo-Klimax. Dessen Prämisse wird nämlich unverständlicherweise durch unoriginelle Überdramatisierung noch ewig ausgereizt und entpuppt sich somit nur als Zwischenstopp der Geschichte. Wenigstens darf Kolumbiens bergige Kulisse hier einmal in ihrer unbegreiflich exotischen Schönheit glänzen, bevor der Film sich langsam seinem kräftezehrenden Ende zuwendet. Mit diesem schlägt Andrea Di Stefano jedoch weit am gewollten Ziel vorbei und weist nach 120 Minuten eher die Banalität seines Films auf, anstatt zu schocken.

Fazit

Escobar – Paradise Lost dreht sich trotz seines Titels nicht um Escobar und genau das ist sein Problem. Benicio del Toro ist der einzige, der seiner Rolle etwas abgewinnen hätte können, und seine Figur ist die einzige, die Potenzial für eine mitreißende Geschichte aufwirft. Andrea Di Stefano hangelt sich in seinem ersten Film aber zu sehr von einem schlecht aufgebauten und somit niemals mitreißenden Setpiece zum nächsten.

Trailer