Quelle: Insidekino

Auch in Deutschland hat James Bond 007 – Spectre das Kinogeschäft mit großem Erfolg angekurbelt. Sogar ohne einen zweiten erfolgreichen Neustart – wie in den USA – reichte das Startwochenende von Spectre aus, um die Gesamtbesucherzahl der Top 10 um gewaltige 147% auf 2,41 Millionen zu erhöhen. Verglichen mit dem entsprechenden Wochenende aus dem Vorjahr lagen die Zahlen sogar um 157% besser. Im Angesicht dieses alles verschlingenden Mega-Starts mussten die meisten älteren Filme ordentlich Federn lassen. Das fällt nach den tollen Rückgängen in den Vorwochen diesmal besonders stark auf.

Spectre zog erwartungsgemäß riesige Zuschauermassen am Wochenende an und war alleine für fast 70% der Kinogänger in der Top 10 verantwortlich. Bis Sonntag hat Spectre, einschließlich groß angelegter, bundesweiter Previews am Mittwoch, genau 1,9 Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt und ist jetzt schon der neunterfolgreichste Film des Jahres, vor Shaun das Schaf und Der Nanny. Von dieser Zahl stammen 220,000 Zuschauer von den Mittwochs-Previews, sodass er am regulären Wochenende knapp 1,68 Millionen Tickets lösen konnte. Das reichte locker für das zweitbeste Startwochenende des Jahres in Deutschland. Nur Fack Ju Göhte 2 schnitt mit 2,115 Millionen Besuchern in den ersten vier Tagen besser ab. In 857 Kinos erreichte der Film einen mächtigen Schnitt von 1962 Zuschauern pro Location. Nach Umsatz gelang Spectre mit €16,59 Mio sogar der viertbeste Start aller Zeiten (den Rekord stellte Fack Ju Göhte 2 dieses Jahr mit €17,73 Mio auf). Einschließlich der Previews am Mittwoch hat Spectre bereits €18,61 Mio bei uns eingespielt und wird auf jeden Fall unter den 25 umsatzstärksten Filmen aller Zeiten hierzulande enden.

Nach Besuchern reichte der Start von Spectre für Platz 27 unter den stärksten aller Zeiten in Deutschland aus, fast direkt hinter Ein Quantum Trost mit 1,69 Millionen Zuschauern. Allerdings muss man auch betonen, dass als Ein Quantum Trost gestartet ist, es noch nicht übliche Praxis war, die Previews aus dem Starrwochenende herauszurechnen, sodass Quantum am eigentlichen Wochenende (Donnerstag bis Sonntag) mit Sicherheit weniger Besucher hatte als Spectre. Bei all den positiven Meldungen muss man aber zugeben, dass Spectre auch in Deutschland schwächer als Skyfall startete, auch wenn die Differenz nicht so groß ist, wie in den USA. Skyfall lief vor drei Jahren mit 1,907,000 Zuschauern am Startwochenende an und hat samt Previews sogar 2,14 Millionen Besucher gehabt. Spectre startete also etwa 11% unter seinem Vorgänger. Auch nach Umsatz hatte Skyfall zum Start die Nase ganz knapp vorne und spielte am Startwochenende €16,64 Mio ein – bis heute der drittbeste Start aller Zeiten nach Einnahmen in Deutschland.

Wie in den USA lässt sich der schwächere Start von Spectre vor allem dadurch erklären, dass Skyfall einfach ein Ausreißer war, der perfekte Film zur perfekten Zeit. Insgesamt erreichte er 7,8 Millionen Zuschauer in den deutschen Kinos, mehr als jeder andere James-Bond-Film nach den Sechzigern. So weit wird Spectre sicherlich nicht kommen, aber nach allen sonstigen Maßstäben betrachtet, ist das Startwochenende des 24. James-Bond-Abenteuers grandios. Es dürfte ihm nicht schwer fallen, die Endergebnisse der ersten beiden Bond-Filme mit Craig zu schlagen: Casino Royale mit 5,5 Millionen Zuschauer und Ein Quantum Trost mit 4,7 Millionen. Sogar wenn er so wenig Durchhaltevermögen wie Ein Quantum Trost zeigt, wird er mindestens 5,3 Millionen Zuschauer bei uns erreichen, ich gehe jedoch von einer deutlich besseren Laufzeit in den Kinos aus. Am Ende sollten es tatsächlich zwei Goldene Leinwände und mehr als 6 Millionen Besucher in Deutschland werden, ausreichend für Platz 4 der deutschen Jahres-Charts (nach Fack Ju Göhte 2, Minions und vermutlich Star Wars: Das Erwachen der Macht). Das wäre auch mehr als jeder Bond-Film mit Pierce Brosnan verbuchen konnte.

Weit abgeschlagen auf Platz 2 landete die Polit-Satire Er ist wieder da, die erstmals nicht ihre Kinozahl erhöhte. Damit einhergehend (sowie mit der Konkurrenz von 007) erlitt der Film seinen bislang stärksten Drop und gab um 37% gegenüber der Vorwoche nach. Es wurden diesmal 162,000 neue Zuschauer erreicht und der Streifen steht weniger als 15,000 Besucher von der 2-Millionen-Marke in Deutschland entfernt, die er im Laufe der Woche überqueren wird. Für einen deutschen Film ohne Til Schweiger, Matthias Schweighöfer oder Elyas M’Barek in der Hauptrolle ist das beachtlich. Momenten kann man von mindestens 2,5 Millionen Zuschauern insgesamt für Er ist wieder da ausgehen, da er gerade während der Open-Air-Saison nächsten Sommer wieder ordentlich zulegen wird.

Rang 3 ging an Pixars Alles steht Kopf, der sich mit einem Rückgang von nur 25% besser hielt als jeder andere Film in der Top 10. Der Animationshit lockte weitere 143,000 Zuschauer in die deutschen Kinos und steht jetzt bei knapp 2,97 Millionen Besuchern, also ebenfalls kurz vor einem neuen Meilenstein. Noch diese Woche wird er als sechster Film von 2015 die 3-Millionen-Zuschauermarke erreichen und eine Goldene Leinwand erhalten, und zwar als erster Pixar-Film seit Oben. Mittlerweile hat Alles steht Kopf die Gesamtbesucherzahl von Toy Story 2 hinter sich gelassen und wird kommendes Wochenende auch Oben überholen. Die finalen Ergebnisse von WALL-E (3,24 Millionen) und Die Monster AG (3,32 Millionen) liegen ebenfalls in seiner Reichweite, da Alles steht Kopf gerade während der Weihnachtszeit wieder neuen Erfolg finden sollte. Ich glaube deshalb weiterhin an 3,5 Millionen Besucher für den Film oder gar mehr, wenn die Konkurrenz von Arlo & Spot ihm nicht zu sehr zusetzt.

Direkt hinter Alles steht Kopf platzierte sich in seiner vierten Woche Hotel Transsilvanien 2 mit 129,000 Besuchern (-28%) und hat mit insgesamt etwas über 1,25 Mio Besuchern nach 25 Tagen das Ergebnis seines Vorgängers (1,16 Mio) bereits übertroffen. Wie auch Alles steht Kopf hängt die Zukunft von Hotel Transsilvanien 2 stark davon ab, wie er sich gegen Pixars neusten Streich Arlo & Spot schlägt, doch in jedem Fall sollten 1,6 Millionen Zuschauer für ihn erreichbar sein.

Fack Ju Göhte 2 behauptete sich in der neunten Woche auf Platz 5 der Kinocharts mit 74,000 Zuschauern (39% weniger als am vorherigen Wochenende), die seine vorläufige Gesamtbesucherzahl auf 7,473,000 erhöhten. Damit ist Fack Ju Göhte 2 bereits an seinem Vorgänger vorbeigezogen und steht auf Platz 32 der besucherstärksten Filme seit 1968 in Deutschland. Noch viel beeindruckender sieht es nach Einspiel aus. Erst als 14. Film überhaupt erreichte er in Deutschland mehr als €60 Mio Umsatz. Mit €60,8 Mio trennen ihn nur knapp €4,3 Mio davon, Der Schuh des Manitu zu toppen und in die All-Time Top 10 einzuziehen. Falls er das schaffen sollte, wird es auf jeden Fall ein langer und beschwerlicher Weg, es ist jedoch nicht ausgeschlossen. Wie auch bei Er ist wieder da, erwarte ich ein neues Aufleben des Films beim Open-Air-Kino nächsten Sommer, sodass er sich zumindest 8 Millionen Zuschauern in Deutschland nähern sollte.