Quelle: Insidekino

Der Start des Comic-Blockbusters The First Avenger: Civil War, den Deutschland und die meisten anderen Länder eine Woche vor den USA zu sehen bekommen, brachte den erhofften Aufschwung an den deutschen Kinokassen, auch wenn schönes Wetter in weiten Teilen des Landes ein noch besseres Startergebnis verhinderte und zu teilweise heftigen Drops unter älteren Filmen führte. Insgesamt legte die Top 10 um 19% gegenüber der Vorwoche auf 1,13 Mio Zuschauer zu, lag aber 28% unter dem gleichen Wochenende im Vorjahr, als Avengers: Age of Ultron am zweiten Wochenende in Folge führte.

The First Avenger: Civil War verhielt sich zum Start, wie erwartet, nicht wie die ansonsten weniger erfolgreichen Captain-America-Filme hierzulande, sondern spielte gleich in der oberen Erfolgsliga der Marvel-Verfilmungen mit. Von Donnerstag bis Sonntag sahen 545,000 Zuschauer in 617 Kinos den Film und bescherten der Comicverfilmung einen tollen Schnitt von 887 Besuchern pro Kino. Es war der viertbeste Start des Jahres, lag aber – zum Teil auch wegen eines weniger kinofreundlichen Wetters als erwartet – knapp unter dem Startwochenende von Batman v Superman: Dawn of Justice im April. Zack Snyders Film erreichte etwa 10,000 Zuschauer mehr. Da er allerdings auch in 42 Kinos mehr lief, hatte Civil War einen leicht besseren Schnitt. Mit Deadpool (dem immer noch der beste Start 2016 in Deutschland gehört), Batman v Superman und The First Avenger: Civil War gehören nun drei der vier besucherstärksten Startwochenenden des Jahres in Deutschland Comicbuchverfilmungen. Von den bisherigen 13 Filmen des Marvel Cinematic Universe starteten lediglich die beiden Avengers-Filme mit noch mehr Besuchern am regulären Wochenende in Deutschland. Da Civil War jedoch bundesweite Mittwochs-Previews hatte, zählte er bis Sonntag insgesamt sogar 598,000 verkaufte Tickets (mehr als der erste The Avengers, der allerdings keine Previews hatte). Batman v Superman hatte samt Previews 630,000 Besucher bis zu seinem ersten Sonntag. Sehr deutlich fiel die Steigerung gegenüber den ersten beiden Captain-America-Filmen aus. Bereits am Samstag überholte Captain America 3 bereits die Gesamtbesucherzahl (340,000) des ersten Films von 2011. Verglichen mit The Return of the First Avenger startete Civil War (inkl. Previews) um 135% (!) besser.

Wie der Film in den nächsten Wochen sich halten wird, wird stark vom Wetter abhängen, da uns möglicherweise die ersten sonnigen und wirklich warmen Tage des Jahres erwarten, was die Zuschauerzahlen von allen Kinofilmen beeinträchtigen wird. An der Mundpropaganda soll es jedenfalls nicht scheitern, sie ist bei dem Film sehr positiv. Folgt The First Avenger: Civil War dem Verlauf von Age of Ultron, wird er in Deutschland die 2-Mio-Marke knacken. Allerdings erwartet das Sequel im Mai mit Bad Neighbors 2, X-Men: Apocalypse, Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln und Warcraft – The Beginning sehr viel Konkurrenz, während im Juni die Europameisterschaft die Kinos lahmlegen wird. Deshalb gehe ich aktuell vorsichtig von insgesamt etwa 1,8 Mio Besuchern aus, was ihn aber zum vierterfolgreichsten Film aus dem Marvel Cinematic Universe in Deutschland machen würde (hinter den beiden Avengers-Streifen und Iron Man 3). Offenbar garantiert Captain America auch in Deutschland mittlerweile gute Kasse. Vielleicht ist es also an der Zeit, seine Filme nicht in The First Avenger umzubenennen.

Weil Disney aktuell einfach unschlagbar ist, gehörte dem Studio auch der zweite Platz der deutschen Kinocharts. The Jungle Book verabschiedete sich nach zwei Wochen an der Spitze mit einem Rückgang von 42% auf Platz 2 und 207,000 Zuschauer am dritten Wochenende. Nach 18 Tagen zählt die Realverfilmung von Disneys Zeichentrickklassiker bereits 1,192,000 Besucher und hat damit schon die Gesamtbesucherzahl von Cinderella hinter sich gelassen. Maleficent (1,51 Mio) und Die fantastische Welt von Oz (1,15 Mio) wird er bald auch überholen, doch Tim Burtons Alice im Wunderland liegt mit 2,97 Mio Besuchern außerhalb seiner Reichweite. The Jungle Book ist zum neunten Film des Jahres mit mehr als einer Million Besuchern in Deutschland geworden und schon bald werden sich Civil War und How to Be Single zu ihm gesellen. Schönes Wetter und die Konkurrenz von Angry Birds und Alice im Wunderland 2 werden es ihm schwierig machen, mehr als 2 Mio Zuschauer in Deutschland zu erreichen, doch diesen einen Meilenstein könnte er auf lange Sicht noch knacken. Insgesamt verblasst die Box-Office-Performance des Films jedoch im Vergleich zu seinem Erfolg in den USA oder Großbritannien, aber auch zu den 27,4 Mio Tickets, die Disneys Das Dschungelbuch in Deutschland (mitsamt aller Wiederaufführungen) verkauft hat.

Die Komödie How to Be Single trotzte der Testosteron-Konkurrenz von Marvel und der scheinenden Sonne und fiel lediglich um 37% auf 80,000 Zuschauer. Damit belegte der Film mit Dakota Johnson und Rebel Wilson Platz 3 der deutschen Kinocharts und steht jetzt schon bei knapp mehr als 800,000 Besuchern nach vier Wochen in Deutschland. Nachdem der Film in Nordamerika recht mäßig lief, haben nicht viele mit einem so verhältnismäßig hohen Ergebnis in Deutschland gerechnet, doch momentan sieht es sogar nach etwa 1,1 Mio Besuchern insgesamt aus.

Platz 4 gehörte einem weiteren Disney-Film. Zoomania litt besonders unter dem schönen Wetter und verlor 44% seiner Besucher von der Vorwoche. Der Film lockte weitere 67,000 Zuschauer in die hiesigen Kinos und brachte seine vorläufige Gesamtbesucherzahl auf 3,46 Mio nach neun Wochen. Damit ist Zoomania nicht nur weiterhin der erfolgreichste Film des Jahres in Deutschland (und wird es auch bis nach der EM vermutlich bleiben), sondern zog auch schon an Pixars Hit Alles steht Kopf aus dem letzten Jahr vorbei und schielt auf ein Gesamtergebnis von mindestens 3,75 Mio Zuschauern.

An Angeboten für Familien mangelt es momentan in den deutschen Kinos nicht und auch der 5. Platz der Kinocharts ging an einen Kinderfilm. Rico, Oskar und der Diebstahlstein, der dritte Film der Rico-&-Oskar-Reihe, eröffnete mit 63,000 Besuchern von Donnerstag bis Sonntag und hat samt Previews bereits 72,000 Zuschauer erreicht. Die Fortsetzung wurde mit 482 Kinos in mehr Lichtspielhäusern gestartet als die ersten beiden Teile, erzielte aber aufgrund des kinounfreundlichen Wetters und der weiterhin starken Konkurrenz von The Jungle Book und Zoomania lediglich einen mittelprächtigen Schnitt von 130 Besuchern pro Kino. Nichtsdestotrotz lag der Start 25% über dem von Rico, Oskar und das Herzgebreche aus dem letzten Jahr, aber 26% unter dem Start des ersten Films. Die beiden bisherigen Teile zeichneten sich durch ein sehr ausgeprägtes Durchhaltevermögen in den Charts aus. Beide erreichten am Ende etwa das Zehnfache ihrer Besucher vom Startwochenende. Im Falle des ersten Teils waren es knapp 830,000 Zuschauer, beim zweiten knapp 550,000. Auch Rico, Oskar und der Diebstahlstein sollte mindestens eine halbe Million Zuschauer in die deutschen Kinos locken und je nach Wetter und dem Abschneiden von Angry Birds vielleicht auch deutlich mehr.

Wie die Dauerbrenner Ein Mann namens Ove und Birnenkuchen mit Lavendel sowie der Comic-Blockbuster Batman v Superman laufen, erfahrt Ihr auf Seite 2.