Alice Through the Looking Glass, USA 2016 • 108 Min • Regie: James Bobin • Drehbuch: Linda Woolverton • Musik: Danny Elfman • Mit: Mia Wasikowska, Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Sacha Baron Cohen, Anne Hathaway, Alan Rickman, Michael Sheen, Stephen Fry, Lindsay Duncan •  FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 26.05.2016 • Website

Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln (2016) Filmbild 1Ein halbes Jahr nach dem Kinostart von James Camerons 3D-Kassenschlager Avatar – Aufbruch nach Pandora schloss sich Disney mit der losen Adaption von Lewis Carrolls Klassiker Alice im Wunderland der neuen Filmwelle an. Kein anderer als Tim Burton (abgesehen von Guillermo del Toro der perfekte Mann für dieses Ausgangsmaterial) nahm den Platz auf dem Regiestuhl ein, durfte dort offensichtlich aber nur wenig selbst bestimmen. Von dem Visionärgeist, den man von Burton zumindest bis zu diesem Punkt gewohnt war, steckte merkbar wenig in Alice im Wunderland. Allein in der Ausstattung konnte man aber noch ausmachen, dass es sich um einen Burton-Film handelte. Das halbwegs solide Drehbuch (Linda Woolverton) übertraf locker das, was man an Inszenierung geboten bekam. Wie auch im Vorgänger bedient sich selbige Drehbuchautorin wieder an Details aus Carrolls Roman und dessen Fortführung, um sich stückchenweise ihre Weitererzählung aufzubauen.

Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln (2016) Filmbild 2Nachdem Alice (Mia Wasikowska) auf ihrem Schiff drei Jahre auf Expedition war, muss sie feststellen, dass ihre Mutter (Lindsay Duncan) sich von der Familie ihres Beinahe-Ehemanns aus dem ersten Teil (Leo Bill) zu einem Deal überreden lassen hat, der Alice ihr Schiff und damit ihre Zukunft kosten könnte. Außerdem ist Schiffskapitän sowieso kein Job für eine Frau. Ein Streit entzweit die beiden und Alice wird kurz danach zurück ins Wunderland manövriert. Ein weiteres Abenteuer beginnt, bei dem Alice sich wieder von der Unterdrückung ihrer Persönlichkeit freimachen muss. Zielstrebig stößt Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln dabei feministische Untertöne an und entwickelt den Appell des Vorgängers damit wirkungsvoll weiter. Auch die sentimentale Disney-Botschaft wird wieder metaphysisch, wenn auch plakativ, in die Erzählung eingearbeitet. Alice muss sich doppeldeutig mit der Zeit (Sacha Baron Cohen) und den Folgen von Taten auseinandersetzen und viele wichtige Zeigefinger-Lektionen lernen.

Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln (2016) Filmbild 3Als Alice durch den Spiegel ins Wunderland taucht, sieht es schon fast aus, als hätte man der tristen, leblosen Welt aus dem ersten Film endlich etwas Leben eingehaucht. Der Effekt ist jedoch nur von kurzer Dauer und nur im Kontrast zum toten blau-grau des Vorläufers einigermaßen spürbar. Doch zum zweiten Mal begrüßt uns Disney im seelenlosen CGI-Wunderland, wo Emotionen kalt und aufgesetzt sind, und die Fantasie aus Computer-Codes besteht. Es macht nicht einmal Spaß, sich diese Effekte anzuschauen. Sechs Jahre nach der anfänglich genannten CGI-Kinorevolution ist es nicht mehr beeindruckend, riesige, komplett animierte Welten zu sehen, die zudem nicht einmal glaubhaft sind. Jede reale Person setzt sich immens vom Knetesumpf ab. Neben den zumindest recht amüsanten Gags (wieder knuddelig und lustig: Tweedledee und Tweedledum) ist es zwischendurch auch zum Lachen grotesk, wenn sich beispielsweise Baron Cohen (Borat) mit Werner-Herzog-Akzent, merkbar im Greenscreen stehend, an einer Art (im Film fliegenden) Wippkarren abmüht.

In Alice im Wunderland bekamen wir noch die Prophezeiung vorgelegt, an der sich Woolvertons Drehbuch stringent entlang schlängelte. Der neuen Geschichte mangelt es dermaßen an gerade dieser Kohärenz, dass die Zeitreisen im Film nur zu episodischen Sprüngen führen und manche Abschnitte dabei sogar lediglich Expositions-Blöcke sind.

 Fazit

Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln ist so ausdruckslos wie seine Hauptdarstellerin. Belangloses Fantasy-Blockbuster-Kino, das vielleicht einmalig anschaubar ist. Zur Not lauscht man nur Danny Elfman.

Trailer