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Halbe Brüder (2015) Filmkritik

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Halbe Brüder (2015) Filmkritik

Halbe Brüder, D 2015 • 116 Min • Regie: Christian Alvart • Mit: Paul „Sido“ Würdig, Tedros „Teddy“ Teclebrhan, Fahri Yardim, Mavie Hörbiger, Detlev Buck, Roberto Blanco, Julia Dietze, Gregor Bloéb, Charly Hübner  • FSK: ab 12 Jahren  • Kinostart: 9.04.2015 • Deutsche Webseite

HalbeBrueder1„Mama war ’ne Schlampe – Ohoo“ – yay, das ist das einzig eingängige Statement des Films „Halbe Brüder“. Dieser Song zu den End-Credits von Hauptdarsteller Paul „Sido“ Würdig und Tedros „Teddy“ Teclebrhan hat wahrlich ohrwurmhaften Charakter. Ansonsten schafft fast ausschließlich noch das rosa Inkassokaninchen (!) positiv aufzufallen, denn es könnte direkt aus einem bizarren Gangster-Film von Guy Ritchie stammen. Der restliche Film vereint zwar beliebte Zuschauermagneten wie Sido (sein viertes Album „30-11-80“ stieg November 2013 wieder direkt auf Platz 1 ein), Fahri Yardim (mittlerweile sowas wie Stammschauspieler bei Til Schweiger) und Tedros Teclebrhan (YouTubeStar), schafft jedoch nicht mehr als die abgegriffenen, abgründigen, abgedroschenen Klischeematchbälle über das Netz der mittelmäßigen Belanglosigkeit zu dreschen. Fans werden vielleicht wie bei vielen deutschen Produktionen auf ihre Kosten kommen, die nur sehr selten die Messlatte höher legen, als schwächliches Opium für die Gilde der Anhänger zu verticken.

Drei unterschiedliche Männer treffen sich bei einem Notar, um herauszufinden, dass sie eine gemeinsame Mutter haben. Die frisch gebackenen Halbbrüder  – der abgeklärte Trickbetrüger Julian (Paul „Sido“ Würdig), der verhätschelte sponsored-by-daddy Yasin (Fahri Yardim) und der rappende Tunichtgut Addi (Tedros „Teddy“ Teclebrhan) –  machen sich gemeinsam auf die Suche nach dem Erbe ihrer Mutter. Jeder von ihnen braucht Geld. Addi will seine Karriere starten, Yasin will Unabhängigkeit von seinem Vater und Julian Geld für seine Kinder. Doch der hochverschuldete Julian verschweigt, dass er die ganze Beute braucht, um sich bei Kredithaien freizukaufen. Auf dem Weg zum familiären und monetären Glück lernen die Jungs ihren verschollenen Väter kennen, treffen verwegene Schönheiten, tapsen durch Glück so wie Unheil und werden von einem schrägen rosa Inkassokaninchen verfolgt.

Halbe Brüder (2015) Filmbild 2In der Inhaltszusammenfassung steht zu Beginn: „Was haben ein deutscher Familienvater mit Hang zu Trickbetrug, ein verwöhnter Türke und ein draufgängerischer, rappender Afrikaner gemeinsam?“. Das kann man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Klingt wie ein schlechter Witz. Ist es auch. Man könnte auch direkt Schilder mit warnenden Piktogrammen vor dem Kino aufstellen, um auf lahme und zähe Frotzeleien über/mit Plattitüden aufmerksam zu machen. Es erwartet einen überraschenderweise keine ausgefeilte multikulturelle Identitätskrise, sondern ein Road-Movie mit eigener Identitätskrise. Die Szenen im Untergrund der Kredithai-Mafia machen hingegen der sonstigen unausgegorenen Entgleisungen Spaß. Herr Klopfer (Gregor Bloéb, das Kaninchen) ist eine rosa Version des Kaninchens aus „Donnie Darko“ und schafft es, mit seinem schmuddeligen, schrägen und seltsamen Auftritten für Wiedersehensfreude zu sorgen. Nicht weniger amüsant sind Chef-Gauner „U-Bahn-Lemmele“ (Charly Hübner) und seine Handlanger. Wenn es zur brutalen Vollstreckung der Inkassoschulden kommt, sollte man meinen, dass „hartgesottene“ Ganoven nicht mit der Wimper zucken. Hier werden die Publikumserwartungen erfreulicherweise charmant unterwandert.

Halbe Brüder (2015) Filmbild 3Kommen wir zurück zu den sonstigen Entgleisungen. Die Waage zwischen lustig und gefühlsbetont wirkt abgehackt und manipulativ. Dies liegt vor allem an Szenen, wo die drei halben Brüder den jugendlichen, kindlichen Nachholbedarf verspüren. Furz- und Urinwitze lassen grüßen. Adam Sandler winkt auch schon um die Ecke. Diese Momente taugen auch nicht als Comic-Relief, wenn zuvor mal wieder ein Zerwürfnis die Beziehung der drei Protagonisten beinah zerrüttet hat. Diese Holzhammer-Rohrkrepierer tun irgendwo im Bereich des Stammhirns physisch wirklich in wellenartigen Schmerzschüben weh. Nach dem Streit vertragen wir uns, indem wir schauen, wer am weitesten an eine Dose pinkeln kann. Sorry für den Spoiler. Die milden Afrikanerwitzchen finden ihren personifizierten Tiefpunkt in der Figur von Roberto Blanco. Er spielt zwar herrlichen selbstironisch den „Blanco“-Pleitegeier, dient aber auch einfach nur in erster Linie für peinliche Schmunzler über Afrolook. Zumindest haben all die kleinen Cameo-Auftritte ihren Spaß. Die Rührseligkeiten wechseln mit erzwungenem Witz genau so schnell wie die Settings Berlin, Frankfurt, Köln und Fehmarn. Die Familienodyssee gerät auch durch die lange Laufzeit ins Schlingern. Die mangelhaft ausbalancierte Erzählweise erteilt dann dem Spießrutenlauf durch Klamauk und Klischee den Gnadenstoß. Eigentlich mal wieder schade, denn sympathische Schauspieler verheizen so ihr Können, das einfach nicht die handwerklichen und kreativen Löcher kitten kann. Regisseur Christian Alvart („Tatort“, „Antikörper“) kann besser Krimi, Thriller oder Horror inszenieren. Also warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt?

Trailer

Das Verschwinden der Eleanor Rigby (2014)

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Das Verschwinden der Eleanor Rigby (2014) Filmkritik

The Disappearance of Eleanor Rigby: Them, USA 2014 • 123 Min • Regie & Drehbuch: Ned Benson • Mit: Jessica Chastain, James McAvoy, Viola Davis, William Hurt, Isabelle Huppert, Jess Weixler • Kamera: Christopher Blauvelt • Musik: Son Lux • FSK: ab 6 Jahren • Verleih: Prokino • Heimkino-Start: 7.05.2015 • Deutsche Website

Handlung

Eleanor Rigby (Jessica Chastain) und ihr Mann Conor Ludlow (James McAvoy) haben mit ihrer Partnerwahl scheinbar das ganz große Los gezogen. Das Pärchen liebt sich leidenschaftlich und schnell gehen die beiden auch schon zur Hochzeit über und beginnen gemeinsame Zukunftspläne zu schmieden. Doch nicht alles läuft wie geplant, und ein Schicksalsschlag stellt die Beziehung zwischen den beiden auf eine gewaltige Probe. Immer mehr bröckelt ihre Ehe, bis Eleanor schließlich spurlos verschwindet und Conor ohne einen Hinweis auf ihren Aufenthaltsort zurücklässt. Während er sich auf eine verzweifelte Suche nach ihr begibt, versucht sie alles hinter sich zu lassen und einen Neustart zu wagen, doch es dauert nicht lange, da kreuzen sich ihre Wege wieder. Beide rekapitulieren ihre Vergangenheit und versuchen herauszufinden, ob sie nicht doch noch eine zweite Chance haben.

Hintergrund

Das Verschwinden der Eleanor Rigby (2014) Filmbild 1In den US-amerikanischen Kinos wurden drei unterschiedliche Schnittfassungen von Ned Bensons Films mit unterschiedlichen Startterminen veröffentlicht. Dabei erzählt The Disappearence of Eleanor Rigby: Her die Geschichte komplett aus der Sichtweise von Eleanor und The Disappearence of Eleanor Rigby: Him macht Conor zum Protagonisten. Beide Fassungen wurden zu diesem Film zusammengeschnitten: Das Verschwinden der Eleanor Rigby (englischer Titel: The Disappearence of Eleanor Rigby: Them).

Kritik

Dafür, dass Das Verschwinden der Eleanor Rigby im Grunde ein Zusammenschnitt aus zwei eigenständigen Filmen ist, funktioniert er fabelhaft. Die Gratwanderung bei der Verschmelzung der Perspektiven von beiden Protagonisten ist sehr gut gelungen und macht zwar viel Lust darauf, auch die beiden anderen Schnittversionen anzusehen, jedoch keinesfalls den Eindruck, es sei groß etwas herausgefallen, das den Film hochgradig beeinflusst hätte. Einziges Manko scheint zu sein, dass der Film durch die schiere Menge an Bildmaterial doch fühlbar in die Länge gezogen wird. Zwar nimmt er gerade am Ende noch stark an Fahrt auf und schlägt viele richtige Töne an, doch vor allem in der ersten Hälfte wirkt das Geschehen oft doch zu zäh und träge.

Das Verschwinden der Eleanor Rigby (2014) Filmbild 2Umso mehr begeistert es dann aber, dass sich der Streifen nach dem etwas holprigen und langsamen Anfang immer weiter entfaltet und Stück für Stück die Puzzleteile der zu Beginn nicht klar vorliegenden Vorgeschichte zusammensetzt. Hier ist sehr positiv hervorzuheben, dass sich Regisseur und Drehbuchautor Ned Benson nicht in den einfachen schmalzigen Klischees von vielen anderen Beziehungsdramen verliert, sondern hier auf authentische und greifbare Charaktere setzt, die erfrischend gut ohne Wutausbrüche oder Heulattacken auskommen und stattdessen sehr menschlich wirken. So bleibt der Film am Boden und setzt sich wohltuend von dem einen oder anderen Genre-Kollegen ab.

Leider schafft Das Verschwinden der Eleanor Rigby es dann aber auch nicht sein volles Potenzial auszuschöpfen. Gerade in der ersten Hälfte wirkt das Drama nicht tiefgreifend, stellenweise zu durchwachsen und oberflächlich, als dass man sich vom Geschehen und den Figuren wirklich berührt fühlt. Zwar werden die Charaktere mit der Zeit immer handfester, doch erst als der Film schon fast vorbei ist, schafft er es, wirklich emotional zu werden und den Zuschauer richtig zum Denken anzuregen. Dies gelingt wenn dann durch die beiden fabelhaften Hauptdarsteller, die beide jeweils sehr feine Performances abliefern. Besonders Jessica Chastain geht in ihrer Rolle hervorragend auf und schafft es, subtil und zerbrechlich eine brillante Darstellung einer ramponierten Persönlichkeit abzuliefern. Als kleine und doch sehr unterhaltsame Nebenrolle ist außerdem die von Viola Davis gespielte Professorin anzumerken, die Eleanor immer wieder auf sympathische Weise Tipps mit auf ihren Weg gibt.

Das Verschwinden der Eleanor Rigby (2014) Filmbild 3Getragen von den fabelhaften Darstellern kreiert Benson mit dem Zusammenschnitt seines Spielfilmdebüts einen Film, der an vielen Stellen mit einer Menge Taktgefühl primär auf nuancierte Andeutungen und stille Gesten setzt und oft gerade in den ruhigen Szenen darauf baut, in seinen flüsternden Schnappschüssen zu versinken und seine Charaktere und ihre Beziehung stark melancholisch zu belichten. Dies wird auch von einem schön stimmigen Soundtrack aufgegriffen, der mit fortschreitender Laufzeit immer auffälliger wird und sich in den Vordergrund drängt. Gekrönt von einem mysteriösen und eindrucksvollen Ende bleiben es der faszinierende Stil und die imposanten Schauspieler, die Das Verschwinden der Eleanor Rigby trotz der gewissen Langatmigkeit sehenswert machen.

Fazit

Letzten Endes erfindet Das Verschwinden der Eleanor Rigby nichts so wirklich neu, doch handelt es sich um einen feinen, wenn auch etwas zu matt geratenen Film, der auf angenehme Weise den Fettnäpfchen seines Genres entgeht und von einer sehr guten Jessica Chastain angeführt wird.

DVD-Extras

Die Extras bestehen aus Interviews mit den Hauptdarstellern Jessica Chastain und James McAvoy sowie dem deutschen und dem originalen Kinotrailer, also nicht wirklich viel Bonusmaterial. Die Interviews sind ganz nett gestaltet und beide Schauspieler erzählen von ihrer Zusammenarbeit mit Ned Benson, und was sie vom Zusammenschnitt der beiden Filmversionen halten. Ein Interview mit Benson selbst wäre wünschenswert gewesen, bleibt aber leider aus.


Informationen zur Veröffentlichung

Die DVD von Prokino und der Zugriff auf den Film über Video on Demand sind ab dem 7.05.2015 verfügbar.

Neben dem Hauptfilm liegen der DVD-Veröffentlichung folgende Extras vor:

Das Verschwinden der Eleanor Rigby• Interview mit Jessica Chastain
• Interview mit James McAvoy
• Deutscher Kinotrailer
• Original Kinotrailer

 

 

 

DVD-Cover © Prokino


Trailer

Fantasy Filmfest Nights 2015 – Tag 2

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Liebe Filmfutter-Fans,

Der zweite Tag bei den Fantasy Filmfest Nights war mit fünf Filmen ziemlich vollgepackt und da die ersten vier davon eine Laufzeit von jeweils mehr als 100 Minuten aufwiesen, gab es zwischen den Vorstellungen auch nicht viel Zeit zum Entspannen. Raus aus dem Film, rein in den Film. Zum Glück war das Tagesprogramm überwiegend gut bis sehr gut und dank fünf wirklich unterschiedlichen Filmen kamen auch nie Ermüdungserscheinungen auf. Beendet wurde der Tag mit meinem persönlichen Höhepunkt der FFF Nights 2015 – in vielerlei Hinsicht, denn neben einem verdammt tollen Abschlussfilm habe ich auch ein saucooles Fanpaket zum Fun-Slasher You’re Next gewonnen. Danke an Splendid an dieser Stelle.

Doch lasst uns nun mit dem Ernst des Lebens beginnen, denn obwohl die Filme im Laufe des zweiten Tages progressive absurder, lockerer und ironischer wurden, begann der Tag mit einem harten Stück Realität…

TAG 2

Marshland

Fantasy Filmfest Nights 2015 Tag 2 MarshlandZwei grundverschiedene Polizeiermittler – einer ein Trinker und Womanizer, der andere jung, pflichtbewusst und idealistisch – suchen in einer sumpfigen, gottverlassenen Gegend nach dem brutalen Mörder von zwei Mädchen (und potenziell weiterer Opfer) und stoßen dabei auf ein dichtes Geflecht aus Lügen und Geheimnissen, nicht nur in der Kleinstadt, in der sie sind, sondern auch untereinander. Wer sich bei der Beschreibung an die HBO-Serie "True Detective" mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson erinnert fühlt, liegt nicht ganz daneben, denn diese Parallele wird zum spanischen Thriller Marshland wohl jeder ziehen. Doch der diesjährige Abräumer bei den Goyas (höchster spanischer Filmpreis) ist mehr als nur die iberische Antwort auf die Krimiserie. Das Setting hier ist Spanien der achtziger Jahre, kurz nach dem Fall der Franco-Diktatur. Es ist ein Land im Umbruch, das seiner dunklen Vergangenheit zu entkommen versucht und in eine unsichere Zukunft blickt. Dies reflektiert sich auch in unseren Protagonisten. Raúl Arévalo ist der prinzipientreue, wenn auch leicht naive Pedro, dessen glänzende Karriere auf dem Spiel steht, nachdem er aus Madrid nach einigen kritischen Regimeanmerkungen in die Provinz strafversetzt wurde, wo er gemeinsam mit dem abgebrühten Juan (fantastisch vielschichtig: Javier Gutiérrez) die Morde in der Nähe von Sevilla untersucht.

Wie auch bei "True Detective" ist der eigentliche Krimiplot fast nebensächlich. Hier zählen Atmosphäre, Charaktere und die übergreifende Thematik eines gespaltenen Landes. So muss Pedro erleben, wie seine Ideale langsam bröckeln, während er hinterfragen muss, was die Vergangenheit eines Mannes für dessen Gegenwart bedeutet. Solche Fragen stellt sich Juan nicht. Ob er für seine Sünden durch ständigen Schlafmangel und Hingabe an den Fall büßen will, wird nie klar und die Figur behält bis zum Ende ihre Ambiguität. Man wünscht sich allerdings mehr gemeinsame Szenen von Juan und Pedro. So wird ihre zwiespältige Einstellung zueinander zwar immer wieder angerissen, entfaltet sich aber leider nicht zu Genüge. Wenn dann die Lösung des Mordfalls naht, wirkt dies beinahe antiklimatisch, denn eigentlich wünscht man sich vor allem, den beiden Hauptfiguren noch etwas länger zusehen zu dürfen. 4/5

Spring

Fantasy Filmfest Nights 2015 Tag 2 Spring KritikIn Evans (Lou Taylor Pucci) Leben läuft’s nicht rund. Seine Mutter starb kürzlich an einer langwierigen Krebserkrankung, nach einer Schlägerei sucht ihn die Polizei, auf der Arbeit wurde er wegen ebendieser Schlägerei gefeuert und auch beim schönen Geschlecht hat er kein Glück. Der Heimatkaff in den USA hat nichts mehr zu bieten, also ab in den Flieger und auf nach Italien. Recht ziellos reist, feiert und säuft sich Evan gemeinsam mit zwei britischen Partytouristen durch den Süden von Italien, bis er in einem malerischen Städtchen bei Sorrent Louise (Nadia Hilker) trifft. Sie ist bildschön, geheimnisvoll, forsch und für Evan unglaublich anziehend. An einer kurzen Affäre ist sie interessiert, an einer Beziehung jedoch nicht. Evan gibt jedoch nicht leicht auf, bleibt im Städtchen, heuert bei einem wortkargen, aber liebenswerten Bauer an und umgarnt Louise, bis sie sich ihm hingibt. Was wie ein Richard-Linklater-Plagiat für manche klingen mag (und sicherlich wurde der Film zum Teil durch Linklaters Before-Trilogie inspiriert) nimmt jedoch ganz schnell eine düstere Wendung, denn Louise ist – und das ist eigentlich kein Spoiler – ein Monster.

Also nicht Before Sunrise, sondern Twilight? Zum Glück nicht! Dass Louise etwas Ungeheuerliches ist und blutrünstig Tier und Mensch anfällt, macht der Film recht schnell klar. Doch wer oder was ist sie? Ein Vampir? Ein Werwolf? Ein Zombiber? Die relativen Regie-Neulinge Justin Benson und Aaron Moorhead spielen in dieser Hinsicht gekonnt mit den Erwartungen der Zuschauer und unterwandern diese jedes Mal, wenn man meint, der Lösung des Rätsels nahe zu sein. Je mehr man von Louises monströser Seite und ihren immer bizarrer werdenden Transformationen sieht (hier an Lob an die einfallsreichen Effektekünstler), desto weniger blickt man da eigentlich durch. Genau so muss ein Mysteryfilm sein! Doch keine Sorge, eine Auflösung der bizarren Ereignisse, deren WTF-Faktor sich in der zweiten Filmhälfte immer weiter steigert, wird geliefert und ist tatsächlich originell, frisch und fühlt sich überraschenderweise (fast) nicht an den Haaren herbeigezogen. Der Film gehört der raren Kategorie Horror-Romanze an, bei der tatsächlich beide Genres gleichwertig ausgelebt werden (also im Gegensatz zu den glitzernden Vampiren). Der Film würde also nur halb so gut funktionieren, wenn die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren keine Substanz hätte, doch zum Glück tut sie es. Zwar ist sie deutlich weniger originell und frisch als der übernatürliche Teil der Geschichte, doch in der Symbiose passt es. Für den Rest sorgen das natürliche und zwanglose Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller und die atemberaubenden Kulissen von Süditalien, die sofort Urlaubsfeeling pur erzeugen.

So wie seine weibliche Hauptfigur ist auch Spring als Film ein rares Wesen – eine frische Brise unter angestaubten Monsterfilmen, die sich nicht auf ein Genre oder eine Definition festlegen oder sich durch bestehende Konventionen in Schranken weisen lässt. 4/5

Wyrmwood: Road of the Dead

Fantasy Filmfest Nights 2015 Tag 2 WyrmwoodIrgendwann ist einfach genug, schätze ich. Das Zombiegenre hat sich für den Moment für mich einfach ausgelutscht. Zombies gehörten schon immer zu den beliebtesten Monstern von Horrorfilmemachern, allein schon aufgrund der zahlreichen Variationen, wie man Zombies einsetzen kann, weil man diese Filme als angehender Filmemacher in der Regel recht günstig umsetzen kann und zugleich ein breites Genrepublikum erreicht. Es gibt langsame Zombies und schnelle Zombies, Zombiekomödien, ernsthaften Zombiehorror, Zombies als Gesellschaftskritik, Zombies als Romcom-Helden, Zombies in Animationsfilmen, Nazi-Zombies, Zombiber und sogar Osama bin Laden als Zombie. Der Riesenerfolg von "The Walking Dead" und später World War Z startete eine neue Welle von Zombiefilmen und wenn wir ganz ehrlich sind, gab es sehr viel Müll dabei und nur wenige gelegentliche Perlen. Auch keine Fantasy-Filmfest-Ausgabe vergeht ohne einen (oder meist mehrere) Zombiefilme. Wyrmwood, der australische Beitrag zum Zombiegenre, ist keineswegs schlechter Film. Doch er ist zugleich auch so sehr aus Versatzstücken anderer Filme konstruiert und auf das Fun-Splatter-Publikum zugeschnitten, dass er über weitere Strecken redundant und dadurch leider schnell langweilig wirkt.

Es beginnt, wie es meist beginnt. Meteoriten fliegen über Australien und verwandeln die meisten Menschen in Untote, die nach Menschenfleisch gieren. Der nette Mechaniker Barry (Jay Gallagher) wird zum tragischen Opfer der Katastrophe. Seine Frau und seine kleine Tochter werden zu Zombies und er muss sie eigenhändig mit einer Nagelpistole töten. Zunächst will er seinem Leben auch ein Ende setzen, doch ein anderer Überlebender verhindert dies. Von Suizidgedanken plötzlich befreit, beschließt Barry, seine Schwester Brooke (Bianca Bradley) aus der Nachbarstadt zu retten. Was er nicht weiß, ist, dass diese in die Hände eines psychopathischen Wissenschaftlers geraten ist, der von schwerbewaffneten Soldaten begleitet wird und kranke Experimente an Menschen und Zombies durchführt. Die Uhr tickt…

Zombiesplatter läuft im australischen Kino ähnlich ab wie in den USA, in Frankreich oder in Norwegen: unsere Helden fahren durch verwüstetes Land, killen Zombies, dann fahren sie weiter und killen noch mehr Zombies und später machen sie irgendwann Halt und töten weitere Zombies. Immer wieder muss einer von Barrys Wegbegleitern sein Leben lassen. Gespickt wird das Ganze mit Absurdität und Humor (Leon Burchill gibt als Aborigine Benny den stereotypen leicht durchgeknallten Sidekick) der Marke Fun-Splatter und mit einer gesunden Dosis an Mad Max als Verneigung vor der australischen postapokalyptischen Tradition. Man muss positiv anmerken, dass Erstlingsregisseur Kiah Roache-Turner wirklich mit Herzblut bei der Sache ist und für einen Film, dessen Budget nicht einmal das Catering am Set eines größeren Hollywood-Horrorfilms abdecken würde, sieht Wyrmwood verdammt gut aus. Interessanter Einsatz von Farben und Kameraeinstellungen verleiht ihm einen leicht surrealistischen Touch. Bianca Bradley (und ihr stets zur Schau gestellter ansehnlicher Ausschnitt) macht eine gute Figur als Kick-Ass-Heldin, doch Jay Gallaghers Barry und seine Begleiter bleiben durchweg blass und eigentlich kümmert es einen nicht wirklich, wer von ihnen ins Gras beißt. Einige gute Einfälle (brennbares Zombieblut, Gedankenkontrolle der Zombies) hat der Film auch zu bieten, doch meistens ist es einfach nur das, was man schon in zahllosen anderen Zombiefilmen gesehen hat. Ich bin sicher, dass ich vor einigen Jahren Wyrmwood besser bewertet hätte, doch irgendwann ist es einfach Zeit für Neues bzw. für eine Pause von dem Alten und ich bin der Überzeugung, dass man die Zombiekuh mittlerweile leergemolken hat. Wer von Wyrmwood jedoch nicht mehr will als Blut, Gedärme, gelegentliche trockene Sprüche und eine heiße Braut, wird seinen großen Spaß daran haben. 2,5/5

Tusk

Is man, indeed, a walrus at heart?

Fantasy Filmfest Nights 2015 Tag 2 Tusk KurzkritikMit Tusk bleibt der Kult-Regisseur Kevin Smith weiterhin auf seinem Horrortrip und liefert den klaren Anwärter auf den WTF-Film der diesjährigen Nights ab. Simpel gefasst könnte man sagen, dass Tusk Kevin Smiths Antwort auf The Human Centipede ist. Justin Long, hier mit einem unsäglichen Schnauzer, spielt den unsympathischen, arroganten Podcaster Wallace, der von Los Angeles nach Kanada einer möglichen Story für seine nächste Sendung folgt. Der Trip entpuppt sich anfangs als Zeitverschwendung, doch durch Zufall gerät er an den in die Jahre gekommenen Weltenbummler Howard Howe (Michael Parks), der einen reichhaltigen Fundus an Geschichten mit sich bringt. Wallace denkt, an eine Goldgrube gestoßen zu sein, und tappt mitten in eine Falle. Beim alten Mann fehlen nämlich die etliche Tassen im Schrank und er hat für Wallace grausame Pläne, die auch Dr. Josef Heiter aus The Human Centipede zum Kopfschütteln veranlassen würden. Aus Wallace wird ein Walross.

Die Vergleiche zum menschlichen Tausendfüßler kann man nicht vermeiden, doch Tusk schlägt andere Töne an als die Filme von Tom Six. Während der erste The Human Centipede zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Komik schwankte und der zweite schlicht und ergreifend krank war, ist Kevin Smith die Groteske seiner Handlung völlig bewusst. Sein Vorgänger, Red State, war bereits ein Genre-Mischmasch – teils Satire, teils Psychothriller – doch Tusk treibt die Absurdität deutlich weiter an die Spitze. So wenig ernstzunehmen der Plot auch ist, so bleiben einige Szenen trotzdem recht verstörend, wobei ich an dieser Stelle dazu nichts mehr verraten werde. Eins kann ich jedenfalls garantieren: so etwas habt Ihr wirklich noch nie gesehen. Das ist nicht einmal ein Kompliment, sondern einfach eine Tatsache. Das Problem des Films ist, dass er bei all seiner Absurdität nicht lustig genug ist für eine schwarze Komödie, aber auch nicht verstörend oder spannend genug ist für Horror. Es ist ein Mutant von einem Film, ein Zelluloid-Freak und ich schätze, dass es von Smith auch nicht anders beabsichtigt war. In Red State war dieser Ansatz jedoch noch stimmiger. Gemeinsam haben beide Filme, dass Michael Parks das klare Highlight bildet. In Red State noch als manischer Prediger zu sehen, ist er hier zunächst ein gesprächiger netter alter Mann, der sich langsam aber sicher als ein völlig durchgeknallter Psychopath entpuppt.

Doch während die Geschichte von Wallace und seinem Peiniger das Interesse der Zuschauer fesselt, macht sie leider nur eine Hälfte des Films aus. Dazwischen sehen wir immer wieder belanglose Flashbacks von Wallace in seinem Podcast-Studio oder mit seiner heißen Freundin Ally (Génesis Rodriguez). Diese macht sich in der zweiten Filmhälfte mit Wallaces Kumpel Teddy (Haley Joel Osment, der Junge aus The Sixth Sense, ist kaum wiederzuerkennen!) auf die Suche nach ihrem untreuen Freund und bekommt dabei Hilfe von einem eigenartigen frankokanadischen  Polizeiermittler, der von einem großen Hollywood-Star gespielt wird und aus diesem Grund vermutlich zu viel Screentime bekommt. Diese Abschnitte des Films sind leider zum Gähnen und während die ersten 3-4 Kanada-Witze noch amüsant sind, werden auch sie schnell alt. Irgendwo hat Smith in Tusk einen Film mit Potenzial vergraben, doch das Endergebnis wirkt teilweise zu unausgegoren und zerfahren. Allein der Prämisse wegen ist Kultstatus in gewissen Genrekrisen aber garantiert.  3/5

The Guest

Fantasy Filmferst Nights 2015 Tag 2 The GuestMeine erste Begegnung mit dem Regie-Autor-Duo Adam Wingard und Simon Barrett war alles andere als optimal. A Horrible Way to Die – ebenfalls im Rahmen des Fantasy Filmfests gesehen – war ein interessanter Ansatz im angestaubten Serienkiller-Subgenre, jedoch auch zäh wie Gummi. Umso größer ist meine Überraschung, dass die nächsten beiden Langfilme der beiden die absoluten Partygranaten der jeweiligen FFF-Ausgaben werden würden! You’re Next brachte das Fantasy Filmfest 2013 zu einem krönenden Abschluss und bereitete mir mehr Spaß als jeder andere Slasher oder Home-Invasion-Film der letzten Jahre und nun hat bildete auch The Guest den perfekten Ausklang eines bereits guten Tages bei den Fantasy Filmfest Nights 2015. Dass es offensichtlich nicht alle so sahen, kann man auch in der Kritik meines Kollegen nachlesen, doch dem enthusiastischen Applaus während des Abspanns nach zu urteilen, werden die meisten Zuschauer bei diesem schnörkellosen Retro-Spaß voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Die Familie Peterson trauert um ihren in Afghanistan beim Kriegseinsatz ums Leben gekommenen ältesten Sohn Caleb. Dann klopft ein fremder Schönling an der Tür. David (Dan Stevens) diente an Calebs Seite und will die letzte Botschaft seines verstorbenen Kameraden an die Familie überbringen. Charmant, höflich, unaufdringlich und in allen Lebenslagen kompetent nistet sich David prompt in Calebs altem Zimmer ein und gewinnt die Herzen der Familie für sich. Den jungen Luke (Brendan Meyer) hilft er außerordentlich effektiv gegen mobbende Mitschüler, mit der Tochter Anna (Maika Monroe) geht er zu Partys. Doch auf Anna wirken David und sein plötzliches Auftauchen und reges Einmischen ins Leben der Familie suspekt und natürlich dauert es nicht lange, bis sie Unstimmigkeiten in seiner Geschichte findet. Mit David stimmt etwas nicht. Gewaltig.

Man könnte fast sagen, The Guest sei Dan Stevens' Show. Der "Downton Abbey"-Gentleman zeigt hier eindeutige Starqualitäten und hat auf jeden Fall eine gute Zukunft im Filmgeschäft. Auch bei all seinen Gräueltaten wird David nie sehr unsympathisch oder hassenswert und das liegt an dem lockeren Charme und Charisma von Stevens, der in Sekundenschnelle von hilfsbereit und zuvorkommend zu eiskalt und gerissen wechselt. Die Szene, in der er einige Bullys in einer Bar auseinandernimmt, ist jetzt schon ein Klassiker. Doch den Erfolg des Films alleine an Stevens festzumachen, würde anderen grandiosen Aspekten des Streifens Unrecht tun. Maika Monroe beweist sich nach ihrer überzeugenden Performance in It Follows als ein Rising Star mit einer großen Karriere vor sich und kann David gekonnt Paroli bieten. Doch die Inszenierung des Films ist der eigentliche Star hier. Wie schon bei You’re Next bedienen sich Wingard und Barrett einiger klassischer Genre-Klischees, um ihnen in letzter Sekunde noch einen kleinen Twist zu verleihen. Man kann die Figuren des Films als Schablonen sehen, die mein Kollege es tat, oder man sieht sie als Genre-Archetype, wie das von den Machern vermutlich beabsichtigt war. Das Geschehen wird sehr flott gehandhabt. David erhält keine großartige Vorgeschichte und das ist auch gut so. Er ist einfach eine unaufhaltsame Naturgewalt. Unterlegt mit einem genialen Synthie-Score kulminiert der Streifen in einem stylischen Showdown in einem Halloween-Labyrinth und glänzt mit dem vermutlich besten Schlusszitat des Jahres. The Guest ist stylisch, sexy, cool, ironisch und vor allen Dingen macht er unglaublich viel Spaß. 4,5/5

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Das war’s mit den Fantasy Filmfest Nights 2015. Ich hoffe Ihr hattet beim Lesen meiner Kurzrezensionen genau so viel Spaß, wie ich beim Schreiben. Im Sommer werden wir natürlich wieder mit dem Tagebuch zum Haupt-Festival zurück sein.

Bisherige Ausgaben:

Fantasy Filmfest Nights 2015 – Tag 1

Baymax – Riesiges Robowabohu (2014)

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Baymax (2014) Filmkritik

Big Hero 6, USA 2014 • 102 Min • Regie: Don Hall, Chris Williams • Mit Originalstimmen von: Scott Adsit, Ryan Potter, Jamie Chung, T.J. Miller, Genesis Rodriguez, Damon Wayans Jr., Alan Tudyk • FSK: ab 6 Jahren • Kinostart: 22.01.2015 • Deutsche Website

Handlung

Der technikbegeisterte Roboter-Liebhaber Hiro aus der futuristischen Stadt San Fransokyo muss sich nach einem schweren Verlust der wohl größten Aufgabe seines jungen Lebens stellen. Als sich eine mysteriöse Bedrohung in seiner Heimatstadt anbahnt, bilden Hiro und der liebevolle Knuff-Roboter Baymax mit ihren Freunden eine High-Tech-Superhelden-Gruppierung, um das Böse zu bekämpfen…

Kritik

Auch das Animations-Genre bleibt nicht unberührt von dem Superhelden-Hype und so schnappte sich niemand Geringeres als Disney die Rechte für die fast komplett unbekannte Comic-Reihe „Big Hero 6“. Fernab vom Marvel Cinematic Universe verschlägt es uns diesmal in die abgedrehte und knallige Mischung aus San Francisco und Tokyo („San Fransokyo“), die den außergewöhnlichen visuellen Spagat des Films – zwischen frischer Manga- und gewohnter Comic-Optik – noch einmal unterstreicht, und in der das junge Superhirn Hiro Hamada (im Original gesprochen von Ryan Potter) bei seiner Tante lebt. Dies tut er zusammen mit dem knuffigen, von seinem Bruder entwickelten Gesundheitsroboter Baymax (Scott Adsit, in deutscher Fassung Bastian Pastweka), der versucht, Hiro nach einem tragischen Ereignis wieder aufzumuntern und ihn mit seinen Freunden zusammenzuführen.

Baymax (2014) Filmbild 1Dabei ist der Film zuweilen so traurig, dass es einem schwerfällt, in der Schnelligkeit des Films wieder aus diesem emotionalen Loch herauszukommen und Spaß an den Witzen zu haben. Das liegt weniger daran, dass es wirklich niederschmetternd ist, sondern weil man solch einen emotionalen Einschlag in einem Film wie diesem nicht unbedingt kommen sieht. Nicht mehr ganz so überraschend, aber trotzdem effektiv wirken die – im Gegensatz zum restlichen, leider sehr vorhersehbaren Film – Handlungen und Emotionen des kleinen Genies Hiro im weiteren Verlauf. Wirklich spaßig anzusehen ist die Freundschaft, die sich zwischen ihm und Baymax entwickelt. Der große, knuddelige Sympathieträger sorgt dabei durchgehend für Unterhaltung, auch wenn sich der Film nicht einfach auf ihm ausruht. Neben ihm und Hiro sind auch die vier anderen Charaktere interessant gestaltet und sorgen durch ihre Unterschiedlichkeiten für die nötige Abwechslung.

Baymax (2014) Filmbild 2Zusammen wollen die fünf Nerds und der Roboter nun gegen den unheimlichen Bösewicht vorgehen und stürzen sich so in ein zwischen Disney-typischer Lockerheit und an „The Avengers“ erinnernder Marvel-Ernsthaftigkeit sehr gekonnt ausbalanciertes Abenteuer. Hier funktioniert der Film wohl am besten. Das gute Zwischenspiel der Figuren lässt den zwar eher kindlichen aber zuckersüßen Humor durch gutes Timing nicht langweilig werden. Hiro sorgt durch das technische und ästhetische Aufbessern von Baymax für viel Spaß und das starke 3D, sowie die detailverliebte Ausgestaltung der fiktiven Stadt werden in ihrem Potential voll und ganz ausgenutzt. Die Begegnungen mit dem finsteren Bösewicht sind sehr actionreich und reißen den Zuschauer mit.

Während der Film bis etwas über die Hälfte hinaus aber noch genau weiß, wo seine Stärken liegen, und er diese gut in Szene setzt, hält er sich danach einige Male zu oft mit aufgezwungen ernsten Actionszenen und Superhelden-Quatsch auf, wodurch am Ende alles in einer (wer hätte es gedacht) großen Schlacht endet, die nur so vor Marvel-Einfluss trieft und mit einem viel zu kitschigem und vorhersehbaren „Hach ja“-Moment ausgeht. Den aufgebauten positiven Eindruck kann er aber zum Glück auch dadurch nicht vermiesen.

Fazit

„Baymax – Riesiges Robowabohu“ sticht mit Mut aus der Masse der Superhelden-Filme heraus, verliert sich zum Ende hin aber doch zu sehr in gerade diesem Einheitsbrei. Ansonsten kann er mit seiner Andersartigkeit in Bezug auf Disney und Marvel-Filme überzeugen. Animationsfans werden sich an der Detailsverliebtheit nicht sattsehen können, Kinder werden ein unglaublich spaßiges Abenteuer erleben und auch Erwachsene sowie Marvel-Verächter, kommen total auf ihre Kosten. Übrigens lohnt es sich mal wieder nach dem Hauptfilm sitzen zu bleiben, denn wie in jedem Marvel-Film gibt es auch hier wieder eine Post-Credit-Szene mit einem ganz besonderen Cameo.

Trailer

Shaun das Schaf – Der Film: Shauntastische Fanpakete zum Kinostart!

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Shaun das Schaf Gewinnspiel

Määäähhh!

Die Knetfilmschmiede Aardman hat es wieder einmal geschafft! Nachdem sie 2005 Wallace und Gromit auf ihr erstes Langfilm-Abenteuer mit großem Erfolg (und einem gewonnenen Oscar) in die Kinos geschickt haben, feiert jetzt eine weitere Kultfigur von Aardman ihr Leinwanddebüt. Shaun das Schaf erobert 20 Jahre nach seinem ersten Auftritt in einem Wallace-&-Gromit-Kurzfilm die Kinos! Ab morgen (19.03.) wird das größte Abenteuer von Shaun, Bitzer, Tommy und Farmer auch in den deutschen Kinos zu sehen sein und wir können verraten: es lohnt sich für Jung und Alt!

Shaun das Schaf Gewinnspiel NICIAus diesem Anlass verlost Filmfutter mit freundlicher Unterstützung von Studiocanal Germany und NICI zwei shauntastische Fanpakete zum Film. Diese beinhalten eine Filmdose mit zwei bundesweit einsetzbaren Kinofreikarten, eine Shaun-Plüschfigur von NICI und ein Original-Filmplakat zu Shaun das Schaf – Der Film. Die Abbildungen zu den Preisen findet Ihr unten.

Shaun das Schaf Gewinnspiel Plüschfigur Shaun das Schaf Gewinnspiel Filmdose Shaun das Schaf Gewinnspiel Poster

Um am Gewinnspiel teilzunehmen, beantwortet einfach nachstehende Frage und hinterlegt bitte zwecks Zusendung der Gewinne eure Kontaktdaten. Eure Daten werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Viel Glück!

In welchem "Wallace & Gromit"-Kurzfilm trat Shaun erstmals auf?

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Einsendeschluss ist am Mittwoch, den 25. März 2015.

Teilnahmeberechtigt sind nur volljährige Personen mit Wohnsitz in Deutschland. Es ist nur eine Teilnahme pro Person möglich. Unvollständige Bewerbungen können leider nicht berücksichtigt werden. Die Mitarbeiter von FILMFUTTER sind von der Verlosung ausgeschlossen.

Viel Glück!

Filminfos:

"Shaun treibt mal wieder gehörigen Unfug, woraufhin es den Bauern ungewollt in die Großstadt verschlägt. Sofort machen sich Shaun und die Schafherde zusammen mit Hund Bitzer auf den Weg, um den Bauern zu retten. Und damit sind die Weichen für ein heldenhaftes Abenteuer gestellt… Eine Geschichte darüber, dass wir manchmal das Wichtigste im Leben vergessen: die Dinge, die wir haben, und die Menschen, die uns lieben, zu schätzen."

Copyright: Bilder und Videomaterial © 2015 Studiocanal

Wyrmwood: Road of the Dead (2014)

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Wyrmwood: Road of the Dead (2014) Beitragsbild

Wyrmwood: Road of the Dead, AU 2014 • 98 Min • Regie: Kiah Roache-Turner • Mit: Jay Gallagher, Bianca Bradey, Leon Burchill, Keith Agius, Catherine Terracini, Luke McKenzie  • FSK: n.n.b. • Kinostart: n.n.b. • Internationale Webseite

Platz da! Hier kommt „Wyrmwood: Road of the Dead“ angerauscht und als Zugluft pfeift es frische Trash-Ideen für das beinah ausgelutschte Zombie-Genre. Indie-mäßig in Low-Budget-Eigenregie finanziert, frönt Regisseur Kiah Roache-Turner in dieser Verbeugung vor „Max Max“ und George A. Romeros so wie Zack Snyders Version aus „Dawn of the Dead“ eben diesen Vorbildern. In vier Jahren an den Wochenenden gedreht (teilweise besteht der Cast aus Bekannten des Regisseurs), ist dabei ein rassiger B-Movie-Trash geworden, der stilistisch sicher inszeniert wurde und bei dem Zuschauer die Zuneigung der Macher (Regisseur und Drehbuchautor sind Geschwister) zu ihrem eigenen Produkt spürt. Das Sequel ist schon angekündigt. Zombiefans warten voller Hoffnung und Vorfreude, dass es nicht weitere vier Jahre dauert und vielleicht die eine oder andere kleine Leerlauf-Splattereinlage herausfällt. Die Finanzierung sollte bestimmt kein riesiges Problem mehr darstellen.

Wyrmwood (2014) Filmbild 1Nach einem vorbeiziehenden Meteoritenschauer geht in Australien alles drunter und drüber. Familienvater Barry (Jay Gallagher) wird in dieser Nacht von seiner Tochter geweckt, weil sie jemanden in der Küche hört. Es dauert nicht lange, da befinden sich Frau, Tochter und Ehemann auf der Flucht vor bissigen Zombiehorden. Barry muss seine Familie letztendlich von dem primitiven Zombiedasein erlösen, hat danach aber keine Munition mehr, um sich selbst zu erschießen. Also macht sich Barry auf die Suche nach seiner Schwester Brooke (Bianca Bradey). Unterwegs trifft er kauzige Mitstreiter wie den Aborigine Benny (Leon Burchill). Die Schwester sitzt mittlerweile gefesselt in einem fahrbaren Labor und wird von einem irren Wissenschaftler in seine Experimente verwickelt. Diese Experimente statten Brooke mit neuen Fähigkeiten aus, die sie für ihre Flucht nutzen kann.

Wyrmwood: Road of the Dead (2014) Filmbild 2Schade eigentlich, dass man die originellen Ideen, um das nahezu tote Image des Zombiegenres aus der Schockstarre zu defibrillieren, spoilern muss. Irgendwie muss die Rechtfertigung für die relativ hohe Wertung schließlich herkommen. Wer sich komplett überraschen lassen möchte, sollte vielleicht einfach den Film anschauen, ohne das hier zu lesen. Auf geht’s: War es in „Mad Max“ noch das Lebenselixier namens Benzin, so zitiert „Wyrmwood: Road of the Dead“ nicht nur diese Prämisse, sondern pervertiert sie regelrecht. „No Zombies, no truck!“ heißt es dann, denn die Zombies stoßen aus ihrem Rachen tagsüber eine Art Gas aus. Prompt werden auf der Ladefläche des Trucks Zombies wie Benzinkanister mitgeschleppt und angezapft. Benzin verlor nämlich durch den Meteoritenschauer seine brennbare Eigenschaft. Keine Sorge, damit sind längst nicht alle Filmzitate abgearbeitet. Auch die comichaften Typen entspringen dem jugendlichen Verzehr von Graphic Novels des kreativen Regisseurs. Ein irrer, spleeniger Wissenschaftler im gelben Biohazard-Anzug tüftelt in einem fahrbaren Labor an Zombies und Menschen herum. Die runde Schutzbrille sieht dabei aus wie Froschaugen und er braucht einen beschwingten Soundtrack bei seiner Arbeit. Hier gab es mit Recht gute Lacher während der Fantasy Filmfest Nights. Die hektischen Schnitte, die gedämmte Farbgebung, ein bisschen verdreckte Eishockey- und Motocrossprotektoren, die Kunstblut- und CGI-Gedärmsplatterei sorgen für einen astreinen coolen, postapokalyptischen Look. Eingedenk, dass es sich um einen Film handelt, der absolut „Indie“ produziert wurde, eine beachtliche Leistung.

Wyrmwood: Road of the Dead (2014) Filmbild 3Zum Glück fällt „Wyrmwood: Road of the Dead“ nicht auf sich selbst herein, indem der Film sich zu ernst nimmt. Slapstick, Over-Acting (der Wissenschaftler) und schwarzhumoriges Augenzwinkern gibt es genug, um diesen fatalen Fehler nicht ansatzweise zu begehen. Die Taktzahl ist stets erhöht, sodass nur selten Momente der kurzen Langeweile auftreten. Man kann Zombies anscheinend (wer weiß, was noch kommt) auf derart mannigfaltige Arten unschädlich machen, sodass es nonstop krass aussieht. Trotzdem versuchen die Macher auf die härteren Vorlieben der Fans einzugehen. Die Gewalt ist nicht blickdicht oder bis zum Hals hoch geschlossen, nein. Hier wird gehackt, zermatscht, zum Explodieren gebracht und verbrannt. Wer Lust auf einen sehenswerten, blutigen, dreckigen Zombiestreifen mit australischem Akzent hat, kann hier getrost zuschauen.

Trailer

Fantasy Filmfest Nights 2015 – Tag 1

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Fantasy Filmfest Nights 2015 Tag 1

Liebe Filmfutter-Fans,

es geht los! Wir beginnen abermals mit unserem alljährlichen Tagebuch zu den Fantasy Filmfest Nights, dem Frühjahr-Ableger des großen Festivals im Sommer. Haben wir letzten Sommer noch 12 Tage lang vom Festival berichtet, wird’s diesmal kurz und knackig. Auf dem 2-Tages-Programm stehen neun Filme. Die Eindrücke am ersten Tag: gemischt. Es fing überraschend stark an, doch es war auch der frühe Höhepunkt des Tages, nach dem es unaufhaltsam nach unten ging, bis der Tag mit einem (wenig überraschenden) Reinfall beendet wurde. Unten stelle ich die vier gesehenen Filme mit Kurzkritiken im Einzelnen vor.

TAG 1

Cub

Fantasy Filmfest Nights 2015 Tag 1 Cub KurzkritikDie Franzosen haben es mit ihrer Horrorwelle im letzten Jahrzehnt eindrucksvoll vorgemacht und nun zeigen auch die Belgier, dass sie ihren gallischen Nachbarn in nichts nachstehen. Cub machte mich ein wenig traurig. Nicht weil er enttäuschend oder gar schlecht war. Im Gegenteil, er war die vielleicht positivste Überraschung der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights. Nein, der Film machte mich ein traurig, weil während ich ihn genoss, mir bewusst wurde, dass ein solcher Film nie aus Deutschland kommen würde. Dabei gibt es eigentlich nichts, was dies verhindern sollte. Horrorfans gibt es bei uns zuhauf, besonders üppig dürfte das Budget das Films nicht gewesen sein und es gibt darin nichts, aber auch rein gar nichts, was nicht theoretisch auch bei uns hätte gemacht werden können. Dennoch ist mir bewusst, dass ein so unterhaltsamer und durchaus auf dem Niveau seiner englischsprachigen Vorbilder inszenierter Streifen einfach keine deutsche Produktion sein könnte. Aber vielleicht ist es auch einfach ein Teufelskreis und es sind Gedanken wie die meinen, die Filmemacher davon abhalten, ein Projekt wie dieses zu wagen.

Cub ist beileibe nicht originell, was seine Handlung betrifft und das will er auch nicht sein. Ein wenig High Tension hier, ein wenig Wilderness da – die Vorbilder waren bei der Zutatensuche klar, doch das fertige Gericht hat trotzdem eine eigene Geschmacksnote. Die Handlung ist schnell erzählt. Eine Pfadfindertruppe fährt in den Wald, die nicht sonderlich verantwortungsbewussten erwachsenen Leiter erzählen die Lagerfeuer-Legende vom Werwolfjungen Kai und schon bald fließt Blut. Doch lasst Euch vom Titel nicht in die Irre führen – Werwölfe gibt es in Cub nicht. Der Horror ist real und macht weder vor Kindern noch vor Tieren halt. Freunde von ausgeklügelten Todesfallen à la Final Destination kommen hier auf ihre Kosten. Erfrischend ist auch, dass bei einem Horrorfilm wie diesem der Fokus voll und ganz auf den Kindern liegt. Bei Kinderdarstellern ist es ein Risiko und tatsächlich sind die meisten kindlichen Figuren lediglich eindimensionale Abziehbilder (mobbende Kids, ein nerdiger, netter Brillenträger). Doch zum Glück überzeugt Maurice Luijtens als Sonderling Sam sogar in etwas psychologisch fragwürdigen Momenten des Films. Beim letzten Fantasy Filmfest hat Among the Living sich als eine Hommage an Stephen King und die Mystery- und Gruselfilme der Achtziger versucht, in denen Kinder stets im Mittelpunkt standen. Gelang das dem französischen Film lediglich in seiner ersten Hälfte, funktioniert Cub wunderbar über seine gesamte Laufzeit, bei der die Spannung langsam, aber sicher aufgebaut wird und bis zum Ende nicht nachlässt.

Darüber hinaus lässt sich aber auch eine ganz besondere länderspezifische Komponente dem Film abgewinnen, die einen daran erinnert, dass Belgien ein zweigeteiltes Land ist. Dass die Filmemacher nicht gerade frankophil sind, lässt sich nämlich schwer leugnen. Es gibt insgesamt vier Frankobelgier in Cub: zwei Jogginganzug-tragende Assis, einen pummeligen, unfähigen Polizisten und, ähm, den Killer. Ob das eine Aussage in sich trägt, könnt Ihr selbst entscheiden. 4/5

Automata

Fantasy Filmfest Nights 2015 Tag 1 Automata KurzkritikRoboter und künstliche Intelligenz faszinieren Filmemacher und Kinogänger seit den Anfängen des Kinos. Von Maria aus Fritz Langs Metropolis über den Terminator und die Replikanten von Blade Runner bis zu den Hubots aus der schwedischen Serie "Real Humans" oder Chappie aus dem gleichnamigen Film von Neill Blomkamp, der aktuell in unseren Kinos läuft, hat die Vorstellung einer Maschine mit eigenem Bewusstsein die Menschen seit jeher gleichermaßen fasziniert und beängstigt. Entgegen den Vorhersagen von Sci-Fi-Filmen der Siebziger und Achtziger leben wir immer noch nicht in einer Gesellschaft, in der Roboter im Alltag gang und gäbe sind, obgleich künstliche Intelligenz und Computer enorme Fortschritte gemacht haben. Vielleicht ist das gerade der Grund, weshalb diese Faszination noch immer existiert und es aktuell eine neue Welle an Roboter-Filmen gibt. Da ist neben Chappie auch Alex Garlands Ex Machina, der noch dieses Jahr in die Kinos kommt. Steven Spielberg arbeitet immer noch an Robopocalypse und auch der Terminator kündigt seinen fünften Kinobesuch an. In die gleiche Kerbe schlägt auch Automata, ein Film des Spaniers Gabe Ibáñez (Hierro – Insel der Angst), doch leider fügt er diesem Subgenre auch rein gar nichts Neues hinzu und wandelt auf ausgetretenen Pfaden, ohne dabei besonders aufregend oder spannend zu sein.

Im Jahre 2044 ist die Erde eine radioaktive Wüste, nachdem Sonneneruptionen sie verbrannt und 99,7% der Menschheit dahingerafft haben. Der Rest lebt in deprimierenden, von der Sonnenstrahlung kläglich geschützten Städten, dessen Design durchaus an Blade Runner erinnert. Die alltäglichen Dinge und stumpfe Arbeiten werden von den Automatas verrichtet, Robotern, die von der ROC Corporation erstellt werden. Damit diese nicht auf die Idee kommen, die Weltherrschaft zu übernehmen, schnitt man sich eine Scheibe von Asimov ab und stattete die Maschinenmenschen mit zwei unveränderlichen Sicherheitsprotokollen aus: sie dürfen keinem Lebewesen Schaden zufügen (bzw. müssen Schaden an Lebewesen aktiv verhindern) und sie dürfen keine Änderungen an sich vornehmen (also auch keine Reparaturen). Würden diese Protokolle immer funktionieren, hätten wir natürlich keinen Film, doch das tun sie nicht und so stürzt sich der Versicherungsagent Jacq Vaucan (Antonio Banderas) widerwillig in ein Abenteuer, das den Lauf der Menschheit verändern könnte.  Jedenfalls lässt der Film uns das glauben, doch die Konsequenzen werden einem nie wirklich bewusst und so erscheinen die Handlungen diverser Charaktere, insbesondere derer, die die intelligenten Roboter und Jacq schon bald jagen, als schlicht irrational.

Der Film beschäftigt sich mit den großen Fragen: Was ist das Leben? Ist der Tod wirklich schlimm? Wohin führt uns der Weg auf dieser Erde? Was ist Bewusstsein? Dabei hält er sich sicherlich für außerordentlich intelligent, doch es gibt keine Ansätze hier, mit denen sich nicht bereits andere, bessere Filme ausführlich beschäftigt hätten. So ahnt man eigentlich die ganze Zeit, wohin die Reise führt und die angeblichen Wendungen überraschen wohl nur absolute Genre-Neulinge. Belohnt wird man dafür mit der besten Banderas-Performance seit langer Zeit und einer sehr starken Filmoptik. Bedenkt man, dass hier nur ein Bruchteil des Budgets von Filmen wie Chappie u. ä. zur Verfügung stand, muss man den Hut vor dem Regisseur und dem Effekte-Team ziehen, jedoch nicht vor den Drehbuchautoren, die Tiefe und Charakterentwicklung durch Plattitüden abgedeckt haben wollen.  3/5

A Girl Walks Home Alone at Night

Fantasy Filmfest Nights 2015 Tag 1 A Girl Walks Home KurzkritikBad City ist der bezeichnendste Städtename seit Sin City. Es ist eine gottverlassene iranische Geisterstadt (gedreht wurde in Kalifornien!) mitten im Nirgendwo. Hier lebt Arash (Arash Marandi). Arash hat Träume, doch seine Träume haben in Bad City keine Zukunft. Sein Vater ist heroinsüchtig und beim lokalen Dealer (Dominic Rains), der das Gesetz von Bad City repräsentiert, hoch verschuldet, weshalb Arash kurzerhand seinen geliebten 56er Ford Thunderbird an ihn verliert. Für die junge reiche Frau, in deren Haus der schüchterne und fromme Arash arbeitet, ist er nicht mehr als ein Spielzeug. Doch Arashs Leben wird sich schon bald ändern, denn er trifft ein mysteriöses Mädchen mit Kopftuch (Sheila Vand), das nachts durch die Straßen von Bad City streift und ein neues Gesetz in die Stadt bringt.

Ana Lily Amirpurs Regiedebüt erinnert stark an die Werke von Jim Jarmusch (der sich selbst mit Only Lovers Left Alive kürzlich an Arthouse-Vampiren versucht hat), mit leichten Anflügen von David Lynch. Es ist ein Film, der durch seine einprägsamen, traumähnlichen Schwarzweiß-Bilder und seinen eigenwilligen, aber sehr passenden Soundtrack lebt, doch ähnlich wie bei Jarmuschs letztem Film und im Kontrast zu So finster die Nacht mangelt es hier an der emotionalen Komponente, sodass ich mich als Zuschauer nie wirklich auf die Beziehung zwischen Arash und dem Vampirmädchen einlassen konnte. Da aber abgesehen von dieser Beziehung in dem Film sonst nicht viel passiert, wirkt er trotz der 99-minütigen Laufzeit streckenweise recht zäh. Letzten Endes bleibt der Film für mich ein interessantes Experiment, das mit Sicherheit einige große Anhänger haben wird, doch in den Annalen der Vampirfilm-Geschichte wird er nur eine Fußnote bleiben. Ein Lob geht allerdings an die Filmkatze, den besten Stubentiger in einem Film seit Odysseus in Inside Llewyn Davis3/5

The Lazarus Effect

Eins, zwei, Olivia Wilde kommt vorbei…

Fantasy Filmfest Nights 2015 Tag 1 The Lazarus Effect KurzkritikWissenschaftler sollten nicht Gott spielen und Tote sollte man im Totenreich lassen. Diese bittere Lektion musste bereits Viktor Frankenstein lernen und zahllose Horrorfilme haben sie über die Jahre wiederholt. Die Protagonisten von The Lazarus Effect haben diese Filme scheinbar nicht gesehen, als sie ihr Serum entwickelt haben, mit dessen Hilfe (und einem starken Stromschlag, weil das immer gut ist) Verstorbene zurückgebracht werden können. Hingegen haben Regisseur David Gelb und die Autoren Jeremy Slater und Luke Dawson sehr viele dieser Horrorfilme gesehen, haben sie sich doch scheinbar bei jedem einzelnen davon bedient, als sie The Lazarus Effect zusammengestellt haben. Um ehrlich zu sein, gibt es kaum eine Szene aus dem Film, kaum eine Plotwendung, die nicht einem anderen Genrefilm entrissen scheint. Über eine Hommage geht das weit hinaus, denn hier wird nicht mit den Augen gezwinkert und es wird auch keinem Vorbild gehuldigt. Nein, hier wird schamlos geklaut, was das Zeug hält. Die größte Ironie ist hier unfreiwilliger Natur: The Lazarus Effect entspricht seiner Thematik und ist selbst ein filmisches Frankensteins Monster, das aus Versatzstücken anderer Filme zusammengesetzt wurde. Doch davon funktioniert leider wenig so recht…

Nachdem das Projekt der eingangs genannten Wissenschaftler von der Uni auf Eis gelegt wird und ein Pharmakonzern alle Daten konfisziert, startet die Truppe einen verzweifelten Versuch, das Experiment, mit dessen Hilfe sie einen Hund erfolgreich wiederbelebt haben (dass dieser Hund so "normal" wirkt wie die Katze aus Friedhof der Kuscheltiere wird von ihnen bequem außer Acht gelassen), nachzumachen. Es geht schief, Zoe, die Verlobte des leitenden Wissenschaftlers, stirbt und wird natürlich von ihm prompt zurückgeholt. Ihr habt’s erraten – es war keine gute Idee. Die neue Zoe tritt in die Fußstapfen von Scarlett Johanssons Lucy und entwickelt mit 100% ihrer Hirnkapazität ungeahnte und gefährliche Kräfte, die der Film auch noch pseudo-wissenschaftlich zu erklären versucht. Ab diesem Zeitpunkt bedient sich The Lazarus Effect bei anderen Filmen, was das Zeug hält: Flatliners, Lucy, Friedhof der Kuscheltiere, Re-Animator und sogar Nightmare on Elm Street müssen herhalten, wenn Olivia Wilde durchdreht und ihren Kolllegen den Garaus macht.

Die Besetzung des Films, größtenteils bestehend aus bekannten Serienstars wie Wilde ("Dr. House"), Mark Duplass ("Togetherness"), Evan Peters ("American Horror Story"), Donald Glover ("Community") und Sarah Bolger ("Once Upon a Time"), kann sich sehen lassen und Bolger, an die ich mich noch als kleines und überaus talentiertes Mädchen in Jim Sheridans In America erinnere, macht sich gut als Scream Queen. Auch Ray Wise stattet einen kurzen Besuch ab und holt sich den Scheck, um seinen nächsten Ulruab zu bezahlen. Die Inszenierung ist reiner Hochglanz mit ein wenig mehr CGI-Effekten als nötig. Das größte Problem neben dem Ideenklau ist, wie unspannend das Ganze eigentlich ist. Das liegt primär daran, dass man wirklich jeden einzelnen Jump Scare – und der Film setzt ausschließlich auf diese – im Voraus erahnen kann. Das Licht flackert und man weiß, dann irgendwann plötzlich Olivia Wilde hinter einem der Charaktere steht. Jemand schaut unter den Tisch und man weiß, dass sobald er sich wieder hochrappelt, etwas Böses auf ihn wartet. Schwupps und so kommt es auch. Dass generelle Plotstrukturen in Horrorfilmen vorhersehbar sind, finde ich nicht schlimm. Nicht jeder Genrebeitrag kann das Rad neu erfinden und der Weg kann ja auch das Ziel sein. Wenn aber jeder einzelne Meter dieses Weges ebenfalls einem bekannt vorkommt, dann ist es ein Problem und solche Probleme hat The Lazarus Effect in Massen. Eine vertane Chance.  1,5/5

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Am zweiten Tag der Fantasy Filmfest Nights wird es mit fünf Filmen weitergehen. Dabei sind australische Zombies, spanische Seriekiller, Walrossmenschen, ein italienisches Monstermädchen und ein ungebetener Gast. Schaut vorbei und erfahrt, wie ich Marshland, Spring, Wyrmwood, Tusk und The Guest fand. Eins sei an dieser Stelle verraten: einer der fünf ist das unumstrittene Highlight der diesjährigen FFF Nights gewesen.

Zum Tod von Richard Glatzer – Ein Plädoyer

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© Danny Moloshok/Reuters

© Danny Moloshok/Reuters

Richard Glatzer, Co-Regisseur von Still Alice – Mein Leben ohne gestern, ist tot. Wie seine Familie mitteilte, endete sein Leben mit der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) vergangenen Dienstag. Glatzer wurde 63 Jahre alt und hinterlässt neben anderen seinen Ehemann und Co-Regisseur Wash Westmoreland. Darüber hinaus  hinterlässt er der Welt Still Alice, die feinfühlige Verfilmung des Romans von Lisa Genova über eine Mutter, die mit einer frühen, aggressiven und erblich bedingten Form von Alzheimer zurecht kommen muss. Glatzer und Westmorelands Film ist ein wichtiger Beitrag zu einem offeneren und besseren Umgang mit dieser und ähnlichen Krankheiten. Deswegen ist es schade, wie wenig mediale Aufmerksamkeit seinem Schicksal und seinem Schaffen zuteil wird.

Schon während der Dreharbeiten verlor Glatzer in Folge seiner Erkrankung die Fähigkeit zu sprechen. Er verständigte sich durch eine Sprachsoftware mit den Schauspielern. Hauptdarstellerin Julianne Moore sagte in einem Interview mit Inidiewire:

In light of what we were doing on the movie, you think it’s going to be challenging at first and it ends up not being that challenging. […] He [Glatzer] was pretty eloquent with how he wrote and how he communicated emotionally. It forced us to think about what’s real because Richard and Wash are experiencing another form of what’s happening in this movie.

(In Anbetracht dessen, was wir mit diesem Film erreichen wollten, dachten wir zuerst es würde schwierig werden, unter diesen Bediengungen. Am Ende war es das nicht wirklich. […] Er [Glatzer] war sehr eloquent in seiner Schreibweise, genauso wie er auf einer emotionalen Ebene kommunizierte. Es hat uns gezwungen über die Wirklichkeit nachzudenken, denn Richard und Wash erleben eine andere Form dessen, was im Film passiert.)

Der körperliche Verfall von Glatzer schritt ebenso rasant fort, wie der geistige Zerfall von Alice im Film. Zwei Tage vor der Oscar-Verleihung 2015 wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert. Den Triumph von Moore in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin" verfolgte er vom Krankenbett aus. Zu diesem Zeitpunkt konnte er sich nur noch über eine spezielle Apparatur verständigen, die er mit seinem großen Zeh bediente.

Am selben Abend, als Moore ihren ersten Oscar entgegennahm, ehrte die Academy außerdem Eddie Redmayne in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" für seine Rolle und sein Spiel in Die Entdeckung der Unendlichkeit. Der Brite verkörpert darin den Physiker Stephen Hawking – ein weiterer großer Geist, der sein Leben mit ALS bestreitet. Außerdem ist Hawking ein leuchtendes Beispiel dafür, dass ein ALS-Patient nicht bloß "der Kranke" ist, sondern auch Ehemann, Vater, Genie. Oder eben, im Fall von Glatzer, Ehemann und Regisseur.

Ein trauriger Zufall ist es, dass vor wenigen Tagen der Fantasy-Autor und Scheibenwelt-Schöpfer Terry Pratchett an den Folgen seiner Alzheimer-Erkrankung verstarb. Zu Lebzeiten diktierte er seine letzten Bücher Ghostwritern und setzte sich intensiv mit dem Thema Sterbehilfe auseinandern.

Die beiden Krankheiten haben von ihrer Natur her wenig miteinander zu tun – eine greift hauptsächlich den Körper, die andere hauptsächlich den Geist an – doch Betroffene und Angehörige stellen sie vor ähnliche Herausforderungen. Wie geht man damit um, wenn der Mensch, den man kennt und liebt sich unaufhaltsam verändert, stets auf Hilfe angewiesen ist, aber dennoch nicht als hilfsbedürftig oder Pflegefall angesehen werden will?

Darum dreht sich Still Alice, ein Film der seine Geschichte aus der Sicht der Erkrankten erzählt. Durch ihre Augen sehen wir, wie sich die Welt und die Menschen um sie herum schleichend verändert. Am eindrücklichsten sind die Szenen, in denen Menschen über sie, aber nicht mit ihr Reden. Einzig Tochter Lydia (die wundervolle Kristen Stewart) stellt die entscheidende Frage: "Wie fühlst Du Dich? Wie fühlt es sich an?"

Sowohl ALS als auch Alzheimer sind allgegenwärtig. Doch im Gegensatz zu beispielsweise Krebs findet eine gesellschaftliche Auseinandersetzung damit so gut wie nicht statt. In Still Alice gibt es einen verbitterten Verweis darauf, wenn Alice niedergeschlagen seufzt, sie hätte lieber Krebs. Mit einem Tumor könnte sie sich wenigstens unter Leute wagen. Vor einem Geschäftsessen ist sie zuvor geflohen. Zu groß ist ihre Angst, sie könnte sich blamieren oder – wahrscheinlich viel schlimmer – mit falschem Mitleid bedacht werden, wenn sie an einfachsten Aufgaben scheitert.

Vor einem Jahr wurde Youtube mit Videos von Menschen geflutet, die sich Eiswasser über dem Kopf kippen. In der Hoffnung auf fünf Minuten Internet-Ruhm und vielleicht auf eine Wunderheilung von ALS. Die blieb aus. Genau so wie die Stimmen derer – darunter viele Betroffene – die Kritik an der Aktion verlauten ließen, weitgehend unbeachtet blieben.

Unbeachtet dürfte auch Still Alice bleiben. Trotz Oscar-Gewinns, läuft der Film nur in vergleichsweise wenigen Städten (105 laut Insidekino zum Vergleich, zynischer Action-Quatsch wie Kingsman: The Secret Service freut sich über Beachtung in 440 Städten). Das ist schade, entgeht uns so die Chance, einen wichtigen Beitrag zum Umgang mit tatsächlichen Problemen wahrzunehmen. Kino kann, sollte, ja, vielleicht sogar, muss mehr leisten als kurzweilige Zerstreuung. Still Alice und seine Macher leisten dies vor und hinter der Leinwand.

Die Presse – und wir als Leser – interessieren uns aber scheinbar nicht dafür. Wir sind Charlie, wir weinen um Robin Williams und schniefen über einem großen Eimer Popcorn Anfang kommenden Monats über den (ohne Frage: tragischen) Tod von Paul Walker. Sobald das Licht angeht und die Leinwand weiß wird, ist all das vergessen. Tränen im Regen.

Vielleicht sollten wir die Geschehnisse der vergangenen Tage und Wochen nicht nur als Chance sehen, sondern diese auch ergreifen.

In Gedenken an Richard Glatzer, Terry Pratchett, Robin Williams und Paul Walker.

The Guest (2014)

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The Guest (2014) Beitragsbild

The Guest, USA 2014 • 99 Min • Regie: Adam Wingard • Mit: Dan Stevens, Maika Monroe, Leland Orser, Sheila Kelley, Brendan Meyer, Lance Reddick  • FSK: ab 18 Jahren • Verleih: Splendid Film • Heimkino-Start: 24.04.2015 • Internationale Webseite

90% auf Rotten Tomatoes, 6,7 Punkte auf IMDb, bei uns nur 1,5/5 Sterne. Wie kann das sein? Ganz einfach erklärt, sollten Kritiken persönliche Empfehlungen oder Warnungen aussprechen. Niemals sollten Kritiken in das derart anmaßende, militante Herausposaunen von absoluten, unumstößlichen Meinungsbildern abgleiten. So ist es auch mit „The Guest“. Nicht abschrecken lassen und ruhig eine eigene Meinung bilden. Viele Menschen fanden den düsteren Thriller mit dem charismatischen Dan Stevens in der Hauptrolle und seinem 80er Retro-Synthie-Soundtrack echt dufte. Die Gegenmeinung stützt sich auf das zu durchsichtige Drehbuch von Simon Barrett und der dadurch zu generischen Umsetzung von „You’re Next“ (übrigens super) Regisseur Adam Wingard. Um als huldvolle Hommage durchzugehen, gerät leider einiges zu stark unter die Räder. Das kann dann auch der stylische Soundtrack (Erinnerung an Drive), die süße Maika Monroe oder der coole Dan Stevens nicht mehr wettmachen. Trotzdem war es für viele Zuschauer ein sehenswerter Beitrag bei den diesjährigen Fantasy Filmfest Nights.

The Guest (2014) Filmbild 1Der älteste Sohn der Familie Peterson namens Caleb ist im Afghanistan-Einsatz gefallen. Die noch trauernde Familie erhält unerwarteten Besuch von David (Dan Stevens). Der freundliche David stellt sich als ehemaliger Kamerad und Freund des verstorbenen Sohnes vor und möchte der Familie in der Zeit der Trauer beistehen. So lädt Mutter Laura (Sheila Kelley) David für ein paar Tage ein, der sich prompt bei ein paar Bierchen mit Vater Spencer (Leland Orser) anfreundet. Calebs junger Bruder Luke (Brendan Meyer) wird von den Sportskanonen der Schule gemobbt, wessen sich David beflissentlich mit starker Hand annimmt. Tochter Anna (Maika Monroe) hält David für einen scharfen Draufgänger, wird David gegenüber aber zunehmend misstrauisch, wenn sich die ungewöhnlichen Ereignisse im Umfeld der Familie häufen.

The Guest (2014) Filmbild 2Was hat „The Guest“ auf der Plus-Seite? Der Retro-Soundtrack macht schon mal glücklich und Regisseur Adam Wingard komponiert dazu ein paar hochwertige, ansehnliche Bilder und Sequenzen. Dan Stevens meistert die Rolle des süffisant charmanten Soldaten bis zum abgeklärten Killer im Gegensatz zum Rest der Familie (ausgenommen Maika Monroe) gut. Leland Orser und Sheila Kelly sind Bauernopfer ihrer Rollen. Das Drehbuch lässt sie zu gutgläubig und naiv tapsig, nichts ahnend durch das Geschehen herumstolzieren. Ob sie sich im Zuge des Trauerfalls einer klaren Sicht auf die Dinge verschließen und ihr „Glück“ mit dem unbekannten David nicht fassen können, der ihnen von dem verstorbenen Caleb erzählt, bleibt mehr als seltsam und unlogisch. Mobbing-Opfer Luke gibt den klischeehaften Nerd mit Beatles-Frisur und macht leider ebenfalls keine gute Figur, da er hölzern lediglich das Klischee abspult. Maika Monroe holt aus ihrer Figur mehr als das Minimum heraus, da sie diejenige ist, die David nach und nach durchschaut. Dabei darf sie schließlich von anfänglicher Bewunderung bis hin zu Misstrauen, Unbehagen und physischer Gegenwehr einiges mehr zeigen als der restliche Cast der Familie.

The Guest (2014) Filmbild 3Adam Wingard schreibt mit „The Guest“ einen Liebesbrief an vielerlei kultige Genres und zitiert sich munter durch die 70er/80er-Jahre von Slasher-, Action-, Trash- und B-Movies bis hin zur Neuzeit (von „Halloween“ über „Scream“ bis zu Drive). Die anfänglich leise, beklemmende Atmosphäre, als David sich beinah zu glitschig in die Familie einnistet bis hin zu dick platzierten Gewaltexzessen. Das ist echt gut und hat enorm viel Potenzial. Die Geschmacksverirrung findet sich in einem zu vorhersehbaren Drehbuch, dem der Wendungsreichtum fehlt. Die meisten Figuren agieren holprig und unglaubwürdig, als würden sie wie ein Esel einer Möhre folgen, die ihnen vor der Birne rumbaumelt. Das zieht dem ganzen Film die benötigte fiese, nagende Spannung unter den Füßen weg, sodass man eher über manche Dinge wie die blinden, treudoofen Eltern schmunzelt oder manche klassischen Genre-Dialoge als hohle Nuss von einem Dialog abtut. Schade, der Film hat durchaus sexy Momente (wie die Halloween Party in der Mitte) und versaut es doch immer wieder rechtzeitig bis zum großen Finale hin. Ob das Finale eigentlich schon wieder gut ist, weil übertrieben trashig, erschließt sich nur zögerlich. Ein sauberes Zitat aus der Kneipenschlägerei ist dennoch schon jetzt kultig: „Blowjob shots for the ladies and Cosmopolitans for each of the guys.“. Also, nicht entmutigen lassen, denn der Film hat das Zeug, anderen Begutachtern gut zu gefallen.

Trailer

https://youtu.be/YG1ooalDzEM

 

Tusk (2014)

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Tusk (2014) Beitragsbild

Tusk, USA 2014 • 112 Min • Regie: Kevin Smith • Mit: Justin Long, Michael Parks, Haley Joel Osment, Genesis Rodriguez, Johnny Depp, Harley-Quinn Smith, Lily-Rose Depp  • FSK: ab 16 Jahren • Verkaufsstart DVD/BluRay: 07.05.2015 • Internationale Webseite

Kevin Smith, what the fuck?! – war eines der Zitate die den Weg nach Ende des Films in den Gehörgang gefunden haben. Wurde „The Human Centipede“ noch als „100% medical accurate“ beworben, wäre dieser Werbeslogan für Tusk 100% unsinnig. Bei einem spontanen Gedankenspiel während einem seiner eigenen Podcasts jonglierte Regiesseur Kevin Smith mit der Idee von Tusk" herum. Ein bisschen Crowdfunding und das Ding steht. Herausgekommen ist eine bizarre, schwarze Horror-Comedy mit einer famos abgedrehten Idee. Die Idee bleibt allerdings größer als die Umsetzung. Na, interessiert an der Idee? Ein Mann wird nach und nach in ein Walross operiert. Das ist zwar seit Centipede keine riesen Überraschung mehr, aber da Kevin Smith gerne abwegig unterwegs ist, ist es schon eine Hausnummer und dürfte auf den Fantasy Filmfest Nights morbide Vorfreude auslösen. Idee absurd. Film absurd. Absurd kann cool sein. Ist es an sich auch. Leider reicht das nicht für eine ganze Filmlänge.

Tusk (2014) Filmbild 1 Der Podcaster Wallace (Justin Long) kurvt durch die USA, um interessante Stories für seine Web-Show zu erhaschen. Ein Trip gestaltet sich als Reinfall und da findet der frustrierte Wallace in einer Bar einen Aushang. Ein alter Seefahrer mit dem Namen Howard Howe (super: Michael Parks) möchte sich der Welt mit seinen Geschichten mitteilen. Der Einladung folgend, trifft Wallace auf dem abgelegenen Anwesen des Seefahrers in Kanada ein. Als einziger Überlebender eines Unglücks auf hoher See, strandete Howard auf einer kleinen Insel und schloss Freundschaft mit einem Walross. Bevor die Geschichte zu Ende erzählt ist, kippt Wallace aus den Latschen und wird von dem vermeintlich freundlichen Gastgeber auf dem Anwesen festgehalten. Der Horror beginnt: Wallace wird operativ und nach und nach in ein Walross transformiert. Währenddessen fragen sich Wallace‘ Freundin Ally (Genesis Rodriguez) und sein Podcast-Kollege/Freund Teddy (Haley Joel Osment) was mit dem Vermissten los ist und reisen ebenfalls nach Kanada.

Tusk (2014) Filmbild 2Ist die Idee des Plots einigermaßen verdaut? Gut. Dann zur Kritik: Es gibt zum Glück Dank Michael Parks einige sehr sehenswerte Momente. Parks macht hier einen auf schizophren, dann mal auf soziopathisch und dann auf labil. Wie viel kühles Kalkül, blanke Obsession oder einfach nur ein ausgearteter, perfider Krankheitsverlauf hinter der Fassade des kauzigen alternden Seefahrers steckt, lässt sich manchmal nur erahnen bis es schlagartig sichtbar wird. Definitiv eine coole Darbietung, die auf mehr von Michael Parks hoffen lässt. Justin Long („Stirb Langsam 4.0“) und Hayley Joel Osment (der Junge aus „The Sixth Sense“) moderieren mit überspitzer Zunge ihren Podcast „The Not-See Party“ (viele Nazi-Wortwitze) und kommentieren nerdige Internettrends. Beide Schauspieler spielen sich die Pointen dabei geschickt hin und her. Justin Long brilliert immer dann am meisten, wenn er sich abschätzig über kanadisch-amerikanische Vorurteile äußert. Auch hier weiß Kevin Smith mit überzogener Beobachtungsgabe die richtigen Lacher zu setzen (es lohnt das amerikanische Original allein wegen der Akzente).

Tusk (2014) Filmbild 3Auf der Strecke bleibt die Spannung. Ab einem gewissen Punkt hat sich die Grundidee des Films einfach verbraucht und selbst Michael Parks kann es im grotesken Finale nicht mehr herausreißen. Spannungsaufbauten sind nicht mehr zu spüren. Die Walross-Kostümierung ist nur 10 Sekunden lang trashig amüsant anzusehen. Kevin Smith hätte demnach seine „True North Trilogy“ („Yoga Hosers“ und „Moose Jaws“ folgen noch) durchaus mit einem Kurzfilm starten können. Bei dieser Trilogie verfilmt er „kanadische Mythen“. Den Wahrheitsgehalt dieser „Mythen“ kann man vermutlich in dem lustig-kreativen Kopf von Herrn Smith finden. Man darf gespannt sein, was der possenhafte Output aus Kevin Smiths Horror-Trilogie als nächstes zu bieten hat. Mit dabei sind wieder Harley Quinn Smith (seine eigene Tochter; in „Tusk“ eine Nebenrolle), Lily-Rose Depp (Johnny Depps Tochter) und der schrullige Johnny Depp selbst (als Guy Lapointe; kaum zu erkennen als Johnny Depp).

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