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Run All Night (2015)

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Run All Night, USA 2015 • 114 Min. • Regie: Jaume Collet-Serra • Drehbuch: Brad Ingelsby • Mit: Liam Neeson, Ed Harris, Joel Kinnaman, Boyd Holbrook, Vincent D’Onofrio, Common, Génesis Rodriguez • FSK: ab 16 Jahren • Kinostart: 16.04.2014 • Deutsche Website

Run All Night (2015) Filmbild 1Letztes Jahr zeigte Liam Neeson in Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones, dass er es im gewohnten „Harte Schale, weicher Kern“-Gewand auch ein bisschen ruhiger angehen kann. Anfang dieses Jahres gab er dann wieder den knallharten Actionheld im dritten Teil der Taken-Reihe. Nun schlüpft er in Run All Night unter der Obhut des spanischen Regisseurs Jaume Collet-Serra (der zuletzt mit Neeson Non-Stop gedreht hat) wieder in die Rolle des gealterten Haudrauf-Typen. Wie immer ist er ein Ex-[Hier beliebigen harten Job einfügen]. Früher arbeitete Jimmy (Liam Neeson) als Handlanger für Freund und Drogenboss Shawn Maguire (Ed Harris). Doch als er dessen Sohn (Boyd Holbrook) erschießt, um den eigenen zu retten, will Shawn Vergeltung. Er will ihm das nehmen, was auch ihm genommen wurde – seinen Sohn (Joel Kinnaman). So entwickelt sich ein gemütlicher Weihnachtsabend zu einer langen Nacht, in der zwei voneinander entfremdete Familienmitglieder notgedrungen zusammenarbeiten müssen.

Run All Night (2015) Filmbild 2Die Idee, seine Geschichte innerhalb nur einer Nacht spielen zu lassen, hört sich auf dem Papier vielleicht spannend an, verkommt in der Praxis aber schnell zum unnötigen Gimmick. Zwar wird das visuelle Erlebnis nicht durch nervige Zeiteinblendungen gestört, dafür sollen aber CGI-Kamerfahrten für das Gefühl einer einheitlichen Zeitebene sorgen, auf der sich die Charaktere bewegen. Nur wird der Einsatz dieser Technik so uneinheitlich dosiert, dass es im Endeffekt weniger ein wirksames Stilmittel, als nur ein Erinnerungsanstoß an den Zuschauer ist. Statt dieser Erzählweise wenigstens treu zu bleiben, wird wieder auf Flashbacks mit Langhaar-Liam gesetzt, um dessen Charakter etwas mehr zu beleuchten. Auch ansonsten hat Collet-Serra Spaß daran, sporadisch mit der Kamera herumzuspielen. Nur tragen die kreativen Kameraeinstellungen so gut wie nie etwas zum Geschehen bei und verkümmern so in einer ohnehin unspannend gestalteten Inszenierung.

Die Charaktere sind im viel zu rasanten Plot zu dünn porträtiert und unzugänglich. Vor allem Liam Neeson weiß nie so richtig wohin mit sich. Weder Bad-Ass noch ruhig, aber mit dem Herz am richtigen Fleck, ist er eher eine bemitleidenswerte Figur, die dem Zuschauer eigentlich ziemlich egal ist. Da hilft es auch nicht, wenn er und Ed Harris – der spricht als hätte er gerade einen Schlaganfall hinter sich – in einer eingeschobenen Expositionsszene über alte Zeiten reden – vor allem wenn sie sich schon im nächsten Moment gegenseitig umbringen wollen.

In diesem ganzen Wirrwar hangelt sich Run All Night in Windeseile von einem vorhersehbaren Setpiece zum Nächsten und bedient dabei ein Action-Thriller-Klischee nach dem anderen. Anscheinend ist Jaume Collet-Serra auch ein großer Fan von Sam Mendes' Road to Perdition. Nicht nur dessen Prämisse weist einige Ähnlichkeiten zu Run All Night auf, es finden sich auch einige präzisere Parallelen zu dem 30er-Jahre-Thriller. Man achte nur darauf, was mit den Auftragskillern in beiden Filmen passiert.

Wenn Liam Neeson im letzten Akt des Films endlich einen Sympathiepunkt bei den Zuschauern erringt und mal etwas auf die Kacke haut, ist es zwar schon 100 Minuten zu spät, wertet das Gesamtpaket jedoch zumindest etwas auf.

Fazit

Run All Night fühlt sich wirklich an wie eine lange Nacht – nur leider nicht im positivem Sinne. Es zieht sich und man möchte irgendwann, dass es endlich zu Ende ist. Die Kamerafahrten sehen nett aus, die Schauspieler sind gut. Trotzdem will das alles nicht ganz funktionieren. Das liegt vor allem an Collet-Serras Inszenierung, mit der er eine verheißungsvolle Prämisse zu einem langweiligen Actioner verwurstet.

Trailer

Love, Rosie – Für immer vielleicht (2013)

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Love Rosie (2014) Filmkritik

Love, Rosie, D/GB/USA 2013 • 102 Min • Regie: Christian Ditter • Drehbuch: Juliette Towhidi • Mit: Lily Collins, Sam Claflin, Christian Cooke, Jaime Winstone, Suki Waterhouse, Tamsin Egerton • Kamera: Christian Rein • Musik: Ralf Wengenmayr • FSK: ab 6 Jahren • Verleih: Constantin Film • Heimkino-Start: 2.04.2015 • Deutsche Website

Handlung

Rosie Dunne (Lily Collins) und ihr bester Freund Alex Stewart (Sam Claflin) kennen sich seit ihrer frühen Kindheit und ergänzen sich perfekt. Trotzdem entscheiden sich die beiden, mit anderen Partnern anstatt miteinander zum Abschlussball zu gehen. Beide merken jedoch schnell, dass ihre Tanzpartner nicht viel mehr waren als das und machen gemeinsame Pläne, zusammen nach Boston zu ziehen, um dort zu studieren. Während Alex sich auf die Reise macht, muss sich Rosie allerdings mit einem schicksalsverändernden Geheimnis herumschlagen und der Weg der beiden scheint sich zu trennen, während jeder sein eigenes Leben bestreitet. Doch jeder der zwei bekommt den jeweils anderen nie ganz aus dem Kopf und so kommt es über die Jahre zu immer mehr Situationen, in denen sie sich fragen, ob es nicht doch noch eine Chance für sie gibt, eines Tages zueinander zu finden.

Kritik

Love Rosie (2013) Filmbild 1Klingt der Titel schon beängstigend nach einer weiteren vorhersehbaren Romcom klingt, überrascht Love, Rosie zunächst durch relativ starke Versuche, sich von konventionellen Filmkollegen zu differenzieren. Dank einem teils ziemlich derben und grotesken Humor, der sogar gerne mal ziemlich weit unter die Gürtellinie geht, wirkt der Film vor allem in der ersten Hälfte sehr belebend und erfrischend, und schafft es, sich auf seiner eigenen verrückten Schiene langsam in das Herz der Zuschauer zu stehlen. Umso beklagenswerter ist es, dass diese Leichtigkeit im zweiten Teil schnell verloren geht und an vielen Stellen in eine langweilige und viel zu kalkulierbare Handlung gepresst wird, die leider in einem sehr einfallslosen und kitschigen Finale gipfelt.

Dennoch punktet der Streifen durch einige weitere schöne Ideen, gerade auch im technischen Bereich. Die Inszenierung ist zwar über weite Stellen nicht besonders auffällig, aber an einzelnen Stellen doch sehr gelungen und durch harmonische Einsätze von Licht werden schöne Bilder und eine ruhige Atmosphäre erzeugt, die immer wieder positiv durch überspannte Szenen unterbrochen werden. Das Geschehen wird hierbei von einem sehr modernen Soundtrack untermalt, der zwar nicht immer ganz stilgerecht wirkt, aber meist zweckmäßig an den richtigen Stellen einsetzt.

Love Rosie (2013) Filmbild 2Lily Collins und Sam Claflin gehen super in ihren Rollen auf und vor allem Collins liefert eine wirklich ansehnliche Performance ab, die dem Film viel Seele einflösst und sowohl für die tragischsten als auch für die die lustigsten Momente von Love, Rosie verantwortlich ist. Somit trägt sie den Film auf ihren Schultern, während Claflins Figur zwar auch oft in den Fokus gerät, aber auch in einigen Abschnitten zu blass dargestellt wird. Der einzige Punkt, der bei Collins als Hauptdarstellerin leider negativ auffällt, ist, dass sie selbst gegen Ende des Films, während Rosie sich schon in den späten 30ern befindet, immer noch aussieht wie ein Teenager. Hier hätte man durchaus etwas mehr Makeup auftragen können.

Etwas, wovon der Film ebenfalls mehr vertragen könnte, sind tiefschichtige Stellen. So überwiegt leider meist die Seichtigkeit, während man sich wünscht, dass Denkansätze und Fragen weiter aufgegriffen und behandelt werden. Das tragisch romantische Thema, das der Film behandeln will, wird leider nur an der Oberfläche gekratzt, gehaltvolle Dialoge und substanzielle Themen verlaufen sich schnell im Sand der Banalitäten. Dies ist vor allem schade, nachdem die erste Hälfte durchaus einige berührende Stellen aufweist und mit mutigen Entscheidungen der Charaktere punktet. Leider schafft der Film es aber nicht, dieses Niveau zu halten. Trotzdem kann man Love, Rosie nicht absprechen, dass er zeitweise sehr gut zu erhalten weiß, und allein schon wegen der sehr guten Chemie zwischen den Hauptdarstellern und dem skurrilen Witz auch viel Spaß macht, vor allem wenn man nicht viel mehr als eine saloppe Komödie erwartet, die durchaus ihren eigenen Charme besitzt.

Fazit

Der Gedankenreichtum wird zwar vermisst und vieles ist vorhersehbar, nichtsdestotrotz bleibt Love, Rosie – Für immer vielleicht kein schlechter Film. Als seichter Feel-Good-Movie funktioniert er einwandfrei, wer allerdings eine starke Liebesgeschichte erwartet, wird wohl leider enttäuscht werden.


Informationen zur Veröffentlichung

Der Film ist seit dem 2.04.2015 im Verleih von Constantin Film auf DVD, BluRay und über Video-on-Demand verfügbar. Der Film liegt in der deutschen und englischen Sprachfassung vor, mit wahlweise deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte. Außerdem beinhalten die Veröffentlichungen eine deutsche Hörfilmfassung.

Neben dem Hauptfilm liegen der DVD-Veröffentlichung folgende Extras vor:

Love Rosie - Für immer vielleicht DVD-Cover• Making-Of (ca. 4 Minuten)
• Snippets (ca. 4 Minuten)
• Audiokommentar mit Regisseur Christian Ditter
• Interviews mit den Darstellern (ca. 35 Minuten)

 

 

 

 

DVD-Cover © 2015 Constantin Film


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Spider-Man 3 (2007)

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Spider-Man 3 (2007) Filmkritik

Spider-Man 3, USA 2007 • 139 Min • Regie: Sam Raimi • Mit: Tobey Maguire, Kirsten Dunst, James Franco, Thomas Haden Church, Topher Grace, Rosemary Harris, J.K. Simmons, Bryce Dallas Howard • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 1.05.2007 • Website

Vielleicht hat Sam Raimi den Mund einfach etwas zu voll genommen. Nachdem er mit den beiden Vorgängern zwei Bösewichte abgehandelt und nebenbei immer noch genug Platz für das Liebes-Dreieck, bestehend aus Peter (Tobey Maguire), Mary Jane (Kirsten Dunst) und Harry (James Franco), gelassen hat, versucht er nun kurzum drei neue Antagonisten zu etablieren und dabei auch noch die ohnehin nicht ganz ausgereifte Liebesgeschichte zu einem emotionalen Klimax zu führen.

Spider-Man 3 (2007) Filmbild 1Im großen Finale der Spider-Man-Trilogie muss sich die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft nicht nur mit einer Sache herumschlagen. Spidey wird in New York verehrt wie nie zuvor. Neben dem ganzen Trubel und der täglichen Verbrechensbekämpfung, muss sich Peter aber auch noch um seine Flamme Mary Jane kümmern und es gleich mit drei Bösewichten aufnehmen. Neben Harry, der immer noch seinen Vater rächen will, treten nämlich auch noch ein im wahrsten Sinne des Wortes „körniger“ Sträfling und ein mysteriöser schwarzer Schleim auf den Plan.

Man könnte nun meinen, Raimi hätte sich umso mehr Mühe beim Drehbuch gegeben, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Obwohl er neben Alvin Sargent, der auch an Spider-Man 2 mitschrieb, noch seinen großen Bruder Ivan an Bord geholt hat, ist das Drehbuch der größte Schwachpunkt. Neben riesigen Plotlöchern, die die ganze Handlung aus ihrem Logik-Fundament hebeln, machen komplett sinnfreie Charakterentscheidungen und das extrem holprige Tempo den Film zu einer storytechnischen Katastrophe.

Spider-Man 3 (2007) Filmbild 2Zudem weiß Regisseur Sam Raimi seinen Cast auch nicht richtig einzusetzen: Tobey Maguire funktioniert die meiste Zeit, macht sich mit böser Miene dann aber zur großen Lachnummer; Kirsten Dunst sollte nicht zu viel reden und James Franco kann mehr als nur den verpeilten Typ mit Gedächtnisverlust spielen. Die Einführungen der neuen Gegner sind zeitlich sehr uneinheitlich. So werden dem Sandman (Thomas Haden Church) ganze 20 Minuten zugesprochen, während Venom (Topher Grace) in gerade mal einer Minute abgehandelt wird. Es erfolgt auch nur eine einigermaßen akzeptable Exposition der Motive, die für den Film im Endeffekt aber auch zu trivial sind, denn das große Finale der Comic-Trilogie ist fast nur ein großes Actionspektakel.

Die Action toppt zwar die aus den vorherigen Teilen, schmälert die zahlreichen Ungereimtheiten aber nur geringfügig und lässt Spider-Man 3 zu einem leider ziemlich stumpfen Action-Superhelden-Film mutieren. Vor allem die Szenen um Hauptbösewicht Sandman machen Spaß und sehen gut aus. Jedoch kann man selbst die ästhetisch ansprechenden Actionszenen nicht in ihrem vollen Ausmaß genießen. Das liegt vor allem an schwindender Sympathie für die Charaktere. Vor allem Peter Parker macht sich als eingebildeter Superhero-Star neben der weiterhin nervigen Mary Jane unbeliebt und sorgt im Badass-Emo-Modus für schmerzhafte Fremdschäm-Momente. Da kann nur noch einer helfen! Wieder einmal das heimliche Highlight: J.K. Simmons als zackiger J.J. Jameson. „YOU TELL MY WIFE… thank you.“

Spider-Man 3 (2007) Filmbild 3Der seit dem Ende des ersten Films entstandene Handlungsstrang um Harrys Rachewunsch wird zwar auch weitergewebt, mit undurchdachten Wendungen aber unnötig ausgedehnt. Auch auf den Tod von Onkel Ben wird wieder eingegangen und so trifft man ein weiteres Mal auf Darsteller Cliff Robertson, der so alt aussieht, dass man fast Angst bekommt, er würde gleich wirklich sterben. Damit sind wir aber noch lange nicht am Ende. Sam Raimi eröffnet immer mehr Plotstränge und stopft seinen Film so fast bis zum Ersticken voll. Klar, dass da am Ende alles etwas zu kurz kommt.

Fazit

Spider-Man 3 hat furiose Action, eine gute Portion Humor und das beste Stan Lee-Cameo der Trilogie – aber all das nützt nichts, wenn das Drehbuch absolut unterirdisch ist. Man kann seinen Spaß damit haben, die phänomenalen Actionszenen sorgen jedoch nur für ein kurzzeitiges Hochgefühl. Somit dümpelt der Abschluss in Belanglosigkeit und ist weder gut, noch sonderlich schlecht.

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Kick-Ass (2010)

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Kick Ass (2010) Filmkritik

Kick-Ass, GB/USA 2010 • 117 Min • Regie: Matthew Vaughn • Drehbuch: Matthew Vaughn, Jane Goldman • Mit: Aaron Taylor-Johnson, Chloë Grace Moretz, Nicolas Cage, Mark Strong, Christopher Mintz-Plasse, Lyndsy Fonseca • FSK: ab 16 Jahren • Kinostart: 22.04.2010 • Deutsche Website

Eine selbstironische Comic-Verfilmung ist in Zeiten der Marvel-Flut nichts Neues. Doch obwohl die Adaption des Mark Millar-Comics Kick-Ass dazu noch jede Menge Superhelden-Klischees bedient, setzt er sich stilistisch deutlich von gerade diesen ab.

Ich frage mich, warum das noch niemand vor mir gemacht hat.

Comic-Fan Dave (Aaron Taylor-Johnson) hat die Schnauze voll und macht seinen Traum zum Beruf – er will vom klassischen Nerd zum Bekämpfer des Bösen werden. Er ahnt jedoch nicht, dass der größte Drogenboss der Stadt (wunderbar grimmig: Mark Strong) bald auf ihn aufmerksam wird und seine Karriere als Verbrechensbekämpfer droht, ein jähes Ende zu nehmen.

Wir begleiten unseren sympathischen, leicht verpeilten Protagonisten im Coming-Of-Age-Stil auf seinem mit harten Rückschlägen versehenen Werdegang, auf dem sich Regisseur Matthew Vaughn die Zeit nimmt, ein Superhelden-Klisschee nach dem anderen spielerisch zu verdrehen – vom klassischen Nerd zur buchbaren Internet-Berühmtheit: „Kick-Ass“.

Kick Ass (2010) Filmbild 2Hauptsächlich ist Kick-Ass natürlich da, um mit seinen skurrilen Charakteren und der komplett überzogenen Brutalität zu unterhalten. Und das tut er! Es gibt unglaublich spaßige, kreativ inszenierte und fantastisch choreographierte over-the-top-Action, bei der Körperteile fliegen und das Blut nur so spritzt, wodurch auch der im kompletten Look des Films wiederzufindende Comic-Einfluss spürbar wird. Am besten funktioniert das Antihelden-Duo, bestehend aus der 11-jährigen Kampfmaschine „Hit-Girl“ (Chloe Grace Moretz) und ihrem Vater und Mentor „Big Daddy“ (Nicolas Cage), das durch stimmige Chemie und einer zu Nicolas Cage perfekt passenden Rolle nicht nur für die spaßigsten Action-Szenen, sondern auch für viele gute Lacher sorgt. Die Szenen zwischen „Kick-Ass“ und seinem späteren Partner „Red Mist“ (Christopher Mintz-Plasse) bewegen sich dagegen eher im durchschnittlichen Bereich.

Kick Ass (2010) Filmbild 1Der Plot um Daves Leben als geheimer Superheld funktioniert, ist im Endeffekt aber auch ziemlich trivial. Der Film lebt von seiner Action, und so ertappt man sich selbst dabei, wie man nur auf das nächste abgehackte Bein wartet, während die Geschichte vorangetrieben wird. Umso interessanter ist dafür die ungewöhnliche Vater-Tochter-Beziehung zwischen Mindy und Damon Macready („Hit-Girl“ und „Big Daddy“), die gerade aus dem absurden Zusammenspiel aus Mindys Alter und ihrem Auftreten ihren Reiz zieht.

Kick Ass (2010) Filmbild 3Kick-Ass macht eine Menge Spaß. Doch neben Witz und Brutalität findet sich sogar ein bisschen Tiefgang. Auch wenn sich Matthew Vaughn leider nicht mehr traut, als mit seiner Sozialkritik an der Oberfläche zu kratzen, ist es doch angenehm, dass in einem Film wie diesem, der auf den ersten Blick mehr style over substance ist, naheliegende Thematiken wie Zivilcourage oder die Gewaltgeilheit der Zuschauer aufgegriffen werden. Es ist trotzdem schade, dass Potenzial hier verschenkt wird. Gerade zu Anfang spürt man, dass hier mehr als nur ein sehr unterhaltsamer „Hier rein, da raus“-Film dringewesen wäre. Hätte man sich getraut, die guten Ansätze weiter durchzuziehen, würde sich Kick-Ass mit zunehmender Laufzeit nicht immer mehr in Banalität verlieren. In den letzten zwanzig Minuten überschreitet der Film die Grenze zwischen Spaßmassaker und inhaltslosem Gewaltporno und büßt somit seinen letzten Funken Individualität ein.

Fazit

Matthew Vaughn ist mit Kick-Ass ein guter Comic-Actionfilm gelungen, der vor allem dank seiner tollen Besetzung funktioniert, sich über den hohen Gewaltpegel hinaus aber nicht viel traut und viel Potenzial unausgeschöpft lässt. Humortechnisch kann sich der Film nicht ganz richtig zwischen guter visueller Comedy und langweiligen Wichswitzchen entscheiden und bleibt so am Ende kurzweilige, gute Unterhaltung, die man schnell wieder vergisst.

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Fast & Furious 7 (2015)

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Fast and Furious 7 (2015) Filmkritik

Furious 7, USA 2015 • 137 Min • Regie: James Wan • Mit: Vin Diesel, Paul Walker, Jason Statham, Michelle Rodriguez, Jordana Brewster, Dwayne Johnson, Kurt Russell, Tyrese Gibson, Ronda Rousey • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 1.04.2015 • Deutsche Website

Nachdem Justin Lin der Fast-&-Furious-Reihe mit Fast & Furious Five und Fast & Furious 6 neue Facetten verlieh und das sonst als plumpe Autorenn-Action abgestempelte Franchise für viele Skeptiker auf einmal interessant machte, inszeniert nun James Wan, der u. a. schon für den ersten Teil der Folter-Thriller-Reihe Saw und den Horror-Megahit Conjuring verantwortlich war, den siebten Fast-&-Furious-Film.

Auch wenn die letzten beiden Filme nicht schlecht waren und actiontechnisch einiges zu bieten hatten, merkt man doch, dass James Wan inszenatorisch mehr auf dem Kasten hat als sein direkter Vorgänger. Denn wo Justin Lin seine Arbeit eher zielgruppenorientiert verrichtete und beide Filme an der ganz engen FSK-Leine ließ, damit auch ja genug Kinder ins Kino gehen (dürfen), um danach bei ihren Eltern um Fast & Furious-Spielzeugautos betteln, fährt man in Fast & Furious 7 nun in die etwas härtere Spur.

Fast and Furious 7 (2015) Filmbild 1Dafür sorgt vor allem der in der Post-Credit-Szene von Teil 6 eingeführte Bösewicht Deckard Shaw, der nach dem Tod seines Bruders Owen Shaw (Luke Evans) nach Rache dürstet. Saumäßig cool gespielt von Action-Star Jason Statham, bringt dieser ordentlich Wind und neuen Elan in die Kämpfe. Diese wirken hier nicht nur wie nettes Gekloppe, sondern sind äußerst gut choreographiert und dynamisch gefilmt. Statham liegt mit seiner Performance noch mal einen Hauch über Evans und etabliert sich kurzum als bester Bösewicht des gesamten Franchises.

Umso bedauerlicher ist es, dass die simple, aber dennoch gut funktionierende „Gut gegen Böse“-Prämisse nach nur kurzer Zeit zum Subplot degradiert wird, und Kurt Russell den zum Kernpunkt des Plots mutierenden Handlungsstrang einführt. Statham schleicht sich trotzdem immer wieder ins Geschehen ein und wirkt dann trotz guter Szenen fehl am Platz. Mit zunehmender Laufzeit wird er aber immer weiter herausgedrängt und bekommt, genau wie Publikumsliebling Dwayne „The Rock“ Johnson, viel zu wenig Screentime.

Kurt Russells Figur ist dabei genau so banal wie der riesige Umweg, den man hier geht, und am Ende eigentlich nur für eine kleine Corona-Werbung gut ist. Um die Geschichte auf eine epische Lauflänge von 137 Minuten zu strecken, wird Vieles unnötig verkompliziert und wirkt dadurch sehr aufgezwungen. Zusätzlich hat man kaum eine ruhige Minute, in der man einmal durchatmen kann. Schuld daran ist vor allem der stets präsente, auf Dauer dezent penetrante Soundtrack.

Fast and Furious 7 (2015) Filmbild 2An erster Stelle möchte Fast & Furious 7 aber natürlich mit Action und Humor unterhalten. Und auch wenn die meisten Witze eher für peinliche Stille im Kino sorgen dürften, die gewohnt dick aufgetragenen One-Liner und fantastisch abgehobenen Actionszenen entschädigen das gleich doppelt und dreifach. Jeder Schlag ist schmerzhaft und obwohl kein Blut fließt, ist die Gewalt viel heftiger als bei den Vorgängern. Vom Macho-Charme ist nichts verloren gegangen: Starke Männer, schöne Frauen und schnelle Autos, inmitten von Actionszenen, die so over-the-top sind, dass man am liebsten vom Kinositz aufspringen und applaudieren möchte. Auch wenn die ganz großen Highlights schon im Trailer vorweggenommen wurden, ist es immer noch ein Genuss, sie auf der großen Leinwand voll und ganz auszukosten. Der Lautstärkeregler wird dabei aufs Maximum gedreht, sodass selbst das Aufschlagen einer Handgranate in den Ohren schmerzt.

Bei schnellen Verfolgungsjagden und gefährlichen Stunts sorgt James Wans starke Inszenierung in Kombination mit der sehr guten Kameraarbeit hin und wieder für Spannung und das wiedervereinte Paar Dom und Letty für eine gehörige Portion Kitsch. Durch die vielen Ortswechsel ist zudem für genügend visuelle Abwechslung und sogar ein Wiedersehen mit alten Bekannten gesorgt.

Furious7_2Wenn man über Fast & Furious 7 spricht, kommt man einfach nicht drumherum, die Tragödie um den während des Drehs verstorbenen Hauptdarsteller Paul Walker miteinzubeziehen. Neben dem herausragenden Einsatz neuester Technik, durch die man denken könnte, Walker hätte das Set nie verlassen, ist es vor allem beeindruckend, unter welch emotionalem Stress das ganze Team weiter an der Fertigstellung des Films gearbeitet hat. Den Spaß und Zusammenhalt dieser kleinen „Familie“ und vor allem die enge Freundschaft zwischen Vin Diesel und Paul Walker war schon immer spürbar, doch noch nie so sehr wie in den letzten, unfassbar berührenden Minuten dieses Films. Ein sehr würdevoller und gefühlvoller Abschluss, der einen mit hochgezogenem Mundwinkel und feuchten Augen zurücklässt und vergeblich auf eine Post-Credit-Szene warten lässt.

Fazit

Fast & Furious 7 koppelt sich endgültig vom Genre-Rahmen des Autorennens ab und unterhält über (etwas lange) 137 Minuten mit selbstironischer Action und tollem Cast – wobei Jason Statham und Dwayne „The Rock“ Johnson etwas verschenkt werden. Auch wenn noch mehr drin gewesen wäre, funktioniert der Film größtenteils als das, was er sein will, und setzt eine würdevolle Schlussnote für Paul Walker.

Trailer

Verkaufsstart: The Spectacular Now (2013)

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The Spectacular Now BluRay Kritik

Der Verkaufsstart von „The Spectacular Now“ (seit dem 20.03.2015 bei bei Capelight als DVD und BluRay im Handel) ist ein spektakuläres Spektakel. Daher stellt filmfutter.com die BluRay vor. Warum ist es spektakulär? Neugierig? Dann findet ihr hier die Langkritik zum Film. Nur eine Frage bleibt – warum kam diese Indie-Perle bei uns nicht ins Kino?

Unser Fazit: Das Leben ist eine Anhäufung von spektakulären Momenten. „The Spectacular Now“ ist solch ein feierlicher Moment. Der Film aus der Feder des vielseitigen Jugendbuchautors Tim Tharp („Knights of the Hill Country“) wird grandios inszeniert und von einem der sympathischsten und natürlichsten Darsteller-Paare (Shailene Woodley aus „Das Schicksal ist ein mieser Verräter"  und Miles Teller aus „Whiplash“) der letzten Zeit in das Zentrum des eigenen Lebensethos gespielt.

Film

Jeder Tag scheint für Sutter Keely (Miles Teller) ein Fest zu sein, jeder Moment so spaßig wie eine Party und die Menschen um ihn herum sind scheinbar Spielfiguren auf seiner Spielwiese. Dabei gilt: Je kurioser der Augenblick, desto besser. Sutter ist im Begriff, die High School mehr schlecht als recht abzuschließen und ruht sich auf dem Image, „Das Leben auf jeder Party zu sein“, aus. Seine geliebte Freundin Cassidy (reizvoll: Brie Larson) verlässt ihn vordergründig, weil sie Sutter mit einer anderen Dame im Auto sieht. Was soll‘s? Auf der nächsten Party wird gezecht und Sutter wird von einem Mädchen seiner Schule am nächsten Morgen in irgendeinem Garten gefunden. Das Mädchen heißt Aimee Finecky (Shailene Woodley) und willigt ein, Sutter bei ihrer Zeitungsliefertour mitzunehmen, da Sutter sein Auto in der Nacht irgendwo in der Nähe abgestellt haben muss. Selbstlos beschließt Sutter die unscheinbare aber nicht unsympathische Aimee zu protegieren und ihrem Leben mehr spektakuläre Würze zu geben. Im Laufe dieses zunächst oberflächlichen Vorhabens wird aus dem ursprünglichen Helfersyndrom mehr; mehr als Sutter sich vorerst eingesteht.

Technische Ausstattung und Extras

Als Rezensionsgrundlage nahmen wir die BluRay-Version unter die Lupe. Die Bildqualität ist makellos und die Untertitel (Deutsch und Englisch) sind beschwerdelos zu lesen.  Die Extras wurden gut bestückt. Es gibt z.B. einen Audiokommentar von Regisseur James Ponsoldt, in dem er erzählt wie er zu dem Projekt kam und dass er sich nach dem ersten Lesen des Skripts nicht sicher war, ob er den Protagonisten mögen würde. Die Making-Of-Sektion ist in die Teile „Anfang“, „Cast“, „Ästhetik“ und „Umsetzung“ aufgeteilt. „Anfang" bringt verschiedene Beteiligte vor die Kamera und sie erzählen über die Emotionalität, Authentizität und Bodenständigkeit des Films, was es schwierig machte, eine Finanzierung zu gewährleisten. Der Grund: Solche Filme werden scheinbar nicht mehr gerne und risikofreudig produziert. „Cast“ berichtet, wie die Schauspieler gefunden wurden und warum eben genau diese. Bei „Ästhetik“ rechtfertigen sich Produzenten, Kameramann und Regisseur für das Wide-Screen-Format. Es soll die ehrliche, kleine Geschichte in der Welt groß wirken lassen, weil aus solch kleiner Epik etwas Großes entstehen wird. Zuletzt zeigt der Teil „Umsetzung“, wie bei dem Film gearbeitet wurde und wie sich die Schauspieler fühlten. Ein Zitat von Kyle Chandler (im Film Sutters Vater Tommy) prägt sich dabei ein: „Bei einem Indie-Film hat man das Gefühl, er würde jedem gehören“. Insgesamt waren die Schauspieler frei und nicht sehr eingeengt in Vorgaben. Entfallene Szenen, Filmtipps und Trailershow gibt es dann auch noch zu beschauen.

Hier eine Übersicht über die Veröffentlichungen:

The Spectacular Now BluRay Kritik 1DVD:

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonus: Wendecover, verschiedene Making-Ofs, Audiokommentar, Trailer

 

 


The Spectacular Now BluRay Kritik 2BluRay:

Ton: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonus: Wendecover, verschiedene Making-Ofs, Audiokommentar, Trailer

 

 


Trailer

Bildmaterial © 2015 Capelight

Sexuelle Fetische und ihre Folgen: Interview-Special zu Der kleine Tod

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Der kleine Tod Josh Lawson Interview

Sex als Filmthema ist auch im Mainstream schon lange kein Tabu mehr. Dass aber auch erotische Vorlieben jenseits des Blümchensex eine Faszination auf Menschen ausüben, sieht man allein schon an dem Erfolg von Fifty Shades of Grey, sowohl als Roman als auch im Kino, wo die Adaption bereits mehr von mehr als vier Millionen Deutschen gesehen wurde.

Doch während sich Fifty Shades mit der Sadomaso-Thematik noch sehr behutsam auseinandersetzt und letztlich nicht viel mehr ist, als eine Romanze mit nur ein wenig von der "Norm" abweichenden Sexszenen, nahm das australische Multitalent Josh Lawson (am besten bekannt als Darsteller aus "House of Lies") in seiner  mal schrägen, mal gefühlvollen und mal saulustigen Komödie Der kleine Tod das Thema "sexuelle Fetische" frontal in Angriff. Der Film kommt am 9.04.2015 in die deutschen Kinos und wir hatten gemeinsam mit fünf anderen Bloggern die Gelegenheit, mit Josh Lawson über sein Regiedebüt zu sprechen, wobei jeder Teilnehmer an den Filmemacher zwei Fragen stellen konnte. Dabei ist dieses Bloggerspecial entstanden. Unten könnt Ihr herausfinden, wie Josh Lawson die speziellen Fantasien für seinen Film ausgesucht hat sowie seine Einstellung dazu, ob sich diese negativ auf eine Beziehung auswirken:

 

Filmfutter: Während Deiner Recherchen zum Film sind Dir bestimmt zahllose sexuelle Fetische untergekommen. Wie hast du letztlich die Endauswahl derer getroffen, die Du auch im Film verarbeitet hast?

Josh Lawson: Es gab wirklich unendlich viele Fetische, die ich im Zuge meiner Nachforschungen für den Film gefunden habe. Ich hatte allerdings gewisse Regeln, nach denen ich die Paraphilien ausgesucht habe: Erstens sollten keine davon gesetzeswidrig sein. Ich wollte, dass die Dilemmata moralischen Charakter haben, keinen rechtlichen. Zweitens wollte ich mich auf Fetische beschränken, die eine gewisse Planung voraussetzen. Es gibt natürlich zahlreiche Fetische, die man einfach spontan ausleben kann, aber ich musste auch sehen, wie viel Planung und Manipulation diese Charaktere in die Sache investieren würden, um ihre Vorlieben zu befriedigen.

Filmfutter: Für manche Paare haben die Fetische im Film negative Konsequenzen. Liegt das, Deiner Meinung nach, an der Inkompatibilität der Partner aufgrund des Fetischs selbst oder an der mangelnden Kommunikation diesbezüglich?

Josh Lawson: Eine großartige Frage! Ich glaube wirklich nicht, dass die Fetische selbst den Grund für die erlebten Folgen darstellen, seien diese Folgen gut oder schlecht. Ich wollte kein Urteil über die Vorlieben fällen, als ich sie geschrieben habe oder als ich Regie geführt habe. Wer bin ich, um zu behaupten, was mehr oder weniger normal sei? Die Probleme beginnen für die Charaktere nicht, weil sie diese Vorlieben haben, sondern weil sie anfangen, ihre Partner darüber zu belügen. Die Figuren, die ein Happy End bekommen, sind diejenigen, die ehrlich zueinander sind. Diejenigen, die sich ihren Partnern gegenüber nicht öffnen können und die sich zu sehr für ihre Wünsche schämen, deren Beziehungen werden vermutlich nicht lange halten. Ich hoffe, dass die Botschaft, die die Zuschauer aus dem Film mitnehmen können, ist, dass Ehrlichkeit und Kommunikation der beste Weg sind, um die Liebe zu schützen, auch wenn sie manchmal Angst machen.

Was der Regisseur unseren Kollegen über seine Arbeit an dem Film verraten hat, könnt Ihr unter den folgenden Links finden, wo Euch auch Rezensionen und Gewinnspiele zum Film erwarten:

WeWantMedia
Kino7
FilmtoGo
Filmspleen
Myofb

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Filminhalt:

"Die französische Redewendung la petite mort (dt. 'der kleine Tod') steht für 'Orgasmus', den zu erlangen das erklärte Ziel der fünf Mittdreißiger-Pärchen ist, die in einer mittelmäßigen Vorstadt ihren Mittelklasse-Traum leben. Doch diese scheinbar sehr gewöhnlichen Paare haben sehr ungewöhnliche Fantasien, deren Verwirklichung sie so sehr beschäftigt, dass sie gar nicht den bedrohlichen Neuzugang in ihrer Nachbarschaft bemerken…"

"Utopia": Staffel 1 Review

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Utopia Beitragsbild

Utopia , GB 2013 • 316 Min • Regie: Marc Munden, Alex Garcia Lopez & Wayne Che Yip • Mit: Fiona O’Shaughnessy, Neil Maskell, Alexandra Roach, Adeel Akhtar, Nathan Stewart-Jarrett, Oliver Woollford, Paul Higgins, Paul Ready  • FSK: ab 18 Jahren • Verleih: Polyband/WVG • Heimkino-Start: 27.03.2015 • Englische Webseite

Utopia Staffel 1 Bild 1Es beginnt in den ersten Sekunden noch ganz harmlos. Übersättigte, ungewöhnliche aber ansprechende Kontraste untermalen die Szenerie in einem Comicladen in England. Die letzten Kunden des Tages reden nicht, blättern lustlos in Comics herum, leben in den Tag hinein. Es kommen zwei Männer herein, obgleich der Laden schon offiziell geschlossen hat. Die Hinweise auf die Öffnungszeiten des dicklichen Comicbuchverkäufers ignorieren die beiden beflissentlich. Mittlerweile wabert im Hintergrund der Szenerie ein leise bedrohliches Surren und Brummen, wie es einst bei der Arbeitsweise in David Lynchs Filmen der Fall ist. Die beiden Männer, einer schlank, grazil im blauen Retro-Anzug, der andere übergewichtig, unbeholfen in Jogginghose und Arbeiterjacke, stellen eine gelbe Tasche ab. Während der korpulentere Mann auf den Comicverkäufer zustrampelt und Fragen über das „Utopia Manuskript“ stellt, holt der Anzugträger ein Metallrohr heraus und knüppelt im leicht unscharfen Hintergrund der Szene mit völliger Affektlosigkeit einen der Kunden nieder. Das Gespräch endet derweil mit der Frage: „Wo ist Jessica Hyde?“. Eine Frage, die noch oft gestellt werden wird. Das wabernde Hintergrundrauschen baut sich nun zu Cristobal Tapia De Veers großartigen, irgendwie in seiner künstlichen Leichtigkeit beklemmenden, einprägsamen und verspielten Synthie-Soundtrack auf. Die restlichen Kunden und der Verkäufer werden nun Opfer der für die Killer belanglos und beiläufig ausgeführten Gewalt. Willkommen bei „Utopia“.

Utopia Staffel 1 Bild 2Die erste Szene der Staffel 1 etabliert „Utopia“ direkt zur eigenen Marke. Verstörende Momente werden kontrapunktiert mit dem tänzelnden Soundtrack, drastische Gewaltdarstellungen umrahmt von satten Farbspielen und skurrile menschliche Subjekte finden sich in dieser Welt. Diese stilistischen Kniffe verkommen dabei nicht zu bloßen Schauwerten, Selbstzweck, Effekthascherei oder pornoartiger, morbider Gewaltbefriedigung. Es ist vielmehr Kern der Ausgestaltung und Schraffierung der Welt dieser Serie. Am Rande von drohender Lebensmittelknappheit, Überbevölkerung, sozialem Unfrieden und existentieller Angst im Gegenpol zur sonstigen verwöhnten Übersättigung und Verfettung, malt „Utopia“ ein überzeichnetes, knallbuntes, kritisches und spitz zulaufendes Bild von einer Welt auf der Kippe zur Dystopie. Der Kontrastreichtum findet sich schon beim Titel. Um diese Probleme zu lösen, mauscheln im Hintergrund mächtige, geheime Organisationen ihre Ansätze zur Bewältigung der weltlichen Ärgernisse zusammen. Totale Überwachung, Genozid, politische Manipulation und Hinrichtungen können da schnell auf der Agenda stehen. Allerdings hat ein inhaftierter, schizophrener Wissenschaftler der Genetik schon vor zig Jahrzehnten während seiner Therapie die Graphic-Novel „Utopia“ erschaffen, in welcher er scheinbar über all diese Machenschaften und künftige Katastrophen im Vorfeld Bescheid wusste. Das ist genau der Zündstoff für einen Haufen Verschwörungstheoretiker, denen dieses Manuskript in die Hände fällt. Achja, und wo ist Jessica Hyde?

Utopia Staffel 1 Bild 3Wer ist Jessica Hyde (Fiona O’Shaughnessy)? Das sollte der Zuschauer selbst herausfinden. So viel sei gesagt, dass sie später zu den vier „Utopia“-Nerds hinzustößt und viele Handlungsstränge in ihr zusammenlaufen. Die vier Enthusiasten des Graphic Novels lernen sich über ein Internetforum kennen und müssen schnell ihr bisheriges Leben hinter sich lassen, denn der tumbe Killer Arby (Neil Maskell) eines schleierhaften Pharmakonzerns (oder etwa einer anderen Organisation?) ist bereits hinter ihnen, Jessica Hyde und dem „Utopia Experiment“ her. Die fortan im Untergrund kämpfende Gruppe besteht aus der Medizinstudentin Becky (Alexandra Roach), dem Angestellten Ian (Nathan Stewart-Jarrett), dem Verschwörungsfreak Wilson Wilson (Adeel Akhtar) und dem minderjährigen Proll Grant (Oliver Woollford). Ebenfalls der beim Gesundheitsamt arbeitende Michael Dugdale (Paul Higgins) spürt am eigenen Halse die zudrückende, erpresserische Hand des zwielichtigen Pharmakonzerns. Bei den Figurenzeichnungen finden sich nicht allzu viele sympathische Charaktermerkmale, was die Identifikation erschweren oder erleichtern kann. Persönlich gesprochen, fiel es etwas schwer mit den Charakteren „mitzufiebern“. Außerdem finden sich kleinere Logiklöcher und winzige Plotlöcher, was nicht weiter sauer aufstößt, weil bei undurchsichtigen Verschwörungsthemen manchmal der Deus Ex Machina aufwartet, um den Zuschauern eine plötzliche Überraschung zu bieten. Es gelingt den Machern weitestgehend, eine runde Parallelwelt zu schaffen, sie versagen aber gelegentlich bei Nebenfiguren. Man müsste als ausgebuffter Intrigant schon dermaßen um 35 verspiegelte Ecken schauen können, um für genau diesen einen Moment eine Hinterfrau oder einen Hintermann in dieser speziellen Situation platzieren zu können. Um nichts zu spoilern, klingt dies etwas vage.

Im Endergebnis heißt das für „Utopia“, dass mit dem bizarren Neil Maskell, seinem Partner Lee (Paul Ready) und seinen Jazz-Schnürschuhen die skrupellosesten Killer der jüngeren TV-Geschichte umherstreifen. Der sagenhafte Kontrastreichtum entwickelt seinen ganz eigenen Schauwert und wird mit coolen, fast schon mythologischen Ideen zum Leben erweckt. Über kleinere generische Ungereimtheiten lässt sich da getrost hinwegsehen. Im Februar 2014 wurde überdies bekannt, dass der US-Sender HBO eine Adaption der Serie in Auftrag gegeben hat. Der Regisseur David Fincher (ebenfalls Fan von „Utopia") wird alle Folgen der ersten Staffel drehen und arbeitet gemeinsam mit Gillian Flynn (Autorin von „Gone Girl“) an der US-Version.

BluRay-Extras

Audiokommentar: Es gibt einen Kommentar von Schöpfer Dennis Kelly zur Pilotfolge. Weitere Kommentare von Regisseur Marc Munden und Produzentin Rebekah Wray-Rogers.

The World of Utopia: Erläuterungen verschiedener Beteiligter (z.B. Autor Dennis Kelly oder Schauspieler) zur Szenengestaltung und Gewaltdarstellung.

Fly on the Wall Featurette: Making-Of von der Schießerei in einer Schule.

Analyse der Stunszenen: Stuntkoordiantoren und Schauspieler bieten Einblick in das Handwerk der Stuntchoreographie.

Entfernte Szenen und Trailershow


Informationen zur Veröffentlichung

Die 1. Staffel von „Utopia“ liegt in ungeschnittener Fassung im Verleih von Polyband/WVG seit dem 27.02. auf DVD und seit dem 27.03. auf BluRay im Handel. Die BluRay beinhaltet die deutsche und englische Sprachfassung (beide DTS-HD 2.0), mit wahlweise englischen und deutschen Untertiteln. Die Bild- und Tonqualität ist super. Der BluRay-Veröffentlichung liegen außerdem folgende Extras vor:

Utopia Staffel 1 BluRay Cover• Audiokommentare
• "The World of Utopia"-Featurette
• "Fly on the Wall Featurette"-Featurette
• Analyse der Stuntszenen
• Entfernte Szenen
• Trailershow

 

 

DVD-Cover © Polyband/WVG


Trailer

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Wish I Was Here (2014) DVD-Kritik

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Wish I Was Here (2014) DVD-Kritik

Wish I Was Here, USA 2014 • 106 Min • Regie: Zach Braff • Mit: Zach Braff, Kate Hudson, Mandy Patinkin, Jim Parsons, Donald Faison, Josh Gad, Pierce Gagnon, Joey King, Ashley Greene • FSK: ab 6 Jahren • Verleih: EuroVideo • Heimkino-Start: 26.03.2015 • Deutsche Webseite

Wish I Was Here (2014) Filmbild 12004 erschien das Independent-Phänomen „Garden State“ mit Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor Zach Braff. Ja, der Dr. John Dorian aus „Scrubs“. Damals hatte niemand auf dem Radar, was er als talentiertes Ein-Mann-Wunder im Geheimen zusammenwerkelte. Gute zehn Jahre dauerte es, bis Zach Braff erneut in Personalunion ein Herzensprojekt vorantreibt. „Wish I Was Here“ geht im Kern auch um die Irrungen und Wirrungen des Daseins wie einst „Garden State“. Irr und wirr war auch die Finanzierung, die der charmante TV-Doc augenscheinlich über Kickstarter laufen lassen musste, weil kein Studio seinen Film sponsern wollte. Kritiker werfen Braff vor, aus seinem geschätzten Vermögen von 30 Millionen Dollar doch in die eigene Tasche greifen zu können. Zugegebenermaßen reicht „Wish I Was Here“ auch nicht an das Top-Niveau von seinem Vorgänger heran. Zach Braff verwendet hier und da ein wenig zu viel Energie auf erzwungene und dadurch künstliche Momentaufnahmen nach Lehrbuch Schema-F und verläuft sich in der Themenvielfalt seines Films. Das geschickte Auge für fantastische Besetzung der Rollen oder unwirkliche und traumhafte Bilder hat er zum Glück genauso wenig eingebüßt wie sein Händchen für eine erlesene Soundtrack Auswahl.

Wish I Was Here (2014) Filmbild 2Aidan Bloom (Zach Braff) verschwendet seine Zeit immer noch bei Schauspieler-Castings während seine Frau Sarah (Kate Hudson) im Büro des örtlichen Wasserwerks für das Einkommen sorgt. Die Gebühren für die jüdische Privatschule zahlt Großvater Gabe („Homeland“-Star Mandy Patinkin) bis zu dem Zeipunkt, als die Krebserkrankung wiederkehrt. Das Geld wird für eine experimentelle Therapie verwendet und die Kinder Grace (Joey King) und Tucker (Pierce Gagnon) werden in Folge von Aidan daheim unterrichtet. Auf dem Lehrplan stehen schnell viel mehr und wichtigere Dinge als Physik. Wie kommt die Familie mit der schweren Krankheit, dem unterkühlten Verhältnis von Sohn Noah (Josh Gad) zu seinem Vater Gabe, dem Rauswurf der Kinder aus der Schule und mit finanzieller Not klar?

Wish I Was Here (2014) Filmbild 3„Nichts im Leben würde von uns je mehr Mut verlangen, als einsehen zu müssen, dass es endet. Aber auf große Trauer würde Weisheit folgen.“ – dieses Zitat aus Braffs Film umklammert schlüssig die Kernaussage. Auch aus Deutschland wurde sich kürzlich filmisch ähnlicher Thematik genähert. Til Schweigers Millionen-Hit „Honig im Kopf“ behandelt ebenfalls Familie und Krankheit, versagt aber bei seinen Rührseligkeiten. Zach Braff umschifft zum größten Teil diese Effekthascherei. Er scheitert nur partiell. Es geht um komatöse Träume, die einen fälschlicherweise immer noch antreiben, obwohl es eigentlich wichtigere Baustellen gibt. Es geht um brachliegende familiäre Heimeligkeit, zwiespältige Glaubensfragen, Sterbebegleitung und Trauerbewältigung. Sogar sexuelle Nötigung im Büro, das Herunterspielen selbiger und Gastauftritte bekommen ihre Bühne. Fast vergessen: Die Kluft zwischen Kindheitsträumen und erwachsener Realität und zerrütteten Verhältnissen zwischen Vätern und Söhnen werden ebenfalls angeschnitten. Dazwischen ist noch Platz für schrullige Figurenzeichnung, Feel-Good-Momente, prächtig audiovisuell komponierte Szenen und leider auch nach dem ersten Drittel einige forcierte Momente. Da macht der Filmemacher leider nicht Halt vor schmalzigen, allzu verführerischen und generischen Indie-Geplänkel. Bei der Vielzahl an den angeschnittenen Themen verwundert es nicht, dass der Regisseur und Drehbuchautor sich verhebt. Manche Themen bleiben oberflächlich oder allenfalls verwaschen.

Erfreulicherweise verpasst „Wish I Was Here“ nicht, sein Potential aus dem Kern voll auszuschöpfen: lebensnahe Probleme der Familie anzugehen. Im Umgang mit Tod und Zusammenhalt angesichts des sterbenden Großvaters funktioniert der Film mit ernsten und humorigen Tönen im Wechselspiel sehr gut. Die Beschränkung auf weniger Themen hätte dann den fehlenden Rückenwind für mehr als das gehobene Mittelmaß gegeben.

DVD-Extras

Outtakes: Donald Faison und Zach Braff geben in der Autohaus-Szene ihre Bromance aus „Scrubs – Die Anfänger“ zum Besten. JD und Turk sind wieder vereint.

Directing While Acting: Hier bekommt der Zuschauer einen kleinen Eindruck, wie sich ein Regisseur, der zeitgleich Hauptdarsteller in seinem Film ist, mit Kollegen und Situationen am Set umgeht.

Question and answer: Kate Hudson und Zach Braff antworten auf verschiedene Fragen wie z.B. was der erste wichtige, prägende Kinofilm für sie war oder was Zach Braff von der Arbeit an „Garden State“ an Erfahrungsreichtum mit zu „Wish I Was Here“ gebracht hat.

Fatherly Advice: Mandy Patinkin antwortet gewitzt und knapp auf eine Reihe von Fragen rund um die Vaterschaft und ihre Tücken.

Entfernte Szenen mit/ohne Kommentar: Zach Braff bezieht Stellung, warum er manche der vorgestellten Szenen (ein paar sind trotzdem sehenswert) nicht verwendet hat.


Informationen zur Veröffentlichung

Der Film wird im Verleih von EuroVideo ab dem 26.03.2015 auf DVD, BluRay und über VOD veröffentlicht werden.

Neben dem Hauptfilm beinhalten die Veröffentlichungen folgende Extras:

Wish I Was Here (2014) DVD-Cover• Outtakes
• Entfernte Szenen
• Drei Featurettes (Directing while Acting, Question and Answer, Fatherly Advice)

 

 

 

DVD-Cover © EuroVideo


Trailer

Der Nanny (2015)

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Der Nanny (2015) Filmkritik

Der Nanny, D 2015 • Laufzeit: 111 Min • Regie: Matthias Schweighöfer • Mit: Matthias Schweighöfer, Milan Peschel, Joko Winterscheidt, Arved Friese, Andrea Osvart, Paula Hartmann, Veronica Ferres, Jan Bülow, Tim Sander, Friedrich Liechtenstein  • FSK: ab 6 Jahren. • Kinostart: 26.03.2015 • Deutsche Website

Vaterfreuden“ war als Film keine Freude. „Der Nanny“ ist besser, aber auch nicht viel. Zuschauergarant Matthias Schweighöfer tut es schon wieder! Regie, Hauptdarsteller, Co-Autor, Produzent und höchstwahrscheinlich Zewa-Tuch-Spender beim Catering; Matthias Schweighöfer ist all das. Wie schon nach Sichtung des müden Ritts auf den lahmen Eseln namens Kitsch und Klischee in „Vaterfreuden“ beschenkt Multifunktionstool Schweighöfer die deutschen Kinoleinwände mit maßgeschneiderten, risikobefreiten und unbeschwerten Zelluloid. Einiges ist lau aufgewärmtes, wiedergekäutes Material, anderes/weniges ist zum Glück mal ein wenig frische Luft durch die angestaubten Farbfilter und orchestralen Streicher so wie die klavierten Dudelstücke. Spaß und Herz merkt man dem Cast bei „Der Nanny“ zumindest an, wenn sie den Trog der Massenabfertigung für die Fans mit zusammengedampften Einheitsbrei befüllen.

Der Nanny Filmbild 1Der Baulöwe Clemens Klina (Matthias Schweighöfer) hat einen guten Lauf mit seiner Firma und seinem Partner August (Joko Winterscheidt). Den Erfolg verdanken sie ihrer zielstrebigen Skrupellosigkeit. Das nächste große Millionen- Projekt will aber erst noch gestemmt werden: Abriss der Siedlung „Fischerkiez“ und deren Mieter vertreiben. Natürlich fordert dieser Stress seinen Tribut. Seine Kinder Winnie (Paula Hartmann) und Theo (Arved Friese) verschleißen eine Nanny nach der anderen. Die neueste Tagesmutter ist Rolf Horst (Milan Peschel), welcher eigentlich auf Rache sinnt, weil er Mieter im „Fischerkiez“ ist. Nach und nach integriert sich Rolf in die Familie und stößt dabei allerdings vorerst auf massive Gegenwehr der beiden Kinder. Winnie und Theo sind Profis wenn es um das Vergraulen von einer oder einem Nanny geht.

Der Nanny Filmbild 2Für eine annehmbare deutsche Komödie braucht es Namen. Moderatoren- und Entertainmenttalent Joko Winterscheidt macht einen auf öligen Baugesellschafter. Veronica Ferres lässt mal kurz die zugeknöpfte Nanny raushängen. YouTube-Star Friedrich Liechtenstein (zur Erinnerung: Mr. Supergeil) spielt seinen Seebären wortkarg und verschmitzt. Universaleinsatzkraft (bald gehen die Metaphern wie die Ideen des Regisseurs aus) Schweighöfer kehrt sich vom tapsigen, unfreiwilligen Womanizer ab und versucht sich an einer unsympathischeren Variante seiner Bandbreite. Hervorzuheben ist, dass er somit keine klassische romantische Komödie fabriziert. Keine Sorge, der Film verläuft trotzdem so, wie es jeder von Beginn an vermutet. Neues auszuprobieren steht ihm gut, doch fehlt es weiterhin an Wagemut, um wirklich zu überraschen. Wozu auch? Zuschauerzahlen bestätigen ihn und Mr. Sepia-Farbfilter und Nuschel-Ikone himself Til Schweiger immer wieder auf das Neue. Die These lautet jedoch: Ein erfolgreicher Film ist nicht zwangsläufig ein guter. Antithesen werden hierbei nicht geduldet. Milan Peschel ist schon zuvor bei Zusammenarbeiten mit Matthias Schweighöfer (z.B. „Der Schlussmacher“) in Erscheinung getreten. Als männliche Aushilfs-Nanny macht er eine gute Figur und bietet alles von trottelig, herzensgut, fürsorglich und natürlich rachsüchtig. Ein guter Schauspieler mit den besten Momenten des Films, der auch schön mit den teuflischen Kinderdarstellern harmoniert.

Der Nanny Filmbild 3Die Fehler sind kalter Kaffee. Binsenwahrheiten, Semi-Philosophie und Alltagswissen werden mit einem poppigen Soundtrack (im Wechsel zu ad-hoc Klavier-Geklimper wenn es traurig werden soll) und dem ausgelutschten Farbfiltern (Til Schweiger, verdammt!) zu einem zähflüssigen, prätentiös-psychologischen Zuckerguss zusammengerührt. Erneut nimmt sich Schweighöfer dem Thema Vaterschaft an und versucht die Alltagswahrheiten, dass man sich kümmern muss etc. (Ego-Trip-Vater, Wohlstandsverwahrlosung etc. etc. etc.), mit einer beinahe-Kritik an Raubkatzen-Bauprojekten auszubalancieren. Funktioniert lediglich aufdringlich und oberflächlich, kann aber getrost so hingenommen werden. Inszenatorisch entwickelt sich der Regisseur weiter und versteht es an markanten Stellen mit kleinen Schmankerln zu überzeugen. Nennenswert ist hier der überstilisierte, sexy Auftritt von Andrea Osvart als Investorin Helen Nielsen und eine „witzige“ Autounfall-Szene mit Milan Peschel. Das war es. Wie heißt es in der Welt der Werbung? „Unterm Strich – Zähl ich!“. Wie wahr, wie wahr, Herr Schweighöfer. Wie enttäuschend zugleich. Was muss geschehen, damit sich das deutsche Kino auf „Blockbuster-Niveau“ mal wieder aus dem Fenster lehnt?

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