Oscarnominierungen 2026: Gewinner, Verlierer und Überraschungen

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Oscarnominierungen 2026
Links: Michael B. Jordan in Blood & Sinners © 2025 Warner Bros. Pictures; Rechts: Cynthia Erivo in Wicked: Teil 2 © 2025 Universal Pictures

Vergangenen Donnerstag wurden die Nominierungen für die 98. Academy Awards bekanntgegeben, darunter in der brandneuen Kategorie für "Bestes Casting". Wie versprochen, folgt jetzt die etwas verspätete detaillierte Analyse der Nominierungen.

Warner Bros. dominierte haushoch mit Blood & Sinners und One Battle After Another, die zusammengerechnet 13 Nominierungen einheimsten. Es ist bereits das dritte Jahr in Folge, dass mindestens ein Film 13 Nominierungen holte – ein neuer Rekord. Letztes Jahr war es Emilia Pérez, vorletztes Jahr Oppenheimer.

Am 15. März werden in Los Angeles die Oscars verliehen, und bis es soweit ist, werden wir dank zahlreicher Industriepreise eine deutliche Vorstellung von den Favoriten in den jeweiligen Kategorien bekommen. Im Folgenden gehe ich ausführlicher auf die Gewinner und Verlierer der diesjährigen Oscarnominierungen ein und erwähne noch einige interessante Fakten zu den Kandidaten:

Gewinner

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Blood & SinnersBlood & Sinners ist der einzige in der Königsklasse nominierte Film dieses Jahr, der außerhalb der traditionellen Oscar-Saison (Oktober–Dezember) veröffentlicht wurde. Dennoch stand sein Status als sicherer Oscarkandidat schon lange fest, spätestens nach jubelnden Kritiken und einem phänomenalen Erfolg an US-amerikanischen Kinokassen. Auch über die Möglichkeit, dass der technisch und schauspielerisch makellose Film einen neuen Nominierungsrekord aufstellen würde, wurde im Vorfeld spekuliert. Dass er den bisherigen Rekord von 14 Nominierungen, den sich in der 97-jährigen Oscargeschichte nur drei Filme (Alles über Eva, Titanic und La La Land) teilen, gleich um zwei übertreffen würde, hätten die wenigsten geahnt. Blood & Sinners wurde in jeder einzelnen Kategorie nominiert, die für ihn überhaupt in Frage gekommen wäre, und überraschte mit der ersten Nominierung in der Karriere des Schauspielveterans Delroy Lindo, der eigentlich schon für Da 5 Bloods hätte nominiert werden sollen. Die meisten Nominierungen machen einen Film jedochg nicht zwingend zum Favoriten für den Hauptpreis. Bei den letzten zehn Verleihungen haben nur dreimal Filme mit den meisten Nominierungen auch den Oscar als "Bester Film" gewonnen. One Battle After Another führt weiterhin in dem Rennen um den Hauptpreis.

Internationale Filme und Schauspieler – Seit die Academy ihre Mitgliederschaft um viele Filmschaffende außerhalb der USA erweitert hat, sind die Oscarnominierungen spürbar internationaler geworden. Wie schon in den letzten beiden Jahren wurden mit The Secret Agent aus Brasilien und Sentimental Value aus Norwegen zwei nicht-englischsprachige Filme für den Hauptpreis nominiert. Sie sind jeweils der 12. bzw. 13. Film, die sowohl als "Bester Film" als auch als "Bester internationaler Film" nominiert wurden. Mit Für immer hier gewann Brasilien letztes Jahr erstmals den Auslands-Oscar und ergatterte die allererste "Bester Film"-Nominierung für das Land. Aber auch Ein einfacher Unfall, Sirāt, The Ugly Stepsister und Kokuhō erhielten Nominierungen außerhalb der "Bester internationaler Film"-Kategorie. Mit Wagner Moura aus The Secret Agent sowie Inga Ibsdotter Lilleaas, Renate Reinsve und Stellan Skarsgård gingen vier Nominierungen an nicht-englischsprachige Performances – ein neuer All-Time-Rekord. Insgesamt ergatterten nicht-englischsprachige Spielfilme und Dokumentarfilme (von Kurzfilmen abgesehen) 22 Nominierungen und stellten den Rekord der letzten beiden Jahre ein.

Horrorfilme – Bereits letztes Jahr erwähnte ich Horror unter den Siegern der Oscarnominierungen, und das gilt dieses Jahr umso mehr. Nicht nur ist der meistnominierte Film des Jahres, Blood & Sinners, ein Horrorfilm, auch Frankenstein ist mit neun Nominierungen, darunter für "Bester Film", im Rennen. Zusammen mit den Nominierungen für Weapons – Die Stunde des Verschwindens und The Ugly Stepsister ergatterten Horrorfilme 27 Oscarnominierungen. Der bisherige Rekord betrug lediglich zehn.

NEON – Der prestigeträchtige Verleih, der seit Jahren ein Händchen dafür hat, zielsicher die Vertriebsrechte am späteren Sieger der Goldenen Palme in Cannes zu erwerben und mit Parasite und Anora auch schon wei seiner Filme über die Ziellinie bei den Oscars führte, schrammte nur knapp an einer kompletten Dominanz des Auslands-Oscars vorbei. Es sah fast danach aus, als würden alle fünf Filme in der Kategorie von NEON stammen, doch dann gab die Academy dem aufwühlenden Drama Die Stimme der Hind Rajab gegenüber Park Chan-wooks Gesellschaftssatire No Other Choice den Vorzug. Nichtsdestotrotz kann NEON nicht klagen, hat das Studio doch die anderen vier Filme in der "Bester internationaler Film"-Kategorie im Rennen und erstmals auch zwei um den Oscar als "Bester Film". Insgesamt wurden NEONs Ein einfacher Unfall, Sentimental Value, Sirāt und The Secret Agent für 17 Oscars nominiert.

Kate Hudson – Nach ihrer Oscarnominierung als Penny Lane für Almost Famous wurde Großes für die Karriere von Kate Hudson prophezeit, doch dann verschwand sie in austauschbaren romantischen Komödien und wurde als ernstzunehmende Schauspielerin von vielen abgeschrieben. Umso genugtuender ist ihr Oscar-Comeback mit Song Sung Blue, 25 Jahre nach ihrer ersten Nominierung.

Verlierer

Sequels – Ein noch größerer Schock als 16 Nominierungen für Blood & Sinners dieses Jahr war, dass Wicked: Teil 2 komplett leer ausging. Schließlich handelt es sich um die zweite Hälfte der Adaption eines Musicals, und der erste Teil wurde letztes Jahr für zehn Oscars nominiert. Es zeichnete sich schon früh ab, dass der zweite Film diesen Triumph nicht wiederholen können würde, spätestens als die Golden Globes ihn nicht in der Musical/Komödie-Kategorie nominierten. Dass jedoch nicht einmal die wundervolle Ariana Grande, die ansonsten für jeden erdenklichen Preis im Vorfeld nominiert war, oder die letztes Jahr Oscar-prämierten Kostüme und das Szenenbild nominiert werden würden, hätte wirklich niemand erwartet. Die Aversion der Academy gegenüber Sequels erstreckte sich auch auf Avatar: Fire and Ash, der neben der obligatorischen Effekte-Nominierung lediglich eine weitere überraschende Nennung für seine Kostüme erhielt, die seinen beiden Vorgängern verwehrt blieb. Nach insgesamt neun Nominierungen für den ersten und vier für den zweiten Film, beide jeweils auch in der Kategorie "Bester Film", ist das magere Abschneiden von James Camerons Sequel enttäuschend, wenn auch nicht völlig überraschend. F1 nahm seinen Platz als Blockbuster-Kandidat ein.

Park Chan-wook – Der kürzlich wegen vermeintlichen Streikbruchs aus der US-Autorengewerkschaft ausgeschlossene Regisseur ist einer der besten und meistgefeierten Filmemacher der südkoreanischen Filmgeschichte, doch die Academy scheint keinen Gefallen an seinen Werken zu finden. Nach Parks Die Frau im Nebel wurde nun auch No Other Choice von der Academy übergangen.

Searchlight Pictures – Es gab lange Zeit kaum einen größeren Garanten für Oscars in Hollywood als Searchlight Pictures (ehemals Fox Searchlight). Das Arthouse-Label von 20th Century Fox brachte Oscarfilme wie Slumdog Millionär, 12 Years a Slave, Birdman, Shape of Water und Nomadland heraus und ist eigentlich immer mit einem oder mehreren Filmen im Rennen vertreten. Dieses Jahr erhielten Searchlight-Filme erstmals seit zwei Jahrzehnten keine einzige Oscarnominierung. Die größten Kandidaten des Studios waren The Testament of Ann Lee, Rental Family, Is This Thing On? und Springsteen: Deliver Me From Nowhere, und alle vier gingen sang- und klanglos unter.

Weitere interessante Fakten

– Mit ihrer Doppelnominierung für Bugonia (als Hauptdarstellerin und Produzentin) ist Emma Stone die jüngste Frau in der Academy-Geschichte, die bereits siebenmal für einen Oscar nominiert wurde. Damit brach sie den bisherigen Rekord von Meryl Streep, die ihre siebte Nominierung erst mit 38 erreichte. Außerdem ist Stone die jüngste Person und die einzige Frau überhaupt, die bereits zweimal eine Schauspiel-Nominierung und eine "Bester Film"-Nominierung im selben Jahr erhalten hat. Erstmals gelang ihr das mit Poor Things.

Leonardo DiCaprio stellte dank One Battle After Another Robert De Niros Rekord als Schauspieler mit den meisten Filmen (12), die für den "Bester Film"-Oscar nominiert wurden, ein.

– Als Star und Produzent von Marty Supreme wurde Timothée Chalamet ebenfalls für die entsprechenden zwei Oscars dieses Jahr nominiert und ist mit nur 30 Jahren die jüngste Person, der das gelungen ist. Chalamet ist außerdem der jüngste männliche Schauspieler seit Marlon Brando, der bereits dreimal für einen Schauspiel-Oscar nominiert wurde.

– Elf der insgesamt 20 Oscarnominierungen in den Schauspiel-Kategorien teilten sich auf drei Filme auf: One Battle After Another, Sentimental Value und Blood & Sinners. Kein anderer Film wurde für mehr als einen Schauspiel-Oscar nominiert.

– Zwischen Amy Madigans erster Oscarnominierung für Zweimal im Leben und ihrer zweiten für Weapons – Die Stunde des Verschwindens liegen 40 Jahre. Es ist die drittlängste Pause zwischen zwei Oscarnominierungen einer Person in der Geschichte der Academy.

– Mit ihrer Oscarnominierung für F1 zog Produzentin Dede Gardner mit Scott Rudin gleich als zweitmeistnominierte Person in der Kategorie "Bester Film". Steven Spielberg führt weiterhin mit 14 Nominierungen und konnte seinen Vorsprung dieses Jahr dank der Nominierung für Hamnet weiter ausbauen.

Michael B. Jordan (Blood & Sinners) ist erst der zweite Schauspieler nach Nicolas Cage (Adaption), der für die Darstellung von Zwillingen nominiert wurde.

– Mit ihrer fünften Nominierung – für die Kostüme von Blood & Sinners – wurde Ruth E. Carter zur meistnominierten schwarzen Frau in der Geschichte der Academy.

Autumn Durald Arkapaw (Blood & Sinners) ist erst die vierte Kamerafrau, die für einen Oscar nominiert wurde, und hat gute Chancen, die erste Siegerin in der Kategorie zu werden.

Diane Warren wurde für ihren Song "Dear Me" zum 17. Mal für einen Oscar nominiert. Sollte sie verlieren, wäre das der neue Rekord für die Person mit den meisten Oscarnominierungen ohne einen einzigen Sieg.

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Das war’s mit meiner Analyse der diesjährigen Oscarnominierungen. Ich hoffe, dass interessante Infos und Einblicke für Euch dabei waren, und ich freue mich darauf, Euch bis zur Verleihung im März weiterhin über den Stand der Dinge im Oscar-Rennen auf dem Laufenden zu halten.

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