Tom Hanks Schurken

Tom Hanks in "The Circle" © 2017 STX Films/Europa Corp.

Quelle: The New York Times

Wenn man an einen Schauspieler denkt, der der Inbegriff der Nettigkeit ist, würde nicht wenigen vermutlich gleich ein Name einfallen – Tom Hanks. Der zweifache Oscarpreisträger und einer der größten Kassenmagnete der 1990er und 2000er ist nicht nur ein herausragender Schauspieler, sondern wirkt auch immer wie ein grundsympathischer Kerl. Es ist also nur zu passend, dass er in seinem neuen Film Der wunderbare Mr. Rogers den ikonischen Fernsehmoderator Fred Rogers spielt, der den Ruf hat, der netteste Mensch in der Geschichte des US-amerikanischen Fernsehens zu sein. Ob Hanks dafür endlich wieder eine Oscarnominierung bekommen wird, die ihm erst für Captain Phillips, dann für Bridge of Spies – Der Unterhändler, und dann auch für Sully verwehrt geblieben ist, werden wir nächstes Jahr erfahren, ich halte es jedoch für wahrscheinlich.

So wandlungsfähig Tom Hanks auch ist, so spielt er doch in den meisten seiner Filme nette, vertrauenswürdige Sympathieträger. Die erste große Abkehr von diesem Image war seine Darstellung eines Mafia-Killers in Road to Perdition, wobei auch dort er der Protagonist war. Einen etwas karikaturhaften, exzentrischen Schurken spielte er außerdem in Ladykillers von den Coen-Brüdern. Zwielichtige Figuren spielte er außerdem in Cloud Atlas und im Sci-Fi-Thriller The Circle (siehe Artikelbild), doch das waren allesamt Rollen, die eher unter dem Radar geflogen sind. Einen waschechten, sehr klassischen Bösewicht fehlt noch in Hanks' Resümee – und das wird vermutlich auch so bleiben. In einem Interview mit der New York Times erklärte er kürzlich auch weshalb: (aus dem Englischen)

Ich habe vor langer Zeit erkannt, dass ich niemandem Furcht einflößen kann. Das ist nicht das Gleiche, wie nett sein, wisst ihr? Ich denke, ich habe immer noch einen Hauch des Rätselhaften an mir. Aber keine Böswilligkeit. Ich verstehe sie nicht, weil Bösewichte im Großen und Ganzen einen gewissen Grad an Böswilligkeit benötigen, die ich nicht vorspielen kann, denke ich.

Ich frage mich, ob es bedeutet, dass alle anderen Schurkendarsteller seiner Meinung nach tief in sich gewisse Böswilligkeit tragen? Unter einer guten Regie könnte ich mir Hanks tatsächlich durchaus als eindrucksvollen Bösewicht vorstellen, gerade durch seine ruhige und nette Art, hinter der sich dann echte Abgründe auftun können. Aber es würde auch von den Filmemachern erfordern, weit über den Tellerrand hinaus zu denken, um Hanks als Schurken zu besetzen. Ich denke da beispielsweise an die Rolle von Tom Cruise als kaltblütiger Profikiller in Collateral.