Roger Michell tot

Roger Michell am Set von Enduring Love (2004) © Pathé Pictures/FilmFour

Quelle: The New York Times

Der in Südafrika geborene britische Regisseur Roger Michell, am besten bekannt für den Romcom-Hit Notting Hill mit Julia Roberts und Hugh Grant, ist vergangenen Mittwoch im Alter von 65 gestorben. Das gab sein Pressesprecher bekannt. Die Todesursache ist bislang nicht veröffentlicht worden. Michells finaler Spielfilm, de Tragikomödie The Duke mit Jim Broadbent und Helen Mirren, lief erst drei Wochen zuvor in seiner Anwesenheit beim Telluride Film Festival, wo sie eigentlich schon letztes Jahr gezeigt werden sollte vor der Absage des Festivals aufgrund der Pandemie.

Michell feierte seine ersten Erfolge als Theater- und TV-Regisseur. In den Neunzigern inszenierte er die Miniserien "Downtown Lagos" und "The Buddha of Suburbia". Seine Jane-Austen-Adaption Verführung (OT: Persuasion) für BBC machte Richard Curtis auf ihn Aufmerksam, den oscarnominierten Drehbuchautor von Vier Hochzeiten und ein Todesfall, der auch das Skript zu Notting Hill schrieb. Curtis setzte sich dafür ein, Michell als Regisseur für die romantische Komödie zu gewinnen, die zu seinem größten Kinohit wurde.

Der weltweite Erfolg des Films öffnete Michell auch Türen in Hollywood. Sein nächster Film wurde der Thriller Spurwechsel (OT: Changing Lanes) mit Ben Affleck und Samuel L. Jackson, der ebenfalls zu einem Kassenerfolg wurde. Trotz der Erfolge blieb Michell danach weitgehend dem kleineren britischen Kino treu. Er inszenierte 2004 das Stalker-Drama Enduring Love mit Daniel Craig. Die Zusammenarbeit der beiden führte beinahe zu Michells größtem Film. Er wurde als Regisseur von Craigs zweitem Bond-Auftritt Ein Quantum Trost (OT: A Quantum of Solace) engagiert, doch als ihm klar wurde, dass der Drehbeginn nahte und das Drehbuch noch nicht fertig war, stieg er aus (eine weise Entscheidung).

Michell drehte 2006 die Tragikomödie Venus, für die Peter O’Toole seine achte und letzte (leider erfolglose) Oscarnominierung erhalten hat sowie die romantische Komödie Morning Glory mit Harrison Ford und Rachel McAdams. Meine Cousine Rachel (OT: My Cousin Rachel), die Adaption des Romans von Daphne Du Maurier mit Rachel Weisz, wurde zu Michells einziger Regiearbeit, zu der er auch das Drehbuch verfasst hat.

Wirklich zauberhaft ist auch Michells Dokumentarfilm Tea with the Dames – Ein unvergesslicher Nachmittag, dem die britischen Filmikonen Eileen Atkins, Joan Plowright, Judi Dench und Maggie Smith über ihre Karrieren, Gott und die Welt miteinander plaudern.

Vor seinem Tod stellte Michell noch einen Dokumentarfilm über Queen Elizabeth II fertig, der nächstes Jahr anlässlich von Elizabeths 70. Jubiläum als Königin Großbritanniens veröffentlicht werden wird.