Rambo 6 Prequel

Sylvester Stallone in Rambo: Last Blood © 2019 Lionsgate

Quellen: Sylvester Stallone Instagram, Movieweb

Während der kurzen Zeit diesen Sommer, in der die Kinos wieder auf waren, nutzte ich die einzigartige Gelegenheit, die sich aus dem Mangel an großen neuen Hollywood-Filmen ergeben hat, zahlreiche Klassiker im Kino nachzuholen, die ich entweder noch gar nicht oder zumindest noch nie auf der Kinoleinwand gesehen habe. Einer davon war der allererste Rambo-Film, den ich zwar schon kannte, aber wirklich lange nicht mehr gesehen habe. Meine Erinnerungen an Rambo waren vor allem durch die actionreichen, aber inhaltlich recht hohlen Sequels geprägt, und ich war erstaunt, wie aufrichtig gut, einfühlsam und von Sylvester Stallone toll gespielt der erste Film war. Kein Wunder, dass sich der Autor von dessen Romanvorlage David Morrell für den sechsten Film schämt, wie er letztes Jahr verraten hat.

Ich möchte damit nicht sagen, dass alle Rambo-Fortsetzungen schlecht waren. Gerade der zweite und der vierte Teil sind als blutige Actionorgien wirklich unterhaltsam. Doch der letzte Film, der mehr mit Liam Neesons 96 Hours gemeinsam hatte denn mit einem typischen Rambo-Sequel, war in meinen Augen ein ziemlicher Reinfall und kein besonders würdiger Abschied vom Charakter, wenn es denn wirklich Stallones letzter Auftritt in der Rolle gewesen sein sollte. Dafür spricht eigentlich allein schon der Titel Rambo: Last Blood, doch noch bevor der Film letztes Jahr in die Kinos kam, erklärte Stallone, dass das Franchise-Ende für ihn noch nicht in den Stein gemeißelt sei.

Seitdem änderte sich aber sein Ton. Als er vor wenigen Tagen bei Instagram von einem Fan gefragt wurde, ob Rambo 6 noch kommen würde, erklärte der 74-jährige Schauspieler kurz und knapp: (aus dem Englischen)

Nur als Streaming-Prequel oder gar nicht.

Es ist unklar, ob Sly mit dem Prequel einen Film oder eine Serie meint. Wenn wir aber mal nicht davon ausgehen, dass Stallone hofft, mittels The Irishman-mäßiger Verjüngungseffekte die Rolle in der Vorgeschichte selbst zu spielen, bedeutet es, dass sie sich für ihn erledigt hat. Sollte sein erhofftes Prequel kommen, würde er es sicherlich produzieren und vielleicht sogar schreiben und/oder Regie führen. Doch seine Tage als Rambo auf der Leinwand sind scheinbar vorbei. Andererseits meinte er das schon nach dem vierten Film, und über Rocky nach Rocky Balboa, und fand dennoch irgendwann den Weg zurück zu beiden Franchises. Nur jünger wird er nicht mehr.

Es ist nicht das erste Mal, dass Stallone seinen Wunsch nach einem Rambo-Prequel äußert. In Vergangenheit erklärte er Pläne, John Rambos Zeit im Vietnamkrieg, sein Kriegstrauma und seine Erfahrungen, die ihn zu einer unaufhaltsamen Tötungsmaschine gemacht haben, näher zu beleuchten. Doch würden die Fans wirklich einen anderen Schauspieler als John Rambo akzeptieren? Dann stellt sich noch die Frage, wieso Stallone explizit Streaming als einzige Option erwähnt, und ich denke, das liegt an den Freiheiten und den Ressourcen, die heutzutage bei Streamern geboten werden. Last Blood war kein überragender Erfolg an den Kinokassen, mit nur knapp $90 Mio Einspiel weltweit bei einem Produktionsbudget von $50 Mio, sodass Stallone vielleicht denkt, dass nur ein Streaming-Dienst Geld für ein Prequel bereitstellen würde.

Rambo: Last Blood war genau genommen nicht einmal das letzte Mal, dass Sly in die Rolle schlüpfte, denn kürzlich vertonte er den Charakter erstmals für ein Videospiel, im neusten DLC zu "Mortal Kombat 11".

Hättet Ihr an einem Rambo-Prequel – ob als Film oder Serie – Interesse?