Orphan Prequel

Isabelle Fuhrman in Orphan – Das Waisenkind (2009) © Studiocanal

Quelle: Deadline

Als treuer Fantasy-Filmfest-Besucher seit 2004 habe ich natürlich mal bessere mal schwächere Jahrgänge des Festivals erlebt. Das möglicherweise beste Jahr während meiner FFF-Zeit war 2009. Moderne Genre-Klassiker wie District 9, Moon und Trick 'r Treat liefen auf dem Festival in dem Jahr, ebenso wie der urkomische Kultfilm Black Dynamite, die verstörende Clive-Barker-Adaotion Dread, Nicolas Winding Refns Bronson mit einer von Tom Hardys besten Performances, die Martial-Arts-Perle Ip Man und Ti Wests atmpshärischer Slow-Burner The House of the Devil. Was für ein Aufgebot an tollen Filmen! Ein weiterer Film-Beitrag des Festivals, den ich durchweg sehr genossen habe, war der Horrorthriller Orphan – Das Waisenkind von Jaume Collet-Serra, der zuvor das solide House-of-Wax-Remake inszeniert hatte. In dem Film adoptiert ein Ehepaar (Vera Farmiga und Peter Sarsgaard) das neunjährige russische Waisenkind Esther. Doch Esther ist kein gewöhnliches Mädchen.

Ich bin in Orphan mit der Erwartung eines typischen kleine-Teufelsbrut-Films reingegangen. Auch wenn er es über weite Strecken auch war, Isabelle Fuhrmans fantastisch unheimliche und herausfordernde Performance als Esther sowie Collet-Serras stilsichere, sich aber nie zu ernst nehmende Inszenierung haben Orphan zu einem hochspannenden und extrem unterhaltsamen Horrorfilm gemacht, und der finale Twist war zur Abwechslung mal wirklich unerwartet und schräg, denn Esther entpuppte sich als erwachsene, psychisch gestörte 33-jährige Frau, die an einer seltenen Hormonstörung leidet und deshalb wie ein Kind aussieht. Man muss bedenken, dass es erst Fuhrmans zweite Filmrolle überhaupt war. Seitdem spielte sie u. a. in Die Tribute von Panem – The Hunger Games und "Masters of Sex" mit.

Orphan war ein solider kommerzieller Erfolg und spielte weltweit fast $80 Mio ein. Unter Horrorfans erfreut er sich anhaltender Beliebtheit, als ihn mehr und mehr Leute im Heimkino entdeckten. Dennoch war ich überrascht und leicht verdutzt, als Anfang 2020, mehr als zehn Jahre nach dem Originalfilm, ein Prequel mit dem Titel Esther angekündigt wurde, in dem es um die ersten Morde der Psychopathin gehen sollte. Meine Bedenken galten vor allem der Besetzung der Titelrolle, da der erste Film mit Fuhrmans Performance steht und fällt, die Schauspielerin inzwischen 23 Jahre alt ist, und definitiv nicht mehr wie ein kleines Kind aussieht.

Das soll jedoch keine Hürde für das Prequel werden, denn wie Industrie-Portal Deadline jetzt überraschend bestätigen konnte, kehrt Fuhrman als Esther im umbenannten Prequel Orphan: First Kill zurück. Damit Fuhrman wieder so aussieht wie im ersten Film, kommt eine Kombination aus erzwungener Perspektive und eines Weltklasse-Makeup-Teams zum Einsatz. Die Ironie daran ist, dass Fuhrman im echten Leben bereits näher am eigentlichen Alter ihrer Figur ist als an dem Alter, das sie in dem ersten Film vortäuscht.

Orphan: First Kill wird nicht der einzige Genrefilm sein, in dem Fuhrman nächstes Jahr zu sehen sein wird. Sie spielt auch eine neue Rolle im bereits abgedrehten Horror-Sequel Escape Room 2.

Eine neue Hauptrolle in Orphan: First Kill spielt Julia Stiles (Bild unten aus "Riviera"). In First Kill wird nun gezeigt, was im ersten Teil lediglich kurz angerissen wurde. Leena Klammer flieht aus einer psychiatrischen Anstalt in Estland und reist in die USA, indem sie sich als vermisste Tochter einer wohlhabenden Familie ausgibt. Doch Leenas neues Leben als Esther hat einen Haken und bringt sie in Konflikt mit einer Mutter, die ihre Familie um jeden Preis beschützen will. Wenn mein Gedächtnis mich nicht trügt, wissen wir dank dem ersten Orphan, wie das Ganze ausgeht.

Orphan Prequel Julia StilesDie Dreharbeiten zu Orphan: First Kill haben bereits im kanadischen Winnipeg begonnen. Bislang klang alles ganz gut, auch wenn Fuhrmans Rückkehr in der Rolle ein klein wenig bizarr ist. Der große Wermutstropfen für mich ist jedoch der Regisseur des Prequels, William Brent Bell. Der Macher von Stay Alive, Devil Inside und beider The-Boy-Filme hat in meinen Augen noch keinen guten Horrorfilm inszeniert (trotz zahlreicher Versuche) und als einen würdigen Nachfolger des zuverlässig guten Jaume Collet-Serra würde ich ihn leider nicht bezeichnen. Originalautor David Leslie Johnson-McGoldrick produziert den neuen Film, dessen Drehbuch schrieb David Coggeshall (Das Haus der Dämonen 2)

Habt Ihr Interesse an neuen Missetaten von Esther?