Max von Sydow tot

Max von Sydow in Das siebente Siegel (1957) © Arthaus/Studiocanal

Quelle: Paris Match

Nach Kirk Douglas hat die Filmwelt dieses Jahr bereits eine weitere gestandene Filmlegende mit knapp sieben Jahrzehnten an Erfahrung im Geschäft verloren. Der schwedische Schauspieler Max von Sydow ist am Sonntag im Alter von 90 bei sich zu Hause in der französischen Provence gestorben. Das teilte seine Ehefrau, Produzentin Catherine Brelet, mit. Von Sydow wurde 2002 französischer Staatsbürger und verbrachte in dem Land seinen Lebensabend. Die schwedische Staatsbürgerschaft musste er dafür aufgeben.

Max von Sydow hatte eine extrem vielseitige Karriere mit einer gesunden Mischung aus anspruchsvollen europäischen Arthouse-Filmen, US-amerikanischen Popcorn-Blockbustern und hochkarätigen internationalen Dramen.

Gebürtig Carl Adolf von Sydow, nahm der Schauspieler während seiner Militärzeit in Schweden den Vornamen Max an, angeblich nach dem Star eines Flohzirkus, den er mal gesehen hat.

Seine erste Filmrolle spielte Max von Sydow im Jahr 1949 mit 20 im schwedischen Drama Rya-Rya – Nur eine Mutter. Der große Durchbruch kam einige Jahre später mit dem Beginn seiner fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem gefeierten schwedischen Regisseur Ingmar Bergman. Das siebente Siegel und Wilde Erdbeeren erschienen beide 1957 und gehören zu den bekanntesten und erfolgreichsten Filmen des Filmemachers. Von Sydow spielte in beiden mit. In Das siebente Siegel verkörperte er eine der markantesten Rollen seiner Karriere. Auch wenn man den Film nicht gesehen hat, kennen die meisten die ikonische Schwarzweiß-Szene eines Schachspiels zwischen dem von von Sydow gespieltem Ritter und dem Tod. Die Szene wurde u. a. in Bill & Ted’s verrückte Reise in die Zukunft parodiert.

Bis 1971 wirkte von Sydow in insgesamt zwölf Filmen von Ingmar Bergman mit. Schon vorher kam der Ruf aus Hollywood. In Die größte Geschichte aller Zeiten spielte er 1965 als Jesus Christus seine erste englischsprachige Rolle. Acht Jahre später absolvierte er seinen zweifelsohne bekanntesten Auftritt im US-amerikanischen Kino. Im zehnfach oscarnominierten Horror-Megahit Der Exorzist stellte er den unglückseligen Pater Lankester Merrin dar. Der Film gilt als ein Meilenstein des Genrekinos und war jahrzehntelang der umsatzstärkste Horrorfilm aller Zeiten.

In den Siebzigern folgten u. a. Sydney Pollacks Politthriller Die drei Tage des Condor, Stuart Rosenbergs Ensemble-Drama Reise der Verdammten und John Boormans misslungenes Sequel Exorzist II – Der Ketzer. In den Achtzigern trat Max von Sydow in einigen größeren Popcorn-Abenteuern auf, darunter als Imperator Ming in Flash Gordon, als König Osric in Conan der Barbar und im "inoffiziellen" 007-Film Sag niemals nie als James Bonds Erzfeind Ernst Stavro Blofeld. In Ghostbusters II war er die Originalstimme des Schurken Vigo. Aber auch in kleineren Filmen war er weiterhin zu sehen, darunter als Teil des Ensembles von Woody Allens Hannah und ihre Schwestern 1986. Für das schwedisch-dänische Drama Pelle der Eroberer von 1987 erhielt von Sydow seine erste Oscarnominierung. Er gewann außerdem den Europäischen Filmpreis. Der Film selbst wurde mit dem Auslands-Oscar und der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet.

In der späten Phase seiner Karriere spielte Max von Sydow hauptsächlich wichtige Nebenfiguren, die mit nur wenigen Szenen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Er war u. a. in Minority Report, Rush Hour 3 und Shutter Island zu sehen. Für Stephen Daldrys Extram laut und unglaublich nah wurde von Sydow zum zweiten Mal für einen Oscar nominiert, verlor jedoch diesmal gegen Christopher Plummer (Beginners). In den letzten Jahren wurde von Sydow Teil von zwei der größten Popkultur-Phänomene unserer Zeit. Er spielte den Dreiäugigen Raben in der sechsten Staffel der Fantasyserie "Game of Thrones". Außerdem trat er zu Filmbeginn in Star Wars – Das Erwachen der Macht auf. Seine Figur wurde von Kylo Ren (Adam, Driver) getötet.

Zuletzt war Max von Sydow im Katastrophendrama Kursk des dänischen Regisseurs Thomas Vinterberg auf der Leinwand zu sehen. Bereits abgedreht ist von Sydows finaler Film, das griechische Drama Echoes of the Past von Nicholas Dimitropoulos. Einen Starttermin hat der Streifen noch nicht.