Lynn Shelton tot

Lynn Shelton in Sword of Trust © 2019 IFC Films

Quelle: Deadline

Die Film- und Serienindustrie hat leider einen weiteren tragischen Verlust zu beklagen. Die Independent-Filmemacherin und Multitalent Lynn Shelton ist am Freitag überraschend im Alter von 54 in Los Angeles an den Komplikationen einer spät diagnostizierten Bluterkrankung gestorben. Ihr Partner, der Stand-up-Comedian Marc Maron (Joker), veröffentlichte ein Statement, in dem er klarstellte, dass nicht Covid ihre Todesursache war, sondern eine vorher nicht bekannte Erkrankung. Shelton habe sich eine Woche lang sehr krank gefühlt und sei dann am Freitagmorgen zusammengebrochen. Die Ärzte hätten um ihr Leben gekämpft, aber leider ohne Erfolg.

Inspiriert von der Aussage der französischen Filmemacherin Claire Denis, dass man es nicht zu spät ist, im Filmgeschäft loszulegen, hat Shelton ihre Regiekarriere erst Ende 30 begonnen. Neben Independent-Filmemachern wie Joe Swanberg und den Brüdern Mark und Jay Duplass, gehörte Shelton der Mumblecore-Bewegung an. Bei dieser werden Filme mit einem winzigen Budget mit größtenteils improvisierten Dialogen inszeniert und die zwischenmenschlichen Beziehungen zumeist junger Menschen in ihren 20ern und 30ern beleuchtet.

Ihren wenig bekannten Debütfilm We Go Way Back inszenierte Shelton 2006. Der Durchbruch kam 2009 mit der Tragikomödie Humpday, die beim Sundance Filmfestival Premiere feierte. Humpday handelt von zwei heterosexuellen besten Freunden, die als Wagnis beschließen, gemeinsam einen Schwulenporno zu drehen. Der Film wurde 2012 unter dem Titel Do Not Disturb mit François Cluzet und Yvan Attal in Frankreich neu verfilmt.

Nach dem Festivalerfolg von Humpday konnte Shelton für ihre weiteren Filme namhafte Darsteller gewinnen. Your Sister’s Sister (2011) drehte sie mit Emily Blunt und Rosemarie DeWitt, Touchy Feely (2013) mit Allison Janney und Ellen Page. Mit Grow Up?! – Erwachsen werd' ich später (OT: Laggies) inszenierte Shelton ihren mainstreamtauglichsten Film, in dem Keira Knightley, Chloë Grace Moretz, Sam Rockwell und Ellie Kemper mitgespielt haben. Es ist auch der einzige Film in Sheltons Karriere gewesen, für den sie nicht selbst das Drehbuch geschrieben hat.

Neben ihrer Tätigkeit als Regisseurin und Drehbuchautorin war Shelton auch die Cutterin und Produzentin bei ihren frühen Filmen und trat gelegentlich selbst vor die Kamera, wie beispielsweise auch in ihrem letzten Film, der Komödie Sword of Trust mit Marc Maron, die letztes Jahr erschienen ist.

Noch viel aktiver als im Kino war Shelton im Seriengeschäft. Ihr TV-Regiedebüt feierte sie mit einer Episode von "Mad Men". Für Netflix inszenierte sie mehrere Folgen von "GLOW", "Love" und "Master of None". Für Apple TV+ drehte sie Episoden von "The Morning Show" und "Dickinson". Außerdem inszenierte sie mehrere Folgen der Sitcoms "New Girl" und "Fresh Off the Boat". Zuletzt führte sie bei vier der acht Folgen der Hulu-Miniserie "Little Fires Everyhwere" mit Reese Witherspoon und Kerry Washington Regie. Die Miniserie wird kommenden Freitag in Deutschland bei Amazon Prime erscheinen.