Keanu Reeves wird seinem Ruf als Hollywoods nettester Schauspieler wieder einmal gerecht. Der John-Wick-Star schrieb einen Brief an Richter Jed Rakoff, in dem er um "Milde und Gnade" für den verurteilten Regisseur Carl Rinsch bat, dessen Strafmaß Ende Juni bekanntgegeben wird. Im Dezember wurde Rinsch wegen Überweisungsbetrugs, Geldwäsche und illegaler Transaktionen für schuldig befunden. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft, seine Anwälte plädierten jedoch für ein deutlich geringeres Strafmaß, weil Rinsch zuvor nie straffällig geworden sei und durch das nahezu sichere Ende seiner Karriere bereits bestraft werde.
Falls Euch die Geschichte von Carl Rinschs Aufstieg und Fall nicht vertraut ist, hier ein kurzer Abriss: Rinsch begann seine Karriere als Werbefilmer für ein Unternehmen von Ridley Scott. Scott wurde zu seinem Mentor und war von Rinschs Arbeit und seinen Kurzfilmen so angetan, dass er ihn ein Prequel zu Alien inszenieren lassen wollte. Später übernahm Scott das Projekt selbst und daraus wurde Prometheus, doch Scotts Vertrauen in den Newcomer weckte das Interesse der Studios an Rinsch und Universal übergab ihm die Regie des Fantasy-Historienepos 47 Ronin, in dem Keanu Reeves die Hauptrolle übernahm. 47 Ronin floppte massiv an den Kinokassen und Rinsch kehrte daraufhin in die Werbeindustrie zurück, pflegte jedoch weiterhin Kontakt zu Reeves.
Rinsch und seine Ehefrau Gabriela Rosés hatten einige Jahre nach 47 Ronin die Idee für eine ambitionierte Sci-Fi-Serie über humanoide künstliche Intelligenz mit dem Titel "White Horse". Reeves half ihnen bei der Finanzierung mehrerer kurzer Episoden, um mit ihnen Geldgeber für die Serie zu finden. Das passierte während des Streaming-Booms der späten 2010er, als Streamer noch sehr freigiebig mit Geldern waren. Netflix zeigte Interesse an der Serie und erklärte sich bereit, 61 Millionen US-Dollar in sie zu investieren. Die Serie wurde in "Conquest" umbenannt und ab 2019 in Brasilien gedreht. Und dann ging es bergab.
Bereits beim Dreh gab es zahlreiche Beschwerden gegen Rinsch, weil er Crew-Mitglieder angeschrien und beschimpft haben soll. Er begann, verschreibungspflichtige Amphetamine zu nehmen. Mehrere Interventionen seiner Frau und seines Schwagers, die ihn beschworen, einen Entzug zu machen, brachten nichts. Schließlich trennte sich seine Ehefrau 2021 von ihm. Aus den Schriften ihrer Scheidungsanwälte geht hervor, dass Rinsch zu diesem Zeitpunkt bereits psychotische Episoden hatte. Er behauptete, Flugzeuge seien intelligente, organische Kräfte und er selbst könne Blitzeinschläge und Vulkanausbrüche vorhersagen. In der Zwischenzeit bat er Netflix um mehr Geld, woraufhin der Streamer ihm absurderweise weitere elf Millionen US-Dollar überwies, die er sofort auf sein Privatkonto weiterleitete und in Aktien investierte. Innerhalb einer Woche verlor er sechs Millionen Dollar.
Irgendwann wurde es Netflix zu bunt und 2021 wurde ihm der Geldhahn zugedreht. Rinsch investierte sein verbleibendes Geld jedoch in Kryptowährungen und verdiente sogar 23 Millionen US-Dollar – nur um sie daraufhin für fünf Rolls-Royce, einen Ferrari und Luxusmöbel auszugeben, darunter mehrere Matratzen, die zum Teil mehr als 400.000 US-Dollar pro Stück kosteten (ja, das gibt es wirklich). Netflix war nicht begeistert. Der Streamer zog vor Gericht und das Schiedsgericht entschied, dass Rinsch Netflix 8,8 Millionen US-Dollar schuldet und keinerlei Rechte am gedrehten Material hat. Im März 2025 wurde der Regisseur verhaftet und im Dezember verurteilt.
Und damit kommen wir zurück zu Keanu Reeves, der trotz allem immer noch den visionären Künstler in Rinsch sieht und an den Richter appelliert, bei der Festlegung des Strafmaßes nachsichtig zu sein. Reeves betont, dass er kein Psychologe sei und lediglich über Rinsch als gleichgesinnten Künstler sprechen könne. Er schrieb: (aus dem Englischen)
Meiner Meinung nach kann Carl sich selbst schaden, indem er das Ausmaß, den Umfang und die Tragweite des Aushandelten übertreibt und sich und seine Verhandlungspartner dadurch in Konflikt bringt. Ich möchte dies nicht als Entschuldigung oder Verharmlosung dessen anführen, was ihm vorgeworfen wird, sondern lediglich als möglichen Einblick in die Hintergründe.
Ja, Keanu Reeves ist ein wirklich netter Kerl.
Quelle: Variety














