Justice League Ray Fisher

Ray Fisher in Justice League © 2017 Warner Bros. Pictures

Quelle: Deadline

Beim Online-Event DCFanDome hat Regisseur Zack Snyder einige neue Details zu seinem heiß erwarteten Director’s Cut von Justice League verraten, der nächstes Jahr über HBO Max veröffentlicht werden soll. Laut Snyder wird Ray Fishers Charakter Cyborg, der in der Kinofassung kaum nennenswerte Entwicklung hatte, eine deutlich größere Rolle bekommen und das Herz des Films sein.

Derweil steht Fisher jedoch aus einem anderen, wenn auch mit Justice League dennoch verbundenen Grund im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit. Wir erinnern uns: Vor zwei Monaten warf Fisher Snyders Regie-Nachfolger Joss Whedon "unprofessionelles und widerliches Verhalten" am Set vor. Dabei sollen der damalige Warner-Produktionschef Jon Berg und der legendäre DC-Autor und DC-Entertainment-Chef Geoff Johns davon gewusst und Whedon gedeckt haben. Das war eine ziemliche große Bombe, die Fisher da platzen ließ, und sie versetzte Warner natürlich in Zugzwang. Nachdem es zunächst keinen Kommentar gab, kündigte Warner eine interne Ermittlung zu Fishers Vorwürfen an. Dann wurde es jedoch komplizierter bzw. verwirrender.

Vor zwei Tagen schrieb Fisher über Twitter, dass Warners aktueller Präsident von DC Films, Walter Hamada, ihn angerufen haben soll, um ihm ein Angebot zu unterbreiten. Er würde Jon Berg und Joss Whedon als Sündenböcke den Wölfen zum Fraß vorwerfen, wenn Fisher von Johns, der als einziger der drei weiterhin für Warner und DC tätig ist, ablässt. Das habe Fisher ihm jedoch verweigert.

Diesmal hat Warner jedoch nicht lange gezögert und Fishers Behauptung direkt widersprochen: (aus dem Englischen)

Im Juli haben die Vertreter von Mr. Fisher den DC-Films-Präsidenten Walter Hamada darum gebeten, mit Mr. Fisher wegen seiner Bedenken während der Produktion von Justice League zu reden. Die beiden haben zuvor miteinander gesprochen, als Mr. Hamada ihn gefragt hat, ob er seine Rolle als Cyborg in Warner Bros.' kommendem The-Flash-Film wieder verkörpern möchte, zusammen mit anderen Mitgliedern der Justice League. Im Verlauf ihres Gesprächs im Juli erklärte Mr. Fisher seine Uneinigkeit mit dem kreativen Team des Films hinsichtlich seiner Darstellung von Cyborg, und beklagte, dass seine vorgeschlagenen Drehbuch-Überarbeitungen nicht umgesetzt worden sind. Mr. Hamada erklärte, dass kreative Differenzen ein normaler Teil des Produktionsprozesses sind und dass der Autor bzw. Regisseur des Films das letzte Wort haben. Zudem hat Mr. Hamada Mr. Fisher gesagt, dass er seine Bedenken an Warner Media weitergeben würde, damit sie eine Untersuchung durchführen können. Zu keinem Zeitpunkt hat Mr. Hamada jemanden "den Wölfen zum Fraß vorgeworfen", wie Mr. Fisher fälschlicherweise behauptet, oder sonst irgendein Urteil über die Produktion von Justice League gefällt, an der Mr. Hamada nicht beteiligt war, da die Dreharbeiten abgeschlossen waren, bevor Mr. Hamada überhaupt zu seiner aktuellen Position befördert wurde.

Mr. Fisher hat zwar kein Fehlverhalten ihm gegenüber angegeben, nichtsdestotrotz leitete WarnerMedia eine Untersuchung zu seinen Bedenken über die Darstellung seiner Figur ein. Mr. Fisher war immer noch unzufrieden und bestand darauf, dass WarnerMedia einen unbeteiligten, unparteiischen Ermittler engagiert. Dieser Ermittler hat mehrfach versucht, Mr. Fisher zu treffen, um mit ihm über seine Bedenken zu reden, doch bisher hat sich Mr. Fisher geweigert, mit dem Ermittler zu reden. Warner Bros. bleibt der Verantwortlichkeit für das Wohlbefinden eines jeden Cast- und Crew-Mitglieds bei jeder Produktion verpflichtet. Auch wird Warner allen spezifischen und glaubwürdigen Vorwürfen des Fehlverhaltens nachgehen, die Mr. Fisher bislang nicht geliefert hat.

Natürlich hat Fisher das nicht lange auf sich sitzen lassen und reagierte auf Warners Mitteilung. Er bedankte sich bei seinen Fans für ihre Unterstützung nach Warners "verzweifeltem und wahllosem Versuch, ihn als unglaubwürdig darzustellen, um diejenigen zu beschützen, die in Machtpositionen sitzen". Er fügte den Screenshot einer Mail an sein Team und die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA hinzu, die er nach einem Zoom-Gespräch mit dem angeheuerten Ermittler am 26. August geschrieben haben soll. In der Mail schreibt Fisher, dass er soeben im Gespräch mit dem Ermittler war und dieser einen anderen, ihm bisher unbekannten Zeugen gefunden haben soll. Allerdings wollte Fisher das Gespräch mit dem Ermittler nicht fortsetzen, ohne sich zuvor mit seinem Team beraten zu haben und ohne seinen Agenten dabei zu haben, um sich selbst abzusichern. In einem Nachtrag fügte Fisher hinzu, dass er bereits am 21. August angekündigt hat, das er jeden unparteiischen Ermitler selbst eingehend prüfen würde, bevor er ihn zulässt, um einen fairen Prozess sicherzustellen. Am Ende schrieb Fisher, dass Warner die Eskalation auf ein neues Level gebracht habe, er aber bereits sei, sich auch dieser Herausforderung zu stellen.

Um Ron Burgundy zu zitieren:

Die Situation klingt nach einem ziemlichen Schlamassel. Ich möchte Fisher keineswegs diskreditieren, doch ich bin überrascht, dass sich keiner seiner Justice-League-Co-Stars zu der Situation geäußert hat. Wenn die Lage so schlimm war, wie er sagt, dann muss es sicherlich den anderen auch aufgefallen sein. Auch bleibt unklar, ob es wirklich unangemessenes Verhalten am Set gab oder, wenn man Warners Statement Glauben schenkt, Fisher einfach unzufrieden damit war, was aus seinem Charakter geworden ist. Andererseits weiß ich auch nicht, was ein relativer Newcomer wie Fisher davon hätte, einen Krieg gegen Warner Bros. anzuzetteln, wenn er wirklich nichts Handfestes in der Hand hätte.

Letztlich kann man nur spekulieren und hoffen, dass mehr Klarheit in die Sache kommen wird. So wie es aktuell nämlich aussieht, erscheint mir Fishers geplante Rückkehr als Cyborg in The Flash eher unwahrscheinlich.

UPDATE

Fisher hat ein neues Instagram-Video als ausführliche Reaktion auf Warners Statement veröffentlicht. Darin erzählt er, dass er genug Beweise und Zeugen hat, um Warners Lügen über ihn aufzudecken und das gesamte Studio in Schwierigkeiten zu bringen. Außerdem geht er erstmals etwas konkreter auf Vorwürfe gegen Geoff Johns an. So soll Fisher Walter Hamada erzählt haben, dass Johns ihn während des Justice-League-Drehs in sein Büro gerufen und seiner Karriere gedroht haben soll. Zudem soll Johns Fisher eineinhalb Jahre nach Justice League über inoffizielle Kanäle kontaktiert haben, um ihn mit Schadenfreude wissen zu lassen, dass es einen neuen Cyborg in der Serie "Doom Patrol" gibt. Vor allem hört man Fisher aber in dem Video fast 15 Minuten lang um den heißen Brei herum reden.