Justice League Nachdreh

Ben Affleck, Gal Gadot und Zack Snyder am Set von Justice League © 2017 Warner Bros. Pictures

Quelle: The Wrap

Der Traum vieler DCEU-Fans, für den sie unerbittlich gekämpft haben, wird wahr. Zack Snyder bekommt die Chance, Justice League mit seiner eigenen Schnittfassung zu rehabilitieren, die seinen Angaben zufolge zu 75% anders sein wird als der Film, den die Zuschauer 2017 im Kino gesehen haben. Es ist ein befriedigender Triumph für die Fangemeinde, die Zeit und Geld in ihren Kampf um den Snyder Cut investiert hat. Der neue Streaming-Dienst HBO Max wird Zack Snyder’s Justice League 2021 exklsuiv veröffentlichen.

Ganz ohne Kompromisse ging es jedoch auch nicht. Warner und HBO Max stellen Snyder zwar beträchtliche Ressourcen bereit, um den Film nach seinen Vorstellungen zu vollenden, doch bei einer Sache wurde ihm dann doch der Riegel vorgeschoben. Das zuverlässige Online-Portal The Wrap berichtet, dass Snyder wegen weiterer Nachdrehs angefragt hat, um zusätzliches Material zu produzieren und seine Fassung noch runder machen zu können. Dieser Wunsch wurde jedoch abgelehnt. The Wrap schreibt: (aus dem Englischen)

Es wird keinerlei Nachdrehs mit irgendwelchen Schauspielern geben. Es sind nur zusätzliche Dialoge. Das wurde noch nicht berichtet: Snyder wollte zusätzliches Material drehen, aber HBO Max hat nein gesagt, keine Chance. Wir geben dir das Geld für die Post-Production, die Effekte, die Musik, und sogar ADR (Anm. der Red.: zusätzliche Dialogaufnahmen), aber es wird keine Nachdrehs zu diesem Film geben.

Als der Snyder Cut offiziell angekündigt wurde, erzählte Snyder den Fans, dass er bereits im April die Darsteller des Films über die erfreuliche Entwicklung informiert hat, aber auch darüber, dass er möglicherweise ihre Dienste wieder benötigen würde. Daraufhin wurde natürlich spekuliert, ob Snyder tatsächlich neue Szenen für den Film drehen würde. Stattdessen wird es sich jedoch höchstens um neue Dialogaufnahmen handeln.

Als Snyder sich 2017 vom Projekt aus persönlichen Gründen zurückgezogen hat, übernahm Joss Whedon (Marvel’s The Avengers) und beaufsichtigte umfassende Nachdrehs, die den Film stark verändert haben. Hätte Snyder bis zum Schluss den Ton angegeben, hätte es vermutlich trotzdem Nachdrehs gegeben, allerdings eben in Snyders Sinne. Zu diesen hatte er nun nie die Gelegenheit und wird jetzt mit dem Material arbeiten müssen, das er bereits beim Hauptdreh produziert hat.

Warners Position kann ich absolut nachvollziehen. Abgesehen davon, dass jegliche echte Dreharbeiten in absehbarer Zeit aufgrund der Corona-Krise schwierig sein werden, ist es auch eine Kostenfrage. Justice League kostete dem Studio bereits beim ersten Anlauf enorme $300 Mio und nahm die Ausgaben an den Kinokassen nicht wieder ein. Für Snyders Vision ist das Studio bereit, weitere $20-30 Mio zu investieren, tatsächliche Nachdrehs mit Schauspielern würden diese Kosten jedoch weiter in die Höhe treiben. Man muss schon dafür dankbar sein, dass diese Version überhaupt kommt.

HBO Max hat sogar schon eine Promo zum Film veröffentlicht, die den Moment aufgezeichnet hat, in dem Snyder die Veröffentlichung seiner Fassung über Vero enthüllte.

An einem richtigen Trailer arbeitet Snyder bereits auch, wie er bestätigt hat.

Außerdem berichtet The Wrap, dass die Fans von Snyders Ideen im DCEU sich keine Hoffnungen machen sollen, dass der Triumph des Snyder Cut zur Wiederbelebung seiner Originalpläne führen könnte. Snyder hatte ursprünglich eine Vision von insgesamt fünf Filmen, die vor allem Supermans Entwicklung folgen. Von diesen konnte er jedoch nur drei umsetzen. Gerade Justice League war mindestens als Zweiteiler angelegt, wobei  der kosmische Oberbösewicht Darkseid eine zentrale Rolle in Justice League 2 gespielt hätte. Auch Batmans berühmte Albtraumszene aus Batman v Superman, auch bekannt als Knightmare, war eine Vorschau auf das, was Snyder für das Justice-League-Sequel vorhatte. Ursprünglich endete Snyders erster Justice League mit dem Tod von Darkseids Handlanger Steppenwolf durch Wonder Woman. Darkseid selbst wäre durch ein interdimensionales Portal kurz aufgetaucht, um den Helden zu drohen und den nächsten Film vorzubereiten. Es wurde lange gemutmaßt, dass der Schauspieler Ray Porter (Argo) als Darkseid besetzt wurde und das hat er gestern über Twitter endgültig bestätigt (siehe unten), nachdem er die Erlaubnis dafür erhalten hat. Seine Szenen sollen in Zack Snyder’s Justice League wiederhergestellt werden.

Auch wenn Snyders Originalpläne nicht so verwirklicht werden, wie er sich das vorgestellt hat, verspricht Zack Snyders Ehefrau und Justice-League-Produzentin Deborah Snyder dennoch einen besseren Abschluss für die Charaktere und die Fans:

Der Film ist die Krönung einer Heldenreise, auf die sich alle diese Charaktere begeben haben. Und der Gedanke war immer, sie zu den Helden aufzubauen, die von ihnen erwartet wurden.

Neben besserer Entwicklung der Hauptfiguren wird der Film aber auch aus dem Film entfernte Nebencharaktere wieder einfügen, die die Welt des DC-Kinouniversums erweitern, darunter auch Dr. Ryan Choi, der in den Comics zum Superhelden The Atom wird. Ein Foto von ihm aus dem Film hat Snyder kurz nach der Ankündigung der neuen Schnittfassung veröffentlicht:

Man darf gespannt sein, ob die neue Version von Justice League wirklich so viel besser sein wird als die, die wir bereits kennen, dass man danach erst recht darüber frustriert sein wird, dass Snyder seine Pläne für das Universum nicht zu Ende führen konnte.