Halloween Kills Box Office

Links: Jamie Lee Curtis in Halloween Kills © 2021 Universal Pictures
Rechts: Jodie Comer in The Last Duel © 2021 20th Century Studios

Quelle: Boxofficemojo

Das Kino lebt! Zum dritten Mal in Folge haben die Top-10-Filme an den nordamerikanischen Kinokassen zusammengerechnet mehr als $100 Mio eingenommen, wobei der Gesamtumsatz mit $109,1 Mio rund 2% über der Vorwoche lag. Mit dem US-Kinostart von Dune kommende Woche sollte der Siegeszug der Kinos in Nordamerika weitergehen.

Dominiert wurden die US-Kinocharts von Halloween Kills, der Fortsetzung zum Franchise-Revival aus dem Jahr 2018, die wegen der Pandemie um ein Jahr nach hinten verschoben wurde. Die Verzögerung tat der Nachfrage keinen Abbruch: Der neuste Amoklauf von Michael Myers spielte von Freitag bis Sonntag knapp $50,4 Mio von 3705 Kinos ein und erreichte einen Schnitt von $13589 pro Kino. Der Start liegt 34% unter dem des letzten Halloween, doch das war zu erwarten und macht ihn kein bisschen weniger beeindruckend. Es ist das sechstbeste Startwochenende eines Films seit Beginn der Pandemie, lediglich hinter Venom: Let There Be Carnage, Black Widow, Shang-Chi, Fast & Furious 9 und Keine Zeit zu sterben, und mit Abstand der beste Pandemie-Start für einen Film mit R-Rating. Der letzte Halloween war ein massives Event, das Jamie Lee Curtis und John Carpenter pünktlich zum 40. Jubiläum des Originalfilms zum Franchise zurückgebracht hat. Dass der Nachfolger ohne diese perfekten Voraussetzungen, in 223 Kinos weniger und mit bestehenden Kapazitätsbeschränkungen in vielen Kinos dennoch mehr als $50 Mio zum Start erwirtschaften konnte, ist fantastisch.

Was den Start besonders bemerkenswert macht, ist, dass der Film in den USA allen Abonnenten von Universals Streaming-Dienst Peacock kostenlos zum Stream bereitsteht. Das macht ihn zum mit Abstand umsatzstärksten Start eines Films, der zeitgleich zum Kinostart ohne Aufpreis bei einem Streamer veröffentlicht wurde. Black Widow hatte zwar ein besseres Startwochenende, doch um ihn auf Disney+ zu sehen, mussten die Abonnenten zusätzlich für einen VIP-Zugang blechen. Godzilla vs. Kong war bis jetzt mit $31,6 Mio der stärkste Start eines ohne Zusatzgebühr im Stream veröffentlichten Films, doch Halloween Kills hat das um Längen geschlagen. Vermutlich hat die Veröffentlichung bei Peacock gar keinen großen Unterschied ausgemacht, da die Plattform mit nur drei Millionen zahlenden Abonnenten deutlich weniger besucht wird als ihre Konkurrenz in den USA (HBO Max hat beispielsweise über 20 Millionen Nutzer). Außerdem wollen viele einen Film wie Halloween Kills in einem Kinosaal als Gruppenerlebnis sehen. Wie schon beim Vorgänger, erwies sich die Nähe des Kinostarts an den 31. Oktober als sehr gute Entscheidung.

Nach nur drei Tagen ist Halloween Kills bereits der vierterfolgreichste Film der Reihe (ohne Inflation) hinter dem letzten Film ($159,3 Mio), Rob Zombies Halloween ($58,3 Mio) und Halloween H20 ($55 Mio). Die letzten beiden wird er in den nächsten Tagen schon überholen, den Vorgänger jedoch nicht erreichen. Sowohl die Rezensionen als auch die Mundpropaganda des Films sind schwächer. Der Film erreichte bei der CinemaScore-Umfrage die Durchschnittsnote "B-" (äquivalent einer "2-"), während der letzte Halloween noch auf "B+" kam. Außerdem zeigte der Rückgang um 24,7% von Freitag auf Samstag größere Frontlastigkeit als beim letzten Film, der um 18,1% an seinem ersten Samstag  nachgegeben hatte. Insgesamt sollte Halloween Kills etwa $105-115 Mio in Nordamerika einspielen, was für den 12. Film in einer über 40 Jahre alten Slasherreihe mit einem Produktionsbudget von $20 Mio phänomenal ist. David Gordon Green hat es tatsächlich geschafft, Halloween zu einem Horror-Blockbusterfranchise zu machen.

Der Bond-Film Keine Zeit zu sterben baute an seinem zweiten Wochenende 56% ab und spielte weitere $24,3 Mio auf Platz 2 ein, womit er die $100-Mio-Marke haarscharf verfehlte. Nach zehn Tagen im Verleih steht Daniel Craigs Abschied als 007 bei $99,5 Mio – 38% hinter Skyfall, 23% hinter Spectre und 9% hinter Ein Quantum Trost im selben Zeitraum, aber 6% vor Casino Royale. Es wird wohl kein furioser Abgang von Craig als James Bond in Nordamerika werden, aber das Franchise hat ihre größten Erfolge schon seit jeher außerhalb von USA erzielt. Skyfall war dabei mit mehr als $300 Mio Einspiel in Nordamerika ein Ausreißer. Keine Zeit zu sterben fiel am zweiten Wochenende etwas mehr als Spectre (-52,2%) und Skyfall (-53,5%), hielt sicher aber besser als Ein Quantum Trost (-60,4%). Insgesamt steuert der Film auf rund $150-165 Mio in Nordamerika zu, ein respektables Ergebnis, jedoch hinter allen anderen Craig-Bonds.

Der dritte Platz der Charts ging an Sonys Venom: Let There Be Carnage, der an seinem dritten Wochenende um 48% auf $16,5 Mio sank und nach 17 Tagen bei grandiosen $168,1 Mio steht. Er ist jetzt schon der vierterfolgreichste Film des Jahres in den USA und in Kanada und wird Black Widow und Fast & Furious 9 schon sehr bald hinter sich lassen. Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings sollte jedoch außerhalb seiner Reichweite bleiben. Trotz des deutlich besseren Starts liegt Venom: Let There Be Carnage bereits 2% hinter seinem Vorgänger, der seinen Vorsprung in den nächsten Wochen vermutlich weiter ausbauen wird. Der erste Film spielte insgesamt $213,5 Mio in Nordamerika ein, das Sequel wird vermutlich ganz knapp die $200-Mio-Marke erreichen.

Der vierte Platz ging an Die Addams Family 2 mit einem sehr guten Rückgang von nur 28,9% auf $7,2 Mio und einem vorläufigen Gesamteinspiel von $42,3 Mio nach 17 Tagen. Das ist deutlich weniger als die $71,1 Mio, die der erste Film im selben Zeitraum erwirtschaftet hatte, da er aber zeitgleich zum Kinostart auch über Video-On-Demand ausgeliehen werden kann, lässt sich der Rückgang der Einnahmen zumindest zum Teil erklären. Insgesamt sollte das Animations-Sequel über die schräge Familie rund $58 Mio in Nordamerika umsetzen, bevor er die Kinos verlässt.

Der große Flop des Wochenendes war Ridley Scotts Mittelalter-Drama The Last Duel, das trotz Starpower von Matt Damon, Ben Affleck und Adam Driver und des namhaften Regisseurs eine Bauchlandung hinlegte. Der für $100 Mio (ohne Marketingausgaben) produzierte Film spielte nur armselige $4,8 Mio von 3065 Kinos ein und erreichte einen Schnitt von $1572 pro Spielstätte. Es ist eins der schwächsten Startwochenenden von Scotts langer Karriere und der Film wird auch mit weltweiten Einnahmen nicht mehr auf schwarze Zahlen kommen. Auch der positive "B+"-CinemaScore (äquivalent einer "2+") wird nicht helfen, da der Film sehr schnell seine Leinwände verlieren wird. Mehr als $11-15 Mio sind in den USA und in Kanada nicht zu erwarten. Die Zuschauer haben offensichtlich kein Interesse an einer im Rashomon-Stil erzählten Vergewaltigungsgeschichte aus der Ritterzeit.

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings baute auf Rang 6 seinen Vorsprung als umsatzstärkster Film der 2020er Jahre in Nordamerika weiter aus uns spielte weitere $3,5 Mio ein. Dabei legte er abermals einen phänomenalen Drop hin und ging nur um 17,8% zurück. Insgesamt steht die Marvel-Verfilmung bei $218,1 Mio nach sieben Wochen. Dabei überholte der Streifen am Wochenende Ant-Man and the Wasp ($261,5 Mio) in Nordamerika und nimmt jetzt Doctor Strange ($232,6 Mio) ins Visier. Es wird eine sehr knappe Sache werden und aktuell gehe ich von einem finalen Einspiel in Höhe von $233 Mio aus