Einige Beobachtungen zu den Nominierungen:

– Ohne die Emmy-Stammgäste "Game of Thrones" und "Downton Abbey" öffnete sich das Emmy-Rennen in den Drama-Kategorien dieses Jahr für viele Newcomer. Von den sieben Nominees in der Kategorie "Beste Dramaserie" waren lediglich zwei letztes Jahr auch dabei ("House of Cards" und "Better Call Saul"). Gerade bei "House of Cards" habe ich langsam das Gefühl, dass die Serie ungeachtet der Qualität der vorliegenden Staffel alleine aus dem Prestigefaktor heraus nominiert wird. Oder möchte jemand ernsthaft behaupten, dass die fünfte Staffel der Serie eine der besten Serienstaffeln der letzten zwölf Monate war?

– Kaum Veränderungen gab es hingegen bei den Comedyserien. Das Line-Up darin ist fast identisch zum Vorjahr, lediglich mit "Atlanta" anstelle von "Transparent". "Modern Family" wurde nun zum achten Mal in Folge in der Kategorie nominiert. Nur "Cheers", "M*A*S*H" und "All in the Family" gelangen noch mehr Nominierungen als Comedyserie.

Julia Louis-Dreyfus steht kurz vor einem neuen Rekord. Wenn sie für "Veep" ihren sechsten Emmy in Folge als "Beste Darstellerin" einer Comedyserie gewinnt, wird sie zur ersten Person überhaupt, die mehr als fünf Emmys für die gleiche Rolle erhielt. Außerdem wird sie damit auch insgesamt acht Emmys für ihre schauspielerischen Darbietungen kommen und damit den bisherigen Rekord von Cloris Leachman einstellen. Diese Chance hat auch Allison Janney, falls sie sich gegen Louis-Dreyfus in der gleichen Kategorie durchsetzt. Janney wurde für ihre Performance in "Mom" erstmals als Hauptdarstellerin nominiert, nach drei Jahren in Folge, in denen sie als Nebendarstellerin nominiert war (und einmal gewann).

Donald Glover hat mit seiner neuen Serie "Atlanta" auf ganzer Linie abgesahnt. Als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller ist er dreimal nominiert und seine Serie hat die besten Aussichten auf den Sieg in der "Comedyserie"-Kategorie.

– In keiner der sieben Hauptkategorien von Dramaserien (Serie und die sechs Schauspielkategorien) ist der Sieger bzw. die Siegerin aus dem Vorjahr nominiert, was auch daran liegt, dass "Downton Abbey" zu Ende ist und "Orphan Black" und "Game of Thrones" die Deadline für die jetzigen Emmys nicht geschafft haben.

Gewinner:

– In den letzten Jahren wurde es fast zur Regel, dass Network-Serien (also Serien des öffentlichen Fernsehens von NBC, ABC, CBS, FOX oder The CW), die die Emmys einst dominiert haben, in den Drama-Kategorien kaum noch auftauchen. "The Good Wife" war die letzte Network-Serie, die überhaupt als "Beste Dramaserie" nominiert wurde, und das ist schon sechs Jahre her. Netflix, HBO, AMC und FX haben nach und nach übernommen. Doch NBC bot den Kabel-Sendern und Streaming-Anbietern dieses Jahr die Stirn und ergatterte für den Zuschauerhit "This Is Us" gleich 11 Nominierungen, darunter in der Königsklasse. Sieben Nominierungen gingen an die Darsteller der Serie, wobei gerade mit Milo Ventimiglias Nominierung kaum jemand gerechnet hat. Sehr gute Siegeschancen hat sie dennoch nicht, denn die Serie wurde nicht für ihre Drehbücher oder Regie nominiert und ohne diese Nominierungen ist eine Auszeichnung als "Beste Dramaserie" unwahrscheinlich. Dennoch halte ich es für möglich, dass einige Darsteller aus der Serie gewinnen könnten.

"House of Cards" hat es wieder geschafft. Es scheint, als hätte Netflix eine Dauerkarte für diese Serie bei den Emmys erworben. Kevin Spacey erhielt dieses Jahr seine 11. Emmy-Nominierung, einen Sieg konnte er bislang jedoch nicht verbuchen. Angesichts der Konkurrenz, bezweifle ich, dass es sein Jahr werden wird.

– Es war zu erwarten, dass HBOs neuster Hit "Westworld" gut abschneiden würde, doch 22 Nominierungen sind ein gigantischer Triumph. Die erste "Game of Thrones"-Staffel erhielt "nur" 13 Nominierungen und sogar die meistnominierte Staffel der Serie bisher zählte 24 Nominierungen, nur zwei mehr als "Westworld" in ihrem ersten Jahr.

– Dafür dass die Comedyserie "Baskets" bei FX relativ niedrige Einschaltquoten erzielt und selten auf irgendwessen Radar ist, ist es bemerkenswert, dass sie zwei Schauspiel-Nominierungen erhielt, eine mehr als letztes Jahr.

– Ryan Murphy gelang mit "Feud: Bette and Joan" nach "American Horror Story" und "The People v. OJ Simpson" ein weiterer Volltreffer – 18 Nominierungen!

– Nach knapp vier Jahrzehnten im Programm, feierte "Saturday Night Live" ihr erfolgreichstes Jahr bei den Emmys bisher, mit ganzen 22 Nominierungen, davon neun für die Darsteller. Hut ab!

Verlierer:

– Erstmals seit dem Beginn der Horror-Anthologie erhielt "American Horror Story" keine einzige Nominierung für ihre Darsteller, was nicht nur die gemischte Resonanz der letzten Staffel, "Roanoke", zeigt, sondern auch die Tatsache, dass die Serie in den letzten Jahren generell in der Gunst der Wähler und der Kritiker gefallen ist. Ryan Murphy kann es verschmerzen, er hat mit "Feud" einen neuen Kritikerhit ins Leben gerufen.

– Wenn es immer eine Emmy-Konstante bei "Homeland" gab, dann waren das die Emmy-Nominierungen für Claire Danes. Sie wurde mit einer für jede der ersten fünf Staffeln bedacht, doch für die sechste gab es keine mehr. Auch die Serie selbst wurde nicht mehr nominiert, erstmals wieder seit Staffel 3. Lediglich Mandy Patinkin erhielt eine Trost-Nominierung.

"The Leftovers" hat ihre meistgefeierte Staffel hinter sich gebracht und fragt man TV-Kritiker, werden die meisten die Serie ohne zu zögern als die beste der letzten zwölf Monate benennen. Doch nachdem "The Leftovers" für ihre ersten beiden Staffeln keine einzige Emmy-Nominierung erhielt, musste man wohl schon dafür dankbar sein, dass Ann Dowd immerhin als Gastdarstellerin nominiert wurde.

– Überraschend ist die Auslassung der Amazon-Serie "Transparent" unter den Comedyserien, insbesondere da "Modern Family" und "black-ish" es wieder geschafft haben und "Transparent" eigentlich ein deutlich höheres Ansehen genießt. Es wird noch verwunderlicher, wenn man bedenkt, dass "Transparent" in den Schauspielekategorien wieder gut abgeschnitten hat mit insgesamt drei Nominierungen.

"The Americans" wurde letztes Jahr endlich für mehrere Jahre von Exzellenz mit einer Nominierung als "Beste Dramaserie" belohnt, doch während Matthew Rhys und Keri Russell es wieder in ihre Kategorien geschafft haben, musste "The Americans" in der "Beste Dramaserie"-Kategorie der Flut von Neulingen den Vortritt lassen. Was noch irgendwie verständlich gewesen wäre, hätten die Emmys nicht "House of Cards" dennoch drin behalten.

"Mr. Robot" war einer der großen Sieger bei den Nominierungen letztes Jahr und gewann auch prompt den "Hauptdarsteller"-Emmy für Rami Malek. Für die zweite Staffel gab es keine einzige größere Emmy-Nominierung.

– Die Emmys tun weiterhin so, als würde The CW nicht existieren. Dabei hätte die wundervolle Rachel Bloom für "Crazy Ex-Girlfriend" längst eine Emmy-Nominierung verdient. Wenn wir schon bei den Comedyserien sind: wieso wurden "The Good Place" und allen voran Kristen Bell und Ted Danson nicht nominiert?!

"Girls" erging es zwar besser als im letzten Jahr, in dem sie keine einzige Nominierung erhielt, und die HBO-Dramedyserie wurde für zwei ihrer Gaststars nominiert, dennoch hätte man für die finale Staffel der von den Emmy-Wählern einst geliebten Serie mehr erwarten können.