Der Marsianer Directors Cut

Quelle: Filmfutter

Wenn die Dreharbeiten zu einem Film abgeschlossen sind und bevor der besagte Film in die Kinos kommt, muss der Rohfassung erst einmal durch den Schnitt. Erst dadurch wird aus dem ungeschliffenen Diamanten ein wertvoller Edelstein. Der Cutter sorgt für das richtige Tempo, einen guten Übergang zwischen den Szenen und das überschüssige “Fett” bleibt im Schneideraum und endet gelegentlich in Form von “Entfernten Szenen” später auf der DVD bzw. BluRay. Es gibt aber durchaus Fälle, bei denen die Szenen später in den Film wieder integriert werden und wir eine Extended/Unrated Edition oder auch einen Director’s Cut bekommen. Gerade die letzte Version soll eigentlich bedeuten, dass es sich um die vom Regisseur bevorzugte Fassung des Films handelt. Während Regisseure wie Woody Allen, Christopher Nolan und Martin Scorsese nie verlängerte Fassungen von ihren Filmen nachträglich veröffentlichen, sondern ihre Wunschfassungen bereits im Kino laufen (was leider bedeutet, dass wir nie den vierstündigen Cut von The Wolf of Wall Street zu sehen bekommen werden), gibt es Filmemacher, bei denen man verlängerte Fassungen von vorneherein erwartet, wie beispielsweise Peter Jackson.

ANZEIGE

Besonders berühmt für seine Langfassungen ist allerdings Ridley Scott. So haben Blade Runner und Königreich der Himmel enorm von ihren Director’s Cuts profitiert und beide gelten als zwei der besten Director’s Cuts überhaupt. Aber auch Filme wie Alien, Gladiator, American Gangster oder Robin Hood erhielten die von Scott später die von ihm bevorzugten Langfassungen. Doch überraschenderweise war es bei seinen letzten drei Filmen – Prometheus, The Counselor und Exodus – Götter und Könige – nicht der Fall, obwohl gerade Exodus nach einem klassischen Fall aussah, bei dem eine erweiterte Fassung einige Probleme des Films hätte beheben können.

Mit Der Marsianer – Rettet Mark Watney kommt diesen Oktober ein neues, bombastisches Werk von Ridley Scott in die Kinos, über den titelgebenden Astronauten (Matt Damon), der während einer Marsmission auf dem roten Planeten alleine strandet. Mit 142 Minuten ist Der Marsianer nicht gerade sehr kurz, doch die Laufzeit merkt man dem fantastisch unterhalten Film (Kritik folgt) nicht an. Als wir gestern die Gelegenheit hatten, Sir Ridley Scott persönlich zum Interview zu haben, konnten wir trotzdem nicht umhin, ihn zu fragen, ob denn eine verlängere Fassung von Der Marsianer geplant sei. Seine Antwort dazu: (aus dem Englischen)

Es existiert eine Langfassung von Der Marsianer. Sie ist 2 Stunden und 40 Minuten lang, also etwa 20 Minuten mehr als die Kinofassung. Sie ist zu lang fürs Kino, aber wir werden sie auf DVD veröffentlichen, wo sie meiner Meinung nach besser funktionieren wird. […] Wir haben einige ziemlich gute Szenen herausgeschnitten, die auch recht relevant sind.

Es sieht also aus, dass uns tatsächlich wieder ein Director’s Cut erwartet und im Gegensatz zu zahlreichen unnötigen Extended Editions, bei denen nur irrelevante Szenen eingefügt werden, soll es sich um eine sinnvolle Erweiterung des Films handeln. Bei Ridley Scott ist es allerdings auch nicht anders zu erwarten. Man sollte sich aber vielleicht noch nicht zu sehr freuen. Schließlich kündigte Scott auch zum Kinostart von Prometheus vor drei Jahren eine erweiterte Filmfassung zum Heimkinostart an, lehnte diese aber später doch ab und entschied sich, dass die Kinofassung seiner Wunschvorstellung entspricht. Nächstes Jahr werden wir es erfahren.

Unser vollständiges Interview mit Ridley Scott mit zahlreichen weiteren Informationen zu seinem neusten Film und seinen anderen Werken, werdet Ihr bald bei uns finden. Unten haben wir noch den Trailer zu Der Marsianer für Euch, der am 8. Oktober in unsere Kinos kommt.

  • Jörg Weese

    Hm, mal sehen – so brillant das Buch in seiner Behandlung der “Science” war, ein paar gefühlte Längen gab’s doch. Nachdem der Film aber offenbar wirklich hoch gelobt wird, kann ich mir vorstellen, dass auch die NOCH längere Fassung nicht lang-WEILIG wird. Gerade der Autor des Buchs scheint ja auch extrem zufrieden zu sein, wie er schon bei meinem Interview angedeutet hatte (da hatte er allerdings den ganzen Film noch nicht gesehen). Davon gibt’s übrigens auch inzwischen eine deutsche Übersetzung: http://blog.hillvalley.de/2015/09/spuren-auf-dem-mars/