Christopher Nolan Tenet Budget

Christopher Nolan am Set von The Dark Knight Rises (2012) © Warner Bros. Pictures

Quelle: Estonian Public Broadcasting

Auch wenn seine Anfänge mit Following und Memento recht bescheiden waren (aufwandtechnisch, nicht qualitativ!), ist Christopher Nolan inzwischen als ein Regisseur bekannt, der bei seinen Filmen klotzt und nicht kleckert. CGI wird nur bei absoluter Not eingesetzt und so viel wie möglich wird real gedreht. Auch wenn es manchmal bedeutet, Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg zu restaurieren und dann mit ihnen authentische Flugkämpfe zu drehen. Aufgenommen werden Nolans spektakuläre Bilder mit glorreichen IMAX-Kameras, sodass es sich immer lohnt, eine möglichst große Leinwand (oder am besten gleich ein IMAX-Kino) aufzusuchen, wenn auf einem neuen Film sein Name steht. Er ist im Prinzip die Regie-Version von Tom Cruise. Beiden ist daran gelegen, dass möglichst viel von dem, was der Zuschauer sieht, echt ist. Würden die beiden gemeinsam Gravity drehen, hätte Nolan Cruise bestimmt in die Erdumlaufbahn geschickt.

Dieses Bestreben nach Authentizität und dem Erhalt eines Kinoerlebnisses hat natürlich seinen Preis und dieser wird bei Nolans mysteriösem nächstem Film Tenet hoch sein. Wie der estnische Nachrichtendienst ERR berichtet, wird das Produktionsbudget des Films rund 200 Millionen Euro betragen. Nach aktuellem Kurs wären das etwa $227 Mio. Das macht Tenet zum zweitteuersten Film in Nolans Karriere nach The Dark Knight Rises, der $250 Mio kostete, sowie zu seinem mit Abstand teuerstem Originalfilm. Im Vergleich kosteten Inception und Interstellar jeweils $160 Mio bzw. $165 Mio. Trotz seiner unglaublichen Aufnahmen gingen für Dunkirk lediglich $100 Mio drauf, was vermutlich an der weitgehend unbekannten Hauptbesetzung lag. Mit diesem Budget wäre Tenet auch der kostspieligste Film aller Zeiten, der keinerlei Comic-, Roman- oder Franchise-Vorlage hat.

Woher weiß ausgerechnet der estnische Nachrichtendienst, was Nolans neuer Film kostet? Das liegt daran, dass ein wichtiger Teil des Streifens in Estland bei Tallinn entstehen wird. Ab Ende Juni soll dort gedreht werden. Ein Großteil des Pärnu Highways wird dafür 24 Stunden lang abgesperrt sein. Insgesamt sind €16 Mio des Budgets für den Dreh in Estland vorgesehen, davon sollen €5 Mio aus örtlichen Fördergeldern stammen.

Estland ist nur eins der vielen Länder, in denen Nolans Film entstehen wird. Insgesamt in sieben Ländern wird gedreht, darunter auch Indien, Großbritannien und Italien. Zu dem Film ist wenig offiziell bekannt, doch Gerüchten zufolge soll es sich um eine internationale Spionagegeschichte handeln – möglicherweise mit einem Zeitreiseelement. Da Zeit in vielen von Nolans Filmen ein sehr wichtiges Element ist, und er ein Riesenfan der James-Bond-Reihe ist, klingt dass nach einem perfekten Projekt für ihn.

Kein anderer Regisseur würde heutzutage so viel Geld bekommen, um eine komplett originelle (und damit nicht bewährte) Vision umzusetzen, doch Warner kann Nolan, dessen letzten fünf Filme alle jeweils mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar weltweit eingenommen haben und für insgesamt 29 Oscars nominiert wurde, bedingungslos vertrauen.

In Tenet spielen John David Washington (BlacKkKlansman), Robert Pattinson (The Rover), Elizabeth Debicki ("The Night Manager"), Clémence Poésy (Brügge sehen…und sterben?), Aaron Taylor-Johnson (Nocturnal Animals), der indische Filmstar Dimple Kapadia, Kenneth Branagh (Dunkirk) und natürlich Michael Caine mit. Es ist natürlich eine sehr ordentliche Besetzung, aber keine, die so viel Geld an Gagen verschlingen sollte wie die von Inception oder Insterstellar, weshalb der Großteil des Budgets wohl tatsächlich auf die Produktion selbst draufgehen wird.

Hoyte van Hoytema, der mit Nolan bereits an seinen letzten zwei Filmen zusammengearbeitet hat, ist wieder für die Kamera des Films verantwortlich, der natürlich wieder für IMAX-Kinos gedreht wird. Der oscarprämierte Komponist Ludwig Göransson (Black Panther) schreibt die Musik des Films.

Tenet wird voraussichtlich am 16.07.2020 in unsere Kinos kommen.