Jurassic World: Das gefallene Königreich (2018) Kritik

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Jurassic World 3
ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Gesamt

Jurassic World: Fallen Kingdom, USA 2018 • 128 Min • Regie: J.A. Bayona • Mit: Bryce Dallas Howard, Chris Pratt, Rafe Spall, Ted Levine, Jeff Goldblum, James Cromwell • FSK: ab 12 Jahren • Kinostart: 06.06.2018

Drei Jahre nach der Zerstörung des Freizeitparks Jurassic World wird in der Öffentlichkeit darüber debattiert, wie man mit den verbleibenden Sauriern auf der Isla Nublar umgehen soll, deren Existenz von einem Vulkanausbruch bedroht wird: die Tiere von der Insel evakuieren oder der Natur ihren Lauf lassen? Der US-Senat fällt schließlich in letzter Instanz den Entschluss, keine Finanzmittel für die Rettung der Dinosaurier zur Verfügung zu stellen. Das lassen Claire (Bryce Dallas Howard) und Owen (Chris Pratt) nicht auf sich beruhen und reisen kurzerhand selber auf die Insel, im Schlepptau ein Söldnertrupp, der von einem wohlhabenden Mäzen gestellt wird, um die Urzeittiere doch noch vor dem Untergang zu retten. Doch allmählich stellt sich heraus, dass die Absichten der Söldner keine guten sind…

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Nach der äußerst erfolgreichen Wiederbelebung der Dinosaurier-Franchise im Jahr 2015 war die Spannung groß, in welche Richtung der Nachfolger Jurassic World: Das gefallene Königreich gehen wird. Obwohl Jurassic World ein Megahit an den Kinokassen wurde, mehrten sich die Stimmen, die nach innovativen Einfällen riefen. Das haben sich Autor Colin Trevorrow und Regisseur J.A. Bayona zu Herzen genommen und den Ort der Handlung von der Isla Nublar aufs Festland verlegt. Die Parallelen zum zweiten Jurassic Park-Film Vergessene Welt sind dabei unverkennbar, dennoch ist der Film in der zweiten Hälfte sehr darum bemüht, eine ganz andere, originelle Richtung einzuschlagen, die es in der Form in der Filmreihe noch nicht zu sehen gab. Geglückt ist dieses Wagnis jedoch nicht, denn nach Verlassen der Insel übt sich der Film zwar in einer Art Horrorfilm, der ein bisschen an Camerons Alien erinnert: Raptoren die in den dunkelsten Winkeln lauern und die orientierungslosen Opfer jederzeit angreifen könnten – doch die ansteigende Spannungskurve wird torpediert durch den ständigen Griff in die Klischeekiste, sodass der filmerprobte Zuschauer nur noch gelangweilt abwinken möchte. Der negative Eindruck setzt sich fort mit zu vielen "gerade-noch-geschafft"-Situationen, in denen die Protagonisten in allerletzter Sekunde dem Tod von der Schippe springen. Diese schlechte Angewohnheit haben heutzutage alle Action-Blockbuster, könnte der Leser dieser Kritik nun erwidern. Das ist nicht abstreitbar, aber in dieser Vielzahl wie hier bekommt man derlei Szenen nicht oft aufgetischt. Ein Ärgernis, das für mich immer ein starkes Symptom für Einfallslosigkeit ist.

Schade, da wurde Potenzial verschenkt, denn die Idee, wie man die Saurier glaubwürdig aus dem Urwald holt und das Ganze auch noch effektvoll inszeniert, ist den Filmemachern durchaus gelungen. Die Massenszenen auf Isla Nublar sind eindrucksvoll gefilmt und münden in eine überragende und emotionale Schlussszene, die zu Tränen rühren kann. Hiernach geht’s aber nur noch bergab. Das, was viele nach Sichtung der Filmtrailer erwartet haben, hat sich Universal ganz offensichtlich für Teil drei aufgehoben, und so wirkt die Story in der zweiten Filmhälfte, als hätte Colin Trevorrow auf einer Toilettensitzung irgendwas zusammengeschrieben. Die schablonenhaften Figuren – eine Schwäche, die sich durch die gesamte Franchise zieht wie ein roter Faden – haben sich im Vergleich zum Vorgänger nicht weiterentwickelt und können das Ruder erst recht nicht herumreißen, selbst die lockeren Sprüche von Lebemann Owen, der von Chris Pratt gespielt wird, verfehlen ihre Wirkung viel zu oft und erweisen sich als Rohrkrepierer.

Soundtrack, Atmosphäre, Bildgewalt, Kamera sind – gerade in der ersten Stunde – auf allerhöchstem Niveau, können den Film aber garade noch ins Mittelmaß manövrieren. Da war mehr drin!