Amanda Seyfried war dieses Jahr in zwei grundverschiedenen Filmen im Kino zu sehen. Mit einer unvorhersehbaren Performance als augenscheinlich labile Hausfrau und Mutter begeisterte sie in der Bestsellerverfilmung The Housemaid – Wenn sie wüsste neben Sydney Sweeney Millionen Kinogänger:innen. Vergleichsweise lief ihr Auftritt als Mitbegründerin der Shaker-Bewegung in The Testament of Ann Lee trotz der Weltpremiere im offiziellen Wettbewerb in Venedig und der Deutschlandpremiere bei der Berlinale nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zusammen führen die Filme die Dualität der Karrieren von Hollywood-Superstars eindrucksvoll vor die Augen: Auftritte in kommerziell ertragreichen Filmen ermöglichen es ihnen, in weniger massentauglichen Filmen ihre schauspielerische Bandbreite zu zeigen – und Seyfried war noch nie besser als in The Testament of Ann Lee.
Ein Film wie The Testament of Ann Lee ist auf die Oscars oder andere renommierte Filmpreise angewiesen, um das Interesse des Arthouse-affinen Publikums zu wecken. Doch trotz positiver Kritiken und Seyfrieds grandioser Performance, spielte der Film im Oscar-Rennen keine Rolle. Lediglich eine Golden-Globe-Nominierung konnte die Schauspielerin ergattern. Zugegeben, ein historisches Musical über eine obskure Sekte im 18. Jahrhundert war nicht nur einem Massenpublikum schwer zu verkaufen, sondern auch den Oscar-Wählern.
Hoffentlich werden mehr Cineasten dem Film eine Chance geben, wenn er am 20. Mai hierzulande bei Disney+ erscheint. Lasst Euch vom Musical-Aspekt nicht abschrecken, denn der Film hat wenig mit Seyfrieds anderen Musicals wie Mamma Mia! oder Les Misérables gemeinsam. Regisseurin Mona Fastvold, die den Film gemeinsam mit ihrem Partner Brady Corbet (Der Brutalist) schrieb, hat die Gesangsszenen sehr organisch in die Handlung eingebunden und Filmkomponist Daniel Blumberg, der für Der Brutalist einen Oscar gewonnen hat und eine Nebenrolle in The Testament of Ann Lee spielt, orientierte sich bei der Musik und den Songs an den Hymnen der Shaker, die ihren Namen den ekstatischen Schütteltänzen während ihrer Gottesdienste verdanken.
Ich hatte im Februar das Glück, The Testament of Ann Lee bei einer 70mm-Vorführung in London in Anwesenheit von Seyfried, Fastvold und Blumberg zu erleben, die im Anschluss mit großer Leidenschaft über die Entstehung dieses außergewöhnlichen Films sprachen. Solche Herzensprojekte, die sich weit abseits des Mainstreams bewegen und aus dem Hollywood-Einheitsbrei hervorstechen, sollte man als Filmfan unterstützen. Falls Ihr den Film also im Kino verpasst habt – was angesichts der mickrigen Zuschauerzahlen in Deutschland auf die allermeisten von Euch zutreffen dürfte – gebt ihm auf Disney+ eine Chance!
Quelle: Disney+ Deutschland










