Chuck Norris ist tot. Während ich diese Worte schreibe, kann ich sie kaum fassen. Der Unbezwingbare, dessen Popularität lange nach dem Höhepunkt seiner Schauspielkarriere dank eines Internetmemes erneut entfachte, starb gestern früh unerwartet auf der hawaiianischen Insel Kaua’i. Das gab seine Familie über seinen offiziellen Instagram-Account bekannt. Kurz zuvor wurde bekannt, dass Norris aufgrund eines medizinischen Notfalls in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste; die genauen Umstände und die Schwere seines Zustands sind zu dem Zeitpunkt aber nicht ffentlich gemacht worden. Erst neun Tage zuvor feierte Norris seinen 86. Geburtstag und zeigte sich in einem Video in gewohnt robuster Form beim Box-Training, was den Schock über seinen Tod noch größer macht.
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Für viele Filmfans, die in den Achtzigern aufgewachsen sind, war Norris – gebürtig Carlos Ray Norris Jr. – der Inbegriff eines Actionhelden, eines wortkargen, stoischen Einzelkämpfers. Im Gegensatz zu seinen kommerziell erfolgreicheren Genre-Mitstreitern wie Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger war das Kampftalent von Norris echt. Er entdeckte den Kampfsport als seine Leidenschaft 1960, als er mit der Militärpolizei in Südkorea stationiert war. Zuerst erlernte er Tang-Soo-Do, später erlangte er als erster westlicher Mann überhaupt den 8. Dan in Taekwondo. Er erlangte schwarze Gürtel in Karate, Brazilian Jiu-Jitsu und Judo. Norris gewann die Karate-Weltmeisterschaft und gründete mehrere Kampfsportschulen, zu deren prominenten Schülern u. a. Steve McQueen und Bob Barker zählten. Schließlich begründete Norris 1990 einen eigenen Martial-Arts-Stil namens Chuck Norris System, in dem er mehrere Kampfsportarten miteinander kombinierte. Der Roundhouse-Kick wurde synonym mit Norris.
Während der Hochphase seines Martial-Arts-Trainings lernte er Bruce Lee kennen. Die beiden Männer freundeten sich an und trainierten gelegentlich zusammen. Eine seiner ersten Filmrollen verkörperte er 1972 als Lees Gegner in Die Todeskralle schlägt wieder zu, den Lee auch schrieb und inszenierte. Steve McQueen ermutigte Norris dazu, an der Schauspielerei dranzubleiben. Seine erste Hauptrolle übernahm Norris 1977 in Breaker, Breaker. Im darauffolgenden Jahr folgte der endgültige Durchbruch mit dem Actionfilm Der schwarze Tiger (OT: Good Guys Wear Black).
In den Achtzigern war Norris in zahlreichen erfolgreichen und häufig patriotisch angehauchten Actionkrachern wie McQuade, der Wolf (OT: Lone Wolf McQuade), Invasion U.S.A., Missing in Action, Delta Force und deren Sequels zu sehen. In den Neunzigern trat Norris im Kino kürzer auf und übernahm 1993 die Hauptrolle in der Kultserie "Walker, Texas Ranger", in der er bis 2001 zu sehen war. Norris kehrte 2005 im Fernsehfilm Walker, Texas Ranger: Feuertaufe (OT: Walker, Texas Ranger: Trial by Fire) zu der Rolle zurück.
In den letzten 20 Jahren war Norris nur noch in einer Handvoll Projekte wie The Expendables 2, Hawaii Five-0 und Agent Recon zu sehen. Dennoch kennen ihn auch die jüngeren Generationen, die vielleicht noch nie einen Film mit ihm gesehen haben, dank der humorvollen "Chuck Norris Facts", die dem Actionstar übermenschliche und zum Teil absurde Fähigkeiten zuschreiben. Norris selbst war sein überraschender Internet-Ruhm bekannt und er nahm es mit Humor.
Einen letzten Film gibt es noch, auf den Norris-Fans sich freuen dürfen: Vor seinem Tod drehte er die Zombie-Actionkomödie Zombie Plane ab, in der er eine fiktive Version von sich selbst verkörpert und Vanilla Ice (!) zum Bekämpfer von Zombies ausbildet. Der Film soll dieses Jahr erscheinen.
Quelle: Chuck Norris Instagram












