Cold Storage, USA/FR 2026 • 99 Min • Regie: Jonny Campbell • Drehbuch: David Koepp • Mit: Georgina Campbell, Joe Keery, Liam Neeson, Lesley Manville, Ellora Torchia, Sosie Bacon • Kamera: Tony Slater Ling • Musik: Mathieu Lamboley • FSK: ab 16 Jahren • Verleih: StudioCanal • Kinostart: 19.02.2026 • Deutsche Website
Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Drehbuch-Star David Koepp serviert der britische Regisseur Jonny Campbell mit „Cold Storage“ einen Action-Horror-Comedy-Mix, der an flüchtigen B-Spaß aus den 80ern erinnert. Wer beispielweise mit schleimigen Abenteuern à la Dan O’Bannons „Verdammt, die Zombies kommen“ eine gute Zeit hatte, sollte sich auch diesen Low-Brainer vormerken.
Die Story beginnt vor einigen Jahrzehnten in einer abgelegenen australischen Siedlung. Eine Weltraumkapsel ist dort zuvor gecrasht und hatte einen extraterrestrischen, parasitären Pilz an Bord, der die Einwohner auf groteske Weise dezimiert hat. Der Bioterror-Experte Robert Quinn (Liam Neeson) soll zusammen mit der Mikrobiologin Dr. Hero Martins (Sosie Bacon) die Situation evaluieren. Wie das in Stoffen wie diesem so ist, kommt es auch hier zu einem fatalen Zwischenfall. Dennoch kann die akute Gefahr ausgerottet und eine Probe in einem US-Bunker gesichert aufbewahrt werden. In der Gegenwart befindet sich nun ein Selbstlagerzentrum über der militärischen Anlage. Das Angestellten-Duo Naomi (Georgina Campbell) und Travis (Joe Keery) geht aus Langeweile einem Geräusch hinter einer Wand auf die Spur und gerät schließlich in den ursprünglich versiegelten Laborbereich. Der hochinfektiöse Organismus ist nach außen gedrungen und sucht nach menschlichen oder tierischen Wirten. Bis Hilfe in Gestalt von Quinn eintrifft, müssen sich Naomi und Travis vor infizierten Bedrohungen wie Naomis Ex, einer kriminellen Bikertruppe und sogar einem Hirsch in Sicherheit bringen …
Nach einem durchaus intensiven Einstieg im Stil von Robert Wises Science-Fiction-Klassiker „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ wechselt „Cold Storage“ zu seinen nerdigen Sympathieträgern. „Stranger Things“-Star Joe Keery und Newcomerin Georgina Campbell („Barbarian“) entwickeln als Travis bzw. Naomi eine Dynamik, die die reichlich überschaubare Story über weite Strecken trägt. Travis ist auf Bewährung und darf sich eigentlich keine Eskapaden leisten, während die überdrehte Naomi ihn zu immer mehr Blödsinn anzustacheln versucht. Tiefe Charaktere sind sie nicht, aber sie funktionieren im Dienste des absurden Trashfestes. Die Show stiehlt ihnen Action-Haudegen Liam Neeson als schlagfertiger Retter mit Bandscheibenvorfall. Wenn dieser aufgrund seines Rückenleidens auch am Boden liegend noch Zombies an der Flucht hindert, gehört das zu den humoristischen Höhepunkten des sicher insgesamt recht albernen Films.
Anders als viele Infizierte oder Untote in anderen Genrearbeiten können diese Pilzköpfe noch sprechen und werden dazu getrieben, sich weiter auszubreiten. Der sich ständig neu adaptierende Parasit hat seine Wirte ursprünglich dazu angeleitet, sich auf Dächer zu begeben und dort zu platzen, damit die Substanz auch über die Luft weitergeleitet werden kann. Das ist – ebenso wie die unterhaltsam visualisierten Infektionswege – ein moderater Ekelspaß selbst für jene, die harte Goreeinlagen wie in „Terrifier 2“ oder „The Sadness“ nicht gut wegstecken können. Mit seiner Affinität für schleimiges Material anstelle von literweise Kunstblut steht „Cold Storage“ in einer Tradition mit Splatstickstreifen der Marke „Tanz der Teufel 2“.
So kurzweilig Jonny Campbells erst zweiter Spielfilm auch ist, legt er leider zu oft die Handbremse an, wo vergleichbare Retrokracher wie Robert Rodriguez' Grindhouse-Beitrag „Planet Terror“ hemmungslos all-in gehen. Trotz Letzte-Sekunde-Countdown und einem explosiven Finale bleibt „Cold Storage“ letztlich zu brav und sicher, um ernsthaft um die Helden zu bangen. Daran ändert auch der kleine Schock aus dem Opener nichts. Wem allerdings nicht der Sinn nach düsterem Endzeithorror à la „28 Years Later: The Bone Temple“ steht und lieber einen unbeschwerten, wenn auch sehr schnell wieder vergessenen, Kinoabend mit zombieartigen Kreaturen verbringen möchte, liegt mit diesem irgendwie liebenswerten Quatsch nicht falsch.
Mit seiner Besetzungsliste aus den frischen Talenten Keery und Campbell sowie bewährten Stars wie den Oscar-Nominierten und Preistragenden Liam Neeson, Lesley Manville und Vanessa Redgrave könnte das Werk nach einer Reihe an Genre-Flops in diesem Frühjahr auch endlich wieder genug Interessierte zum Kinobesuch mobilisieren. Warten wir es ab …





