Tim Oliver Schultz und Paula Kalenberg im Interview

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Tim Oliver Schultz Paula Kalenberg Interview

Als krönenden Abschluss meines Interview-Marathons zu Systemfehler – Wenn Inge tanzt, hatte ich dei Gelegenheit, die beiden charmanten Hauptdarsteller des Films zu interviewen – Tim Oliver Schultz und Paula Kalenberg, die "Inge" aus dem Filmtitel.

Während Tim Oliver Schultz bisher vor allem im Fernsehen tätig war und seinen größten Kinoerfolg mit Die Welle gefeiert hat, wurde Paula Kalenberg durch ihre Auftritte in den Kinoerfolgen Die Wolke und Krabat bekannt. Dass die beiden bei den Dreharbeiten viel Spaß hatten und auch eine super Chemie haben, merkt man an der lockeren Art der beiden sofort. Begeistert erzählten sie mir von ihren neu erworbenen musikalischen Fähigkeiten, von ihrer Schulzeit und von dem Grund, warum Tim mittlerweile sehr viel Tee trinkt…

Filmfutter: Wenn die Leute, insbesondere die jungen Generationen, hören „deutscher Jugendfilm“, gibt es ja häufig viele Vorbehalte, wie ich finde. Seht Ihr das auch so?

Tim Oliver Schultz: Ich studiere Filmproduktion an der dffb (Anm.: Deutsche Film und Fernsehakademie Berlin) und selbst von den anderen Studierenden dort höre ich immer wieder: „Ich schaue keine deutschen Filme“. Und wenn dann noch das Label „Kinderfilm“ oder „Musikfilm“ dazukommt, gibt es extrem viele Vorbehalte, die Leute hegen und das ist unnötig. Letztlich finde ich, dass der Film (Systemfehler – Wenn Inge tanzt) extrem viel Spaß macht, dass es super Musik ist  und man ihn sich den auf jeden Fall anschauen sollte.

FF: Schaut Ihr viele deutsche Filme?

TOS: Durch Uni und den Job, ständig.

FF: Was war der letzte deutsche Film, abgesehen von Eurem, der Euch besonders gut gefallen hat?

Paula Kalenberg: Kaptn Oscar!

TOS: Von den Lass Brüdern.

PK: Ja, der war toll. Das sind zwei junge Filmemacher aus Berlin, die total schräge Filme machen. Sie improvisieren die kompletten Dialoge und das hat zur Folge, dass sie unglaublich authentisch wirken. Kaptn Oskar ist der erste größere Film von den beiden und er fängt die Stimmung einer ganzen Generation super ein, insbesondere die Orientierungslosigkeit – der ganze Film ist etwas orientierungslos. Es ist ein bisschen ähnlich wie bei unserem Film, insofern als dass er zeigt, wie die Jugend heutzutage ist. Man merkt, dass er von jungen Leuten gemacht ist.

TOS:  Auch Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel war ziemlich cool. Mit diesem ganzen Kreis von Menschen, auch mit Axel Ranisch, der Dicke Mädchen gemacht hat, ist es, glaube ich, sehr cool zusammen zu arbeiten. Es ist einfach etwas Neues, etwas Junges und hoffentlich die Zukunft.

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Tim Oliver Schultz und Paula Kalenberg in "Systemfehler – Wenn Inge tanzt"

FF: Für Dich ist es ja deine erste Komödie, Paula. Macht es Dir mehr Spaß als ernste Rollen zu spielen.

PK: Es fiel mir wie Schuppen von den Augen.

TOS: Dass du lustig bist! (beide lachen)

PK: Ja, genau, dass ist lustig bin. Ich hatte schon etwas Angst davor. Ich mache das (Schauspielerei) seit ich 14 bin und ich glaube ich habe bis jetzt für jeden verdammten Film einen Tränenstift gebraucht. Das ist so mein Ding – weinen, etwas Dramatisches erleben. Wenn man das lange macht, hat man irgendwann keine Tränenflüssigkeit mehr übrig (lacht). Dabei habe ich gerne viel Spaß und ich sage kaum einen Satz ohne Ironie. Es war sehr schön, endlich diese Seite zeigen zu können.

FF: Habt Ihr nicht irgendwann nach den unzähligen Takes das Lied „Wenn Inge tanzt“ satt gehabt?

PK: Erstaunlicherweise nicht. Ich finde es toll, ein Mega-Ohrwurm. Aber ich finde „Konsuminfarkt“ und „Alles ist scheiße“ (Anm.: andere Songs der Filmband „Systemfehler) gleichermaßen geil. „Alles ist scheiße“ ist mein Favorit. Es hat auch am meisten Spaß gemacht das zu spielen, auf der E-Gitarre. Ich habe mir die kompletten Hände aufgerissen. Wir mussten uns alles in drei Monaten einpauken und das war auch mit Hornhaut und Blut verbunden, also war es eine große Herausforderung.

FF: Wie gut seid Ihr denn mittlerweile?

TOS: Wir können uns natürlich noch nicht mit Vollblutmusikern messen. Ich wohne mit zwei Musikern zusammen und wenn einer gerade Bruce Springsteen in der Küche performt, da kann ich natürlich nicht mithalten. Ich kann die Lieder spielen, die wir eingeübt haben. Ich habe kürzlich ein Video gesehen von dem ersten Mal als ich „Wenn Inge tanzt“ gesungen habe und das war furchtbar. Es ist deutlich besser geworden. Die Tonhöhe zu treffen fällt mir inzwischen einfacher.

PK: Wir sind natürlich in erster Linie immer noch Schauspieler und wir haben sehr gesunden Respekt vor Vollblutmusikern. Es hat sich sogar gesteigert. Wenn man jetzt jemanden in der Einkaufsstraße Gitarre spielen sieht, denkt man nur noch „Wow“. Ich weiß wie viel Arbeit das ist. Es hat aber auch extrem viel Spaß gemacht.

TOS: Wir hatten in Köln einen kleinen Proberaum, in dem wir mit unserem Regisseur und unserem Coach immer geübt haben, aber auch ständig viel Quatsch gemacht haben. Wir haben die Lautstärke der Verstärker getestet, eigene Songs ausprobiert. Wir haben uns da richtig ausgetobt.

Tim Oliver Schultz Paula Kalenberg Interview 2

Tim Oliver Schultz und Paula Kalenberg bei der Premiere von "Systemfehler – Wenn Inge tanzt"

FF: Tim, ich habe gehört, dein Tee-Konsum ist gestiegen.

TOS: Ja, das stimmt. Ich bin jemand, der, wenn er etwas angeht, es auch richtig machen will. Der Regisseur hat zu mir gesagt: „Du wirst jetzt ein richtiger Sänger, ein Bassist und du sollst ein bisschen drahtiger werden“. Ich habe dann ziemlich schnell knapp sechs Kilo verloren, etwas Muskeln aufgebaut und wollte dann die Stimme und die Fingerarbeit hinkriegen. Und mein Gesangscoach hat mir Tipps gegeben, um die Stimme zu verbessern. Darunter war auch Tee – Salbei, Honig, Ingwer. Seitdem lief ich immer mit einer Kanne rum und habe nur noch Salbei-Ingwer-Honig-Tee getrunken.

FF: Eure Schulzeit, liegt ja schon ein bisschen her. Paula, Du bist ja Jahrgang ’86, Tim Jahrgang ’88. Habt Ihr euch bei den Dreharbeiten in die Schulzeit zurückversetzt gefühlt? Habt Ihr euch irgendwie wiedererkannt in den Schülern, die Ihr spielt?

PK: Ich war ja lustigerweise wirklich auf einer Waldorfschule. Sprich, den ganzen Öko-Aspekt des Inge-Daseins habe ich auch miterlebt. Ich war ein bisschen die „Öko-Trulla“, wie Inge. Ich fand es wahnsinnig strange, in diesem Schulgebäude zu drehen. Man saß wieder im Schulzimmer und saß automatisch etwas geradeR (setzt sich kerzengerade auf) und die Jungs, die aus der letzten Reihe alles kommentieren…das ähnelte schon ein bisschen einem Flashback.

TOS: Während meiner Schulzeit, war ich nie einer, der aus der hinteren Reihe die blöden Sprüche gerissen hat oder auf coolen Macker gemacht hat. Dann saß ich plötzlich da mit Constantin (von Jascheroff) und Thando (Walbaum) und wir waren plötzlich die „Chefs“ in der Klasse, die früher die Coolen waren und die blöden Sprüche gemacht haben. Das war eine interessante Erfahrung, derjenige zu sein, der die Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Es hat irgendwie total Spaß gemacht.

FF: Warum sollten die Leute Euren Film im Kino ansehen

TOS: Weil er wahnsinnig Spaß macht, weil die Musik toll ist, weil die Gags auf den Punkt sind und Emotionen rüberkommen, die wir beim Drehen gehabt haben.

PK: Weil der Film wirklich Spaß macht. Er hat Spaß gemacht bei der Produktion und ich glaube den Spaß hat auch der Zuschauer. (imitiert den hypnotisierenden Kaa aus Das Dschungelbuch) Schaut ihn euch an, er macht Spaß, er macht wirklich Spaß.

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Systemfehler – Wenn Inge tanzt läuft seit dem 11.07. in den deutschen Kinos (unsere Filmkritik)

Interview mit dem Regisseur Wolfgang Groos

Interview mit Peter Kraus