Spectre, GB/USA 2015 • 148 Min • Regie: Sam Mendes • Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan, Jez Butterworth • Mit: Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux, Monica Bellucci, Ralph Fiennes, Dave Bautista, Naomie Harris, Andrew Scott, Ben Whishaw, Stephanie Sigman • Musik: Thomas Newman • FSK: ab 12 Jahren • Verleih: Sony Pictures • Kinostart: 5.11.2015 • Website

Spectre (2015) Filmbild 1Vor neun Jahren verdiente sich James Bond nach vierjähriger Abstinenz erneut den Doppelnull-Status und hatte seinen Einstand mit Casino Royale. Martin Campbell setzte mit seinem Film nicht nur die Bond-Filmreihe neu auf, sondern auch den Charakter selbst. Er etablierte einen kühleren, härteren Agenten, der trotz wuchtiger Präsenz stark unter menschlicher Apathie litt und sich so schnell unsympathisch machte. In Ein Quantum Trost stülpte Marc Foster der nicht-mehr-so-charmanten Doppelnull trotz des emotional aufbrechenden Finales in Casino Royale wieder die Scheuklappen über und ließ ihn als rachsüchtigen Wüterich auf die Jagd gehen. Umso erfreulicher war es dann, dass Sam Mendes seinen Bond wieder deutlich charismatischer und cooler aufspielen ließ und auch an dessen menschlicher Seite interessiert war. Zum 50. Geburtstag zelebrierte er mit Skyfall zudem eine perfekte Mischung aus altem und neuem Bond. Rückblickend sieht es aber so aus, als ob dies nur ein schleichender Übergang gewesen ist.

Spectre (2015) Filmbild 2Nicht nur positionierte Mendes seine Charaktere wieder klassisch – machte M männlich, ließ Moneypenny zurückkehren – im 24. Bond-Abenteuer fühlt sich noch so einiges mehr nach vergangenen Zeiten an. Das mag den einen in nostalgische Hochgefühle versetzen, den anderen laut aufseufzen lassen – das ist aber egal, denn es funktioniert nicht gut. Wo sich das Filmgefühl sehr klassisch zeigen will, strebt der Plot ins Moderne. Der große Bösewicht ist hier die Überwachung, die nicht nur James Bond, sondern gleich das gesamte MI6 in Bedrängnis bringt. Letzteres allein wurde schon zigmal durchgekaut und versteht sich auch nicht mit dem angestrebten Ambiente. Dazu sind Bonds lakonische Sprüche und die immer ganz locker sitzenden Gags oft sehr angestrengt und kleine Verweise auf alte 007-Filme sehr unpassend in das Geschehen eingebunden.

Spectre (2015) Filmbild 4Dafür beginnt Spectre mit einem der beeindruckendsten Bond-Film-Prologe überhaupt. Erst serviert der Film uns eine One-Shot-Kamerafahrt durch den „Tag der Toten“ in Mexiko, es folgt eine hitzige Verfolgungsjagd, die in einen spektakulären Kampf an Bord eines fliegenden Hubschraubers mündet. Auch sonst steht Sam Mendes’ zweiter Bond ganz im Sinne des mexikanischen Feiertages. Während Sam Smiths grandioser „Writing’s On The Wall“ läuft, zeigen sich die diesmal wieder relativ unspektakuläre Opening Credits als kleiner Rückblick auf die letzten drei Bond-Abenteuer. James muss sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen und infiltriert auf diesem Weg ein geheimes Treffen einer zwielichtigen Organisation, das alte und neue Wunden offenlegt. Zur Informationsbeschaffung legt er eben mal die frisch verwitwete Lucia Sciarra (Monica Bellucci) flach, die dem Agenten natürlich nicht widerstehen kann (ernsthaft?), nur um danach nie wieder aufzutauchen. Auch der Liebesakt mit dem zweiten Bond-Girl bekommt einen mehr als schwachsinnigen Aufbau; Léa Seydoux‘ (Blau ist eine warme Farbe) Figur kitzelt dafür immer wieder das nötige Quäntchen Menschlichkeit aus dem verblassten Kult-Agenten heraus (ähnlich wie Eva Green in Casino Royale).

Spectre (2015) Filmbild 3Der Ton, den Spectre danach anschlägt, ist lange nicht so düster wie im Trailer versprochen, macht das Agenten-Spektakel mit seiner leicht albernen Action aber durchaus unterhaltsam, da diese sich nicht zu ernst nimmt. Folglich können in der kultigen Schnee-Action, die die drei Vorgänger vermissen ließen, auch mal die Skier gegen andere Sachen eingetauscht und trotzdem über die eisige Glätte gerutscht werden. Auch Dave Bautista macht mit seiner immensen Physis dabei eine gute Figur. Den besten Auftritt hat jedoch Christoph Waltz (Inglourious Basterds), der zwar lange auf sich warten lässt, dann aber allen die Show stielt. Obwohl sein Auftreten als Bösewicht längst ausgelutscht sein müsste, schafft er es, mit seiner Performance einen mysteriösen und furchteinflößenden Widersacher aufbaut.

Fazit

Sam Mendes setzt im 24. Bond-Film etwas zu sehr auf die alte Schule und zieht seine perfekt ausgewogene Mischung aus Skyfall  damit ins Ungleichgewicht. Dafür lassen sich einige andere Zutaten weiterhin gut sehen und Christoph Waltz brilliert in seiner Schurkenrolle.

Trailer

Eine zweite Kritik zu dem Film findet Ihr hier.