Where to Invade Next Michael Moore

Quelle: Michael Moore Twitter

Michael Moore ist zweifelsohne der weltweit bekannteste und kommerziell erfolgreichste Dokumentarfilmer, doch seit seiner Finanzkrise-Abhandlung Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte vor sechs Jahren, hat man vom kontroversen Regisseur, der selten mehr als 2-3 Jahre zwischen seinen Projekten verstreichen ließ, überraschend wenig gehört. Wie sich herausstellt, war er aber nicht untätig und während niemand (außer die NSA, vielleicht) zugeschaut hat, hat er seinen neuen Film im Geheimen abgedreht und wird ihn schon nächsten Monat beim Toronto International Film Festival vorstellen. Der Titel lautet Where to Invade Next und beschäftigt sich, wie man es bei Moore auch nicht anders erwarten würde, mit einem heiklen, politisch geladenen Thema, das auf Missstände in Moores Heimatland hinweist und sicherlich wieder so einige Kontroversen nach sich ziehen wird. Nachdem Moore mit der US-amerikanischen Waffenpolitik, dem Krieg gegen den Terror, dem Gesundheitssystem der USA und der Finanzkrise von 2007 abgerechnet hat, wendet er sich in seiner satirischen Doku Where to Invade Next der Militärindustrie der USA zu und stellt die nicht-sehr-gewagte These auf, dass diese hinter so einigen vergangenen, aktuellen und künftigen Kriegen der USA maßgeblich steckt.

Über Twitter gab Moore die Premiere seines neusten Films bekannt und Auszüge aus seiner Ansprache haben wir für Euch unten übersetzt. Das komplette Video findet Ihr außerdem darunter angehängt.

Das Thema der Vereinigten Staaten in einem endlosen Krieg ist etwas, das mich seit geraumer Zeit beschäftigt hat und bietet die nötige Satire für den Film. […] Das Geheimnis ist jetzt raus: ich habe einen neuen Film. Wir sind sehr aufgeregt darüber, dass er in Toronto Premiere feiern wird. Ich habe mich bislang bedeckt gehalten, was die Herstellung des Films angeht […] Ihr habt vermutlich nicht viel von mir gesehen. Wir haben uns sehr bemüht, diesen Film unter Verschluss zu halten […]

Wir leben alle in dieser Zeit, sicherlich nach 9/11, in der wir alle erlebt haben, was in diesem Land vor sich geht, dauerhaft auf der Suche nach einem Feind – "wo ist unser nächster Feind?" – sodass wir den gesamten Militärindustrie-Komplex am Leben erhalten können und die Unternehmen, die damit viel Geld machen. Mich hat das schon immer ein wenig gestört und daraus beziehe ich den Humor für den Film.

 

An diesem Punkt werde ich mich auch als jemand outen, der mit Michael Moore herzlich wenig anfangen kann. Sein Einfluss auf Dokumentarfilme ist unbestreitbar, ebenso wenig die Tatsache, dass Bowling for Columbine ein lustiger und relevanter Film ist, der ein wichtiges Thema leicht verdaulich vermittelt. Doch für mich ist Moore, dessen Ansichten ich häufig teile, einfach kein sonderlich guter Dokumentarfilmer, denn ihm liegt der Unterhaltungswert seiner Filme über tatsächlicher Fakten-Recherche und der Informationsvermittlung. Dass man Unterhaltung und gute Wissensvermittlung deutlich besser kombinieren kann, haben hingegen die Macher von Filmen wie Inside Job und The Act of Killing eindrucksvoll gezeigt. Moores Fahrenheit 9/11 ist bis heute der schwächste Gewinner der Goldenen Palme in Cannes, den ich je gesehen habe, und keiner wird bestreiten, dass jener Sieg vor allem ein politisches Statement war, denn die tatsächlich Auszeichnung eines guten Films. Es ist schade, dass Moore, der in der Lage ist, im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen, ein so großes Publikum zu erreichen, schon länger keine wirklich guten Filme mehr gemacht hat.

Dennoch bin ich mir bewusst, dass er auch zahlreiche Anhänger hat und diesen möchte ich die Vorfreude auf Where to Invade Next nicht verderben. Vermutlich noch vor Ende des Jahres soll er in den US-Kinos starten und wird vielleicht auch beim kommenden Oscar-Rennen mitmischen, bei dem Moore seit seiner Nominierung für Sicko nicht mehr vertreten war.